Krachmeisterschaften!

Der Bass Overdrive Vergleichstest

Ein Bass-Overdrive soll her – aber welches? Was passt zu meiner Musik, meinem Bass und meinem Amp? Fragen über Fragen, die man sich vor ein paar Jahrzehnten in dieser Form gar nicht stellen musste …

Bass Overdrives
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… schließlich war damals die Auswahl am Markt doch eher begrenzt. Heute gehören Bassverzerrer zum absoluten Standardprogramm der mittlerweile riesigen Pedal-Industrie sodass es schwer geworden ist, überhaupt den Überblick zu behalten. Und dann gibt es da ja noch zahllose Gitarren-Overdrives, die eine wirklich gute Figur am Bass machen … Ein Fass ohne Boden!

In einem großen zweiteiligen Vergleichstest haben wir nicht weniger als 11 Overdrive Pedale unter die Lupe genommen:

In Runde 1 treten 6 Bassverzerrer gegeneinander an.

In Runde 2 müssen sich 5 Gitarren-Overdrives am Bass beweisen. 

Die Kandidaten:

Runde 1

  • EBS Multidrive
  • Tech 21 VT Bass
  • Catalinbread SFT
  • EHX Bass Soul Food
  • Rodenberg GAS 808B NG
  • Darkglass Microtubes Vintage
  • extra: Bass Distortion-Pedale
  • extra: Bass-Boden-Preamps

Runde 2

  • Harley Benton AC Tone
  • Boss Blues Driver
  • Fulltone OCD
  • Hughes & Kettner Tube Factor
  • Empress Multidrive
  • extra: Zerrer und Blend-Pedale
  • extra: Perlen auf dem Gebrauchtmarkt

RUNDE 1: 6 Bassverzerrer im Vergleich

Los geht es mit in der 1. Runde mit 6 Bassverzerrern – von günstig bis teuer, von simpel bis komplex, von standardisierter Serienfertigung bis zu individueller Handarbeit. Alle Kandidaten gehören in die Overdrive-Klasse, liefern also mehr Verzerrung als nur zarten Crunch, ohne dabei jedoch in Distortion-Pedal-Gefilde vorzudringen. Zum einen hilft diese Eingrenzung, überhaupt eine untereinander vergleichbare Auswahl zu treffen, zum anderen gehören die hier vorgestellten Pedale zu den stilistisch vielseitigsten Bassverzerrern auf dem Markt, sodass am Ende für jeden etwas dabei sein sollte!

Technik Runde 1

electro-harmonix-innen
Dieter Stork

Angefangen beim günstigsten Pedal bekommt man bei Electro-Harmonix für gerade einmal € 99 schon eine fette Ausstattung. Auf dem typisch auf Retro gestylten Guss-Gehäuse finden sich neben Gain- (Drive) und Master-Reglern (Vol) eine Höhenblende (Treble) sowie ein Blend-Poti, mit dem sich das Verhältnis zwischen cleanen und verzerrten Klanganteilen regeln lässt.

Wie sonst nur das EBS Multidrive, ist das Bass Soul Food mit einem -10dB-Schalter für die Eingangsempfindlichkeit ausgerüstet, sodass man die Zerr-Intensität auch an Output-stärkere Aktiv-Bässe anpassen kann. Natürlich könnte man dafür auch einfach den Gain-Regler bemühen, was in der Praxis jedoch sicher weniger komfortabel wäre – besonders wenn man live zwischen verschiedenen Instrumenten wechselt. Bemerkenswert ist auch, dass EHX in dieser Preisklasse professionelle Features wie den internen Schalter zum Wechsel zwischen True- und gebuffertem Bypass anbietet – Hut ab!


rodenberg-innen-bass
Dieter Stork

Ein Stückchen tiefer muss für das Rodenberg GAS 808B NG in den Geldbeutel greifen – € 159 stehen hier auf der Rechnung. Man möchte fast schmunzeln: Der zweitgünstigste Treter in diesem Test wird tatsächlich von A bis Z in Deutschland in Kleinserien handgefertigt! Und dabei hat das Rodenberg Bass Overdrive den Sympathie-Vorschuss gar nicht nötig: Sowohl die innere und äußere Verarbeitung als auch die optische Gestaltung des Pedals sind mit einer liebevollen Sorgfalt umgesetzt, die ihres Gleichen sucht.

Features wie der umschaltbare Bypass-Modus sind bei Rodenberg selbstverständlich, auf überflüssigen Schnickschnack wird jedoch konsequent verzichtet. Das an den guten alten Tube Screamer angelehnte Pedal (der Name deutet es bereits an) kommt mit den altbekannten Reglern für Gain (Drive), Level und Tone aus und erweitert die Schaltung mit zwei kleinen Kippschaltern, an denen sich Gain- (909BModus) bzw. Bass-Boosts (Deep) abrufen lassen.


ebs-innen-bass
Dieter Stork

Der nächste Bass Overdrive liegt bei € 181 und ist seit über 13 Jahren eine feste Größe in der Zerrer- Welt: EBS hat sein Multidrive Ende letzten Jahres überarbeitet und bietet es nun in der Studio-Edition an. Neben der Optik hat sich vor allem der Fußschalter verändert – anstelle eines herkömmlichen Tasters kommt nun ein Relais zum Einsatz, das seinen Dienst lautlos und nahezu verschleißfrei verrichtet.

Ansonsten ist das solide aufgebaute und in China gefertigte Pedal denkbar simpel gehalten: Neben dem seitlich angebrachten Schalter für die Eingangsempfindlichkeit verfügt es über Gain- (Drive) und Volume- Regler sowie einen Mode-Schalter, der die drei Zerr-Varianten TUBESIM, STD und FLAT anbietet. Die ersten beiden Modi unterscheiden sich durch ein unterschiedliches Attack- und Kompressionsverhalten und simulieren einen aufgerissenen Röhren-Amp ohne dabei jedoch den Tiefbassanteil des Signals anzutasten. Bei der dritten Variante wird das ganze Signal durch die Zerr-Stufe geschickt, sodass hier auch grobe, fuzzige Vintage-Sounds drin sind.


catalinbread-innen-bass
Dieter Stork

Die nächsten beiden Kandidaten werden in den USA gefertigt und eifern den legendären Ampeg-Sounds der 60er- und 70er-Jahre nach. Das SFT von Catalinbread – ein echter Klassiker aus der Welt der Boutique-Treter – ist ab € 219 zu haben und sowohl für Bass als auch Gitarre geeignet. Mit seinen vier Reglern für Gain, Volume, Bass und Treble ist die auch optisch auf Ampeg getrimmte Tretmine denkbar einfach aufgebaut; seit Anfang des Jahres gibt es außerdem die geupdatete Version mit Stones/ Stoner-Schalter für unterschiedliche Zerrgrade.


tech-21-innen-bass
Dieter Stork

Das preislich mit € 222 nahezu identische VTBass- Pedal aus Tech 21s Character-Serie steckt sich ähnliche Ziele, bietet jedoch noch ein paar mehr Möglichkeiten zum Feintuning: Neben Gain- (Drive) und Lautstärke- Potis (Level) bringt es einen vollwertigen 3-Band-EQ mit; Herzstück des extrem beliebten Kästchens ist der Charakter-Regler, mit dem sich nicht nur das Grundvoicing sondern auch die Gain- Struktur beeinflussen lassen. Oben drauf gibt es noch eine schaltbare Lautsprecher-Simulation – ziemlich praktisch, wenn man mal direkt in den Rechner oder ins Pult spielen muss.


darkglass-electronics-innen-bass
Dieter Stork

Das letzte Bass-Overdrive in der Runde kommt von Darkglass Electronics und wird komplett in Finnland gebaut. Die junge Firma um Chef und Entwickler Douglas Castro erlebt seit ihrem Launch vor einigen Jahren einen massiven Hype und hat sich im Bass-Verzerrer-Bereich in Windeseile vom Geheimtipp zum Platzhirsch gemausert. Das € 249 teure Vintage Microtubes setzt im Prinzip auf die gleichen vier Regler wie das Bass Soul Food von EHX, allerdings kommt hier anstelle einer simplen Höhenblende der sogenannte Era-Regler zum Einsatz, der – ähnlich wie das Character-Poti des VT Bass – den Grundcharakter und die Zerr- Struktur kontrolliert.

Das ausgesprochen kompakte Pedal macht haptisch ordentlich was her und kann auch mit einem soliden Innenaufbau überzeugen – schade nur, dass für einen 9V-Block im Innenraum der Platz fehlt. Nachbessern könnte man auch bei dem – wie auch beim Tech 21 und Catalinbread – nah an der Output- Buchse platzierten Stromanschluss – hier kann es bei der Verwendung von Winkelsteckern zu Platzproblemen kommen.


Sounds Runde 1

Nicht nur preislich, sondern auch klanglich kann man das EHX Bass Soul Food schon fast als Außenseiter in diesem Vergleich bezeichnen: Es hat merklich weniger Gain als seine Konkurrenten, selbst bei voll aufgerissenem Drive-Poti ist nicht viel mehr als zarter Overdive drin. Damit ist das Pedal sicherlich nicht die erste Wahl für Metalheads; Blueser und Rocker, die ihren Grundsound etwas anrauen wollen, kommen hier jedoch voll auf ihre Kosten. Grundsätzlich arbeiten alle Regler gleichmäßig und berechenbar, auffällig ist jedoch, dass der Ton leicht quäkig in den Mitten wird, sobald man sich am Blend- Poti über die 12-Uhr-Position hinauswagt.

Da die Höhenblende nur das verzerrte Signal bearbeitet, sind relativ hohe Blend-Einstellungen jedoch Voraussetzung, um effektiv das Attack-Verhalten des Pedals beeinflussen zu können. Mit etwas Eingewöhnungszeit findet man dennoch gute Rock-Sounds mit einer stets ausgeprägten Mitten-Nase – High-Gain-Badewannen-Töne sucht man besser woanders.


Rodenbergs Gas 808B NG teilt zwar den eher warmen und gutmütigen Grundcharakter des Bass Soul Foods, zeigt sich jedoch deutlich flexibler: Die Gain- Spanne ist um ein Vielfaches weiter, spätestens mit dem 909B-Schalter sind auch rabiate High-Gain Sounds machbar. Das Tone-Poti arbeitet außerdem extrem effektiv, sodass es von muckelig warmen Blues-Sounds bis hin zu spitzen Säge-Einstellungen eine Menge Zerr-Schattierungen zu entdecken gibt.

Bemerkenswert ist auch, wie wenig das Pedal den Sound des Instruments verbiegt: Anders als bei vielen anderen Bassverzerrern, drückt der Tube-Screamer-verwandte Grundsound dem Bass keinen Stempel auf. Ein Jazz Bass klingt eindeutig nach Jazz Bass, ein Preci wie ein Preci und auch Edelbass XY behält seinen feingeistigen Charakter – keine Selbstverständlichkeit!


Das Multidrive von EBS färbt da schon deutlich mehr – was allerdings nicht schlecht sein muss! Es klingt auf Anhieb sehr „aufwendig“ und „fertig“ – ein bisschen so, als hätte man das Signal schon im Studio bearbeitet: In den Höhen etwas entschärft, damit es nicht in den Ohren klingelt, im Bass ein bisschen aufgepumpt, sodass es schön drückt und in den Mitten ganz Röhren-Amp-like schmatzig und cremig abgestimmt – nicht schlecht! Mit nur zwei Reglern und einem Schalter ist das Pedal außerdem absolut idiotensicher. Die beiden Modi STD und TUBESIM unterscheiden sich eher in Details. Wo Ersterer bereits recht ausgewogen und röhrig-warm rüberkommt, treibt es die zweite Variante mit noch mehr Kompression und einem etwas milderen Attack auf die Spitze.

Die FLAT-Position, bei der auch die Tiefbässe verzerrt werden, schlägt da ganz andere Töne an: Fauchende, raue Fuzz-Sounds donnern einem hier entgegen – Stoner-Rock hat der kleine Schwede also auch drauf! Was das EBS zuletzt von allen anderen Kandidaten unterscheidet, ist seine vergleichsweise gute Verträglichkeit mit Tweetern. Wo die meisten Bass Overdrives bei eingeschaltetem Hochtöner schnell künstlich und brizzelig klingen, ist das Multidrive auch bei hohen Gain-Einstellungen noch relativ ohrenfreundlich und erträglich.


Catalinbreads SFT wirkt neben dem EBS deutlich oldschooliger, mittiger und roher. Im Stones-Modus sind die Zerr-Reserven eher überschaubar – die Beschriftung spielt nicht umsonst auf die Rolling Stones an, die Ampegs SVT-Sound auf ihrer 1969er Tournee erstmals weltberühmt machten und ein Jahr später mit ‚Get Yer Ya-Ya‘s Out!‘ für immer auf Vinyl bannten.

Die Verzerrung ist besonders in den Tiefmitten präsent und hat nichts mit dem „Pick-Attack-Sound“ einiger Konkurrenten zu tun; bei niedrigen Gain-Einstellungen geht das Ganze tatsächlich in die grobe SVT-Richtung. Mit seinem enormen Clean-Boost-Pegel eignet sich das SFT auch zum Anblasen eines Röhren- Amps, wie ein komplett anderes Pedal verhält es sich hingegen im Stoner- Modus: Rabiate Fuzz-Säge und endloses Sustain sorgen hier für dröhnig bratende Wüsten-Sounds erster Güte – Kyuss, Dozer und Co. lassen grüßen! Egal welchen Modus man wählt; durch die leicht grobe Zerre und den eher Vintage-mäßigen Grundcharakter ist das Catalinbread eher was für Blueser, Funk-Freunde und Retro- bzw. Stoner-Rocker.


Bei dem VT Bass von Tech 21 sieht das alles – trotz ähnlicher Ampeg-Ambitionen – ganz anders aus. Das Klangbild ist hier deutlich aufgeräumter, straffer und direkter, außerdem arbeiten alle Potis extrem effektiv – Millimeter können hier schon große Unterschiede bedeuten. Bei dem EQ ist entsprechend Vorsicht geboten, denn Extremeinstellungen klingen hier auch wirklich extrem. Besonders gelungen ist das Character-Poti, an dem sich das Grund-Voicing von clean und weich bis crunchig und spitz durchstimmen lässt – dabei klingt das Pedal in allen Gain-Bereichen richtig gut!

Bei voll aufgerissenem Drive-Regler werden enorme Zerr- Reserven frei, anders als beim SFT kippt das Signal hier jedoch nicht ins fuzzige um, sondern behält seine relativ feine, definierte Gain-Struktur. Dadurch sind neben klassischen Rock-Tönen auch moderne Abrissbirnen-Metal-Sounds kein Problem – die deutlich wahrnehmbare Grundkompression des Pedals kommt dem sogar entgegen. Nicht überschätzen sollte man allerdings die schaltbare Lautsprecher- Simulation, die einer gut mikrofonierten Box bei Weitem nicht das Wasser reichen kann und durch einen sehr penetranten Peak in den Hochmitten auffällt.


Zuletzt fühlen wir noch dem Microtubes Vintage von Darkglass auf den Zahn. Klanglich ordnet sich der kompakte Silberling zwischen den Geräten von EBS und Tech 21 ein – ein Best-of-bothworlds- Pedal könnte man fast sagen. Nicht so mollig, gutmütig und fett wie das Multidrive und nicht ganz so knöchern und direkt wie der VT Bass, findet es eine gute Balance zwischen Druck, Attack und durchsetzungsfähigen Mitten.

Obwohl es hier keinen Bass-Regler gibt, geht im Low-End kaum etwas verloren, sodass man ruhig hohe Einstellungen am Blend-Poti fahren kann. Das Pedal belohnt den Spieler dann mit ordentlichem Biss und Charakter, die feine und nicht zu schroffe Gain-Struktur passt außerdem in wirklich jedes Genre. Besonders hilfreich ist der Era-Regler, der, ähnlich wie das Character-Poti beim Tech21 (wenn auch nicht ganz so effektiv), das Grund- Voicing bestimmt und ganz nebenbei beweist, dass man auch mit wenigen Knöpfen ein sehr variables Pedal bauen kann – Daumen hoch!


All in One: Bass-Boden-Preamps

Wenn es das Rundum-Sorglos-Paket sein soll, reicht ein einfaches Overdrive für viele nicht mehr aus. Häufig will man zwischen cleanen und verzerrten Kanälen hin und her schalten, das Ganze bequem über einen DI-Ausgang ans Pult senden und vielleicht sogar einen Kopfhörer anschließen. Für diese Zwecke gibt es eine breite Auswahl an Boden-Preamps, die einen nicht nur unabhängiger vom verwendeten Verstärker machen, sondern auch in jedes Gigbag passen. Losgetreten wurde die All-in-one-Bewegung vor allem durch die SansAmp Bass Driver DI von Tech21, die mit ihrem schneidigen und etwas sterilen Aggro-Charakter auf unzähligen Alben verschiedenster Stilrichtungen zu hören ist.

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Dieter Stork

Eine wärmere, organischere Version mit Vintage-Amp-Flair liefert das vor drei Jahren vorgestellte VT-Bass-DI-Pedal – quasi die Preamp-Version des hier getesteten VT Bass. Wer auf den typisch bulligen und direkten Ampeg- Sound steht, ist mit der noch relativ neuen Ampeg SCR DI gut beraten, die mit zahlreichen Anschlussmöglichkeiten sowie einer separat schaltbaren Overdrive-Sektion punkten kann. Natürlich haben auch die omnipräsenten Finnen von Darkglass in dieser Kategorie etwas zu bieten: Das B7K liefert den gleichen modernen Distortion-Sound des B3K, verfügt jedoch über einen DI-Ausgang sowie einen 4-Band-EQ.

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Dieter Stork

Wer sich noch mehr Kontrolle und einen echten clean-Kanal wünscht, wird neuerdings außerdem beim B7K-Ultra fündig, bei dem der EQ sogar semi-parametrisch ausgelegt ist. Beide Treter gibt es auch mit dem wärmeren Voicing des Microtubes-Vintage-Pedals; sie heißen dann Vintage Deluxe und Vintage Ultra – ein Test folgt! Zu guter Letzt schauen wir uns noch ein spannendes Gerät aus der Welt der amerikanischen Boutique Pedale an: Tronographic baut mit der Rusty Box eine Boden-Preamp-Version des Traynor TS-50B Verstärkers. Das Amp-Vorbild hat den Klang sämtlicher Shellac- und The-Jesus-Lizard-Platten geprägt – zwei echte Grunge-Instanzen mit bemerkenswert durchsetzungsfähigen Bass-Sounds. Die Rusty Box hat einen tighten, glasigen Grundcharakter und wird schön giftig, wenn man ihr die Sporen gibt. Leider hat Tronographic keinen Europa-Vertrieb, weshalb man um einen teuren Import nicht herumkommt …


Darf es etwas mehr sein? Bass Distortion Pedale!

Gerade für Bassisten der Hard-&-Heavy-Fraktion darf es schonmal etwas mehr Gain sein, als man es von einem durchschnittlichen Overdrive geboten bekommt. Genau diesen Zweck erfüllen Distortion- Pedale zu denen auch der irreführenderweise als Overdrive betitelte Boss-Klassiker ODB-1 gehört. Der kleine Gelbe ist überall dort richtig, wo es einen fetten, aufgepumten Distortion- Sound mit viel Säge und enormer Kompression braucht. Klanglich gar nicht weit davon weg ist außerdem das extrem verbreitete und seltsamerweise ebenfalls als Overdrive betitelte B3K von Darkglass. Im direkten Verglich tönt es etwas dynamischer und weniger künstlich als das Boss, die ultrafeine Gain- Struktur und der etwas mittenarme Grundcharakter finden sich hier jedoch eindeutig wieder.

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Dieter Stork

Bei EBS bekommt man mit dem Metaldrive eine leicht zu bedienende Distortion-Version des Multidrives. Wie beim Schwester-Pedal ist auch hier der Sound trotz weniger Regelmöglichkeiten auf Anhieb schmeichelhaft und ohrenfreundlich – ein echter Allrounder. Deutlich rabiater geht da das MXR M85 zu Werke: Sein sagenhaft rauer, grober und schwer zu bändigender Aggrosound hat mit Transparenz und Detailreichtum nichts am Hut – hier geht es nur darum, den größtmöglichen Feuersturm aus den Speakern zu blasen.

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Dieter Stork

Zu guter Letzt darf auch eine Variante von EHX‘ Big-Muff-Klassiker nicht fehlen: Das Deluxe Bass Big Muff ist im Gegensatz zur Gitarren- Version ein echtes Distortion-Pedal, dass sich dank interner und justierbarer (!) Frequenzweiche perfekt an jedes Instrument und jeden Anwendungszweck anpassen lässt. Man kann hier genau den Grenzpunkt zwischen verzerrten Höhen und cleanem Low-End bestimmen; ein präzise arbeitendes Noise Gate gibt es auch noch obendrauf!


Übersichtbass-amps-uebersicht

Resümee Runde 1

Die Pedal-Industrie mag einen mit ihrem Riesenangebot zwar verwirren, unterm Strich kann man jedoch über eine so große Auswahl an Top-Pedalen nur dankbar sein. Wie schon bei den Gitarrenverzerrern in der letzten Folge, haben auch die hier getesteten Bass-Overdrives ihre ganz individuellen Stärken: Das EHX Bass Soul Food wird mit seinem oldschooligen Knusper-Sound gerade bei ambitionierten Rockern und Bluesern Freunde finden und bietet für kleines Geld eine bemerkenswerte Ausstattung. An Rodenbergs GAS 808B NG führt kein Weg vorbei, wenn eine besonders gute Verarbeitung und ein natürlicher Ton ganz oben auf der Wunschliste stehen – das Preis-Leistungs- Verhältnis ist hier absolut bemerkenswert!

Wer ein einfach zu bedienendes Overdrive mit einem runden, „fertigen“ Sound sucht, der zudem gut mit Hochtönern harmoniert, wird beim EBS Multidrive fündig. Freunde von rotzigen Vintage-Sounds à la Geezer Butler sollten hingegen unbedingt das kernige SFT von Catalinbread in Erwägung ziehen – für Bassisten mit einem Faible für Stoner- Rock ist es fast schon ein Pflicht-Pedal. Wer vor allem flexibel sein will und auf einen direkten Ton mit viel Biss steht, wird am Tech 21 VT Bass Gefallen finden; dank hoher Gain-Reserven und einer leichten Grundkompression werden hier auch Metal-Heads glücklich. Und zu guter Letzt schickt auch Darkglass mit dem Microtubes einen vielseitigen, leicht zu bedienenden und leider nicht ganz billigen Treter ins Rennen, der mit erstaunlich wenigen Reglern den Spagat zwischen den unterschiedlichsten Genres schafft.

Am Ende ist es also alles wie so oft eine Frage des Geschmacks. Und natürlich kann man auch ein Oldschool-Pedal in einer modernen Djent-Metal-Band spielen – Regeln sind schließlich dazu da, um gebrochen zu werden! Empfehlen können wir alle sechs Pedale – es hilft also nur: Selber antesten!


RUNDE 2: Gitarren-Overdrive-Pedale am Bass

Gitarren-Zerr-Pedale am Bass? Darf man das? Will man das? Klingt das? Auf der Suche nach dem perfekten Ton ist bekanntlich alles erlaubt – unterm Strich zählt schließlich das Ergebnis!

Gitarrenzerrer (5)
Dieter Stork

Wie früher

Die Grundidee, Gitarren-Equipment für den Bass zu nutzen, ist weder abwegig noch neu. Schließlich gab es Zeiten, in denen die Grenzen zwischen Bass- und Gitarren-Verstärkern, -Boxen, und -Pedalen bei Weitem nicht so eindeutig verliefen wie heute: 70er-Jahre Hiwatt-, Orange-, Sunn- und Marshall-Amps wurden gleichermaßen von Gitarristen wie Bassisten gespielt – häufig sogar über die gleichen 4×12″-Boxen. Die CTS-, Electro-Voice- und Eminence-Lautsprecher in einigen der begehrtesten Vintage Bass-Boxen, wie z.B. der ‚Flatback‘ Ampeg 8×10″ waren zudem für den Mehrzweckgebrauch ausgelegt – man durfte also auch Gitarre, Orgel oder Synthesizer darüber spielen.

Egal ob bei John Entwistle, Geezer Butler, Roger Glover, Glenn Hughes, Jack Bruce oder Lemmy – die ikonischen, bis heute prägenden Bass-Overdrive-Sounds dieser Zeit waren vor allem von dem Klang weit aufgerissener Gitarren-Anlagen geprägt, dem ein großer Teil der erhältlichen Bass-Overdrives – teils mit, teils ohne Röhren – bis heute nacheifert. Mit diesem Stück Geschichte im Hinterkopf, gibt es eigentlich keinen Grund, als Bassist auf Gitarren-Pedale zu verzichten – außer vielleicht, man glaubt dem unter Tieftönern weit verbreiteten Märchen, dass Gitarren-Verzerrer kategorisch die Tiefbässe zu sehr beschneiden würden.

Diese „Weisheit“ kommt natürlich nicht von ungefähr: Wir Bassisten tun uns generell schwer mit dem Thema Verzerrung, und tatsächlich gehen in kaum einem anderen Bereich die Meinungen und Geschmäcker so weit auseinander: Wo der eine einen wollig weichen Fuzz-Sound für seine Blues-Combo braucht, sucht der andere die perfekte Distortion-Säge für seine Metal-Truppe – viel unterschiedlicher könnten die Anforderungen nicht sein. Die eierlegende Wollmilchsau gibt es natürlich nicht; bei den meisten Drive-Pedalen unserer Zeit handelt es sich vielmehr um spezialisierte Tools. Unsere fünf Testgeräte sind deshalb allesamt Gitarren-Overdrive-Pedale mit einem breiten, jedoch nicht extremen Gain-Spektrum, was sie universell in den unterschiedlichsten Stilistiken einsetzbar und untereinander vergleichbar macht – echte Allrounder also, keine Spezialisten! Mit Preisen zwischen € 30 und € 355 ist außerdem für jeden Geldbeutel was dabei.

Technik Runde 2

Grundsätzlich lassen sich unsere Test-Pedale in zwei Kategorien unterteilen: Zum einen simple Drei-Knopf-Pedale wie das Fulltone OCD, der Boss Blues Driver oder der Hughes & Kettner Tube Factor und zum anderen etwas komplexer aufgebaute Treter wie das Harley Benton AC Tone oder das Empress Multidrive.

Gitarrenzerrer (2)
Dieter Stork

Dass eine üppige Ausstattung dabei nicht zwangsläufig ein Indiz für einen hohen Preis sein muss, beweist das in China gefertigte AC Tone, das für seine läppischen € 30 auf Anhieb einen wertigen Eindruck macht: Auf dem unkaputtbaren Guss-Gehäuse sitzen sechs sahnig laufende Potis für Gain, Level, Voice, Bässe, Mitten und Höhen – gespart wurde hier (zumindest äußerlich) nur am etwas einfallslosen Design. Wie es der Name bereits andeutet, verspricht der Budget-Treter – wie auch sein bau- und namensgleicher Fetter aus dem Hause Joyo – saftige Vox-Klänge à la AC30. Dass man bei solch einem Preis im Inneren keine Top-Komponenten und erst recht keine üppigen Löhne für die in der Fertigung angestellten Arbeiter erwarten darf, versteht sich von selbst. Darüber hinaus wird vieler Orts gemunkelt, dass es sich bei den Pedalen der TrueTone-Serie um lupenreine Kopien der Character-Series-Pedale von Tech 21 handeln soll – aber dazu später mehr …


Gitarrenzerrer (1)
Dieter Stork

Auf ein wirklich eigenständiges Design und solide Qualität trifft man beim Boss Blues Driver – ein echter Klassiker, der mit einem Ladenpreis von € 85 noch absolut bezahlbar ist. Der kleine Blaue ist denkbar schlicht aufgebaut und braucht nur drei Regler: Gain, Level, Tone und steht damit voll in der Tradition von Ibanez‘ Tube Screamer, zu dem es auch durchaus tonale Parallelen gibt. Interessant für unseren Test macht ihn der im direkten Vergleich etwas stärkere Bass- und breitere Gain-Bereich – beides Punkte, bei denen der grüne Meilenstein von Ibanez zumindest am E-Bass Schwächen zeigt.


Gitarrenzerrer (7)
Dieter Stork

Ähnlich unkompliziert, preislich jedoch fast schon im Boutique-Sektor angesiedelt ist das ca. € 160 teure und in den USA gefertigte OCD von Fulltone. Die Bedienelemente entsprechen denen des Blues-Drivers, dazu kommt jedoch noch der HP/LP-Schalter, mit dem sich zwei unterschiedliche Grundvoicings abrufen lassen. Das OCD wird von Gitarristen für seinen ausgesprochen natürlichen, röhrenähnlichen Charakter und seinen enorm weiten Gain-Bereich geschätzt, außerdem wird es gerne auch zum Anblasen von Röhren-Amps genutzt. Obwohl das Pedal unter Bassisten im Großen und Ganzen immer noch ein Geheimtipp ist, weiß man in weiten Teilen der Hardcore-, Punk- und Post-Rock-Szene längst um seine Qualitäten als Bass-Overdrive – ein echter Insider sozusagen. Vom elektrischen und mechanischen Aufbau gehört das Fulltone definitiv zur Luxus-Klasse, mit Features wie dem nahezu geräuschlosen Schalter, oder dem integrierten Überspannungsschutz – man kann den Preis also durchaus rechtfertigen. Wer dem OCD-Sound so nahe wie möglich kommen will, jedoch nicht das nötige Kleingeld übrig hat, findet außerdem im Harley-Benton/ Joyo-Programm einen Budget-Clone mit dem Name Ultimate Drive, für den die Chinesen einen Preis von gerade einmal € 30 aufrufen.


Gitarrenzerrer (4)
Dieter Stork

Ein Vielfaches davon muss man für das einzige deutsche Pedal in diesem Vergleich hinlegen: Der Hughes & Kettner Tube Factor liegt bei stolzen € 275, ist jedoch im Gegensatz zu den anderen Testgeräten röhrengetrieben. Seine aufwendig gebauten Innereien benötigen ein wirklich großes Gehäuse, was ihn nicht sonderlich Pedalboard-freundlich macht, ebenso wie die entgegengesetzt zum üblichen Signalflusses positionierten Ein- und Ausgangs-Buchsen. Die verbaute Röhre vom Typ 12AX7 verlangt außerdem eine Menge Strom (AC/AC, 12V, 700mA, Netzteil wird mitgeliefert) und wird intern bei satten 300V betrieben – also nix Alibi-Röhre! Ein Trio aus Gain-, Volume- und Voicing-Reglern macht die Handhabung denkbar einfach, der Factor-1/2-Fußschalter aktiviert einen drastischen Gain-Boost. In der Bassisten-Welt ist der Tube Factor für ein Gitarren-Pedal erstaunlich weit verbreitet, dabei wird er auch häufig genutzt, um sterilen Transistor-Verstärkern Leben einzuhauchen.


Gitarrenzerrer (3)
Dieter Stork

Wer glaubt mit diesem edlen Teil das obere Ende der Preis-Liste gesehen zu haben, wird von dem € 355 teuren, in Kanada gefertigten Empress Multidrive eines Besseren belehrt: Fuzz, Overdrive und Distortion in einem Gehäuse – das klingt verlockend! Jedes der drei Elemente ist ein vollwertiger Zerrer für sich, mit eigenen Gain- und Volume-Reglern sowie Filter-Schaltern, mit denen das Signal bei Bedarf wahlweise in den Höhen oder Bässen beschnitten werden kann. So lassen sich nicht nur alle drei Zerr-Aggregate mit beliebigen Lautstärke- und Gain-Verhältnissen mischen, es können auch bspw. die Höhen des einen Zerrers mit den Bässen eines anderen kombiniert werden, was die Sound-Optionen nahezu grenzenlos macht. Für Bassisten ist dieses Feature besonders interessant, weil man so auch die Möglichkeit hat, dem verzerrten Ton cleane Bassanteile beizumischen. Wer darüber hinaus noch mehr Tone-Shaping-Optionen braucht, greift einfach zum übergeordneten 3-Band-EQ, oder speichert (voll analog!) einen zweiten Sound als fußschaltbares Preset. Mit seinen unglaublichen Möglichkeiten ist das Multidrive zweifellos das Schweizer Taschenmesser unter den Drive-Pedalen.


 

Sounds Runde 2

Den Anfang macht Harley Bentons kriminell-günstiges AC Tone – und siehe da, mit allen Reglern in 12-Uhr-Position schlägt einem hier ein wirklich grandios guter Overdrive-Sound entgegen: Fett, bissig aggressiv mit einer Röhrenamp-mäßigen Betonung der Eckfrequenzen, ohne dass jedoch die Mitten zu kurz kommen – absolute Oberliga! Von leicht angezerrt bis super-aggro-Abrissbirne hat das AC Tone alles drauf, dazu kommt der hervorragend mit dem Bass harmonierende 3- Band-EQ sowie eine gute Portion Kompression, die auch den ein oder anderen Spielfehler verzeiht. Der Grundcharakter des erstaunlich leicht zu bedienenden Pedals lässt sich sehr effektiv mit dem Voice-Regler steuern, wobei Einstellungen unter der Neutral-Position cleanere und wärmere Sounds hervorbringen als Einstellungen darüber. Wirklich frappierend ist im direkten Vergleich die Verwandtschaft zu Tech21s VT-Bass-Pedal: Voicing, Gainstruktur, ja sogar die leichte Hochmitten-Betonung und die eher eingeschränkte Dynamik des Tech21 finden sich beim AC Tone wieder. Hört man genau hin, wirkt das Harley Benton vielleicht einen Tick dreckiger und weniger kontrolliert – da reden wir jedoch schon über Nuancen. Einen deutlicheren Unterschied macht da das starke Grundrauschen des China-Schnäppchens – aber hey, irgendwo muss der Preis ja herkommen …


 

Einen ganz anderen Sound hatten die Entwickler bei Boss im Kopf als sie vor rund 21 Jahren den Blues Driver designten. Sein Ton ist deutlich mittiger, dynamischer, gröber und weniger aggressiv, was ihn zum idealen Partner von besonders bassstarken und modern abgestimmten Amps macht. Die leichten Verluste im Tiefbass können mit einem potenten EQ problemlos ausgeglichen werden, sodass man mit minimalem Geschraube einen wirklich schönen und charakterstarken Rocksound hinbekommt – hilft man an den Gain- und Tone-Reglern etwas nach, ist auch derbes Zerr-Brett drin. Generell gehört der Blues Driver zu den weniger flexiblen Pedalen, weshalb hier die Abstimmung von Overdrive und Amp absolut entscheidend ist: Besonders gut harmoniert der kleine Blaue mit Fender-Tonestack-basierten EQs, wie sie z. B. im Orange AD200B MK3 zu finden sind – bei neutraleren Schaltungen kann es besonders im Mitten-Bereich schonmal zu viel des Guten sein.


 

Der nächste Verwandte in diesem Test ist zweifellos das Fulltone OCD, welches im Vergleich jedoch etwas röhriger und weniger kantig daherkommt. Auch hier sollte der Amp über gewisse Bassreserven verfügen, sind diese vorhanden, belohnt das Pedal seinen Spieler mit einem ungemein cremigen, natürlichen und lebendigen Ton, der einfach das gewisse Etwas hat: Bluesiges Finger-Spiel kommt hier – Anpassungen am Gain-Poti vorausgesetzt – genauso gut wie heftiges Plektrum-Genagel; trotz der wenigen Regler hat das OCD von zart und weich bis fetzig und brutal eine Menge Facetten zu bieten. Bemerkenswert ist dabei auch, wie nebengeräuscharm das Pedal bei hohen Gain-Einstellungen arbeitet – da könnte sich das AC Tone eine Scheibe von abschneiden!


 

Ähnlich vorbildlich verhält sich in dieser Disziplin Hughes & Kettners Tube Factor, der dank schaltbarer Gain-Stufen weit mehr als nur dreckig kann: Factor 1 (Low-Gain-Modus) besticht durch einen ausgesprochen röhrigen, warmen und dennoch präzisen Ton mit schmatzigem Attack und extremer Tiefe – manch einer würde 3D-Sound dazu sagen. Hier reicht die Zerr-Spanne von wirklich clean bis gemäßigt rotzig – absolut ideal um einen etwas langweiligen Amp klanglich aufzuwerten. Der Voice-Regler entscheidet maßgeblich über den Mitten-Gehalt des Tons und arbeitet deutlich effektiver als ein herkömmliches Tone-Poti, wenn es um die Abstimmung von Pedal und Amp geht. Für mehr Verzerrung muss man Factor 2 bemühen, der leider unweigerlich einen starken Lautstärkesprung mit sich bringt: Das Signal wird lauter, komprimierter und auch etwas dunkler, das ultradirekte Attack weicht außerdem merklich auf. Stark gesättigte Zerrsounds sind in diesem Modus kein Problem mehr, allerdings geht dabei auch etwas von der Röhren-Magie verloren, die Factor 1 ein echtes Alleinstellungsmerkmal in diesem Vergleichstest beschert.


 

Zu guter Letzt werfen wir einen Blick auf das Multidrive von Empress. Um vorab eines klarzustellen: Jede der drei Zerr-Sektionen ist in der Praxis wie ein vollwertiges Pedal zu bewerten, die Sound-Qualität bewegt sich durchweg auf höchstem Niveau. Die Fuzz-Einheit liefert bei niedrigen Gain-Einstellungen weiche Blues-Rock-Klänge um bei Vollgas ein wahres Drone-Zerr-Inferno à la Sunn O))) zu entfachen, während die Overdrive- und Distortion-Abteilungen bissigere und dynamischere Töne anschlagen. Besonders flexibel zeigt sich das Distortion, da hier das Voicing mit einem Dreifachschalter von mild crunchig über warm und rotzig bis hin zu aggressivem Säge-Highgain variiert werden kann. Bemerkenswert ist, wie wenig das Empress in den verschiedensten Einstellungen den Charakter des Instruments verfärbt – hier hört man stets, welcher Bass angeschlossen ist!

Mischt man mehrere Drive-Sektionen, ergeben sich völlig neue Sounds, wobei es erst so richtig spannend wird, wenn die High- und Low-Pass-Filter ins Spiel kommen: Jetzt lassen sich die Stärken der verschiedenen Kombinationen noch feiner herausarbeiten, ohne dass das Ganze allzu schnell in einer schwer kontrollierbaren Gain-Orgie endet. Freunde des Bass-Overdrive-typischen Blend-Potis können außerdem eine Drive-Abteilung clean einstellen und – dank Filter – in den Höhen begrenzen, um sie anschließend mit dem stark verzerrten High-Pass-Signal einer anderen Sektion zu mischen. So bekommt man auch moderne, aufgepumpte Djent- und Metalcore-Sounds hin – den letzten Schliff gibt‘s vom durchweg überzeugenden Master-EQ. Wenn das Multidrive überhaupt eine Schwäche hat, ist es vielleicht das Attack, das bei hohen Gain-Einstellungen etwas an Direktheit einbüßt. Aber nichtsdestotrotz: Flexibler und durchdachter geht es kaum!


Gitarrenzerrer (6)

Resümee Runde 2

Wer als Bassist bereit ist, einen Schritt in das Land der Gitarren-Pedale zu wagen, findet im besten Fall seinen Traum-Treter – falls nicht, erweitert es allemal den eigenen Horizont. Unsere kleine aber feine Auswahl an Tretminen ist durchweg empfehlenswert, jedes Overdrive hat seine eigenen Stärken:

Das AC-Tone ist nicht nur ein Highlight für Pfennigfuchser, sein bissiger und komprimierter Grundcharakter begeistert an den allermeisten Amps, solange Natürlichkeit nicht das oberste Gebot der Stunde ist. Der rotzige Blues Driver braucht zwar im Bassbereich etwas Rückendeckung vom Verstärker, belohnt seinen Besitzer jedoch mit herrlich ungehobeltem 70er-Jahre-Rotz. Gleiches gilt für das OCD, das seinen Ton jedoch noch cremiger, geschmeidiger und röhriger in Szene setzt, dabei jedoch nicht an die Authentizität, Direktheit, Tiefe und Flexibilität des Tube Factors herankommt. Das ultra vielseitige Multidrive ist zuletzt besonders für Bassisten, die nebenbei noch Gitarre spielen die Krönung: Mehr Zerr-Facetten passen einfach nicht in ein einzelnes Pedal – schon gar nicht mit einer so guten Bedienbarkeit! Rechnet man außerdem die Preise von drei vergleichbar hochwertigen Top-Verzerrern zusammen, kann man sogar den heftigen Preis vertreten.

Unterm Strich sind Gitarren-Pedale also ein heißes Thema für Bassisten, was jedoch nicht bedeutet, dass die Welt der Bass-Overdrives weniger spannend ist! Im zweiten Teil unseres Zerrer-Testmarathons werfen wir deshalb einen genauen Blick auf die Drive-Auswahl im TieftonBereich! Stay Tuned!


Zerrer und Blend-Pedale

Wenn der Amp-EQ nicht ausreicht um den Bassverlust eines eher schlanken Gitarren-Overdrives zu kompensieren, ist nicht alles verloren, schließlich gibt es Blend-Pedale mit deren Hilfe man dem Clean-Signal einen FX-Loop beimischen kann. In den Loop hängt man einfach den jeweiligen Zerrer, danach muss man nur noch die richtige Balance zwischen cleanem und verzerrtem Signal finden. Da manche Gitarren-Pedale intern die Phase des Signals drehen, macht es Sinn, ein Blend-Pedal zu nehmen, das bei Bedarf die Phase wieder „zurückdrehen“ kann, wie z. B. der Radial Mix-Blender (€ 220). Wer es günstiger haben will, gerne bastelt und auf den Phase-Schalter verzichten kann, sollte hingegen einen Blick auf das Buff N‘ Blend Kit von Musikding.de werfen.

Für alle, die es zum Schluss richtig wissen wollen, gibt es dann noch Blend-Pedale mit eingebauter Frequenzweiche – soll heißen: Das cleane Signal wird in den Höhen begrenzt, während das verzerrte in den Bässen beschnitten wird. Die Signale verschmelzen dadurch meist noch harmonischer, sodass das Endergebnis natürlicher und „echter“ klingt. Kandidaten für den Job wären hier das Big Bottom V2 von Tym Guitars, das Integrail von Jupiter Effects oder auch das extrem flexible Divider-Pedal von KMA Audio Machines. Egal Ob mit oder ohne Frequenzweiche: Mit einem Blend-Pedal kommt plötzlich jeder GitarrenVerzerrer auch für Bass in Frage!


Perlen auf dem Gebrauchtmarkt

Für alle, die es nicht unbedingt neu haben müssen, bietet der Gebrauchtmarkt einige Interessante und teilweise kultige Alternativen, die man so nicht mehr im Handel bekommt. Da wäre zum einen der Distortion-Klassiker von ProCo: The RAT! Moment mal, die gibt es doch noch – richtig, die wirklich gesuchten und mittlerweile auch teuren Vintage-Originale, bekommt man aber nur gebraucht. Egal ob neue oder alte Version: Die Ratte ist stets giftig und aggressiv und untenrum nicht besonders fett – dafür liefert sie einen unverwechselbaren herrlichen Aggro-Sound. Einen Wahnsinns Alarm macht auch Hughes & Kettners Warp Factor: Das ursprünglich als Nu-Metal-Distortion vermarktete Pedal erntet unter Gitarristen heute meist nur noch ein müdes Lächeln, am Bass ist es jedoch eine echte Macht. Extrem dicht, wahnsinnig Fett und erstaunlich Amp-like, spielt es besonders bei Heavy-Sounds ganz weit vorne mit, außerdem bekommt man es schon für etwa € 30 – was will man mehr?

Ein weiterer Insider ist das Marshall Guv‘nor Pedal aus den späten 80ern, von dem man auf dem ersten Rage-Against-The-Machine-Album einen guten Eindruck bekommt. Es ist insgesamt etwas grob und brizzelig im Ton aber durchaus eigen und irgendwie charmant! Zuletzt findet man immer wieder Hughes & Kettner Tube-Factor-Pedale auf dem Gebrauchtmarkt, die professionell von Okko FX gemoddet wurden: Zu den Modifikationen gehören meist ein eigener Volume-Regler für Factor 2 sowie ein Gain-Boost-Schalter für Factor 1, wodurch das Pedal in der Praxis noch deutlich flexibler wird – absolut empfehlenswert!

 

 

 

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