Goldtone:

Der Mellow-Sound der Gibson Amps

Nur wenige wissen es: Lange bevor sich erste Fender- oder Marshall-Verstärker datieren lassen, war Gibson bereits mit Amps auf dem Markt vertreten. In den Goldenen 50er und 60er Jahren zählte man sogar zu den ganz Großen im Verstärkergeschäft und produzierte insgesamt über die Jahre ca. 70 verschiedene Röhren-Amps.

Gibson Amps

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Trotz der großen Beliebtheit der Gibson-Gitarren sind die Verstärker dieses Herstellers besonders in Europa so etwas wie ein Geheimtipp geblieben. Man weiß vielleicht vom Hörensagen, dass Grössen wie Ry Cooder (GA-20), George Harrison (GA-40) und Jim Hall (GA-50) zum einen oder anderen Zeitpunkt Gibson-Amps benutzt haben, aber ihre relativ weite Verbreitung in den USA ist hier recht unbekannt. In den 30er Jahren etablierten sich mit den ersten elektrischen Gitarren – Hawaii- oder Lapsteel-Modelle – auch die elektrischen Gitarrenverstärker.

Die ersten serienmäßigen Amps produzierte Gibson Mitte der 30er Jahre. Sie waren simpel konstruiert, besaßen kleine 8″- oder 10″-Lautsprecher, einen Volumen-Regler, eine Tonblende und produzierten eine Leistung von fünf bis zehn Watt aus einer einzigen Endröhre in Class-A-Schaltung. Vor aller klanglichen Wertschätzung darf man sie heute vor allem als nett anzuschauende Museumsstücke ansehen. Sie besaßen geringe Lautstärkereserven und der Ton eine eher muffige Qualität und frühe Verzerrung, was wenig Begeisterung hervorrief. Damals in der Musikindustrie schon gang und gäbe, wurde nicht unbedingt alles im eigenen Werk gefertigt, sondern Fremdhersteller mit Teilen der Produktion beauftragt.

Gibson z. B. betraute die Firma Lyon & Healy mit der Herstellung der Verstärker – eine Vorgehensweise, die später bei der Neuauflage der Goldtone-Amps ebenfalls praktiziert wurde. Jazz-Pionier Charlie Christian, der seine Gibson ES-150 als gleichwertiges Soloinstrument neben den Bläsern einsetzte, initiierte die Weiterentwicklung des Verstärkerbaus. Gefragt war nun ein lauterer, durchdringender Ton mit mehr Leistung. Zur Zeit des 2. Weltkriegs herrschten jedoch drastische Produktions-Beschränkungen, zeitweise durften Güter mit einem Metallanteil von mehr als 10 % nicht mehr gefertigt werden. Unter diesen Voraussetzungen kam die Produktion der Verstärker komplett zum Erliegen.

1947 nahm Gibson die Fertigung wieder auf und stellte drei Amp-Modelle vor, den BR-1, -2 und -3. Diese Verstärker wurden von der Firma Barnes & Reinecke aus Chicago entwickelt, Gibson fertigte die Chassis. Die Verkaufszahlen von etwa 1000 bis 2000 Exemplaren hielten sich in Grenzen. Richtig Schwung kam erst in die Sache, als Ted McCarty 1948 von der Firma Wurlitzer zu Gibson wechselte. Bereits 1950 zog die Gibson-Amp-Division in eine neue Fabrikationshalle, worauf sich die Produktionskapazität auf 10.000 Verstärker im Jahr steigerte. Damit waren Gibson und Fender für eine kurze Zeit gemeinsame Marktführer in diesem Segment.

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Die Verstärker, die unter den Markennamen Gibson, Maestro, Epiphone und Kalamazoo angeboten wurden, hatten durchaus einiges zu bieten. Nachdem Gitarrenverstärker in den Anfangsjahren entweder wie Vollholzmöbel oder wie mit braunem Leder bezogenes Reisegepäck aussahen – nie wird einem der Ursprung des Begriffes „Kofferverstärker“ klarer als beim Anblick eines ‘52er GA- 30 – brachte Gibson in der Zeit von Mitte der fünfziger bis Anfang der sechziger Jahre die nach ihren charakteristischen Bespannstoffen benannten Two-Tone- und Tweed-Amps auf den Markt. Dies waren meist schlichte und robuste Verstärker mit handverdrahteten Class-A-Schaltungen, die etwa 8 bis 16 Watt aus zwei 6V6-Endröhren produzierten und dabei enorm warm und dicht klangen.

Wer heutzutage solch einen Amp anspielt, staunt in der Regel zunächst über das geringe Gewicht und dann über die erstaunliche Leichtigkeit, mit der sich reiche Schattierungen von rauchig-sanfter, cremigkomprimierender bis fast brachialer Endstufenverzerrung bei verträglicher Lautstärke erzielen lassen. Das alles ist sehr direkt mit der Spieltechnik und dem Volumen-Poti der Gitarre steuerbar – gerade auch der magische Bereich, in dem ein „noch-nicht-verzerrtes“ Arpeggio zu einem „nicht-mehr-cleanen“ Akkord wird. Aber die Firma Gibson, die zu diesem Zeitpunkt ja auch recht brauchbare Gitarren gebaut hat, baute auch leistungsstärkere Amps.

Manche hatten ein wunderbares „Swamp Thing“-Tremolo an Bord, und parallel wurde mit Stereo-Amps, den sonst eher in Europa beliebten EL84-Endröhren und ungewöhnlichen Lautsprecher-Kombinationen experimentiert. Eine Vielzahl von Amp-Modellen wurde aufgelegt: diverse Les-Paul-Signature-Amps, Vanguard, Apollo, Saturn, Ranger … Der GA-83S z. B. war ein 35 Watt starker Stereo-Gitarren-Amp, der mit einem 12″- und vier 8″-Lautsprechern arbeitete, die in verschiedene Richtungen abstrahlten. Die Modellbezeichnungen entsprechen dabei nicht den Wattzahlen der Verstärker. Das bekannte „Les Paul Model“ GA-40 z. B., das die oben beschriebenen Klangeigenschaften (mit einem blauen Jensen-P12PLautsprecher in einem für einen 15″-Lautsprecher dimensionierten Gehäuse) fast im Übermaß erfüllt, bringt nicht etwa 40, sondern 16 Watt auf die Bretter.

Trotzdem sollte man die heutigen Maßstäbe, nach denen ein „richtiger“ Gitarren-Amp eigentlich erst ab 40 Watt anfängt, getrost einmal in Frage stellen. Die plötzliche Verwendung kleinerer Amps in phonstarken Ensembles soll da schon die tollsten gruppendynamische Prozesse in puncto Dynamik und Zusammenspiel in Gang gebracht haben … Auch die von Gibson anfangs ausschließlich verwendeten legendären Jensen-Alnico-Lautsprecher sind nicht gerade muskelbepackte Kraftpakete. Ted Weber von der Fa. Weber VST Lautsprecher gibt die Wattzahlen der alten Alnico-Concert-Serie an mit: P10R = 10 W, P10Q = 12 W, P12R = 12 W, P12Q = 14 W, P12P = 16 W, P12N = 18 W („on a good day …“).

Dabei erklärt sich die aus heutiger Sicht etwas fahrlässige Praxis, Verstärker gelegentlich mit „untermotorisierten“ Lautsprechern auszustatten, schlicht aus der Tatsache, dass damals laut Hersteller Verzerrungen und hohe Lautstärken natürlich strikt vermieden werden sollten! Dennoch: Der breite Sound-Geschmack orientierte sich anderweitig. Gibson-Amps klangen ausgesprochen weich und (zu) sauber. Führt man sich vor Augen, welch unterschiedliche Klientel beide Hersteller bedienten, versteht man vielleicht beide Seiten. Fender produzierte mit der Tele- und Stratocaster Gitarren für Country- und Rock-‘n‘- Roll-Gitarristen.

Gibson orientierte sich mit den L-5-, ES-335- und Les-Paul-Modellen an Jazz-Musikern – und lieferte die entsprechenden Amps dazu, die halt eher mellow und soft klangen. Mitte der 60er war der Sound der Gibson-Amps endgültig aus der Mode. Rock ’n‘ Roll und Surf-Musik mit schnittigen, drahtigen Fender-Gitarren und -Amp-Sounds traten ihren Siegeszug durch die Hitparaden an. Anfang der 60er wurden die Gibsons dann auch mit Hall ausgestattet und gingen klanglich in eine nicht uncharmante, aber dezentere, fast Hifi-artige Richtung, mit der vielleicht verstärkt eine Surf- oder Countryorientierte Klientel angesprochen und Fender Konkurrenz gemacht werden sollte. Optisch brach sich diese Richtungsänderung in braunem Tolex mit merkwürdig kantigen, mattierten Chromfronten Bahn, auf denen kleine schwarz-rote Krönchen prangten.

Die Versuche mit der Transistortechnik ab Mitte der Sechziger landeten wie auch bei einigen anderen führenden Herstellern in der Katastrophe und führten bei Gibson letztlich zur Einstellung der Produktion. Gitarren waren jetzt wichtiger. In den späten 70ern war man dann an der Entwicklung der transistorisierten LAB-Series-mps beteiligt. In Zusammenarbeit mit dem Synthesizerhersteller Moog entstanden relativ große Amps mit Electro-Voice-Lautsprechern, die als „Über-Polytone“ besonders bei Jazzern recht beliebt waren. Die ebenfalls mit Transistoren arbeitenden Gibson-Goldtone-Amps aus den 90er Jahren standen klanglich etwa in dieser Tradition, blieben aber ohne große Resonanz – bis findige Köpfe von Englands renommiertem Bassverstärker-Hersteller Trace Elliot eine Idee hatten.

Joining Forces

Trace Elliot besaß in der Kleinstadt Maldon – etwas über eine Autostunde von London entfernt – eine riesige Produktions- und Lagerhalle. Dies war ein Relikt aus der Zeit, als man mit dem mächtigen U.S.-Konzern Kaman zusammen arbeitete und teilweise den englischen Vertrieb für dessen Produkte (Ovation, Hamer, Gibraltar u. a. ) organisierte. Neben bekannten Bass- und AkustikGitarren-Amps gab’s außerdem nichts mehr, was man nicht produzierte. Bis hin zu PA-Systemen war Trace Elliot mit eigenen Produkten in nahezu jeder Nische der Audio- und Instrumenten-Verstärkung vertreten, was der Firma nicht besonders gut tat und zum Kollaps und der Trennung von Kaman führte. Übrig blieb die riesige Fabrikhalle und die Erkenntnis, dass man zwar alles herstellen konnte, aber manches besser gelassen hätte.

Outsourcing war bei Gibson schon in den 30er Jahren praktiziert worden – und dies sollte sich nun wiederholen. So schlug Colin Davies, einer der damaligen Geschäftsführer von Trace Elliot, 1998 Gibson-Boss Henry Juskiewiczs vor, Gibson-Gitarrenverstärker zu bauen. Nichts ungewöhnliches also – allerdings sollte man wissen, dass Gibson im gleichen Jahr Trace Elliot aufgekauft hatte und so berechtigtes Interesse hatte, die Produktionskapazitäten seiner neuen englischen Tochterfirma auszulasten. Dennoch ist die Geschichte dieser amerikanisch-englischen Amp-Kooperation erzählenswert. Trace Elliot baute bereits seit einigen Jahren mit eher durchwachsenem Erfolg den Velocette, einen kleinen Combo, der einem Gibson Gibsonette-Amp von 1949 nachempfunden war. Der Amp hat richtig gut geklungen und war durchaus preiswert, aber die Gitarristen wollten doch lieber nicht einen Gitarren-Amp von einer „Bass-Firma“ kaufen.

Colin Davies nahm also den Trace Elliot Velocette und verwandelte ihn in einen Gibson Gibsonette zurück. D. h., er ließ braunes Kunstleder aufziehen, das Chassis in der alten Gibson-Farbe lackieren, scannte (!) das Gibson-Logo aus einer Anzeige, ließ es nachfertigen und auf den Amp schrauben. Jetzt nur noch die Lautsprechergitter vergolden – und fertig war der Gibson GA-15! Der neue, alte Gibson/Trace/Gibson-Combo gefiel den Verantwortlichen in den USA so gut, dass Gibson später bei der Serienproduktion sogar darauf bestand, die versehentlich auf dem Prototyp noch vorhandene britische Flagge auf der Rückseite einfach draufzulassen. In Amerika und Japan verkaufen sich diese Amps trotz des nun erhöhten Preises sehr gut.

Mit der Gibson-Kopie eines Trace-Elliot-Verstärkers, der eine Kopie eines Gibson-Amps gewesen war, hatte der englische Hersteller und sein amerikanischer Mutter-Konzern gleich ein interessantes gemeinsames Produkt. Gibson ermöglichte Trace Elliot neue, bessere Vertriebswege in den USA, Trace Elliot hatte in den Bereichen, in denen Gibson bisher noch keine Produkte herstellte – also Bass- und Gitarrenverstärker – erfolgreiche Serien zu bieten und zudem weitere Produktionskapazitäten für andere Gibson-Produkte frei. Dass diese dann letztendlich doch nicht optimal genutzt wurden und Gibson im letzten Jahr die ruhmreiche TraceElliot-Fabrik schließen ließ, steht auf einem anderen Blatt. Für die Gibson-Amps, die nun nicht mehr aus dem Gibson-Programm wegzudenken sind, bedeutete dies, dass ihre Produktion in heimische amerikanische Gefilde nach Elgin verlegt wurden.

Golden Tone

Die Gibson Goldtone-Combos aus den 90ern sind klanglich absolute ehrliche Zeitgenossen, Schönfärberei ist ihnen ein Fremdwort. Jede Nuance des Anschlags und der Spieltechnik zeigen sich in entsprechender Dynamik und Tonentfaltung. Wer sichergehen möchte, dass der Klang der angeschlossenen Gitarre authentisch wiedergegeben wird, liegt bei diesen Amps genau richtig. Aber aufgepasst, sie decken auch jeden spieltechnischen Mangel gnadenlos auf. Ihre gediegene Class-A-Schaltung bildet warme, druckvolle und dynamische RöhrenSounds.

Die Parade-Disziplin der einkanaligen Goldtone-Combos ist: Amp-Volume voll auf, alles Weitere übernimmt die Anschlagintensität und der Lautstärkeregler der Gitarre. Abhängig vom Anschlag und der Leistungsstärke der Pickups steht die gesamte Sound-Palette von seidig clean über leicht angezerrten Blues bis zu satten crunchy Power-Chords zur Verfügung, wobei letzteres hier in beispielhafter Qualität ans Ohr dringt: äußerst harmonisch und mit sahniger Zerres. Die Bedienelemente der Einkanal-Combos liegen ausnahmslos unten auf der Rückseite, ein Merkmal alter Vintage-Amps (nicht nur) von Gibson. Warum? Weil man damals in den guten, alten Big-Band-Tagen den Amp vor sich stellte! Den Vintage-Look unterstreichen goldene, gerändelte Reglerknöpfe.

Optisch gibt es unterschiedliche Ausführungen mit braunem oder schwarzem Bezug und mit Frontbespannstoff anstelle der goldenen Lautsprechergitter. Wer im Luxus schwelgen will, bestellt die Riegelahorn-Ausführung, die passend zur Custom-Shop Les Paul in Heritage Sunburst lackiert ist. Ein absolut puristisches Schaltungsdesign, mit nur einem Volume- und einem ToneRegler machen den klassischsten aller Goldtone-Amps aus, den GA-15. Die Besonderheit liegt hier im Detail. Der Tone-Regler ist ein Doppel-Poti, der zwei Funktionen gleichzeitig steuert. Ganz nach links gedreht, hebt er die Mitten an und senkt die Höhen ab. Bewegt man ihn feinfühlig im Uhrzeigersinn, nehmen die Mittenfrequenzen allmählich ab und die Höhen zu.

In Mittelstellung ist die Klangregelung quasi neutralisiert. Problemlos erhält man schon mit Bright-Off und TonePoti in Mittelstellung einen runden, ausgewogenen Sound. Weiterhin greifen der Tone-Regler als auch der Bright-Switch wirkungsvoll ins Klanggeschehen ein. Der Input ist mit einer hoch ausgelegten Eingangsimpedanz (1 MOhm) versehen, was feinste Klangdetails einfängt. Ein Ext.-Speaker-Out, Dreiweg-Netzschalter (Off/Standby/On) und eine Euro-Netzbuchse machen die weitere Ausstattung aus. Über den Lautsprecherausgang lässt sich eine externe 16- Ohm-Box anschließen, der bordeigene Speaker wird dann abgeschaltet. Spielt man den Amp mal über ein 4× 12″-Cabinet, erzeugt er einen Druck, dass es eine wahre Freude ist. So stark können also 15 Watt klingen!

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Der GA-15RV mit integriertem Hall bietet zusätzlich einen zweiten (Lo)-Input, der zum Durchschleifen (Link) des Gitarrensignals an einen zweiten Verstärker dient, einen Reverb-Regler, einen Fußschalter-Anschluss (Hall an/aus) und einen Pentode/Triode-Switch, der die Ausgangsleistung der Endstufe von 15 Watt auf ca. 6 Watt reduziert. Der integrierte Accutronics-Hall bereichert, obgleich in der kleineren dreispiraligen Ausführung, mit einem räumlichen, homogenen und warm klingenden Hall ohne jegliche Störgeräusche die Performance dieses Amps. Abgesehen vom Hall und der Pentode/Triode-Schaltung klingen beiden kleinen GA-15- Combos identisch, wobei der 12″-Speaker des GA-15RV naturgemäß etwas druckvoller und bassiger rüberkommt als der eher feinzeichnende, lebendige 10″-Zöller. Verwendet werden jeweils Speaker aus der Vintage-Serie von Celestion.

Der Stereo-Combo GA-30RVS liefert mit seinen 2× 15 Watt eine Power, die sich locker auf Club-Bühnen Gehör verschafft. Seine per Fuß abrufbare Gain-Schaltung erhöht die Flexibilität beträchtlich und erlaubt den Wechsel zu sustainreichen Lead-Sounds – etwas an Betriebslautstärke vorausgesetzt. Die Ausstattung des GA-30RVS zeigt weiterhin Fußschalter-Anschlüsse zur Bedienung des Reverb und der integrierten FX-Loop (Mono-Send/Stereo-Return). Eine Spezialschaltung zwischen Accutronic-Einheit und Stereo-Endstufe verleiht dem Hall eine Pseudo-Stereophonie mit schöner räumlicher Wirkung. Aktiviert man den Hall, tritt das Klangbild förmlich aus seiner Zwei- in eine Dreidimensionalität und entfaltet sich im Raum. Die Stereo-FX-Loop, deren Returns auch zum alleinigen Betrieb der Stereoendstufe verwendet werden können, arbeitet völlig klangneutral. Durch den wahlweise seriellen oder parallelen Betrieb lassen sich Effekte aller Arten betreiben, Vorschaltgeräte wie ein WahWah oder Distortion haben natürlich im Einschleifweg nichts zu suchen.

Gibson GA30
Dieser GA-30 aus dem Jahre 1954 hat das Verstärkerchassis noch auf dem Boden montiert und besitzt serienmäßig einen 12″- und einem 8″-JensenLautsprecher. (Bild: MITCH MANTHEY, ARCHIV)

Der Send-Pegel des GA-30 ist abhängig vom Volume-Setting. Der Nominalpegel-Bereich liegt bei –20 dBu, bei leisen Einstellungen kann der abgegebene Level für manche Rack-Geräte knapp werden. Zwei Ext-Speaker-Outs (Left/Right) mit 8/16-Ohm-Switch vervollständigen die Ausstattung des StereoCombos. Die zweikanalige Super-Goldtone-Serie entwickelte man, um heutigen Sound- und Bedienungsvorstellungen gerecht zu werden. Zudem sind die Amps mit Master-Volume-Regelmöglichkeiten ausgerüstet, was eine bequeme Kontrolle der Zerrintensität unabhängig der Ausgangslautstärke ermöglicht. Im Signalweg findet sich von der Eingangsbuchse über die Effekt-Loop, Hall bis zur Ausgangsstufe reinrassige Vollröhrentechnik. Auch hierbei hat man sich der harmonisch und fein auflösenden Class-A-Technologie der klassischen Goldtone-Amps verschrieben. Lediglich für einige Schaltfunktionen werden Halbleiter-Lösungen herangezogen, was die Schaltgeräusche sehr niedrig hält und eine ausgezeichnete Performance ermöglicht.

Der SGA-30RV bietet eine ungewöhnliche Kombination von 10″- und 12″-Lautsprechern, was einen ausgewogenen Klang begünstigt. Die detailreiche und vitale Wiedergabe des Zehnzöllers ergänzt sich perfekt mit den vollen, warmen Bässen des 12″-Speakers. Die beiden Kanäle sind mit einer passiv arbeitenden DreibandKlangregelung ausgestattet. Kanal 1 ist im unteren bis mittleren Regelbereich des Gain-Potis auf cleane Sounds abgestimmt. Höhere Einstellungen kitzeln leichte Übersteuerungen aus dem Amp und es entfaltet sich ein schöner bluesiger Ton mit Vintage-haften Crunch. Zieht man die Boost-Funktion hinzu – voilà, das ist der Kick an Gain, der die Töne zum Singen bringt. Der zweite Kanal ist Spezialist für übersteuerte Sounds, deren Naturell durch die effektiven Regelmöglichkeiten weitreichend zu beeinflussen ist: fette, cremige Sounds lassen sich ebenso umsetzen wie aggressive Rock-Sounds und sogar Metal-Riffs. Die Zerrintensität überrascht dann doch … Die reaktionsfreudige Ansprache und die harmonische Klangentfaltung tragen erheblich zu einer großen Spielfreude bei. Wobei die Class-A-Leistung eines 30- Watt-Amps das Trommelfell auch intensiv massieren kann. Die Hall-Ausstattung besteht aus einem großen Accutronics-System (mit sechs Federn), der Hallanteil für jeden Kanal ist separat regelbar.

Das erste Topteil, das den Namen Goldtone trägt, präsentiert sich mit dem SGA- 30RVH. Dazu passend gibt es das SuperGoldtone-Cabinet mit einer außergewöhnlichen Konstruktion, inspiriert durch den SGA-30RV Combo. Die mit 240 Watt belastbare Box bietet eine Kombination von 2× 10″-Speakern und 2× 12″-Speakern, wobei in der oberen Lautsprecherreihe eine geöffnete (engl.: open back) und unterhalb eine geschlossene Gehäuserückwand (engl.: closed back) verwendet wird. Klanglich verbindet sich eine traditionelle Combo-Charakteristik mit dem Druck und der Fülle einer 4× 12“- Box. Bei der Abnahme per Mikrofon hat man zwei sehr unterschiedliche Sounds zur Verfügung und kann sie beliebig mischen.

Der GA-60RV liefert satte 60 Watt Leistung, abgestrahlt über 2× 12″-Lautsprecher, ebenfalls Celestion-Vintage-Speaker. Der Amp arbeitet in der Endstufe mit zwei EL-34-Röhren im Class-A/B-Betrieb. Über diesen Röhrentyp hinaus können für die Endstufe jedoch auch 6L6-, 6550- oder KT-88-Typen verwendet werden. Techniker können den entsprechenden Bias-Abgleich ohne großen Auf wand vornehmen, die Messpunkte sind von außen erreichbar, das Chassis muss nicht erst ausgebaut werden. Speziell angefertigte Ausgangsübertrager und Netztrafos sowie weitere erstklassige Bauteile sorgen für eine erstklassige Performance und sehr geringe Nebengeräuschentwicklung dieses interessanten Amps. So umfangreich wie das Goldtone-Programm auch ist, lässt sich ihr Klang und die Grundlagen der verschiedenen Schaltungen stets auf den alten Gibsonette-Amp beziehen. Das mag in den Zeiten, in denen die Achtung vor den alten Gibson-Verstärkern deutlich zugenommen hat – wenngleich auf dem Vintage-Markt für einen alten Fender-Amp immer noch deutliche mehr gezahlt wird als für einen gleich alten Gibson-Verstärker – genau das Richtige für einen erfolgreichen Fortbestand dieser Serie sein.

 

Jazz

Fast alle Gibson-Röhren-Amps lohnen ein Antesten, wenn man ihnen mal über den Weg läuft. Besonders die Two-Tone- und die Tweed-Amps können mit ein wenig TLC-Service („tender loving care“) und einigen Röhren-Experimenten (es empfiehlt sich z. B., die 5Y3 Gleichrichterröhre durch eine GZ34 zu ersetzen) und anderen Lautsprechern (z. B. durch Austausch der billigen Jensen „S“-Serie oder die Verwendung von Zusatzboxen mit guten Lautsprechern) zu verlässlichen Arbeitsgeräten nicht nur fürs Studio werden. Obwohl ich auch gern mit digitalen Effektgeräten arbeite und nicht ausschließlich einen puristischen Vintage-Ton verwende, lasse ich meinen 64er Fender Bassman inzwischen meist zu Hause und packe dafür zwei kleine Gibsons ein … und an die Zeiten meiner 2× 50 Watt Rack-Anlage denke ich nur noch sehr ungern (und sehr selten) zurück.

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Andreas Willers gehört durch fast dreißig CD-Produktionen (u. a. für Enja Records, JazzHausMusik, Between the Lines Records) als Sideman, seine Arbeit als Bandleader in diversen Bands und durch die Kooperation mit Jazz-Größen wie Paul Bley, Marvin „Smitty“ Smith, David Murray u. v. a. zu einem der international beachtetsten deutschen Avantgarde- und Jazz-Gitarristen.

Weitere Infos: www.andreaswillers.de

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