Produkt: Gitarren ABC – Alles über E-Gitarren Digital 2014
Gitarren ABC – Alles über E-Gitarren Digital 2014
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Feine Kleine

Test: B & G Guitars Little Sister Crossroads

In Israel hat sich der Boutique-Hersteller B & G Guitars zu einer mittelständischen Firma hochgearbeitet. Grund für die erfolgreiche Entwicklung ist nicht zuletzt das zierlich feine Retro-Modell Little Sister, welches international große Aufmerksamkeit erregte. Eine kleine Schwester der von Hand gefertigten Little Sister aus serieller asiatischer Produktion soll nun auch Musikern mit wenig Mitteln, aber gleichwohl hohen Ansprüchen Zugang zur Familie verschaffen. Und wo trifft man sich? Na, an dieser berühmten Kreuzung natürlich, wo sich das Gute dem Bösen zum alles entscheidenden Kampf stellt.

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Angefangen hat alles in einer kleinen Hinterhofwerkstatt in Tel Aviv, wo die Gitarrenbauer und Vintage-Experten Eliran Barashi und Yotam ‚Kiki‘ Goldstein zusammen mit dem Unternehmer Avi Goldfinger B&G Guitars mit der Maßgabe gründeten, die besten Gitarren am Markt herstellen zu wollen.

Inspiriert von den Klassikern der 20er- bis 50er-Jahre schufen sie stimmige Retro-Designs, deren Erfolg den Umzug in größere Räumlichkeiten mit einer „Private Build“-Monatsproduktion exklusiver Einzelstücke von derzeit etwa 30 Instrumenten einerseits und die Erweiterung auf die Crossroads-Budget-Reihe andererseits ermöglichte. Das Test-Instrument wurde uns freundlicherweise vom Gitarren-Studio Neustadt zur Verfügung gestellt.

Transformation ohne Identitätsverlust

Das in kleinen Serien mit beachtlicher Präzision gefertigte China-Modell bleibt dem originären Little-Sister-Design eng verbunden. Die Bauweise mit ausgefrästem Korpus und auch einige firmentypische Ausstattungsdetails, wie etwa Parts aus Messing, wurden prinzipiell auch in der vorgelegten preiswerten Version realisiert.

Grundsätzlich finden wir im Little-Sister-Design Elemente früher amerikanischer Gitarrenbaukunst, aufgewertet mit modernen Ansprüchen an Fertigung und Spielweise. Der kleine Korpus erinnert fast schon an das zierliche Gibson-Modell ES-140 in 3/4 Größe, oder, in der ebenfalls erhältlichen Non-Cutaway-Version, an die Gibson L-1 der 20er-Jahre.

Etwas wunderlich wirkt in diesem Zusammenhang der klassische Fensterkopf mitsamt den seitlich montierten Mechaniken. Wenig überraschend dagegen der einteilige Mahagonihals mit natürlich fettem 50s-Profil. Der Mix an historischen Anmutungen appelliert ganz klar an das Vintage-Faible vieler Gitarristen, die technische Ausführung dagegen bedient sich zeitgemäßer Methoden.

Die Details: Für den Korpus unserer kleinen Schwester wurde eine solide Platte afrikanischen Mahagonis von rund 4 cm Stärke großzügig ausgefräst. Neben kraftvoll dimensionierten Zargenrändern blieb ein massiver Mittelblock bis weit unter den Steg reichend erhalten. Die darauf platzierte, mittig gefügte Decke aus massivem Riegelahorn präsentiert sich mit zwei hübschen kleinen f-Löchern und naturfarblich belassenen Rändern. Weder Decke noch Boden weisen Konturen auf, die Randbereiche sind jedoch allesamt weich gerundet.

Der in Höhe des 14. Bundes eingeleimte Hals aus einteiligem Mahagoni bekam ein Griffbrett mit flachem 12″-Radius aus Ovangkol aufgesetzt. 20 schlanke Nickel-Silber-Bünde zeigen saubere Verarbeitung, die Griffbrettkanten gute Rundung. Mit offenen B&G Delta Tuners ist die knapp zwei Zentimeter starke Fensterkopfplatte ausgestattet. Die Saiten schwingen mit 62,8 cm Mensurlänge zwischen dem Sattel (Tusq) und einer ABR Bridge. Der auf die Zarge hinten montierte Saitenhalter mit geprägtem Modellnamen besteht aus massivem Messing. Zugriff auf den traditionellen Einweghalsstab gibt es vom Korpus her (Spoke Wheel Nut).

Kappen der Pickups, Tailpiece und Anschlussbuchse aus Messing

Die Elektrik umfasst zwei in Messingkappen gesetzte P-90-Pickups, konventionell anwählbar über einen unten auf die Decke platzierten Dreiwegschalter. Verwaltet wird das elektrische Tongeschehen mit zwei generell operierenden Volume- und Tone-Reglern. Ebenfalls aus Messing gefertigt ist die unten auf die Zarge gesetzte Anschlussbuchse. Um die Kosten gering zu halten, gibt es für die Little Sister abgesehen von Cutaway- oder Non-Cutaway-Versionen keinerlei Zugriff auf weitere Optionen.

Geliefert wird das sauber gefertigte Instrument in einem guten Softcase. Auf Bestellung und mit entsprechendem Aufpreis sind allerdings schon auch die originalen Pickups aus Israel, ein Pickguard aus Messing oder ein Koffer erhältlich. Neben Tabacco Burst ist alternativ nur noch die Farbe Midnight Ocean wählbar.

Vintage Anmutung – Moderne Umsetzung

Vom Spielgefühl her kommen wir mit der angenehm leichten Little Sister (runde 3 kg) einer Les Paul Special näher, als der optisch angedeuteten Archtop. Mit unscharfem Blick könnte man in der kleinen Gitarre ja glatt eine geschrumpfte ES-175 sehen. Aber da ist kein Arch (Wölbung) weit und breit und die Plattenstärke des Korpusbodens aus Mahagoni liegt ja durchaus im Les-Paul-Bereich.

Eingeschränkt wird dieser erste Eindruck allerdings durch den frühen Halsansatz der Little Sister (14. Anstelle des 16. Bundes bei einer LP), was ihr ein wenig das Gefühl von Kurzhalsigkeit verschafft. Davon abgesehen spielt sich dieser Hals hervorragend. Das Soft V genannte Neck-Profil zeigt lediglich im unteren Ansatz einen Hauch von V, ansonsten haben wir es eher mit dem angenehm rundlichen 50s-Neck-Typ zu tun.

Akustisch kommt die kleine, mit einem Standard 010er-Satz bespannte Gitarre mit recht lautem, gut aufgelöstem Akkord-Sound in Stellung. Schwingintensiv und frei trumpft sie auf, lässt dabei aber natürlich auch die typisch schwirrenden Schwingungen eines Trapez Tailpiece hören.

Das akustisch so strahlfrische Klangbild wird am Verstärker von den verbauten P-90-Pickups souverän in Szene gesetzt. Der Hals-Pickup vermittelt ein vollstimmig rundes Tonbild mit kernig holzigem Bass, warmem Mittenbereich und seidigen Höhen. Ausgeglichen interagieren die sauber separierten Stimmen im Akkord, der bei allem Tiefgang immer auch straffe Konturen aufweist. Der frühe Hals-/Korpusübergang sorgt zusammen mit dem fetten Hals überdies für einen festen Ton und hervorragendes Sustain. Der Ton kommt schon auf leichten Anschlag hin spontan in Stellung und bildet jede Fingeraktion plastisch ab.

Schneller Response und substanzreiche Tonentfaltung nehmen den Spieler sofort an die Hand, die Kleine Schwester versteht sich auf Verführung – keine Frage! Das alles gilt auch für Overdrive-Positionen, in denen sich ein schöner Growl mit leicht semiakustischer Note entfaltet und der Ton eine durchaus erdige Qualität erreicht. Selbst bei Zurückrollen des Volume-Reglers bleibt die Prägnanz im Ausdruck erstaunlich gut erhalten und die seidigen Höhen verlieren kaum an Substanz – sehr schön!

Gehen wir auf den P-90 am Steg, so punktet auch der mit einem stimmig ausgeglichenen und durchsichtigen Akkord-Sound ohne aufdringliche Spitzen. Schon deutlich schlanker in der allgemeinen Darstellung, mangelt es ihm aber keineswegs an Substanz und Präsenz. Direkt springt der Ton auf den Anschlag hin vor, steht fest und lang, zeigt angenehme Rundung und schöne Farbe.

Bemerkenswert frisch und mit einer guten Portion Aggressivität geht es dann im Zerrkanal des Amps zur Sache. Mit schöner Perkussion wird der Anschlag herausgestellt, markant und griffig trocken kommen Powerchords zum Zuge, aber auch bissige Lead-Sounds sind kein Problem. Bei Bedarf lässt sich das aggressive Zähneblecken aber auch per Tone-Regler effektiv bedämpfen.

Perlfrisch ergänzt dann der plastische Sound der kombinierten Pickups noch das ansprechende Klangangebot. Schlussbemerkung: Ein Instrument wie die Little Sister ist am Ende wohl nicht jedermanns Sache, bleibt eine Frage des Stilempfindens. Von der ganzen Anlage und auch vom Spielgefühl her ist man geneigt, auf ihr rückwärts zu denken, also klassischem Blues- und Rock’n’Roll, von mir aus auch allen Americana-Stilistiken den Vorzug zu geben.

Das Zeitempfinden ist dabei konventionell, nicht voranstürmend modern. Kein Schaden, denn die Gemeinde von Liebhabern der klassischen Moderne amerikanischer Prägung ist groß und der Erfolg der mit modernen Fertigungsmethoden aktualisierten Little Sister gibt ihren Erfindern nicht nur Recht, sondern erfreut auch den Liebhaber.

Resümee

Mit dem Modell Little Sister Crossroads stellt B&G Guitars aus Israel eine preiswerte Version seiner erfolgreichen, von Hand gemachten Little Sister aus chinesischer Produktion vor, ein schlagendes Beispiel für den an Vintage-Originalen ausgerichteten, historisierend klassischen E-Gitarrenbau unserer Zeit. Die analog zum Original mit gefrästem Mahagonikorpus plus planer Ahorndecke und rundlichem 50s-Hals aus Mahagoni konstruierte kleine Gitarre lässt sich bestens handhaben und macht sofort Spaß, da sie mit ihren P-90-Pickups authentisch frische Sounds abliefert, die den Vintageaffinen Spieler aus dem Blues- oder Classic-Rock-Lager fraglos glücklich machen können.

Mal nicht an die Retro-Optik gedacht und frech ins härtere Rock-Lager gegrätscht, weiß die kleine Schwester durchaus auch dort mit offensiver Präsenz und vitaler Aggression im Gain-Modus zu überzeugen. Also: gut erdacht und gut gemacht – die Little Sister Crossroads bietet für einen fairen Preis ein tolles Stück Gitarre!

PLUS

  • originelles Design
  • Semihollowbody-Konstruktion
  • kleiner Korpus – volle Mensur
  • Messingparts
  • Schwingverhalten
  • P-90 Pickups
  • Sounds
  • Soft V Neck
  • Handhabung
  • Verarbeitung

MINUS

  • Aktionsradius mit 20 Bünden etwas eingeschränkt (systembedingt)

Produkt: Testbericht: Yamaha SG1801PX Phil X Signature
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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Alles Vintage – oder was? Die Gitarre scheint ja ganz brauchbar zu sei. Aber was der Autor mit „ein strahlfrisches Klangbild souverän in Szene gesetzt“ meint bleibt ein Rätsel. Statt mit blumenreicher antiquierter und aufgeblasener (Vintage-) Edelfeder-Sprache eines verhinderten Feuilleton-Schreibers zu kommen, wäre ein downloadbares Audiofile unserem Internet-Zeitalter angemessener, oder? Deuschaufsatz mangelhaft. Setzen! Gruß mit Blues
    Fritzrabe

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    1. Tja…Blockflöte….Braucht weniger Fantasie…

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  2. .. genau, wenn ich sowas lesen will, hol ich mir ein Hölderlin Buch raus….Mehr Infos, weniger Geschwafel….;o)

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  3. “Deuschaufsatz mangelhaft”

    Wehr im Glashaus sizt…

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