(Bild: Dieter Stork)
Im vergangenen Jahr feierte Greuter Audio sein zehnjähriges Jubiläum. Mit einer kleinen Verzögerung hat Namensgeber Sascha Greuter drei limitierte Pedale vorgestellt. Die gute Nachricht: Unsere beiden Testobjekte, das Fuller Drive & Boost und das Fuller Drive Wah, werden zukünftig auch als Serienmodelle erhältlich sein.
Mit dem Fuller Drive ging für Sascha Greuter und sein Ein-Mann-Unternehmen alles los. Noch vor dem Start der Firma bastelte der Schweizer an einem Pedal, das auch das Verhalten eines Amps im Breakup nachempfinden kann und somit dynamisch über den Anschlag zu steuern ist.
Nach einer längeren Tüftelphase konnte er seine Gedanken und Wünsche schließlich realisieren, bis heute ist das Fuller Drive ein Kernpunkt seines Sortiments. Zum Jubiläum bietet er seinen Dauerbrenner im Bundle an. Die Version „Boost” bietet neben dem Drive einen schaltbaren Boost, Variante „Wah” entsprechend zusätzlich ein Wah, entweder als Fixed-Variante oder bei angeschlossenem Expression-Pedal auch in klassischer Manier.
Die zum Zeitpunkt des Tests noch nicht verfügbare Trio-Variante kombiniert die Drive-Einheit mit beiden Zusätzen. Im Interview-Kasten findet ihr Details zu den Pedalen – und auch ein paar Hintergründe.
OPTIK & HANDLING
Optisch markant sind die handgefertigten Bodentreter schon alleine durch ihre üppig dimensionierten Potiknöpfe, die die Übersicht und damit die Bedienung massiv erleichtern. Die Hauptfunktionen bekommen dabei extragroße Regler.
Beide Pedale sind ähnlich aufgebaut: Links sitzt die Fuller-Drive-Einheit mit Potis für Drive, Volume und Tone, auf der rechten Seite einerseits die Boost-Sektion mit Boost- und Range-Regler (mehr dazu im Interview), anderseits die Wah-Abteilung mit der gleichnamigen Wahl der Mitten-Frequenz sowie „Q” für die Resonanz.
Zur Feinabstimmung gibt es im Gehäuse je zwei Trim-Potis, über die sich zum einen die Zerrmenge des Drives anpassen und dazu der Ausgangspegel von Boost bzw. Wah regulieren lassen. Jede Funktion kann mit einem eigenen Fußschalter aktiviert werden. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein, dennoch gibt es am Markt auch Pedale, bei denen dies nicht der Fall ist.
(Bild: Dieter Stork)
Warum das Fuller Drive eine der wesentlichen Säulen von Greuter Audio darstellt, wird schnell klar, wenn man eines der beiden Pedale in Betrieb nimmt. Basierend auf einem diskret aufgebauten Schaltkreis mit J-FET-Transistoren, klingt es nicht nur extrem gut und voll, es reagiert auch sehr sensibel auf den Anschlag und klart beim Zurückdrehen des Volume-Potis der Gitarre sehr schön auf – und das alles bei einer sehr ansprechenden Zerr-Breite, ohne dass ich dafür das Gehäuse öffnen musste.
Dazu laufen auch die Potis wunderbar geschmeidig. Kurzum: Sound und Haptik sind einfach nur zum Wohlfühlen. Bereits jetzt kann man konstatieren: tolles Pedal.
SONDERZUTATEN
(Bild: Dieter Stork)
Noch spannender wird es nun natürlich mit den Zusatzoptionen. Beim Boost hat sich Sascha Greuter dafür entschieden, ihn fix vor der Drive-Einheit zu platzieren. Und das ergibt auch absolut Sinn, denn die hier verbaute Version nennt sich „Ten Boost” und basiert auf einem weiteren Frühwerk Greuters, dem Germanium Boost, der von den Treble Boostern der 1960er-Jahre inspiriert wurde.
In diesem speziellen Fall folgt einer Germanium-Transistor-Stufe ein zusätzlicher Silizium-Boost. Über das Range-Poti lassen sich beide Einheiten nach Wunsch kombinieren, man kann also seinen ganz persönlichen Wunsch-Boost einstellen. Im Interview erläutert Sascha die Hintergründe dazu.
Kleines Manko aus dem Praxistest: Beide Optionen klingen so gut, dass man sie eigentlich gerne sowohl als auch zur Verfügung hätte. Aber hier muss man sich für einen Sound entscheiden. In Kombination mit dem Drive haben mir vor allem die Settings auf der linken Hälfte gefallen, denn diese liefern bereits beim Einsatz mit einer eher moderaten Strat wunderbar fette Sounds.
Doch auch die Version mit dem Wah kann sich hören lassen. Klar, bei einem Fixed Wah denkt man gerne sofort an „Money For Nothing”. Das funktioniert hier natürlich perfekt, doch auch via Expression-Pedal gesteuert und als konventionelles Wah verwendet, sammelt Greuters Kombi Punkte.
Die Frage, welche Option man bevorzugt, kann man natürlich nur subjektiv beantworten – mir hat die Boost-Variante schon alleine wegen der regelmäßigeren Nutzung etwas mehr zugesagt – aber beide verspäteten Jubiläumspakete haben es in sich. Da wartet man natürlich gespannt auf die Dreifach-Ausgabe.
Das Resümee und das Interview auf Seite 2 lesen…