Q&A: Laney Klipp 100 wieder zum Leben erwecken

Ein Vintage-Brit-Amp der etwas anderen Art

Q: Ich bin Besitzer eines leider nicht mehr funktionierenden Laney Klipp 100 Amps und möchte versuchen, diesen wieder in Betrieb zu nehmen, ohne den Vintage-Charakter stark zu verändern. Die geplanten Umbauten: Austausch der Röhren, Erhöhung des Schirmgitterwiderstand, Ersetzen der Endstufen-Kathoden, Einbau eines Bias-Trim-Potis und Ersetzen der Original-Röhrensockel durch Keramiksockel. Da ich leider lokal keinen Techniker kenne, dem ich wirklich vertraue (ich komme aus Sachsen-Anhalt/Altmark und alte DDR-Fernsehtechniker möchte ich hier eher nicht befragen), bin ich für jeden Tipp dankbar.

Christian Sch.

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Laney
Laney Klipp 100 von 1972

A: Ach ja, du hast kein Vertrauen in Deine “Landsleute”? Da muss ich aber lachen. Ebenso, wenn ich in einer amerikanischen NOS-Rubrik zwei gepaarte (!) Original Telefunken EL34, made in Germany, ungebraucht im Originalkarton, zum Preis von schlappen $ 250 sehe. Made in Germany hört sich in dem Fall gut an – aber wer weiß schon, dass Telefunken, wie auch Siemens, AEG, Valvo, Philips, Sylvania und viele andere renommierte Firmen, ihre Röhren bei RFT in Staßfurt/Mühlhausen in der Ex-DDR fertigen ließen, weil die es dort einfach besser konnten? Ich würde mal davon ausgehen, dass ein in der DDR-gelernter Radio- und Fernsehtechniker der alten Schule über mehr praktisches Röhren-Wissen verfügt als jene selbsternannten Gurus, die in Internet-Foren und manchmal auch in Magazinen unterwegs sind.

Doch nun zu deinem defekten Laney: Achtung Lebensgefahr! Die nachfolgenden Arbeiten sind nur durch einen qualifizierten Techniker auszuführen!!

Zunächst einmal ist sicherzustellen, dass die beiden Trafos und die Drossel einwandfrei funktionieren – wenn nicht, wird´s richtig teuer und ob sich das für ein solches Gerät lohnt, musst du dann selbst entscheiden.

Jetzt ist die Spannungsversorgung dran. Recapping: Elkos 4x 33uF/450V + 2x 33uF/450V + 1x 16uF/450V erneuern. Parallel zu jedem Elko ist je ein Widerstand 470K/2W zu schalten (Spannungsteiler zur Symmetrierung). Die Dioden können gegebenenfalls gegen 4x 1N4007 + 1x 1N4007 ausgetauscht werden.

Thema Röhrensockel: In der Tat waren die alten Pressstoff-Sockel der Endröhren häufig Grund für den Exitus vieler Röhren und/oder Ausgangsübertrager. Auch das Einschmieren mit Silikonpaste half hier wenig. Insofern ist dein Vorhaben, diese gegen Keramiksockel zu tauschen, absolut gerechtfertigt. Bei der Neuverdrahtung ist allerdings peinlichst darauf zu achten, dass keine Schlüsse entstehen – es empfiehlt sich, Schrumpfschlauch über Drahtenden und Kontakte zu ziehen.

Wenn diese Arbeiten beendet sind und eine sorgfältige Endkontrolle durchgeführt wurde, kann das Gerät zunächst ohne Endröhren in Betrieb genommen werden, um die wichtigsten Spannungen zu kontrollieren: Zwischen den Pins 2 und 7 jeder einzelnen Endröhre sollten etwa 6,3V AC anliegen, an den Pins 3 und 4 jeweils etwa 600V DC gegen Masse und (sehr wichtig!) an Pin 5 -36…-40V DC gegen Masse. Stimmen alle diese Spannungen, können die Endröhren eingesetzt werden. Das Gerät nun an einen Lautsprecher anschließen und im Betrieb noch einmal alle Spannungen messen. Bei Fehlfunktion (lautes Brummen, Röhren leuchten stark rot oder blau auf) – sofort Stecker raus!

Wenn das Gerät dann einwandfrei spielt, gibt es überhaupt keinen Grund für weitere Maßnahmen an Bias oder Schirmgitterwiderständen – die Laneys wussten schließlich besser, was sie trieben, als irgendwelche ominösen Hinterhof-Frickler.

Zu den Röhren: Vielleicht gelingt es dir ja, in einem alten örtlichen Radioladen einen Satz RFT-EL34 und die zugehörigen RFT-ECC83 aufzutreiben – damit wärest du aus den o. a. Gründen sicherlich bestens bedient.

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Telefunken hat nicht nur RFT-Röhren gelabelt, sondern auch selbst EL34 produziert.

    Ob die Laney-Konstrukteure nun absichtlich handelten oder nicht – die Schirmgitterspannung liegt definitiv weit über der im Datenblatt der EL34 angegebenen Grenze. Wenigstens ist die Drossel in den alten Laneys so hochohmig ausgelegt, dass die Spannung bei Aussteuerung stark einbricht und die vom Schirmgitter verbratene Leistung nicht ganz so hoch ausfällt, wie man zunächst annehmen möchte.

    Die Spannung am Steuergitter (Pin 5) sollte bei so hoher Anodenspannung noch negativer sein – etwa 45V bei den meisten EL34.

    Mein Tipp: Frag mal in einem Röhrenfreak-Forum (TubeTown, Jogi, …) ob einer der User in deiner Nähe wohnt und dir helfen möchte.

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