Freitag im Mannheimer Rosengarten: sieben Bühnen, sieben Stunden Workshops, Konzerte bis in die Nacht
Guitar Summit 2026 – Tag 1: Volle Hallen, volles Programm
von Redaktion,
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Voller Saal, eine Stimme, eine Gitarre: Mary Spender verzaubert den Mozartsaal bei der Friday Night in Concert (Bild: Joris Henke)
Türen auf, Saiten gestimmt – der Guitar Summit 2026 hat begonnen! Schon am Freitagmorgen füllten sich die Gänge im Mannheimer Rosengarten dank der zusätzlichen Bändchen-Ausgabe vor Einlass merklich schneller als gewöhnlich. Gitarrenverrückte aus aller Welt, mit Plektren in den Hosentaschen, Hände, die gar nicht wissen, welches Instrument sie zuerst anfassen sollen. Überall wurde gefachsimpelt, ausprobiert und gestaunt. Hier und da wurde auch ein Wiedersehen gefeiert, auf das man ein ganzes Jahr gewartet hatte.
Auf den Bühnen ging es ebenfalls vom ersten Moment an zur Sache: In den Workshops lernt, lacht und staunt man, und die Artists erzählen Dinge, die man so schnell nicht wieder hört. Zum achten Mal öffnet der Summit seine Türen und es fühlt sich kein bisschen nach Routine an. Danke an alle, die gleich zum Start dabei waren – ihr macht diese drei Tage zu dem, was sie sind.
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Und weil hier an einem einzigen Tag mehr passiert, als man allein mitnehmen kann, nehmen wir euch mit: zu den Highlights aus Ausstellung, Workshops und Konzerten.
Ihr reist morgen erst an oder seid dieses Jahr verhindert? Kein Problem! Unser Social-Media-Team ist das ganze Wochenende für euch unterwegs und fängt die besten Momente ein: den Plausch mit Besucher:innen aus aller Welt, spontane Interviews mit bekannten Gesichtern und alles, was sonst noch im Rosengarten passiert …
Wer dieses Wochenende durch den Rosengarten läuft, hat den besten Wegweiser schon in der Tasche: Unser digitaler Guide läuft direkt im Browser unter app.guitarsummit.de, ohne App-Store und ohne Download. Einmal auf den Startbildschirm gelegt, öffnet er sich wie eine App.
Im Hallenplan genügt der Name des Ausstellers oder die Standnummer, und der Stand leuchtet auf. Im Programm markiert ihr eure Favoriten per Stern und baut euch so euren eigenen Zeitplan – bei Überschneidungen schlägt der Guide Alarm. Auch die Produktneuheiten und exklusive Premieren sind drin: Mit einem Klick seht ihr, an welchem Stand ihr das neue Lieblingsteil direkt antesten könnt.
Welche Neuheiten in diesem Jahr ihre Premiere feiern, zeigen wir euch außerdem hier.
Workshops & Masterclasses
Um 12:30 Uhr fiel der Startschuss, und ab da wurde auf sechs Bühnen parallel gespielt, erklärt und gelernt – bis die letzten Workshops am frühen Abend nahtlos in die Konzerte im Mozartsaal übergingen.
(Bild: Joris Henke)
Andy McKee gehört zu den Fingerstyle-Gitarristen, die das Genre für eine ganze Generation geöffnet haben. Seine perkussiven Tapping-Arrangements kennen viele von Platte. Hier gab es zu sehen, wie sie tatsächlich entstehen: Ton für Ton.
(Bild: Florian Kollin)
Neulich hat sich Greg Koch eine 59er Tele gegönnt – „because I’m so good at crime … no, I sold a lot of guitars.“ Im Alltag spielt er trotzdem seine Reverends mit Fishman-Pickups: kein Zicken, kein Brummen. Bei Reverend landete er, weil die Partys des Gründers so gut waren – spielen durfte er dort aber nur deren Gitarren. Eigene Pickups wollte er anfangs gar nicht, doch „my wife said we could use more money“. Bei Fishman in Boston durfte er dann an einer Demo-Gitarre live am Klang drehen – am Ende gefiel ihm das Ergebnis besser als seine ursprüngliche Idee.
(Bild: Joris Henke)
Steve Di Giorgio zeigte in Mastering Metal Bass, warum sein Fretless Bass im Death Metal zum Markenzeichen wurde. Mit Death, Testament und Sadus hat er eine Spielweise geprägt, die technische Präzision mit dem Denken in Gesangslinien verbindet.
(Bild: Florian Kollin)
Wie viel eine Saite ausmacht, zeigte Jonas Hellborg mit Dogal-CEO Andrea Lavelli. Für seine neuen Saiten fragte der Schwede sogar bei Steinway nach, wie dort Klaviersaiten entstehen. Die Lehre aus Dogals Geigensaiten: Attack und Elastizität müssen in Balance sein – passend zum Instrument und zum Spieler, seiner Kraft und Handgröße. Hellborg selbst mag es spannungsarm. Auf dem Zehnsaiter wurde es hörbar: Soft gespielt klangen die Saiten fast gleich, erst mit Dynamik zeigten sich die Unterschiede.
(Bild: Joris Henke)
Marco Mendoza ist einer der umtriebigsten Rockbassisten überhaupt: Thin Lizzy, Whitesnake, The Dead Daisies, dazu die eigene Solokarriere. Sein Workshop-Set groovte entsprechend. Kuriose Geschichten hatte er auch reichlich im Gepäck.
(Bild: Florian Kollin)
Auf der Electric Stage 1 hat Sarah Jory gezeigt, warum sie zu Europas profiliertesten Pedal-Steel- und Slide-Spielerinnen zählt. Angefangen hat die Britin mit neun – als Country alles andere als cool war. Noten liest sie bis heute nicht, jeder Ton kommt direkt aus dem Herzen. Auf ihrer 10-String-Steel wurden „Gimme Some Lovin’“ und „Mackie Messer“ zu Country-Nummern, dazu gab’s Geschichte und Technik des Instruments. Beide Hände, beide Füße im Einsatz – und trotzdem immer ein Lächeln im Gesicht.
(Bild: Florian Kollin)
Statt Technik-Lektion gab’s auf der Electric Stage 1 Geschichten: Feuerschwanz-Gitarrist Hans Platz stellte seine Framus Firecaster vor, die bald als Signature-Modell kommt – Team-Built, als Asien-Version und im Custom Shop sogar mit LEDs im Hals. Herzstück ist der Bolt-in-Neck, eine Mischung aus Bolt-on und Neck-through. Tone-Regler und Vibrato? Braucht er nicht, dafür Bare Knuckles und 10–52er-Saiten. „Unten mag ich es gerne dick.“ Pragmatismus mit Feuer.
(Bild: Florian Kollin)
So voll war es bei Mattias „IA“ Eklundh, dass er Leute auf seinen Schoß einlud. Die Gitarre nannte er großartig – und zugleich „a total Scheiße instrument, because it’s so noisy“. Noise Gates lehnt er trotzdem ab, Tinnitus hat er seit seiner ersten Deutschlandtour mit 19 ohnehin. Apropos Deutsch: Das lernte er in der Schule – bis ihm sein Lehrer einen Schlüssel ins Gesicht warf, weil er Nina Hagen zitierte. Nach „Japanese Pop Music“ auf der Achtsaitigen warb er für True-Temperament-Bünde: Ohne sie klinge alles schief, selbst das Metallica-Lied, mit dem man am Lagerfeuer beeindrucken will. „Actually it sounds like Kirk Hammett.“ Der lustigste Workshop des Tages.
(Bild: Florian Kollin)
In der rechten Hand sollte idealerweise auch ein Drummer und ein Bassist wohnen, findet Henrik Freischlader. Deadnotes, Abdämpfen, Dynamik – eine beschreibbare Technik habe er dafür aber nicht. Dafür lässt er gern Platz für Gesang oder Orgel. Kaum gesagt, sang eine Zuschauerin zu seinen Riffs mit: „Siehst du, weil ich so schön viel Platz gelassen habe.“ Zuhause übt er ohne Amp, um den Ton mit den Fingern zu formen. Auf der Bühne setzt er auf einen Blackface-Fender-Nachbau von Precious Tones, den er einst zufällig als gestellte Backline entdeckte – die Electro-Voice-Speaker schätzt er, weil sie clean und neutral bleiben. Und der harte Anschlag? „Mein Daumen tut immer weh, aber ich habe mich daran gewöhnt.“
(Bild: Florian Kollin)
Pünktlich zum Workshop erschien der neue Riffing-Kurs von Victor Smolski – und der kommt bewusst ohne Speed-Drills aus. Davon gebe es im Netz genug, in Bands zählen schließlich gute Riffs. KI, MIDI-Drums? Nicht mit ihm: Aufgenommen wurde oldschool mit Engl-Amp, V30-Speakern und Shure SM57, live, laut und mit allen Nebengeräuschen. Beim Komponieren rät er, nicht vom eigenen Können auszugehen, denn wer nur spielt, was die Finger schon beherrschen, bleibt in seinen Mustern gefangen. Besser: Das Riff erst im Kopf entstehen lassen, wie beim Luftgitarrespielen, und es den Fingern danach beibringen. „Ein cooles Riff besteht aus einem coolen Arrangement.“
Wer tiefer einsteigen will: „Metal Riffing Mastery“ ist einer von zwei neuen Kursen der Guitar Summit Academy. Für die Praxisbeispiele hat Smolski 13 Backing-Tracks komponiert und mit einem amerikanischen Session-Drummer eingespielt, der Kurs startet im Early Access. Den Kurs gibt’s direkt vor Ort am Stand der Guitar Summit Academy: Ebene 0 | Stand 100
(Bild: Florian Kollin)
Bei seinem zweiten Summit-Auftritt stellte Alex Hutchings auf der Electric Stage 2 den brandneuen BOSS EX-4 Effects Expander vor – mit geliehenem Clip-on-Tuner aus dem Publikum. Das Pedal hatte er erst am Vorabend um 20 Uhr bekommen, die Sounds im Hotelzimmer programmiert. Gemerkt hat man davon nichts: Vom Shimmer-Reverb ging’s nahtlos in Overdrive mit Pitch Shifter, vier Effekte parallel, dazu Wah, Volume und Whammy per Expression-Pedal. Fusion-Vielseitigkeit, live vorgeführt.
(Bild: Florian Kollin)
Jahrelang hat Thomas Blug am Amp X getüftelt, jetzt geht er endlich in Produktion – und man hörte ihm an, wie viel Herzblut drinsteckt. Analoge Sounds, digital gesteuert: Touchscreens erwarten heute viele, für Blug kommt der Sound trotzdem zuerst. Eine schnelle Version 2 wird es nicht geben, der Amp soll bleiben und muss deshalb perfekt sein.
(Bild: Florian Kollin)
Schnell spielen reicht nicht mehr, sagt Glenn Fricker: Heute zählen Songs, die man mehr als einmal hören will – und wie sich eine Band auf YouTube präsentiert. Er schaut inzwischen mehr Videos über Licht und Kameras als über Gitarren. „You are competing with Pornhub.“ Sein Tipp: „Google key light, back light, fill light.“ Eine mäßige Kamera verzeihen Zuschauer, schlechten Sound nicht. Zum Schluss ging’s um Neural Amp Modeler, der gerade die Modelling-Szene aufmischt – besonders die neuen A2-Modelle haben Fricker überzeugt.
Dazu kamen jede Menge weitere Highlights: Ace von Skunk Anansie verriet, was einen starken Gitarrenpart zur Hit-Single macht, Mary Spender zeigte den Weg von der Gitarristin zur Songwriterin, und Phil Demmel lieferte Thrash-Riffing aus erster Hand. Für die Sound-Tüftler gab’s ebenfalls reichlich: Steve Fryette öffnete den Blick ins Innenleben seiner Amps, und Produzent Lasse Lammert zeigte, wie aus einem DI-Signal ein echter Killer-Gitarrensound wird.
ROCK ANTENNE Stage: Talks & Interviews
Den Auftakt machten Sammy Boller und Dave Friedman im Studio Rats Talk: Gitarrist trifft Amp-Bauer, mit entsprechend vielen Details zu Sound-Entscheidungen im Studio. Danach war Jared James Nichols im ANDERTONS Talk zu Gast.
Normalerweise spielt der US-Amerikaner komplett ohne Plektrum, und was er allein mit den Fingern aus einem Marshall holt, verblüfft. Auf der Rock Antenne Stage konnte er aber auch ohne lautes Stack überzeugen. Den Workshops konnte man über Kopfhörer lauschen, passend zum Silent-Show-Konzept.
Ace von Skunk Anansie gab ROCK ANTENNE ein Interview über drei Jahrzehnte Bandgeschichte, bevor Marco Mendoza übernahm. Steve Fryette und Mattias „IA“ Eklundh sprachen jeweils mit Kris & Guillaume (Thomann), und auch Don Ross erschien zum Talk. Till Hoheneder führte ein Gespräch mit Marcus Deml. Den Abschluss machte Wes Hauch im ANDERTONS Talk.
Friday Night in Concert
Der erste Abend im Mozartsaal stand ganz im Zeichen der Akustikgitarre. Zumindest bis zur letzten Stunde.
Den Auftakt machte der Gewinner des Warsaw Fingerstyle Festivals. Eine schöne Tradition: Der Nachwuchs bekommt eine der größten Fingerstyle-Bühnen Europas.
Adam Miller & Friends
(Bild: Joris Henke)
Danach gehörte die Bühne Adam Miller. Der Australier, 2002 zum besten Fingerstyle-Gitarristen seines Landes gekürt, spielt Basslinie, Harmonien und Melodie gleichzeitig und improvisiert darüber auch noch, ohne dass der Groove je ins Wanken gerät.
(Bild: Joris Henke)
Auf seiner Nik-Huber-Signature klingt das mal nach Jazz, mal nach Blues und fast immer so, dass man mitwippen muss. Mit seinen Gästen wurde aus dem Soloprogramm ein Abend unter Freunden, bei dem jeder dem anderen Raum gab.
Mary Spender
(Bild: Joris Henke)
Was Mary Spender am Nachmittag im Workshop über den Weg vom Gitarristen zum Songwriter erzählt hatte, lieferte sie am Abend im Mozartsaal gleich selbst den Beweis. Die Britin, die sich über YouTube eine riesige Community aufgebaut hat, stellte ihre eigenen Songs in den Mittelpunkt: Stimme und Gitarre gleichberechtigt, klar arrangiert, mit viel Gespür für den Moment. Ein Auftritt, der zeigte, wie viel ein einzelner Mensch mit einer Akustikgitarre erzählen kann.
Andy McKee
(Bild: Joris Henke)
Im Anschluss folgte einer, der das Fingerstyle-Spiel für eine ganze Generation neu definiert hat. Andy McKee lässt eine einzige Gitarre klingen wie eine kleine Band: getappte Basslinien, perkussive Schläge auf den Korpus, darüber Melodien in offenen Stimmungen.
(Bild: Joris Henke)
Auf YouTube haben Millionen zugeschaut, doch erst live wird greifbar, wie viel Präzision hinter dieser scheinbaren Leichtigkeit steckt – und wie still ein voller Saal werden kann.
(Bild: Joris Henke)
Für den letzten Song holte McKee dann Don Ross auf die Bühne, und die beiden spielten gemeinsam ein Stück aus der Feder der kanadischen Fingerstyle-Legende. Zwei Meister, eine Bühne – so ein Moment passiert nicht oft.
Koch Marshall Trio
(Bild: Joris Henke)
Zum Abschluss wurde es dann elektrisch. Greg Koch stand mit Sohn Dylan am Schlagzeug und Toby Lee Marshall an der Hammond-Orgel auf der Bühne, und das Trio machte vom ersten Ton an klar, wohin die Reise geht: Blues, Funk und Rock, mit ordentlich Druck und genau dem trockenen Humor, den man von Koch kennt.
(Bild: Joris Henke)
Man sah den dreien an, wie viel Spaß sie zusammen haben – und dieser Funke sprang über, auch auf andere Gitarristen im Haus: Als Überraschungsgäste stießen unter anderem Ace von Skunk Anansie, Thomas Blug und Phil Demmel zum Jammen dazu.
(Bild: Joris Henke)
(Bild: Joris Henke)
Ein Finale, das Lust auf mehr macht – und davon gibt’s morgen reichlich!