New Player Generation

Fender Player Plus Active Meteora Bass im Test

Anzeige
(Bild: Dieter Stork)

Während ich diese Zeilen schreibe, bietet das aktuelle Fender-Programm ein Aufgebot von 24 verschiedenen Jazz Bässen, gefolgt von 18 Precisions. Abseits dessen finden sich lediglich vier Mustangs und immerhin zwei der relativ jungen Jaguar Bässe. Einsamer Neuzugang ist der Meteora Bass, der gerne mehr sein darf als ein kurzes Aufleuchten in der Atmosphäre!

Meteōros ist übrigens Griechisch für „hoch in der Luft“. Und wie macht sich der Meteora in den Tiefen des Bassregisters?

Anzeige

KLASSISCHE KONSTRUKTION

Der Korpus des Meteora-Basses ähnelt … nun ja, eigentlich nichts, was man aus dem klassischen Fender-Bass-Pantheon kennt. Und das ist gut so, denn die bekannten Formen werden ja zur Genüge und in allen Preisklassen angeboten. Übertragen wurde die Form von der Meteora-Gitarre, die das erste Mal 2018 in der limitierten Parallel-Universe-Kollektion auftauchte und damals schon träumen ließ, wie das wohl als Bass aussähe. Der verschobene Zuschnitt lässt die Offset-Taille eines Jazz Basses vor Symmetrie erblassen, die Hörnchen geben sich stummelig und sehr un-fenderig.

Immerhin ist das Holz traditionell gewählt: Der Body ist in jeder der vier erhältlichen Farbvarianten aus Erle. Beim Testbass ist er in einem 3-Ton-Sunburst lackiert, bei dem der Rot-Ton fast ein bisschen verschwindet. Sauber gemacht ist das Finish aber auf jeden Fall. Das Schlagbrett ist dreilagig in Mint Green und suggeriert einen leichten Vintage-Grünstich. In der Form erinnert mich das an die kurzlebigen Danelectro/Coral/Silvertone-Wasp-Bässe aus den späten 60ern.

Die beiden Pickups laufen unter dem Namen Fireball und sind unschwer als Humbucker im doppelten Jazz-Bass-Format zu erkennen. Ähnliche Formate kennt man schon von der ersten Generation des 1995 eingeführten US-Deluxe-Precis, oder vom Blacktop Precision, deren Pickups aber jeweils nicht identisch mit den Fireballs sind. Eingebaut sind sie so, dass die vordere Spule des Halstonabnehmers da sitzt, wo ein herkömmlicher Jazz-Bass-Einspuler verortet ist, während die vordere Spule des Stegabnehmers die 70er-Position beim Jott markiert.

Das Plus in der Player-Plus-Serie bedeutet, dass bei den Bässen die Elektronik eine aktive ist. Neben Volume- und Balance-Reglern stehen ein konzentrisches Poti für Höhen und Bässe sowie ein Einzelpoti für die Mitten zur Verfügung. Die Klangregelung wird mit 18-Volt-Batteriespannung aus den beiden ohne Werkzeug zu öffnenden Fächern auf der Rückseite betrieben. Per Minischalter kann auf passiv umgeschaltet werden.

HiMass-Bridge & Fireball-Humbucker (Bild: Dieter Stork)

Eine beliebte Wahl für die „besseren“ Fender-Bässe ist die Hi-Mass-Brücke, die firmeneigene BadAss-Interpretation. Die macht auf dem Meteora wie immer einen soliden Eindruck, die Saiten werden durchgefädelt und können dann in Höhe und Oktavreinheit verstellt werden.

(Bild: Dieter Stork)

Obwohl der Ahornhals ein aufgeleimtes Ahorngriffbrett hat, bekam er trotzdem einen Skunk-Stripe. Im Finish ist er matt, bis auf die klassische Kopfplatte, deren Vorderseite hochglanzlackiert ist. 20 Medium-Jumbo-Bünde gibt es zu bespielen, schwarze Dots markieren die Lagen. Die Mechaniken sind offene Typen, die okay funktionieren. Um genug Druck im synthetischen Knochensattel zu haben, gibt es einen Niederhalter für D- und G-Saite, bei E und A muss man darauf achten, genug Saite auf die Mechanik zu wickeln. Die Breite des Halses ist 38 mm am Sattel, mit einer modernen C-Form – typisch moderner Jazz Bass also. Da den nun mal viele als angenehm und leicht spielbar empfinden, ist das keine schlechte Wahl.

Zum Wohlbefinden tragen auch die gerundeten Griffbrettkanten bei. Diese „Rolled Edges“ imitieren das Gefühl ewig langer und eben „rund gespielter“ Vintage-Basshälse und lösen bei mir jedes Mal, wenn ich den Testbass in die Hand nehme, ein Lächeln aus. Insgesamt ist der Bass minimal größer als ein normaler Jazz Bass, mit manchen Taschen könnte es da schon knapp werden. Gut, dass Fender schon eine dazu gibt!

FRISCHER SOUND

Bei einem Bass dieser Form, mit langer Mensur und dem vorderen Gurtpin zu den höheren Lagen hin versetzt, ergibt sich die Frage fast zwangsläufig: Nicht, OB der Bass kopflastig ist, sondern WIE kopflastig er ist. Zu meinem Erstaunen muss ich sagen: gar nicht mal so sehr. Natürlich zieht der Headstock nach unten, aber nicht mehr als bei den meisten Jazz- und Precision-Bässe auch. Mit einem breiteren und/oder raueren Gurt ist das locker in den Griff zu bekommen. Da scheinen das ausladende Heck und das mittlere Gewicht zur Balance beizutragen, auch im Sitzen.

Der nächste, ebenso naheliegende Gedanke ist: Sind die tiefen Lagen nicht etwas weit weg? Hier ist die Antwort ein klares Jein. Etwas mehr strecken muss ich mich schon, aber bei weitem nicht so, dass es unbequem wird. Auch die Stimmmechaniken sind noch gut erreichbar, was vermutlich nicht mehr so wäre, hätte der Bass einen Reverse-Headstock, der ihm ansonsten durchaus stehen würde. Bei unserem Testbass lässt sich die Saitenlage sehr komfortabel justieren.

Dass er trotz fast geraden Halses schnarrfrei ist, spricht für eine sehr gute Bundabrichtung. Auffällig ist, dass Fender sich offensichtlich Gedanken gemacht hat, wie der Hals im Verhältnis zur Höhe der Brücke sitzen soll. Bauen manche Firmen auch gute, dicke Brücken auf ihre Bässe, so ist die Saitenlage dann manchmal mangels Halswinkel nicht wirklich flach zu bekommen. Beim Meteora ist Fender das Thema so angegangen, dass der Hals höher aus der Halstasche heraussteht als üblich, und die HiMass-Bridge so genug Spiel zum Einstellen hat.

An die Position der Klinkenbuchse muss ich mich erst mal gewöhnen. Die sitzt – wenig ungewöhnlich – in einem stabilen Buchsenblech in der Zarge, aber relativ weit vorne. Ein gerader Stecker zeigt also etwas schräg gen Hals. Generell würde ich eine Winkelklinke empfehlen, cooler hätte ich eine Buchse im Heck gefunden.

Wie auch immer, der Sound aus dem Amp überzeugt passiv und mit beiden Pickups sofort. Angenehm fett, aber auch als Humbucker mit spritzigen Höhen. Sicherlich auch ein Resultat der parallel verdrahteten Spulen. Beim Überblenden, was angenehm nuanciert vonstattengeht, finde ich, dass der Steg-Pickup gegenüber dem Kollegen am Hals etwas mehr Power vertragen könnte. Also den Schraubendreher geschwungen, und schon … kommt mir der Stegabnehmer aus der Fräsung gehüpft?! Huch. Lange bevor der Pickup etwa die Saiten berührt, sind die Schrauben schon aus dem Holz gedreht. Da könnten ein paar Millimeter mehr nicht schaden. Na gut, dann wieder zurück, geht ja durchaus. Ginge aber noch besser.

Auf aktiv geschaltet wird der Ton etwas lauter. Lässt sich leider nicht per Trimpoti korrigieren, ist aber in einem Bereich, mit dem ich leben könnte. Entschädigt werde ich vom Equalizer, der eine wirklich gute Figur macht. Er ist selbst beim Bassregler in einem weiten Bereich bei Boosts wie Cuts nutzbar, ohne Klangschrott zu produzieren. Der Höhenregler rundet schön ab, was gerade mangels passiver Höhenblende gut ist, angehoben setzt er feine Glanzlichter.

(Bild: Dieter Stork)

Die Mitten nehmen den Bereich von knurrig bis holzig mit, was den Ton im Mix weit nach vorne holen kann, oder sehr clean macht für edle Slaps und feine Plek-Arbeit. Wie schon erwähnt, gefällt mir der Bassregler sogar im Minusbereich, was ungewöhnlich ist, vor allem in Kombination mit dem Hals-Pickup. Der Stegabnehmer profitiert dagegen wie erwartet von Anhebungen, so viel die Anlage eben mitmacht … Die Abstimmung gefällt mir wirklich sehr, sehr gut!

Was mir dagegen ein Rätsel bleiben wird, ist, warum eine Brücke mit 19 mm Saitenabstand mit einem Stegtonabnehmer kombiniert wird, der für 20 mm ausgelegt ist – und einem Halstonabnehmer, bei dem die Lage der Saiten über den Pole-Pieces dank gleicher Größe noch krasser daneben liegt. Zum Glück ist er im Output immerhin etwas angepasst, und ich höre diese optische Auffälligkeit über den Amp auch nicht wirklich raus. Und eine gute Seite hat die enge Saitenführung, die auf dem Hals nicht wenig Platz zu den Griffbrettkanten lässt, auch: Auf den äußeren Saiten ist ein ausgeprägtes Vibrato möglich, ohne abzurutschen.

RESÜMEE

Frischer Wind aus Mexiko! Optisch auffällig, klanglich überzeugend, und überraschend bequem bespielbar verlässt der neue Player Plus Meteora Bass gewohnte Pfade und lädt ein, Neuland zu entdecken. Man ist ja immer bemüht, jeglichen Fender Bass im Kontext Jazz Bass / Precision Bass einzuordnen. Da verweigert sich der Meteora recht souverän. Auch wenn Fender „den knackig-grollenden Klang, den man als typischen Fender-Basston kennt“ verspricht, unterschreibe ich grollend und knackig, aber über den typischen Ton geht er hinaus. Was ich gut finde, denn Jazz- und Precision-Bässe gibt es ja nun schon genug, auch und gerade von Fender.

Klasse fände ich, wenn es mehr Schaltmöglichkeiten gäbe: die Spulen einzeln oder zusammen, Seriell/Parallel … aber luden Fender-Instrumente nicht schon immer zum Basteln ein? Allerdings ist der Meteora auch serienmäßig schon ein toller, retro-moderner Bass für eine neue Generation Spieler:innen, oder für Fender-Fans mit offenem Geist.

PLUS

  • Sound
  • Bespielbarkeit
  • EQ
  • Optik

MINUS

  • Kurze Pickup-Schrauben


(erschienen in Gitarre & Bass 05/2022)

Produkt: Jimi Hendrix Technik
Jimi Hendrix Technik
Das große Jimi Hendrix Technik Special auf über 30 Seiten aus Gitarre & Bass!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte dich auch interessieren