(Bild: Spector)
Frank Bello war definitiv eines der Bass-Highlights des letztjährigen Guitar Summits. Er ist nicht nur ein fantastischer Bassist, sondern auch ein einfach netter Mensch. Er ist im Gespräch aufmerksam, witzig und lebhaft und vermittelt direkt das Gefühl, man würde sich schon lange kennen. Im Schlepptau hatte er seinen brandneuen Spector-Signature-Bass, der jetzt bei mir zum Testen gelandet ist.
Frank Bello Signature – war da nicht schon was? Doch, ja – zuletzt hatten wir vor knapp drei Jahren ein neues Modell im Test, damals von Charvel. Danach folgten weitere Signatures von ESP/LTD, Fender und Squier. Nun ist der New Yorker bei einer Firma gelandet, die bekanntlich ebenfalls ihren Sitz im Big Apple hat.
KLASSISCHE KONSTRUKTION
Während die bisherigen Signature-Bässe allesamt Variationen der Fender-Themen Jazz Bass und Precision waren, hat Spector den Coda Bass – die firmeneigene Interpretation des Fender-Shaped-Objects – nicht einfach für Frank hübsch gemacht, sondern mit ihm etwas Neues entwickelt. Die Silhouette des optisch schlanken, gestreckten Erlen-Korpus mit leichtem Offset ist jazzbassähnlich, die gesamte Decke ist aber gewölbt. Das verrät einerseits klassische Spector-Wurzeln und ermöglicht andererseits, auf weitere Abschrägungen zu verzichten.
Die gerade Rückseite verfügt hingegen über das übliche, bequeme Rippen-Shaping. Die makellose Lackierung des Bodies, die sich auch auf der Vorderseite der Kopfplatte wiederfindet, ist ein leicht metallisches Lila. Nicht alle Metal-Bässe müssen schwarz sein, dachte sich Frank und entschied sich für diesen Farbton, den er Tina Rose taufte – zu Ehren seiner Mutter und Großmutter, die ihn immer unterstützt haben und die er sozusagen mit auf die Bühne nimmt.
Der mit einer langen Zunge in den Korpus ragende Hals ist mit vier Schrauben ohne zusätzliche Platte verschraubt. Dabei wurde darauf geachtet, den Halsfuß für eine optimale Zugänglichkeit zu den hohen Lagen zuzuschneiden. Passend zum klassischen Korpusholz besteht der einteilige Hals aus Ahorn mit aufgeleimtem Ahorngriffbrett. Ganz „old school” gibt es 21 Bünde zu bespielen, die sauber eingesetzt und abgerichtet sind, was auch für den Messingsattel gilt.
Eine optische Aufwertung wird durch ein schwarzes Binding der Griffbrettkanten erzielt, das gleichzeitig die Bundschlitze verschließt. Zudem gibt es farblich auf den Lack abgestimmte Blockinlays. Hier hätte ich mir die für Spector typischen Crown-Inlays gewünscht, aber hey – es ist nicht mein Signature-Bass.
(Bild: Spector)
Die Kopfplatte hat eine gänzlich neue Form, auf der offene Mechaniken in einer Vier-Links-Anordnung montiert sind. Geschmäcker sind verschieden, aber mir gefällt sie tatsächlich. Funktional lässt sich festhalten, dass die Saiten mit ziemlich geradem Zug zu den Tunern geführt werden. Frank hat als erklärter Phil-Lynott-Fan ein Faible für offene Mechaniken mit großen Flügeln, weil Lynott sie gerne nutzte, um sie als Spiegel für Bühnenlicht zu verwenden.
Auf ein Spiegelschlagbrett hat er diesmal allerdings verzichtet. Dafür liegt ein kleines, einschichtiges schwarzes Schlagbrett samt der nötigen Schrauben bei. Da aber nichts vorgebohrt ist und Frank es auch nicht zu montieren scheint, kann ich mir kaum vorstellen, dass das jemand nutzt.
Die Brücke ist ein solider Flachsteg, in den die Saiten einfach eingehängt werden können. Einstellbar sind die Saitenlage und die Oktave sowie in geringem Maß das Stringspacing. Für Ersteres und Letzteres muss die Madenschraube gelöst werden, die den Einsatz im Saitenreiter fixiert. Dann kann dieser mit zwei weiteren Schräubchen in der Höhe eingestellt und von Hand verschoben werden.
Von Hand verschieben müsste ich auch den gesamten Saitenreiter, wiederum nach Lösen einer Fixierung, wenn ich die Oktave einstellen müsste. Muss ich beim Testbass zum Glück nicht. Ich bin bekanntlich kein großer Fan dieser und ähnlicher Konstruktionen, aber wenn alles eingerichtet und festgestellt ist, ist das eine überaus solide Sache.
Wenn es ein Frank-Bello-Signature-Set von EMG gibt, ist es nur logisch, dieses in den Frank-Bello-Signature-Bass einzubauen. Die Pickups sind aktiv und die zugehörige Batterie sitzt im E-Fach. Einerseits ist das lästig, ich finde ein separates Batteriefach immer besser, andererseits kann man mit den EMGs vier Monate ununterbrochen spielen, ohne die Batterie wechseln zu müssen. EMGs kommen bekanntlich mit einem praktischen Stecksystem, werden als Werksbestückung aber gerne verlötet.
Spector verlötet die beiden Volume-Potis, während das Tone-Poti gesteckt ist. Vielleicht eine Eigenheit des Testbasses?
BASS MIT TWANG
Jedenfalls macht sich das Volume-Poti des P-Abnehmers direkt mit leichtem Kratzen bemerkbar. Das lässt sich mit etwas DeoxIt beheben, sollte aber natürlich nicht so sein. Ansonsten machen die Pickups, wie schon bei meiner letzten Begegnung, einen fantastischen Job. Der saubere Trockenton des Spectors wird mit starker Präsenz umgesetzt.
(Bild: Spector)
Der mit Keramik- und Stahlmagneten versehene PCSX nimmt die oberen Mitten etwas zurück und füttert gleichzeitig die tiefen Mitten an. Das Ergebnis ist ein drückender, voller P-Bass-Ton – „Chest Punching” nennt EMG das. Eine wärmere Wiedergabe geben die Alnico-V-Magnete dem LJAX-Stegpickup und eine Menge tragender Mitten. Bei beiden sorgt der X-Preamp für viel Headroom und Dynamik.
In der Höhe ab Werk gut justiert, sind sie perfekt ausgewogen und geben zusammen einen herrlich klaren Ton, der sich nicht nur, aber besonders gut für Metallarbeiten eignet.
Vor allem, weil der NC-4 noch ein Ass im Ärmel hat: die passive Höhenblende, die der Charvel nicht hatte. Als ich ihn auf dem Summit darauf ansprach, raunte er mir zu: „When people talk, I listen, man – I listen.” Er stand also wohl nicht nur auf meiner Wunschliste. Dadurch erweitert sich die Farbpalette jedenfalls erheblich: Sie ist gut abgestimmt, erzeugt mit einem kleinen Dreh rundere, traditionellere Sounds und rückt die sehr schönen Mitten in den Vordergrund.
So mühelos sich dem Bass bester Ton entlocken lässt, so leicht ist auch die Bespielbarkeit. Der Testbass ist ab Werk schon sehr gut eingestellt, ich stelle mir die Halskrümmung aber noch etwas flacher ein. Dafür muss ich zwar den Deckel an der Kopfplatte abschrauben, aber immerhin muss ich dafür keine Saiten beiseiträumen. Die tiefstmögliche Saitenlage ist mittelflach.
Für meinen Geschmack könnte die G-Saite noch etwas näher am Griffbrett sein. Die Bundierung gibt das durchaus her und ist komplett schnarrfrei. Mit einer Sattelbreite von gut 41 mm, einem eher schlanken, aber nicht zu dünnen C-Profil und einem flachen 15,75″-Griffbrettradius lädt der NC-4 zu schnellem Spiel ein. Dank einer guten Balance ohne Kopflastigkeit und einem komfortablen, wenn auch nicht ultraleichten Gewicht von 4,25 Kilo lässt sich das auch lange durchhalten.
Das ist ein wichtiger Faktor für Frank, der für eine gute Haltung und als Ausgleich zu seinem Bühnensport Yoga macht. Sehr beweglich gibt sich dann auch der Spector, der vor allem in Kombination mit dem Street Driver 48 – Franks Signature-Zerrpedal – nach „Instant Bello” klingt. Darüber hinaus hat er aber noch etliche andere, sogar überraschend klassische und unmetallische Sounds zu bieten.
RESÜMEE
Einen feinen Bass hat sich die New York Connection da ausgedacht. Schön zu sehen, dass Spector sich mit Frank Bellos Wünschen wirklich auseinandergesetzt hat, anstatt einfach die Signatur des Namensgebers auf ein bestehendes Modell zu kleben. Herausgekommen ist ein Spector, der angenehm aus dem aktuellen Programm heraussticht.
Franks Signature-Pickups als elektronisches Herzstück finden sich in einem komfortablen, sehr entspannt spielbaren Bass, der sich nicht nur im Thrash Metal heimisch fühlt, sondern sich als moderner, aktiver PJ in alle möglichen Musikstile einpassen kann – auch dank des willkommenen Tone-Reglers. Preislich finde ich den Spector fair, die Verarbeitung lässt keine Wünsche offen und neben Aufklebern, dem bereits angesprochenen Schlagbrett und Inbusschlüsseln gehört auch ein akzeptables Gigbag zum Lieferumfang. Nicht nur für Frank-Bello- und Anthrax-Fans zum Antesten empfohlen!
Plus
- Pickups & Sounds
- Bespielbarkeit & Balance
- Höhenblende
- Optik & Verarbeitung
- Gigbag
Minus
- kein separates Batteriefach
Übersicht
|
|
| Fabrikat |
Spector |
| Modell |
NC-4 Frank Bello |
| Typ |
viersaitiger Solidbody-E-Bass |
| Herkunftsland |
Indonesien |
| Hardware |
chrom |
| Hals |
Ahorn geschraubt, 2-Wege-Trussrod |
| Griffbrett |
Ahorn |
| Halsbreite |
Sattel 41,1 mm, XII. 57,4 mm |
| Bünde |
21 |
| Mensur |
34 Zoll |
| Korpus |
Erle |
| Oberflächen |
Korpus hochglanz, Hals matt |
| Tonabnehmer |
EMG FB Frank Bello Set |
| Elektronik |
passiv |
| Bedienfeld |
Volume, Volume, Tone |
| Saitenabstände Steg |
18,5 mm |
| Gewicht |
4,25 kg |
| Internet |
www.spectorbass.com |
| Zubehör |
Werkzeug, Sticker, Gigbag |
| Preis (UVP/Street) |
€ 1299 / ca. € 1149 |
(erschienen in Gitarre & Bass 04/2026)