G&B Basics!

Gibson P-90 Pickup

Für diesen Klassiker drehen wir die Zeit noch einmal um ein paar Jahre zurück, denn der P.U.90, wie er bei Gibson bezeichnet wird, wird meines Wissens seit 1946 bis heute ununterbrochen gebaut!

Gibson P-90 Pickup
Ein wahrer Klassiker: Gibson P-90

Anders als die Strat- und Tele-Pickups ist der P-90 mit sechs verstellbaren Polschrauben ausgestattet, die eine individuelle Feinjustierung der Lautstärke für jede einzelne Saite ermöglichen. Das war damals ein wichtiges und beliebtes Feature, denn die G-Saite war noch umsponnen und insbesondere die H-Saite, aber auch die hohe E-Saite waren viel dickere Drähte als heute und erzeugten ein entsprechend stärkeres magnetisches Wechselfeld als beispielsweise die umsponnene G-Saite mit ihrem relativ dünnen massiven Kern.

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Aus technischer Sicht ist die Konstruktion des P-90 eher unkonventionell, denn die beiden Blockmagnete, die unter der Spule platziert sind, werden mit gleichen Polen zueinander positioniert, sodass der innenliegende Magnetpol über die ferromagnetischen Schrauben nach oben zu den Saiten geführt wird.

Als ich das erste Mal einen Magnethersteller besuchte, konnte dieser überhaupt nicht verstehen, wie man auf solch eine Idee kommen konnte, die Magnete mit gleichen Polen aneinander zu positionieren und so eine Schwächung der Magnete zu provozieren. Der kräftige und nicht so scharfe Ton des P-90 ist sowohl auf typische Spezifikations- als auch auf Konstruktionsmerkmale zurückzuführen.

Die Spule des P-90 wird typischerweise mit 10.000 Windungen des Plain-Enamel-Drahtes der Stärke AWG 42 gewickelt und hat eine deutlich niedrigere Resonanzfrequenz als ein durchschnittlicher Strat-Pickup, dessen Spule nur mit ca. 8000 Windungen gewickelt wird. Dazu kommt die Spulengeometrie: Der Wickelraum des P-90 ist nur 6,4 mm hoch, während er bei einem Strat-Pickup ca. 11 mm hoch ist. Selbst bei gleicher Windungszahl wäre die P-90-Spule um einiges breiter als die Strat-Spule.

Die Auswirkungen liegen auf der Hand: Speziell die äußeren Windungen der P-90-Spule sind länger, haben also einen höheren Gleichstromwiderstand pro Windung und setzen die Resonanzfrequenz herab. Auch die höhere Windungszahl erhöht die Induktivität der Spule und setzt damit die Resonanzfrequenz herab.

Gibson P-90 von innen
Und einmal von innen….

Das relativ schwache Magnetfeld des P-90 und die Geometrie des Feldes führen zu einer größeren Apertur (= Öffnungsweite) und tragen ebenfalls zum relativ niedrigen Resonanzfrequenz-Wert bei. Alle Parameter zusammen erklären den kräftig singenden Klang des P-90, der zwar aggressiv sein kann, aber nicht so schneidend scharf wie der eines Strat-Pickups. Da der P-90 ein reinrassiger Einspuler ist, treten auch keine Frequenzauslöschungen wie beim Humbucker auf, sodass er ein fettes Klangbild mit brillanter Dynamik liefert.

Der typische Gleichstromwiderstand eines P-90 liegt bei knapp über 8 kOhm. In Abhängigkeit von Wicklungstechnik (locker oder fest), Toleranz des Drahtdurchmessers und der tatsächlichen Windungszahl variiert der Gleichstromwiderstand zwischen ca. 7,5 und über 9 kOhm. André Duchossoir beschreibt in seinem Buch „Gibson Electrics“, dass die alten Wickelmaschinen zwar ein Zählwerk besaßen, aber vermutlich keine automatische Abschaltung und so die Differenzen zu erklären sind.

Der P-90 wird so konstruiert, dass er von oben in die Deckenfräsung einer Jazz-Gitarre montiert werden kann. Dazu werden Spule und Magnete auf eine Neusilberplatte geschraubt, die an den beiden Stirnseiten so gebogen ist, dass deren Füßchen länger sind als die Fräsung der Gitarrendecke und die Einheit so im Korpus hängen kann. Der Pickup wird mit einer schwarzen Kunststoffkappe abgedeckt und beides zusammen mit zwei Holzschrauben auf der Decke fixiert. Die beiden seitlichen Ohren der Kappe geben dem Pickup schließlich seinen Spitznamen: Dog Ear.

Als Gibson 1952 die erste Solidbody-Gitarre baute, wurde die heute eher bekannte Soapbar-Form des P-90 entwickelt. Dies ist ein Quader mit großzügigen Radien an den Kanten, der einfach von oben in die Fräsung der Solidbody-Gitarre gelegt und mit zwei Schrauben fixiert wird. Im Gegensatz zu der Dog-Ear-Version erlaubt der Soapbar eine Höhenjustierung, sodass der Abstand zu den Saiten eingestellt werden kann. Die Grundkonstruktion des P-90 ist über die Jahre gleich geblieben, obwohl es sehr viele Varianten gibt.

P90 mit Sicht auf die beiden Magnete.
… und mit Sicht auf die beiden Magnete.

Hier ein paar wissenswerte Details:

Die Grundplatte der Dog-Ear-Version wurde früher immer aus 0,8 mm starkem Neusilberblech gebogen, später auch aus Messingblech. Die Grundplatte der Soapbar-Version gibt es aus Neusilber mit hochgebogenen seitlichen Kanten und (so wie der P-90 Soapbar heute meist hergestellt wird) mit einer Grundplatte aus Messingblech ohne seitliche Abkantung.

Die beiden Blockmagnete, die zwischen Grundplatte und Spulenkörper sitzen, waren immer aus einer AlNiCo-Legierung. In den 40er-Jahren waren das vermutlich AlNiCo II und IV, später dann AlNiCo V, die Maße sind (LBH): 2,5“ x 0,5“ x 0,125“, das entspricht 63,5 x 12,7 x 3,175 mm. Der Spulenkörper des P-90 wird heute im Spritzgussverfahren aus ABS-Kunststoff hergestellt. Es gibt aber auch handgebaute Spulenkörper, bei denen Ober- und Unterteil aus mehrschichtigem Kunststoff bestehen (so wie die Schlagbretter) und die mit einem Mittelsteg verklebt sind, durch den die Polschrauben geführt werden.

Einen großangelegten P-90 Vergleichtstest findest du in unserem P-90-Special!

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Es ist sichtbar unter den Magneten der alten Gibson P 90 Hackschnitzel, wofür werden sie verwendet?
    Danke für die Antwort.
    Herzlich

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  1. P-90 Pickups: The Beauty of the Beast › GITARRE & BASS

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