(Bild: BassLab)
Am 10.06.2026 ist Heiko Höpfinger, Bassbauer und Mastermind der Firma BassLab, plötzlich und unerwartet im Alter von nur 60 Jahren in Kassel verstorben.
Heiko war über drei Jahrzehnte ein fester Bestandteil der internationalen Musiker- und Bassszene, seine avantgardistischen Designs und seine Instrumente werden ebenso in Erinnerung bleiben wie der Mensch und Freund, der stets hilfsbereit, zuhörend und in seiner ihm eigenen ruhigen, besonnenen und humorvollen Art jederzeit ansprechbar war.
Dabei hatte Heiko, der ursprünglich aus Einbeck stammt, eigentlich ganz andere Pläne. Seine musikalische Initialzündung hatte zur Abwechslung mal nichts, wie bei vielen von uns, mit der allseits beliebten Blockflöte in der Grundschule zu tun. Heiko nahm Unterricht für klassische Gitarre und erweiterte sein Instrumentarium durch E-Gitarre und Bass. Schon bald spielte er auch in der einen oder anderen Band und mischte mit seinem Bassspiel die Einbecker Musikszene ordentlich auf. In dieser Zeit fing Heiko auch an, sich näher für die Instrumente zu interessieren sowie die ersten kleineren Modifikationen an ihnen durchzuführen.
Nach seinem Abitur zog er zum Physikstudium nach Kassel, der Stadt an der Fulda, der er bis zum Schluss treu geblieben ist. Heiko hat Kassel als seine Heimat betrachtet, auch wenn er mit einigen Dingen, wie zum Beispiel dem zugegebenermaßen etwas gewöhnungsbedürftigen Dialekt dort, bis zum Schluss gefremdelt hat. In seinem Physikstudium legte er den Schwerpunkt auf Energiespeichersysteme und forschte, nach der Erlangung seines Physik-Diploms, zunächst auch in diesem Bereich, zum Beispiel an Brennstoffzellen im Rahmen des Europäischen “Hermes” Raumgleiter-Projekts der ESA. Heikos wissenschaftlich nüchterne, stets alles analysierende Art machte natürlich auch vor seinen geliebten Instrumenten nicht Halt und im Laufe der Zeit entstand seine Idee, Instrumente aus einem Stück als eine Art „gegossene Hohlschale“ aus Kompositmaterial zu bauen – die BassLab-typische Monocoque-Bauweise war geboren. Aber nicht etwa nach der „Trial and Error“-Methode, Heiko wäre nicht Heiko gewesen, wenn er nicht nächtelang komplizierteste Berechnungen angestellt und sämtliche Eventualitäten mit einkalkuliert hätte. Und das alles, wie er immer selbst im Scherz betonte, nicht in einer Garage à la Microsoft und Apple.
1997 war es dann soweit und Heiko gründete seine Firma BassLab, entwickelte seinen „Tuneable Composite“-Werkstoff, einen faserverstärkten Verbundwerkstoff, der es ihm ermöglichte, federleichte Instrumente in nahezu jeder erdenklichen Form zu bauen, ohne dass die Stabilität darunter leidet. Neben dem extrem leichten Gewicht, seiner Stabilität, der Reproduzierbarkeit und den akustisch überragenden Eigenschaften hat dieses Material den Vorteil, dass es auch gegenüber Temperatur und Luftfeuchtigkeit absolut unempfindlich ist – allesamt Pluspunkte, die Heiko schon immer an konventionell gebauten Instrumenten aus Holz gestört hatten. Das Material war ihm nicht ganz fremd, schon früh fing er damit an, eigene Flugzeugentwürfe zu bauen, allesamt laminiert.
Schon bald konnte man seine Instrumente regelmäßig auf der Frankfurter Musikmesse und der NAMM bestaunen, diese Messen waren Heiko immer sehr wichtig, wenn es auch oft eine Hassliebe war, denn er mochte den ohrenbetäubenden Lärm und das Gewusel auf den Messen nicht.
Baute Heiko anfänglich nur Bässe, kamen im Laufe der Zeit auch Gitarren, Violinen, Drums und Sticks dazu. Auch hier konnte der von ihm entwickelte Werkstoff seine Vorteile voll ausspielen.
Heikos wissenschaftliche Expertise war auch in der Industrie überaus geschätzt, so entstanden langjährige Freundschaften zu z.B. Ned Steinberger und anderen bekannten Größen der Musikbranche. Heiko war überaus kommunikativ und emphatisch, und viele seiner zum Teil recht prominenten Kunden waren auch enge Freunde von ihm.
Sein Fachwissen hat er über viele Jahre auch in der Kolumne „Bass Bench“ für das US-Gitarrenmagazin Premier Guitar weitergegeben, wo er zum Teil extrem komplexe physikalische Sachverhalte auf seine ihm eigene Art humorvoll so erklärt hat, dass diese jeder nachvollziehen und verstehen konnte; diese Eigenschaft war „typisch Heiko“.
(Bild: Winnie Scheibe)
Heiko lebte seine Passion für den Instrumentenbau. Abseits von BassLab gab es aber auch den privaten Heiko, der sich für Motorsport und Motorradfahren begeisterte, genauso wie für alles rund um Physik und Technik. So war er zum Beispiel, getriggert durch seinen Bruder, ein Apple-Nerd durch und durch, konnte jede Frage rund um dieses Thema aus dem Stegreif beantworten.
Mit Heiko befreundet zu sein, war nicht einfach nur eine Freundschaft, es war ein Privileg. Er wird nicht nur als Instrumentenbauer fehlen, sondern vor allem als Mensch, Freund und Kollege – R.I.P Heiko.
Auf der BassLab Webseite https://basslab.de ist eine E-Mail Adresse angegeben, unter der sich Kunden, die eine Bestellung bei Heiko aufgegeben und noch nicht erhalten haben, gebeten werden, sich zu melden.