(Bild: Dieter Stork)SOUND
Grundsätzlich stehen die gleichen Effekte und Module wie beim alten Helix zur Verfügung. Über Updates werden jedoch immer weitere hinzugefügt, sodass die neue Generation irgendwann eine noch größere Auswahl bieten wird. Über die Editorsoftware am Rechner, die sich mittlerweile übrigens auch per Netzwerk mit dem Helix verbindet, USB ist optional, können auch ganze Presets importiert werden.
Im Kern sind sich die Sounds dabei auch sehr ähnlich. Um das genauer zu untersuchen, habe ich einen A/B-Vergleich durchgeführt. Dazu habe ich das Helix Stadium per USB mit dem Rechner verbunden und es über diese Verbindung sowohl zum Aufnehmen als auch zum Reamping genutzt. Auf einem zweiten Kanal in der DAW habe ich Helix Native, also die VST-Version der alten Generation geladen und in beiden Fällen die gleichen Blocks mit identischen Einstellungen eingefügt.
Mein Klanggedächtnis hat mich nicht im Stich gelassen: Beim ersten Test kamen mir die Sounds und das Verhalten sehr bekannt vor. Im Vergleich sind jedoch Unterschiede wahrnehmbar. Die neue Plattform bietet eine etwas bessere Dynamik beim Spielen, Sounds am „Edge of Breakup“ kleben noch besser an den Fingerspitzen und reagieren feiner auf das Gespielte.
Auch stark verzerrte Sounds wirken klarer und direkter. Im Bereich Modulation, Delay, Reverb und Dynamikeffekten sind die Differenzen hingegen nicht so groß. Zumindest nicht in den Settings und Modellen, die ich getestet habe.
Die Unterschiede sind nicht wie Tag und Nacht, aber insbesondere im Direktvergleich deutlich spürbar. In Zukunft soll auch das aktuell gerade im Trend liegende Profiling, also das Analysieren und Kopieren eines Verstärkers oder Pedals möglich sein, diese Funktion existiert in der derzeitigen Firmware allerdings noch nicht.
DAS GEHIRN DER BAND
Noch viel spürbarer ist die Erweiterung des Konzepts der neuen Helix-Generation. Line 6 hört offenbar nicht nur auf User-Feedback, man macht sich auch eigene Gedanken und bringt Ideen, die den Markt und die Bühnen verändern sollen und in meinen Augen auch können.
Helix Stadium soll nicht nur die Zentrale für tollen Sound sein, sondern auch als Schaltzentrale für Live-Setups dienen. Zu diesem Zweck sind Multitrack- und Mixer-Funktionen vorgesehen. Auf der verbauten und bei Bedarf austauschbaren SD-Karte können nicht nur Backups, sondern auch Stems und Tracks im Wave-Format hinterlegt werden.
Diese Dateien können dann in Songprojekte eingefügt werden, die sich wiederum in Setlisten organisieren lassen. Jeder Song kann, ähnlich wie in einer DAW in Taktart und Tempo eingestellt und entlang der Timeline mit Markern versehen werden.
Der Funktionsumfang dieser Marker umfasst simple Bereich-Marker, die etwa den Beginn des Chorus markieren sollen, aber auch konkrete Funktionen. Das Abfeuern von MIDI-Signalen, das Umschalten von Presets und Snapshots, aber auch die Bedienung des integrierten Loopers oder des Metronoms sind möglich, nur um nur die Basics zu nennen.
So ziemlich jede Funktion des Geräts kann mit einer Position im Song verknüpft werden. So ist es durchaus möglich, dass ein Helix Stadium einen Computer für den Live-Einsatz ablösen kann. In meinen Augen ist das ein großartiges Konzept, das für die Weitsicht des Herstellers spricht. Derzeit ist es noch nicht möglich, die Marker am Computer per Editor zu programmieren, das würde diese Aufgabe noch etwas beschleunigen. Ich denke aber, diese Funktion wird noch kommen.
Damit im Live-Betrieb programmierte Click-Tracks nicht auf dem Main-Out und damit der PA landen, ist ein vollwertiger Matrix-Mischer integriert, bei dem alle Signalquellen für jeden der Ausgänge separat eingestellt werden können.
Erreicht wird dieser durch den Druck auf einen der Output-Taster auf der linken Gehäuseseite. Drücke ich auf das Kopfhörersymbol, wechselt zunächst die Belegung des Volume-Potis auf den Kopfhörerausgang und drücke ich ein weiteres Mal, öffnet sich der vollständige Mischer.
Hier kann ich alle Signale ganz bequem zueinander in der Lautstärke inklusive Mute und Solo einstellen. Zunächst natürlich das Signal des eigenen Instruments, aber auch die Lautstärken des Playbacks über die USB-Kanäle und eben der gespeicherten Songs lassen sich einstellen.
Für das Instrumentensignal und die Backing-Tracks lassen sich sogar die Pegel der einzelnen Spuren im Preset bzw. der einzelnen Tracks unabhängig von ihren im Preset eingestellten Werten pegeln. Überaus praktisch! Sehr praktisch für Übungszwecke ist auch der integrierte Bluetooth-Empfänger, über den z.B. vom Handy aus Musik eingespielt werden kann.
Und natürlich kann auch dieser Signalweg im Mischer eingestellt werden.
RESÜMEE
Das Thema Sound ist für viele heute kein entscheidendes Kaufargument mehr, wenn es um Modeler geht. Wichtiger sind Funktionsumfang, Bedienbarkeit und die Einbindung in den eigenen Workflow. Genau hier setzt das Helix Stadium an.
Klanglich hat sich gegenüber der Vorgängergeneration zwar ebenfalls noch etwas getan, die wirklich spannenden Neuerungen liegen jedoch im wachsenden Ökosystem und im Konzept einer umfassenden Show-Verwaltung. Wenn man berücksichtigt, wie konsequent Line 6 bereits die vorige Helix-Generation über Jahre hinweg mit Updates versorgt hat, darf man auch hier gespannt sein, wohin die Reise noch geht. Unabhängig davon ist das Helix Stadium schon jetzt ein beeindruckend ausgereiftes System.
Plus
- Sound
- Sehr gutes Bedienkonzept trotz teils komplexer Funktionen
- Zukunftssichere Hardwareschnittstellen
Minus
- Editor unterstützt noch nicht alle Funktionen des Geräts
Übersicht
| Fabrikat |
Line 6 |
| Modell |
Helix Stadium XL Floor |
| Typ |
Amp-Modeler/Multi-FX |
| Bedienfeld |
11 Encoder, 12 Fußschalter, 13 Taster, 1 Expression-Pedal |
| Anschlüsse |
2x Instrument, 2x Expression, 1x Mic, 4x FX-Loop, 1x XLR Out (Stereo), 1x Balanced Out (Stereo), 1x Kopfhörer, 1x S/PDIF, 1x MIDI In/Out, 1x USB-A, 1x USB-C, 1x Ethercon Nexus, 1x microSD |
| Spannung |
Kaltgerätestecker mit Netzschalter |
| Gewicht |
5,25 kg |
| Größe |
110 x 492 x 262 mm |
| Preis (Street) |
ca. € 2299 |
(erschienen in Gitarre & Bass 06/2026)