Der heilige Gral der Fender-Sammler

Tone Research: Mark Knopfler & der Fender Vibroverb 6G16 Teil 4

In der letzten Folge habe ich beschrieben, dass der ‘63 Fender Vibroverb Reissue zwar schon sehr gut klingt, im Vergleich zu einem seltenen Original allerdings noch Wünsche offen lässt. Diesen Unterschied möchte ich hier noch einmal genauer beschreiben.

 

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Fender 125A6A TrafoIch selbst sehe in der Platinen-Konstruktion (im Gegensatz zum frei verlöteten Hartpappe-Board bei Vintage-Modellen) eigentlich kein Problem. Eine Platine verschlechtert den Sound nicht. Sie ermöglicht sogar, SerienAmps in größerer Konstanz herzustellen, denn das Layout ist bei dieser Bauweise ja immer gleich. Das Problem liegt hier eher bei den verwendeten Bauteilen. Während Vintage-FenderAmps mit Kohlepress-Widerständen, Astron-, Mallory- oder Blue-Molded-Kondensatoren bestückt wurden, findet man auf den neueren Fender Reissue-Verstärkern meist kleinere Xicon-Kondensatoren, Illinois-Elkos und
Kohleschicht-Widerstände. Diese Bauteile haben andere Klangeigenschaften als man es von den alten Modellen gewohnt war. Ob das nun gut oder schlecht ist, kann jeder für sich selbst entscheiden. Das ist Geschmackssache. Ich habe schon viele Reissue-Amps gehört, die mir sehr gefielen. Ich könnte jeder Zeit mit einem Reissue Musik machen.

Bias-Poti (außen)

Möchte man solche Verstärker jedoch klanglich auf seine eigenen Bedürfnisse abstimmen, wird es schwierig. Man kann eigentlich nur Röhren, die Trafos oder die Lautsprecher tauschen. Bauteile auf einer Platine zu tauschen, ist extrem schwierig. Zum einen sind die Parts von unten angelötet, sodass man bei einer Reparatur oder einem Bauteilwechsel die gesamte Platine herausnehmen müsste. Das ist natürlich ein erheblicher Aufwand. Dann ist auf diesen Platinen meist so wenig Platz, dass man größere Kondensatoren wie etwa Sprague Orange Drops oder gar Vintage Blue Molded eigentlich nicht unterbringen kann. Ist man dabei nicht vorsichtig, kann man schnell die ganze Platine zerstören und den Amp überhaupt nicht mehr benutzen. Also lässt man die Platine am besten in Ruhe.

Kann man auf die Klangeigenschaften von Vintage- oder Highend-Bauteilen nicht verzichten, baut man sich am besten einen neuen Amp, oder greift zu einem frei verlöteten Modell wie dem Fender Blackface Vibroverb Reissue oder dem ’57 Tweed Twin.

Was bleibt also zu tun, wenn man den ’63 Vibroverb ohne einen Neuaufbau mit einem Card-Board weiter verfeinern möchte? Dazu muss man sich die vermeintlichen Nachteile dieser Amps zunächst anschauen. In der letzten Ausgabe hatte ich beschrieben, dass der Vibroverb Reissue im Vergleich mit dem restaurierten Original vor allem weniger Dynamik, Abbildungstiefe und Offenheit erkennen ließ. Der Ton war etwas dunkler und matter, der Amp war insgesamt leiser und flacher.

Nun ist es recht einfach, zu ermitteln, mit welchen Anteilen die Qualitäten bestimmter Bauteile zu Buche schlagen, wenn man direkt vergleichen kann.


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bias

Einen wichtigen Beitrag zum Klangergebnis leisten hier die Röhren und die Lautsprecher. Allein hier kann man einiges herausholen. Um die Endröhren beim ’63 Vibroverb Reissue tauschen zu können, benötigen wir zunächst einen Bias-Regler. Der fehlt nämlich bei diesem Modell. Stattdessen verwendeten die Fender-Techniker einen 33-k-Festwiderstand (R59). Diesen findet man auf der kleinen Platine, die die beiden Regler für das Tremolo beherbergt. Besitzt man keinen Schaltplan, muss man darauf erst mal kommen. Daher sollte man sich für solche Arbeiten stets einen originalen Service-Plan besorgen.

Den 33-k-Widerstand habe ich herausgenommen und durch ein 10k-Bias-Poti und einen in Reihe geschalteten 22-k-Widerstand ersetzt. Jetzt hat man also eine Range von 22 k bis 32 k für die Bias. Das genügt nicht immer, war aber für meine Versuche völlig ausreichend. Das Bias-Poti ist nach dem Einbau (dazu muss man neben dem Netztrafo ein Loch bohren) von außen erreichbar. Daher muss man den Amp beim Röhrentausch nicht aus dem Gehäuse schrauben. Sehr praktisch.

Wir kommen auf den Gebrauch des BiasPotis später zurück, denn zunächst habe ich noch ein paar Kleinigkeiten vorgenommen, die sich als sehr wirkungsvoll erwiesen.

elkos

Wie schon öfter von mir empfohlen, habe ich zuerst die Netzteil-Elkos ausgetauscht. Fender verwendet bis heute sehr preiswerte Elkos der Marke Illinois, die meiner Meinung nach durch bessere ersetzt werden sollten. Allein die Illinois-Elkos sorgen bei den Reissues für diesen manchmal matten und verhangenen Ton, dem die typisch explosive Fender-Dynamik fehlt. Daher habe ich alle Elkos gegen Modelle „Made in Germany“ von F&T ausgetauscht. Das geht reicht einfach, indem man die Anschlussdrähte der alten Elkos einfach abknipst und als neue Lötstützen verwendet. Man muss also nicht unter dem Board beziehungsweise auf der hauchdünnen Platinenleitung löten. Die beiden Haupt-Elkos (B+), die die Mittelanzapfung des Ausgangsübertragers speisen, habe ich durch 47-uF-Typen (anstatt 22 uF) ersetzt. Die höhere Siebung machte den Amp rauschärmer, bescherte einen deutlichen Zuwachs an Dynamik und
Glanz in der Hochtonwiedergabe. Zu diesem Zweck kenne ich keine besseren Elkos als die von F&T. Bisher haben diese Elkos jeden Verstärker verbessert.

lautsprecher

Danach habe ich mit Lautsprechern experimentiert. Ich hatte zwar keine 10Zoll-Originale von Oxford oder Jensen, habe dafür aber mit 12-Zöllern gearbeitet. Der Ausgangsübertrager des ’63 Vibroverb Reissue hat einen nicht genutzten 8-Ohm-Tap, den ich dazu verwendete. Somit konnte ich mir zunächst sparen, alle möglichen Zehnzöller zu bestellen und zu vergleichen. Meine Favorit waren dabei der Jensen Reissue C12N sowie ein Keramik-Original von 1967. Letzterer ist meiner Meinung nach der optimale Lautsprecher für diesen Amp. Er ist nicht ganz so stark wie der Reissue von Jensen, bildet aber den Hochton viel feiner und musikalischer ab. Aber leider kommt man an zwei einwandfrei funktionierende Zehnzöller aus den späten Sechzigern kaum noch heran. Daher tun es auch zwei Jensen C10Q Reissues, die den Vibroverb in einigen Punkten etwas aufwerten. Vor allem sind sie stabiler in den Bässen und etwas klarer, wenn es um diesen typischen Fender-Ton geht. Natürlich gibt es für diese Bestückung endlos viele Alternativen von allen möglichen Herstellern. Zwei Weber 10F150 etwa oder zwei Celestion Alnico-Gold-Zehnzöller klingen in solchen Amps auch hervorragend. Aber mit diesen Speakern geht der Vibroverb in eine andere Richtung als es das Original von 1963 vorgibt. Und das wollte ich vermeiden.

vorstufenröhren

Sovtek 5881

Nach den Speaker-Tests beschäftigte ich mich mit den Vorstufenröhren. Vor allem für den Bright- oder Reverb-Kanal und den Phasendreher wollte ich ein Optimum finden. Da der Vibroverb ziemlich viel Gain hat und daher recht früh zerrt, scheinen zahlreiche User eine 5751 in V2 zu bevorzugen, denn diese Röhre bietet mit einem auf 70 Prozent reduziertem Gainfaktor gegenüber einer durchschnittlichen 12AX7 mehr Headroom und Clean-Reserven. Das habe ich mit guten Ergebnissen getestet. Doch erst nach dem Tausch der Elkos war ich mit dem Klang zufrieden. Da die F&T-Elkos mehr Offenheit und Hochton zur Verfügung stellen als die vom Werk eingebauten Illinois-Modelle, konnte man den etwas dunkleren und wärmeren Charakter einer 5751 vollends genießen.

Svetlana C-Winged 6L6 GC

Für den Phasendreher fand ich übrigens eine sehr gut gematchte TAD Selected-Röhre, die einfach kräftiger und klarer als meine Vintage-Modelle von GE, Sylvania oder RCA war. Letztere liefern allerdings einen äußerst süßen und angenehmen Ton. Ich wollte jedoch mit dem Umbau die gleiche Dynamik wie bei dem Vintage-Amp erreichen. Und so war die TAD-Röhre für mich eine hervorragende Wahl.

endröhren

Sylvania 6L6 GC

Kommen wir nun zurück zu den Endröhren. Hier kann man den Sound des Amps noch intensiv formen. Je nach Fabrikat und Röhren-Typ ergeben sich hier sehr unterschiedliche Ergebnisse.

TAD 6L6 Str

Mein bisheriger Favorit kam von TAD. Diese Röhre heißt 6L6GC „Big Bottle“ STR. Sie bringt einen sehr frischen und klaren Ton. Beinahe so wie beim Original, wo alte Sylvania 5781A/6L6GC eingebaut waren. Diese Röhren klingen unvergleichlich kräftig und klar. Alexander Dumble verwendet sie übrigens in den meisten seiner berühmten Overdrive-Amps. Sie verlangen jedoch eine sehr feine Abstimmung seitens der Bauteile. Denn manchmal gerät ihr Ton auch ein wenig zu steril und kalt. Hier war das nicht der Fall. Auch der Reissue-Amp klang mit diesen Röhren einen Hauch offener und wärmer als mit den TAD-Modellen. Schade nur, dass die Sylvanias nicht mehr hergestellt werden. Man findet sie nur noch „gebraucht“ auf eBay oder bei manchen Röhrenhändlern, die seltene NOS-Ware für satte Euros feilbieten.

Die Sovtek 5881, mit denen der Reissue ursprünglich bestückt war, klangen zwar recht ordentlich, aber irgendwie fehlte dieser typische Fender-Touch. Mit diesen Röhren war der Amp etwas leiser und zerrte früher, was mir nicht so gut gefiel. Gain besitzt dieser Amp ohnehin genug.

Außerdem klingen diese Röhren ein klein wenig zu steril. Ihnen fehlt Charakter und Wärme. Und genau in diese Richtung wollte ich den Ton formen. Mehr Charakter und mehr Wärme.

Das gelang nur noch mit den Svetlana „CWinged“ 6L6GC, die in diesem Amp fantastisch funktionierten. Er wurde noch klarer und verlor ein wenig die oft hervorstechen den Mitten. Vor allem in Kombination mit den Original-Lautsprechern, die ich ursprünglich verschmäht hatte, gefielen mir diese Röhren sehr gut. Tiefe, warme und klare Bässe, schöner und süßer Hochton und wenig Mitten. Vielleicht nicht so gut für Rocksounds, dafür umso besser für Stratocaster-Spieler, die diese hohlen und weichen Knopfler-Sounds lieben. Und da sind wir schließlich wieder mitten im Thema. Wir wollten ja die Knopfler-Sounds nachstellen, und da erwiesen sich die Svetlanas als großer Favorit.

ausgangsübertrager

Die letzte Maßnahme, die ich ohne einen Boardwechsel ins Auge fasste, war der Austausch des Ausgangsübertragers. Ich besitze einen uralten Schuhmacher 1256A6-Trafo, den ich dazu verwendete. Ich muss aber ehrlich zugeben, dass der Klanggewinn in Puncto Klangtiefe, Wärme und Hochtonabbildung gegenüber dem Reissue-Trafo von Fender nur sehr gering war. Ob sich eine Investition für so ein altes Original also lohnen würde, sei dahingestellt. Ich selbst würde darauf verzichten. Vielleicht wäre es besser, den Verstärker irgendwann komplett mit Mercury Magnetics-Übertragern auszustatten. Ich hatte ja letztes Jahr über einen solchen Umbau berichtet.

Zugegeben, der ’63 Vibroverb Reissue klang nun immer noch nicht ganz so verführerisch wie sein betagter Urahn. Die Anschläge gerieten noch nicht ganz so schmatzend und die Abbildungstiefe war immer noch einen Hauch flacher. Aber der Umbau hatte sich in jedem Fall gelohnt. Der Vibroverb Reissue zählt zu meinen Favoriten im Fender-Angebot, und mit ein paar kleineren Modifikationen taugt er für Knopfler-Sounds vom Feinsten. Bedenkt man, dass man solche Amps gebraucht für etwa € 1000 finden kann, könnte man fast noch den Umbau mit frei verlötetem Board ins Auge fassen.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Hi Udo, lese deine Artikel immer mit sehr viel Interesse, obwohl ich jetzt kein technisches Wissen besitze um meinen Amp zu modifizieren. Es wäre toll, wenn Du mal über den Fender Super Sonic 22 in der aktuellen Version, eventuelle Verbesserungsvorschläge machen könntest, spiele diesen Amp in der Head Version über eine 1×12 Palmer Box mit einem Celestion Heritage G12H (75Hz) 12″ 8 Ohm Speaker und finde, das dies einer der vielseitigsten Fender Röhren Amps ist, die es derzeit so gibt. Wäre toll zu erfahren, was man aus diesem Amp mit diversen Modifikationen wie beim 63 Vibroverb Reissue beschrieben, noch heraus holen könnte. LG. Stefan

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  2. hallo !ich bien toni aus croatien ,ich habe eine frage ,an bias haben sie auch den r58 1k mitt 3.9k getauscht und haben sie auf pin 8 output tube ein 1 ohm fur bias. messen.danke

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