Angemessen aggressiv

Back in black: Ibanez SRMS625EX Iron Label im Test

(Bild: Dieter Stork)

Mit „Metal will never die“ hat man dieses Jahr bei Ibanez die neuen Modelle der Iron-Label-Serie angekündigt, darunter auch zwei neue Bässe. Eins dieser Exemplare liegt nun zum Test vor, und wie die pechschwarze Optik vermuten lässt, liegt der Fokus ganz eindeutig bei tiefgestimmten, harten Klängen.

Bei Freunden harter Gangart erfreuen sich die unter der Iron-Label-Serie veröffentlichten Instrumente bereits seit einigen Jahren großer Beliebtheit. Dieses Jahr gehören zum Facelift der Serie auch zwei „neue“ Bässe. Anders als bei den Gitarren hat man sich bei den Formen allerdings etwas mehr zurückgehalten. Anstelle von markanten Heavy-Shapes gibt es hier einen BTB und einen Soundgear. Letzterer kommt mit Fächerbünden daher und soll damit wohl vor allem in der modernen Metal-Szene Punkte sammeln können.

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ÜBERSICHT

Zumindest in Sachen Optik klappt das schon einmal. Am mattschwarzen Lack, der sich über fast das gesamte Instrument erstreckt, konnte ich keine Makel feststellen. Von Lacknasen oder Pickeln keine Spur und genau so gut wie es aussieht, fühlt es sich auch an. Weich und angenehm fasst sich die Oberfläche an, was sich insbesondere bei der Bespielbarkeit positiv bemerkbar macht. Über die Rückseite des Halses aus Ahorn und Walnuss gleitet es sich ganz wunderbar und selbst unter verschwitzten Bühnenbedingungen dürfte schnellen Lagewechseln nichts im Wege stehen. Nur einen Lappen sollte man wohl parat halten, Schweiß und Hautfett hinterlassen sofort deutlich sichtbare Spuren auf der Oberfläche.

Neben der Fächerbundierung stellt das Griffbrett eine Besonderheit des Halses dar, da es nicht wie gewöhnlich aus Holz, sondern einem Kunststoff besteht. Ibanez nennen das aus Papier und Kunstharz bestehende Material Ebonol, welches durch die recht hohe Dichte klanglich und optisch wohl dem namensgebenden Ebenholz ähnlich sein soll. Durch die verlängerte Mensur gibt es zwar eine leichte Kopflastigkeit und auch das Gewicht ist mit 4,3 kg nicht mehr supergering, jedoch sind beide Umstände mit einem ordentlichen Gurt gut in den Griff zu bekommen und stören in der Praxis nicht. Insgesamt ist die Verarbeitung des Basses aus indonesischer Fertigung gut, mit nur wenig Gründen zur Beanstandung.

Brücke und Mechaniken machen das, was sie sollen, ohne für Komplikationen zu sorgen und reihen sich selbstverständlich auch in das pechschwarze Gesamtbild ein. Lediglich die Medium-Bünde stechen hier natürlich heraus, allerdings nur optisch, an den verrundeten Bundenden entlang des Halses sowie den Bundkronen gibt es kaum etwas auszusetzen. Zwei, drei vereinzelte Bünde könnten beim Testexemplar nochmal von einem Profi mit der Feile bearbeitet werden, dann wären auch sehr flache Saitenlagen möglich. Aktuell liegt die Einstellungsgrenze bei etwa 1,5-2 mm zwischen Saite und dem 24ten Bund und damit immer noch tief genug für das Gros der Basswelt. Potiseitig passt auch alles soweit, ein paar Potikappen eiern ein wenig beim Drehen und könnten besser zentriert auf den Achsen sitzen, aber das ist mit zwei Handgriffen auch schnell selbst erledigt.

ELEKTRONIK

Unter der Haube ist auch alles in Ordnung. Sicherlich, sonderlich glamourös oder beeindruckend sieht der Inhalt des Elektronikfaches nicht aus, aber der Preisklasse angemessen findet sich hier eine ordentliche Abschirmung und ein funktionales Kabelmanagement. So weit, so gut. Doch was bewirken die ganzen Bedienelemente? Neben den beiden Reglern für Volume und Pickup-Blend, deren Funktion selbsterklärend sein dürften, sitzt ein Zwei-Wege-Kippschalter zur Umgehung der Aktivelektronik. Ist dieser umgelegt, befindet sich lediglich eine passive Höhenblende im Signalweg, die sich den Drehregler mit dem Höhenregler teilt. Es gilt also: Entweder Tonblende oder aktiver Höhenregler. Klangliche Unterschiede, Klangregelung in Mittelstellung vorausgesetzt, zwischen Aktiv- und Passivmodus fallen marginal aus, und so verschaffe ich mir zunächst einen Eindruck davon, was die passiven Bartolini-BH2-Tonabnehmer in diesem Bass so liefern. Gut bekannt sind mir diese Humbucker bereits aus Modellen der EHB- und BTB-Serien, wo sie aufgrund mangelnder Auflösung als moderner Allzweck-Tonabnehmer nicht so richtig überzeugen konnten.

DRUCKVOLL

Auch im Iron Label liefern sie kein offenes oder gar „luftiges“ Obertonspektrum. Wohl Dank der dichten Materialien des Basses kommen dafür aber angenehm prägnante Hochmitten zur Geltung sowie ein trockenes Fundament, das auch für eine 35,5″-Mensur keine Selbstverständlichkeit darstellt. Die H-Saite liefert Druck ohne Ende, ist dabei aber nicht matschig und lässt sich so problemlos auf A und tiefer droppen. Für modernen Metal eigentlich schon Standard, insofern erfreulich, dass die Umsetzung des Metal-Oberthemas hier hervorragend funktioniert.

Tatsächlich ist sogar der Halstonabnehmer für sich genommen schon recht tight im Low-End, was die klangliche Palette deutlich erweitert. So sind auch bauchige Sounds kein Problem oder Klänge, bei denen weniger ein aggressives Beißen der Hochmitten gefordert ist, sondern eher ein „Dengeln“ im Hintergrund. Am Ende der Mensur, kurz vor der Bridge kommt natürlich deutlich weniger Bassfundament an dem Tonabnehmer an und entsprechend aus diesem heraus. Hier wird der Sound drahtig, rotzig aber eben auch vergleichsweise dünn.

In Verbindung mit Zerrpedalen geht in allen Positionen der Pickup-Blende die sprichwörtliche Sonne auf. Hier erweist sich die fehlende Brillanz in dem einen oder andere Szenario sogar als vorteilhaft, denn so wird verhindert, dass unangenehme Resonanz-Peaks durchs Verzerren erzeugt werden. Gerade mit gängigen, modernen Verzerrern ergibt sich ein homogenes, aggressives Klangbild, das sich ausgezeichnet ins Band-Gefüge integriert.

prall gefülltes E-Fach, ordentlich abgeschirmt (Bild: Dieter Stork)

ELEKTRONIK

Um für zusätzliche Klanggestaltung nicht auf externe Pedals angewiesen zu sein, hat man dem Instrument eine 3-Band Elektronik mit schaltbaren Mittenfrequenzen spendiert. Letztere werden über den unteren Kippschalter ausgewählt und bedienen dabei 250 Hz, 450 Hz und 700 Hz. Insbesondere fürs Aufräumen, also Absenken, dieser Bereiche sind die Frequenzen gut getroffen. So kann schnell und unkompliziert für Platz im Mix gesorgt oder nölige Mitten beseitigt werden, wobei der Regler recht großzügig zugreift. Es gilt also, mit Vorsicht zu dosieren. Anders sieht es beim Höhenregler aus. Zwar greift dieser ebenso radikal ins Klanggeschehen ein, jedoch ist hier weniger Grund für Vorsicht gegeben. So steht dem Bass zumindest das Anheben der Höhen sehr gut.

Um auch beim Tappen oder Spiel mit Plek deutliches Attack zu haben, empfiehlt sich eine Stellung zwischen ca. 60-80% im Uhrzeigersinn. Hier klirren die Saiten noch nicht und ein Rauschen tritt auch noch nicht störend in den Vordergrund. So klingt der Bass modern, aggressiv und setzt sich mit seinem leicht komprimierten Grund-Sound auch ohne Zerre gut in der Band durch. Wenn nicht gerade der Bridge-PU einzeln gespielt wird, belässt man den Bassregler am besten einfach in Mittelstellung. Aufgrund des bereits trockenen Fundaments sehe ich selbst beim Hals-PU keinen Bedarf, mit einem Kuhschwanzfilter da irgendwas zu drehen. Bei den meisten wird dieser Regler wohl meist ein unberührtes Dasein fristen.

(Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Klar, die Iron-Label-Serie wird plakativ für „bösen Metal“ beworben, und tatsächlich glänzt der SRMS625EX in dieser Disziplin mit einem angemessen aggressiven und druckvollen Grund-Sound. Auch die Bespielbarkeit bleibt dabei nicht auf der Strecke, wodurch von Leersaitenschrammeln über Fingerstyle bis zu Tapping und Hybrid Picking alles möglich ist. Für um die € 1000 gibt es hier ein stimmiges Gesamtpaket, das insbesondere für Freunde tiefer Tunings interessant sein dürfte.

PLUS

  • Bespielbarkeit
  • fürs Genre passender Grund-Sound
  • Optik
  • Verarbeitung

MINUS

  • Tonabnehmer wenig brillant


(erschienen in Gitarre & Bass 02/2022)

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