Framus Hollywood Custom im Test

E-Gitarre von Framus, stehend
(Bild: Dieter Stork)

Cool, eigenwillig, selbstbewusst – das Modell Hollywood Custom von Framus ist immer noch eines der wirklich bemerkenswerten Designs aus deutscher Produktion und in dieser schicken 3-Tone-Sunburst-Lackierung ein ganz besonderes Zuckerstück. Schauen wir einmal, was das aktuelle Shape Up dem Modell gebracht hat.

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Fast zehn Jahre ist es nun schon her, dass wir die Framus Hollywood Custom zum ersten (und einzigen) mal im Test hatten (Ausgabe 02/2000). Das aktuell vorgelegte Modell unterscheidet sich von der frühen Ausgabe vor allem durch die Holzwahl für den Hals. Damals kam das Modell zunächst mit einem Ahornhals heraus, zwischenzeitlich wurde Ovangkol eingesetzt und nun ist man ganz klassisch bei Mahagoni gelandet. Ist sie nun angekommen, hat die Hollywood Custom ihre definitive Form gefunden?

Konstruktion

Die wesentlichen Grundzüge in der Konstruktion der Hollywood Custom mit ihrer asymmetrischen Formgebung haben sich nicht geändert. Für den Korpus werden immer noch aus einem massiven Block Mahagoni von oben großzügig Hohlkammern gefräst. Die Zargen und Teile in der Korpusmitte bleiben dabei massiv, vorn zur Halsaufnahme und unterhalb des Steges, wie auch des Trapezhalters, um stabile Auflagepunkte für Brücke und Decke zu erhalten. Ergänzt wird diese gehöhlte Korpusbasis um eine spiegelgleich zweiteilig gefügte Decke aus massivem AAAA-Grade Flamed Maple, in das leicht versetzt zwei F-Löcher geschnitten wurden. Auf der Decke gibt es eine Ausfräsung unterhalb des Trapezhalters, um die Saiten in stärkerem Winkel, also mit mehr Druck auf die Brücke zu bringen. Rückseitig vorn wurde lediglich der Bereich unterhalb der Halstasche für die Schraubverbindung etwas abgesenkt gestaltet, ansonsten sind Decke und Boden plan belassen. Die Gesamtstärke des Korpus misst immer hin satte 54 mm, wovon die massive Decke allein 7,8 mm ausmacht. Während Korpusrückseite und Zargen sich tiefschwarz lackiert präsentieren, kommt die Decke in geschmackvollem 3-Tone-Sunburst. Die nur klar lackierten Ränder beließ man allerdings im Naturton (Wood Binding), was die Korpuskonturen optisch akzentuiert.

Der matt versiegelte Hals aus einteiligem Mahagoni sitzt ungemein passgenau in seiner Halstasche, wo er von der patentierten Framus-Bolt-In-Schraubbefestigung gehalten wird. Im Griffbrett aus attraktivem „Tigerstripe Ebony“ mit 12″ Radius sitzen 22 per Plek perfekt abgeglichene Jumbo-Bünde und Custom Inlays (Mother of Pearl). Die in leichtem Winkel herausgeführte Kopfplatte wird von einer Volute unterhalb des Low-Friction-Sattels verstärkt. Framus Locking Guitar Machine Heads mit langen Schraubzylindern und der von einer kleinen Glocke mit Modellnamensprägung verschlossene Zugang zum eingelegten Halsstab komplettieren die Ausstattung. Die Saiten (Mensurlänge 648 mm) werden über eine Roller Bridge geführt und von einem Trapezhalter gekontert.

Die elektrische Ausstattung der Hollywood Custom umfasst zwei SP90-Singlecoil- Soapbar-Pickups von Seymour Duncan, die mit einem Dreiwegschalter allein oder zusammen angewählt und von jeweils generellen Volume- und Tone-Potis mit Domespeed-Knöpfen kontrolliert werden. Zwei Deckel auf der Rückseite gewähren Zugang zu den elektrischen Komponenten. Das größere E-Fach, dessen lediglich mit Clips befestigter Deckel leicht zu öffnen ist, gibt Einsicht in die Korpushöhlungen und auf die sauber ausgeführte Verkabelung der 500K Pots (MEC).

Bleiben noch die hellen Celluloid Pickguards zu nennen, welche der Decke Schutz geben und optischen Akzent setzen. Strap Locks sind bei Framus Standard und geliefert wird das Instrument in einem Rock Case Flight Case. Alle Arbeiten an der Hollywood Custom sind auf höchstem Niveau der Serienfertigung ausgeführt.

Praxis

Mit ihren 4,2 kg ist die Hollywood Custom nicht gerade ein Leichtgewicht. Auf dem Knie wie am Gurt richtet sich die Gitarre bestens aus und lässt sich mit optimal eingerichteter Saitenlage zwanglos spielen. Das Halsprofil von firmentypischem Zuschnitt: unten recht schlank und fast dünn, dann aufsteigend kräftig zunehmend an Breite und Dicke, ist schnell in Gewöhnung genommen und die ersten noch akustisch gespielten Akkorde verraten schon die Stärken der Konstruktion und der Holzwahl. Ungemein kompakt und doch differenziert in der Darstellung, dabei warm und rund kommen Akkorde zu Gehör. Die Ansprache ist vorzüglich, die stimmliche Auflösung rundum ausgeglichen und die kraftvolle Obertonentfaltung harmonisch. Das alles hat große Klasse und schafft beste Grundlagen – gehen wir also in den Amp:

Die vitalen akustischen Stärken der vorliegenden Hollywood Custom finden in den Duncan Soapbars qualifizierte Tonwandler für die Umsetzung in elektrische Signale. Der SP90 am Hals gibt sich entsprechend souverän und bringt ungemein plastische Sounds ans Ohr. Akkorde klingen in ihrer Stimmlichkeit transparent, luftig und trennscharf. Auf den Anschlag reagiert das Instrument über diesen Tonabnehmer wendig und sensibel – das Klangbild hat regelrecht etwas Knusperiges. Diese Eindrücke werden in Zerr-Positionen des Amps noch betont und in den höheren Lagen lassen sich auch schnell gespielte Linien mit exzellenter Präzision und Konturschärfe inszenieren. Der Ton ist mit dem Plektrum bestens formbar, Dynamik und Ansprache sind famos.

Wechseln wir zum Steg-Pickup, so tönt es im Klarklang zwar nicht ganz so glockenhell und offen wie zuvor beim Kollegen am Hals, aber auch in dieser Position ist immer noch eine Menge von dieser klaren Frische zu haben. Rhythmusspiel erfreut demgemäß mit akzentuiertem Biss und guter Durchsetzungsfähigkeit. Im Overdrive beeindruckt auch hier die leichte Ansprache und das stimulierend plastische Tonbild. Unter dem Anschlag zucken die Töne leichtfüßig hervor, als hätten sie nur darauf gewartet, befreit zu werden. Die Quinten und Oktaven der Powerchords etwa schmieren nicht einfach nur ineinander, sondern artikulieren trennscharf und genau, haben aber dennoch einen druckvoll kompakten und harmonisch bestens gerundeten Ausdruck. Dank der präzisen Umsetzung des Anschlags lässt sich Solospiel bestens steuern, aber auch in Sachen Tonformung geht die Gitarre in jeder Hinsicht mit, bringt ein extrem lebendiges, facettenreiches Klangbild zu Gehör. Schnelle Tonfolgen sind von plastisch knorpeligem Charme. Die Tonlänge und innere Festigkeit sind dabei immer imposant und die satte Obertonentfaltung gibt dem Instrument ein wunderbares Timbre.

Ganz erfreulich tönt auch die Kombination beider Singlecoils, die auch dank gut unterdrückter Nebengeräusche (reverse wound, reverse polarity) mit einem freien, glockig offenen CinemaScope-Sound aufwartet, der sich gewaschen hat. Hier perlt es mit ganz wunderbarem Tiefgang, aber auch in etwas schmutzigeren Einstellungen tritt die Kombi-Schaltung mit schön knarzig-offenem Crunch an.

Eigentlich ist mir das Instrument ja etwas zu schwer, aber wenn das nötig ist, um diese Klangfrische und diesen zwingenden Kickass-Effekt zu erzeugen, über den diese Hollywood Custom verfügt, dann nehme ich das klaglos hin. Um es kurz zu machen: für mich ist das die beste Framus-Gitarre, die ich jemals in Händen hatte. Was aber soll man zu der Preisgestaltung sagen? € 3309! Vor drei Jahren war eine ganz ähnlich ausgestattete Hollywood (damals noch mit Ovangkol-Hals, aber extra Gold-Hardware) noch für maßvolle € 1860 zu haben.

Firmenchef H.P. Wilfer dazu: „Vor drei Jahren habe ich intern das Ziel ausgegeben, dass wir in 3 bis 5 Jahren die besten Gitarren auf der Welt bauen möchten. Ich habe seitdem sehr viel Geld in Maschinen investiert (ca. 2 Millionen inklusive der neuen Lackieranlage) und in den nächsten 3 Jahren werde ich noch einmal 2,5 Millionen Euro in High-Tech-Anlagen investieren, damit wir die benötigte Qualität fahren können, um Marktführer weltweit zu werden. Das hat natürlich auch mit Menschen zu tun und wir haben uns in den letzten Jahren bereits konsequent von den Billiglohnkräften getrennt. Die richtigen Leute findest du aber nicht einfach so auf der Straße, das braucht Zeit. Seit zwei, drei Jahren habe ich nun schon einige dieser richtigen Mitarbeiter an Bord, die alles geben (und gitarrenverrückt genug sind) und ich werde noch ein paar mehr nehmen, denn Qualität setzt Spitzenleute voraus. Diesen Prozess laufen wir aktuell innerbetrieblich durch und wir werden noch 2 bis 3 Jahre daran arbeiten, bis sich das Niveau an Menschen und Maschinen so gedreht hat, dass wir die gewünschte High-Tech-Firma geworden sind. Das alles kann ich mir nur leisten, weil ich sämtliche Gewinne die ich im Handel und in China mache massiv in die Produktion und die Mitarbeiter investiere. Wir müssen auch weiterhin noch viel Geld in die Werbung und in Künstler investieren, um das Markenimage von Framus weiter anzuheben. Zwischenzeitlich können wir keine Gitarren mehr für € 1000 herstellen. Zur Messe wird die günstigste Diablo dann € 1600 kosten, die normalen Gitarren € 2000 bis 3000 und die besseren über 3000 – nur dann können wir noch profitabel arbeiten. Wenn ich mal 65 bin, in 14 Jahren, soll Framus die führende High-Tech-Gitarrenschmiede sein und das mit Sitz in Deutschland. Das ist mein Lebensziel, daran arbeite ich und dem unterwerfe ich alles.“

Resümee

Nach wie vor ist das Hollywood-Konzept mit asymmetrisch gestalteter Formgebung, gehöhltem Mahagonikorpus und aufgesetzter Ahorndecke ein schlagender Beitrag zum internationalen Gitarren-Design. Die aktuelle Version der Hollywood Custom bringt mit ihrem neuen Mahagonihals die Sache nun noch mehr auf den Punkt. Da denkt man: wozu die langen Umwege, offenbar hat sie doch nur auf den Mahagonihals gewartet. Konnte das Modell auch zuvor schon überzeugen, so ist es nun zu einem absoluten Top-Instrument gewachsen, dessen differenzierte, warme und resonanzstarke Tonentfaltung selbst hartnäckige Framus-Skeptiker in die Knie zwingen sollte. Schon ihr seidig runder akustischer Klang zeigt die Klasse in der hier gespielt wird, aber das schafft nur die Grundlagen für die elektrische Stärke dieser Gitarre. Die Duncan-SP90-Singlecoils passen gut zum bestens spielbaren Instrument und machen es zu einem wendigen, superb klingenden Arbeitsgerät, das mit großer Dynamik und sensibler Ansprache höchste Ansprüche erfüllen kann. Und der Preis? Nun, niemand zuckt bei einem Preis in dieser Höhe weg, wenn der für amerikanische Gitarren aufgerufen wird. Natürlich muss der Gegenwert stimmen und das ist hier der Fall. Tolle Gitarre!

 

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