(Bild: Dieter Stork)
Der US-Gitarrenhersteller reagiert auf Thomanns rechtliche Schritte mit einer eigenen Klage vor dem Landgericht Düsseldorf. Im Mittelpunkt stehen Korpusdesigns der Thomann-Eigenmarke Harley Benton.
Der Streit um die Stratocaster-Korpusform geht in die nächste Runde. Nachdem Fender auf Grundlage eines Düsseldorfer Versäumnisurteils wenig später Abmahnungen an Hersteller und Händler verschickt hatte, leitete Thomann im Juni rechtliche Schritte gegen den US-Hersteller ein. Nun hat Fender seinerseits beim Landgericht Düsseldorf Klage wegen einer mutmaßlichen Urheberrechtsverletzung eingereicht.
Fender reagiert auf Thomanns Verfahren
Ausgangspunkt der Auseinandersetzung ist das im März 2026 öffentlich bekannt gewordene Versäumnisurteil des Landgerichts Düsseldorf. Darin wurde die Korpusform der Stratocaster als urheberrechtlich geschütztes Werk der angewandten Kunst eingeordnet. Die beklagte chinesische Handelsfirma hatte sich nicht vor Gericht verteidigt.
Fender nutzte die Entscheidung anschließend als Grundlage, um Hersteller, Händler und Vertriebe wegen aus Sicht des Unternehmens zu ähnlicher Gitarrendesigns zu kontaktieren. Davon war auch Thomann betroffen. Das Musikhaus leitete daraufhin ein Verfahren ein, mit dem gerichtlich festgestellt werden soll, dass die von Thomann vertriebenen Korpusdesigns keine Rechte Fenders verletzen.
Harley Benton im Mittelpunkt
Fender hat auf dieses Verfahren nun mit einer eigenen Verletzungsklage reagiert. Nach Angaben des Unternehmens richtet sich der Vorwurf gegen Korpusdesigns von Gitarren der Thomann-Eigenmarke Harley Benton. Fender ist der Ansicht, dass diese das geschützte Stratocaster-Design kopieren beziehungsweise ihm zum Verwechseln ähnlich seien.
In einem unter anderem von Guitar World und Reuters veröffentlichten Statement bezeichnet Fender die Klage als „erwarteten nächsten Schritt im juristischen Verfahren“. Das Unternehmen habe zuvor versucht, mit Thomann über mögliche Änderungen zu sprechen, durch die sich die betreffenden Instrumente deutlicher von der Stratocaster unterscheiden ließen.
Unterschiedliche Sichtweisen
Fender betont, man bevorzuge grundsätzlich den direkten Dialog gegenüber gerichtlichen Auseinandersetzungen. Mit anderen Unternehmen habe man nach eigener Darstellung bereits an Designänderungen gearbeitet. Zugleich verweist Fender darauf, dass Thomann kein kleiner unabhängiger Gitarrenbauer sei, sondern zu den weltweit größten Musikinstrumentenhändlern, zu Fenders wichtigsten Handelspartnern und über Harley Benton auch zu den großen europäischen Gitarrenanbietern gehöre.
Thomann hatte sein eigenes Vorgehen damit begründet, die rechtlichen Fragen beträfen nicht nur das Unternehmen selbst, sondern auch die Vielfalt, Innovation und den Wettbewerb im Gitarrenbau. Zudem vertritt Thomann die Auffassung, dass wesentliche Merkmale der Stratocaster-Korpusform funktional und ergonomisch begründet seien.
Gerichtliche Klärung steht aus
Mit Fenders Klage stehen sich die beiden Unternehmen nun auch unmittelbar vor Gericht gegenüber. Ob die Harley-Benton-Modelle tatsächlich Fenders Urheberrechte verletzen und wie weit der Schutz der Stratocaster-Korpusform reicht, ist damit noch nicht entschieden.
Auch die Einzelheiten der Verfahren und ihr weiteres Zusammenspiel sind bislang nicht öffentlich bekannt. Reuters zufolge lag zum Zeitpunkt der Berichterstattung noch keine Stellungnahme Thomanns zu Fenders neuer Klage vor.
Fenders Statement (bisher nicht verifiziert)
Medien wie Guitar World, Guitar.com und Reuters beziehen sich auf folgendes, bisher nicht eindeutig verifizierbares Statement:
Following Thomann’s recent Declaration of Non-Infringement action, Fender today filed its infringement action in the Regional Court of Düsseldorf in response to the litigation Thomann chose to initiate.
Earlier this year, the Regional Court of Düsseldorf recognized copyright protection for the Fender Stratocaster® body shape as a work of applied art under European law. Following that decision, Fender engaged manufacturers, distributors, retailers, and online marketplaces across Europe whose products feature body designs that Fender believes are confusingly similar to the protected Stratocaster design. Our objective has been straightforward: protect Fender’s intellectual property, reduce consumer confusion, and explore practical solutions—including modifications that clearly differentiate products from the Stratocaster.
Those conversations continue today, and our preference has always been to resolve these matters through direct dialogue rather than litigation. In many instances, companies have chosen to work collaboratively with us to explore practical solutions, including design modifications that clearly differentiate their products while continuing to serve musicians.
This matter is different.
Thomann isn’t a small independent guitar builder. It is one of the world’s largest musical instrument retailers, one of Fender’s largest retail partners, and the owner of Harley Benton, one of Europe’s largest guitar brands.
From the beginning, our goal was simple: have a conversation. Like many other companies across Europe, we reached out to Thomann to discuss practical ways to differentiate products while respecting Fender’s intellectual property. Our preference has always been dialogue and practical solutions—not litigation.
Unfortunately, Thomann chose a different path. Rather than continuing that dialogue, it initiated legal proceedings asking the court to determine that it can continue selling guitar body designs that Fender believes copies the iconic Stratocaster. Today’s filing is Fender’s response and the expected next step in the legal process.
For more than 70 years, the Stratocaster has been one of the most influential and recognizable guitar designs in history. It has inspired generations of musicians, helped shape modern music, and become an enduring symbol of creativity around the world.
Fender has proudly served as the steward of one of the most iconic instrument designs in music history. We don’t take lightly our responsibility to protect that legacy. We believe that responsibility extends beyond Fender itself—to the artists, players, dealers, builders, partners, employees, shareholders, and the broader music community who have made the Stratocaster an enduring part of music history.
Let’s be clear: competition isn’t the issue. Fender has competed—and thrived—for nearly 80 years because musicians have choices. We welcome companies that challenge convention, develop new technologies, and create original instruments that inspire players. That’s how this industry grows.
What doesn’t move the industry forward is copying someone else’s iconic design instead of creating the next iconic design. We believe the guitar industry is strongest when innovation flourishes, musicians have meaningful choices, and companies compete by bringing new ideas to players around the world.
We’re proud of what the Stratocaster has meant to generations of musicians, and we believe it’s worth protecting. At the same time, we believe the future of the guitar industry depends on original thinking, bold ideas, and the next generation of great instruments. That’s the future Fender has always believed in—and it’s the future we’ll continue to support.
Dieses wahrhaft völlig unnötig sture Verhalten seitens des Fender-Konzerns grenzt schon an reine Willkür,denn die ganze Gitarrenwelt schaut mittlerweile doch zu Recht mit großer Empörung und deutlich erkennbarer Verachtung auf diese besagte Firma. Was soll eigentlich das Ganze Gehabe um das angeblich geschützte Strat Design,bzw. Nachahmungen oder gar Plagiate dieser Formgebung? Es mag hier vielleicht nicht jedem Fender-Fanatiker gefallen,aber ich bin der festen Ansicht,daß sehr gute Strat-Nachbauten zu fairen Preisen völlig gerechtfertigt und als legal akzeptiert werden sollten. Wer hält denn ernsthaft auch zukünftig Fender die Treue,wenn da von diesem Konzern gar nix neues mehr zu einem bezahlbarem Preis kommt?!? Anarchie in der Gitarrenfabrikation ist doch m.E. total legitim,vorausgesetzt die Umsetzung eines Strat-Nachbaus ist wirklich top und kann die Käuferschaft qualitativ vollständig überzeugen. Fender könnte ja evtl. einen kleinen Obolus in Form einer winzigen Lizenzgebühr anstreben,dies wäre dann de facto fairer als diese ganzen Anklagen und Drohungen per Gerichtsurteil. So wäre Fender vielleicht irgendwann mal wieder attraktiv und nicht so gemieden wie aktuell es der Fall ist. Würde mich nicht sonderlich wundern,wenn meine ehrliche Kritik/Meinung auch dieses Mal hier nicht veröffentlicht wird (weshalb auch immer).
Ich frage mich ernsthaft, wie man das Versenden von Abmahnungen mit „From the beginning, our goal was simple: have a conversation.“ umschreiben kann.
Auch die Schlussfolgerung „Unfortunately, Thomann chose a different path.“ zeugt wahlweise von vollständiger kognitiver Entkopplung von der Realität oder tiefstem Zynismus.
Ich drücke Thomann die Daumen, dass sie Fenders Selbstgefälligkeit und Überheblichkeit ein Ende setzen.
Diese von Fender eigens initiierte Demontage ist schlicht und ergreifend ein einziges Trauerspiel und nichts weiter als absolut peinlich.
Nie mehr Fender Gitarren kaufen, mehr müssen wir nicht machen, die Qualität der F Gitarren kommt im vernünftigen Preisbereich schon lange nicht mehr an die der “Copies” ran. Good Bye Fender!
Fender, good buy? Not at all. Good bye, Fender!
Was Fender mit diesem Schritt macht, ist klare Konsequenz ihres Weges: alle verklagen, die nicht einknicken des von vornherein wahrscheinlich nicht als Verhandlungsangebot gemeinten Weges der Abmahnungen, die weltweit verschickt wurden.
ABER Fender scheint die Marktmacht von Thomann zu unterschätzen. An Thomann’s Stelle würde ich Fender-Käufe zumindest mal “auf Eis legen”.
Ich persönlich kaufe bestimmt keine Fender mehr und überlege, auch die teuren Stücke in meiner Sammlung nun konsequent zu verkaufen, so es denn noch Kaufinteressenten geben sollte…
Thomann wünsche ich eine gute Prozessführung mit Top-Anwälten. Hoffentlich geht die Weisheit “Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand” zugunsten Thomann auf.
mit musikalischen Grüßen, Heino aka MrHKBlues, aka gitte-varii
PS: Fender klagt nun vor Landgericht Düsseldorf (weil dort das Abwesenheitsurteil gefällt wurde). Für Burgebrach ist m.W. aber das Landgericht Bamberg zuständig, wo auch die nächste Instanz, das Oberlandesgericht Bamberg ansässig und evtl. später dann zuständig sein sollte…