Die Nik Huber Krautster im Test

E-Gitarre von Nik Huber, stehend

 

Anzeige

Krautster? Klingt selbstironisch und gerade deshalb wohl so beiläufig selbstbewusst. Nik Huber stellt sich bekanntlich auch im Mutterland der E-Gitarre forsch der Konkurrenz, präsentiert auf den großen amerikanischen Fachmessen regelmäßig und er folgreich seine Künste. Der Mann wird dort hoch geschätzt und für uns Krauts ist er allemal ein guter Botschafter. Aber warum in die Ferne schweifen …

 

 

Das Modell Krautster komplettiert das edle Programm des Nik Huber um eine weitere absolut bodenständige, aber definitive kleine Rock-’n’-Roll-Gitarre im schlichten Outfit. Der Trend zum Wesentlichen setzt sich damit fort, denn die Vorgänger Junior und Twangmeister waren bereits aus ähnlich bescheidenem Holz geschnitzt (gemeint ist natürlich nur die Optik). Hinter dieser neuen Einfachheit steckt nämlich immer noch die ganze Erfahrung jenes Rodgauer Gitarrenbauers, der früher einmal den Rock ’n’ Roll besser lackieren wollte. Heute wird eher wieder entspiegelt. Der Hochglanz weicht auch bei dem aktuellen Youngster jedenfalls dem Rudimentären, dem Wahren und Ungeschminkten und gerade deshalb auch Schönen. Die strahlenden Glamour Girls sind natürlich auch weiterhin im Programm.

 

Konstruktion der Nik Huber Krautster

Das Prinzip der Konstruktion ist eindeutig. Hier stand die Les Paul Junior Pate, aber eben nur Pate, denn Vater Huber hat Zeugungsfähigkeit ja schon des Öfteren nachgewiesen und seine Kinder sind ihm allesamt wohlgeraten, was uns hier nun etwas schräg aus dem Bild rutscht, denn wie wir alle wissen, ist es mit der Zeugung ja nicht getan. Die Arbeit fängt bekanntlich danach erst richtig an, aber unser Protagonist ist glücklicherweise für seinen immerwährenden leidenschaftlichen Einsatz allseits bekannt.

Für den Korpus der Krautster setzte Nik zweiteilig gefügtes Mahagoni ein, das er mit einer Brettstärke von 45 mm in die klassische Single Cutaway-Form brachte. Ein weicher Konturschnitt im Bereich der oberen Zarge auf der Korpusrückseite gewährt die komfortable Anlage am Spieler. Die Front die Gitarre ist deckend in einem matt gebürsteten Schwarz lackiert (alternativ auch in Gold, Copper oder Vintage White) und mit einfachem Cream-Binding eingeschlossen; der Korpusrücken ist lediglich dünn offenporig matt versiegelt.

Der matt lackierte Hals aus schönem geriegeltem Ahorn folgt der Formgebung der 50er-Jahre, ist also rundlich und insgesamt kraftvoll gestaltet. Der eingeleimte Halsfuß fügt sich an seiner Unterseite formal an das bis zur Korpusmitte hinein geführte Cutaway, die gekehlte Aussparung erleichtert den Zugang zum hohen Tonregister. Die konisch abschließende Huber- Kopfplatte ist auf der Front schwarz eingefärbt, verfügt über Kluson Style Tuner (Gotoh) und gewährt auch Zugang zum eingelegten „Double Action Single Rod“ (Halsstab).

guitarsummit-banner

Teste Modelle von Huber live – auf dem Guitar Summit in Mannheim. Mehr Infos gibt’s hier!

 

In das Griffbrett aus Palisander mit Compound Radius (10″ – 14″) wurden die Nuten mit undurchstoßenen Kanten gefräst. Die implantierten, sauber verarbeiteten und polierten extraharten Bünde mittlerer Stärke schließen demgemäß absolut gratfrei ab – ein Mehraufwand an Arbeit der sich lohnt. Dots aus Abalone kennzeichnen die Lagen. Die Saitenlänge der Krautster von 635 mm liegt etwas oberhalb der typischen Gibson- Mensur (628 mm) und schwingt hier zwischen einem Sattel aus Knochen und dem künstlich gealterten einteiligen Huber-Stop-Tailpiece aus Aluminium mit Messingbolzen.

Ein zentraler Custom Humbucker von Harry Häussel mit analog zur Bridge gealterter Nickelkappe in der Stegposition ist das Herz der Gitarre. Der cremefarbene Pickup-Rahmen korrespondiert ähnlich stimmig mit dem Creme-Binding der Decke. Nach dem Motto „weniger ist mehr“ finden wir lediglich einen einzigen Regler für die Lautstärkekontrolle auf der Decke, welcher allerdings eine Push/Pull-Funktion für Coil-Tapping in sich trägt. Aktiviert wird darüber die einzelne Spule unter den Polschrauben.

Bleibt noch das schwarz/weiß/schwarz geschichtete kleine mattierte Schlagbrettchen zu erwähnen, das der Gitarre neben allem Schutz der Decke auch noch einen wichtigen optischen Akzent verschafft. Wie immer bei Nik-Huber-Gitarren erweist sich auch die schlichte Krautster als perfekt konstruiertes und absolut detailgenau gebautes Instrument.

 

Praxis

Nik Hubers Krautster ist gradlinig einfach, frei von jeglichem Schnickschnack, ja geradezu spartanisch und bodenständig. Kurz: ein richtiges Rock-’n’-Roll-Animal. Akustisch bereits stramm, laut und drahtig, vermittelt sie ein angriffslustiges Temperament, das förmlich nach Elektrizität schreit. Okay – Stöpsel rein, Regler hoch, dann zeig mal, was du kannst, Baby:

Der Custom Humbucker vom Harry Häussel ist für ein Coil Tap ausgelegt und bietet mit 16,5 kOhm im Standardbetrieb und 8,4 kOhm bei gezogenem Volume-Regler zwei effektiv nutzbare Klangebenen. Für seinen hohen Widerstandswert liefert der Humbucker noch einen achtbar transparenten Klang bei klaren Verstärkereinstellungen, wenngleich sich natürlich etwas Watte auf die Höhen legt. Mit seinem saftigen Output reizt er Röhren-Amps schnell zu leichtem Overdrive, was uns sehr schöne Crunch-Sounds an die Hand gibt. Ziehen wir nun den Regler, so haben wir es mit einem scharf bissigen, aber im Akkord höchst geschlossenen Sound mit klar zupackenden Höhen zu tun. Beide Klangebenen lassen sich auf ihre verschiedene Art für das rhythmische Begleitspiel bestens nutzen.

Können wir jetzt bitte zur Sache kommen? Ja natürlich, liebend gern. Besagte Sache heißt natürlich Rock, keine Frage. Obwohl, Power-Bebop auf dieser Gitarre, das wäre mal was. Die optische Gradlinigkeit der Krautster findet in Gain-Positionen des Amps ihre Entsprechung. Frech nach vorn durch schiebt es nun. Der starke Häussel-Pickup befeuert den Amp entsprechend. Die Bässe kommen wie mit zusammengekniffenen Arschbacken stramm, kernig und federnd zum Ohr. Die Mitten nehmen eine kraftvoll drückende Position ein, wie sich das gehört und der packende Höhen-Schmack ist einfach eine Wucht. Dampfendes Powerchord-Spiel bekommt damit eine besonders treibende Kraft. Trennscharf wird der Anriss pumpender Achtel herausgestellt, mit leichter Kehle schiebt es straff nach vorn. Das kernige Anreißen gibt auch schnell gespielten Melodielinien eine starke, schön schmatzende Kontur und gehaltene Noten blühen mit imposant einschwebendem Obertonambiente im langen, gleichmäßigen Schwingverlauf auf. Wunderbar auch das harmonische Ineinanderschmelzen selbst scharfer Zweiklänge. Das hat Stil und Klasse, aber auch effektvolle Aggression. Ziehen wir den Regler, zapfen die Windungen des PUs an, so liegt immer noch ein ganz ordentlicher Output an. Das Klangvolumen wird allerdings deutlich eingeschrumpft und der Sound legt an Kehligkeit zu. Das hat selbstredend mehr Schärfe und Kante jetzt, aber dieser abgespeckte Klang ist unter Zerrbedingungen absolut keine Magermilch und als zweite Klangebene bestens nutzbar.

Das „weniger ist mehr“-Konzept der Krautster ist absolut schlüssig in seiner spartanischen Auslegung, keine Frage, dennoch vermisse ich nach einiger Zeit des Spiels dann doch einen Tone-Regler, obwohl sich natürlich mit zurückgerolltem Volume-Regler Präsenz und Bissigkeit des Häussel-Pickups tendenziell kontrollieren lassen. Man ahnt einfach, da liegen noch Klangressourcen unerschlossen bei und zumindest ich persönlich hätte gern mehr Zugriff auf die Möglichkeiten klangfarblicher Gestaltung. Natürlich ist auf Verlangen und mit einer Wartezeit von zur Zeit etwa vier Monaten auch eine Version mit extra Tone-Regler zu haben. Oder man wartet gleich auf die bereits in Arbeit befindliche Krautster 2 mit einem zusätzlichen P-90 Pickup in der Halsposition.

Zum guten Schluss noch: Dieser besondere Hals der Krautster bedarf einer besonders lobenden Erwähnung. Kraftvoll rundlich gestaltet, dabei nicht zu breit ausgebaut und sehr gleichmäßig in Stärke und Breite aufsteigend, schmeichelt er mit seiner Satin-Versieglung förmlich der greifenden Hand. Eine ideale Mitte sozusagen für das solistische Spiel mit aufgestellten Fingern und abstützendem Daumen einerseits und der beliebten Hals-in-Hand mit Daumen-greift-Basssaite-Methode andererseits. Die wunderbar glatten, da von den Bünden undurchschnittenen Griffbrettkanten sind zusätzlich im Übergang gut beschliffen, also angenehm entschärft. Überdies sind die Bundstäbchen wohl bis an die Ränder vorgezogen, aber daselbst bestens entgratet und angepasst. Rechnen wir nun noch den elegant ausgeführten Compound Radius hinzu, so finden wir für dieses Instrument den vielleicht bestmöglichen Halszuschnitt vor, der die Greifarbeit und natürlich auch Bendings besonders leicht von der Hand gehen lässt und mit seiner festen Beschaffenheit zum umwerfenden Sound der Krautster auch noch Wesentliches beiträgt.

 

Resümee

Nik Huber ist ein verlässlicher Mann. Seine meisterlichen Designs sind optisch rund und inhaltlich ausgewogen, verfügen über jenes entscheidende Quäntchen schöpferische Hellsicht, spielpraktische Vernunft und gitarrenbauerische Delikatesse, welches den entscheidenden Unterschied macht. Den Unterschied zwischen gut und richtig gut. Die Krautster selbst muss man gar nicht mehr groß loben, denn die wurde sofort akzeptiert und geliebt. Das wundert nicht, wenn man die Gitarre eine Zeit lang spielt. Sie füllt eine Lücke, fast schon unwahrscheinlich überhaupt noch eine zu finden, die zwischen den gesetzten Designs zu finden ist. Les Paul Junior-Typ mit Humbucker und absolut großartigem Ahornhals, das ist ein Ding, das knallt. Der famose Custom Humbucker von Harry Häussel setzt den kraftvollen und springlebendigen akustischen Klang der Krautster in herrlich muskulöse elektrische Sounds um. Der Rest ist Rock-as-Rock-can – Hallelujah!

Hinterlasse einen Kommentar

Das könnte Dich auch interessieren: