Workshop-Reihe

Squier 51: No Budget Pimping, Teil 5

In der letzten Folge haben wir uns u. a. um den Sattel und die Saitenlage gekümmert. Jetzt werden endlich neue Saiten aufgezogen – auch hier kann man viel falsch, aber gottseidank auch viel richtig machen! – und die Intonation der Gitarre eingestellt.

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Die Lasso-Technik hilft beim Saitenaufwickeln, die Saiten in eine gute Ausgangsposition zu bringen!

Saitenwechsel

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Jetzt, wenn keine Saiten mehr aufgezogen sind, sollten als erstes die Muttern der Mechaniken mit einem passenden Schraubenschlüssel nachgezogen werden. Manchmal sind die Squier-Hälse noch nicht komplett ausgetrocknet wenn sie verarbeitet werden, und schrumpfen dann im Laufe der Zeit ein wenig. Dadurch können die Mechaniken sich etwas lösen. Mit angezogenen Muttern rappeln sie nicht mehr…

Und jetzt kommt die berühmt-berüchtigte Methode zur Verbesserung der Saitenauflage im Sattel, die bei Squiers (und Gitarren ähnlicher Preislagen) Wunder bewirkt, die aber jeden Gitarrenbauer die Hände über dem Kopf zusammenschlagen lässt.

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Mit der Lasso-Technik aufgewickelte Saiten sorgen für reichlich Druck auf die Sattelkerben.

Wir erinnern uns: Bei der Bestandsaufnahme hatten wir festgestellt, dass die Schäfte der Mechaniken und die Löcher zum Durchführen der Saite zu hoch sind. Dagegen muss etwas getan werden, ohne Budget natürlich: Man fädelt jede Saite so durch das Loch im Mechanikschaft, dass noch viel Durchhang übrig ist. Das Saitenende soll nur ca. 3 bis 5 cm aus dem Loch herausschauen. Dann das Saitenende mit dem Daumen der linken Hand nach unten auf die Kopfplatte drücken und festhalten. Mit der anderen Hand die Saite um den Mechanikschaft und auch über das Saitenende wickeln – eine Wicklung unter die andere, immer Richtung Kopfplatte, immer schön dicht nebeneinander. Man wird beim Aufwickeln immer nach ein paar Umdrehungen ein Geräuch von der anderen Seite der Gitarre hören – aber keine Sorge, das ist nur das sich drehende Ball-End. Das ist OK, denn hier löst sich nur die Spannung, die durch die Torsion (= Verdrehung) der Saite dank dieser Lasso-Technik entsteht.

Aber Obacht! Nicht alle Brücken erlauben den Ball-Ends, sich zu drehen und damit die Spannung zu lösen. Das ist bei der Squier 51 kein Problem, tritt aber z. B. bei Wrap-around-Brücken und Bigsby-Vibratosystemen auf. Hier ist das Ball-End am Steg fixiert. So bildet sich bei jeder Wicklung immer mehr Torsion, mit dem Ergebnis, dass die Saite am Ende nicht mehr frei schwingen kann. Aus diesem Grund ist diese Technik des Saitenaufziehens für die meisten Gitarrenbauer ein No-Go. Ich verwende sie dennoch bei den meisten Fender-artigen Gitarren – auch bei Strings-thru-body-Konstruktionen wie Strat und Tele –, und das ohne Probleme.

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Beim Saitenaufziehen drehen sich die Ball-Ends und lösen damit die Spannung auf, die durch das Aufwickeln der Saiten entsteht.

Weiter geht‘s: Wenn die Saite sich langsam spannt, biege das Saitenende nach oben, ziehe die Saite in Richtung Brücke und drehe an der Mechanik, sodass die letzten Umdrehungen unter dem Saitenende her verlaufen. So verhindert man eine eiförmige Ausbuchtung der Wicklung. Jetzt die Saite stimmen und das hochstehende Saitenende abschneiden. Zum Schluss die Saite mit der rechten Hand kräftig nach oben ziehen, um die Wicklungen festzuzurren und sie zu dehnen, damit sie die Stimmung hält.

Und warum das Ganze? Die zahlreichen Windungen auf dem Mechanikschaft drücken die Saite nach unten. Dies bewirkt zum einen, dass die Reibung am Saitenniederhalter nicht mehr so stark ist, zum anderen aber auch, dass die Saite mit genügend Druck in den Sattel gepresst wird und so klar und definiert klingt – das gilt hier besonders für die beiden tiefen Saiten. Und dadurch, dass das Saitenende durch die Wicklungen eingeklemmt ist, wird es hier keine Verschiebungen mehr geben, die die Stimmstabilität beeinträchtigen könnten. Das einzige, worauf man achten sollte: Die Wicklungen sollten nicht übereinander liegen.

Die finale Saitenlage

Jetzt ist die Zeit gekommen, die endgültige Einstellung der Saitenlage vorzunehmen. Dazu einfach die Gitarre stimmen und die Saitenreiter an der Brücke so einstellen, wie es dem eigenen Spielgefühl entspricht. Alle anderen für eine richtige Saitenlage nötigen Schritte hatten wir in den letzten Ausgaben abgehandelt. Wenn die Saitenreiter jetzt höher gestellt werden, wird sich automatisch der gerade Hals in eine leicht konkave Beugung bewegen und den Saiten schnarrfreien Spielraum gewähren.

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Perfekte Saitenlage!

Oktavreinheit

Der letzte Schritt des Setups ist die Einstellung der Oktavreinheit. Die messen wir am besten mit einem guten Stimmgerät – und zwar am 13. Bund! Am 13. Bund deshalb, weil wir ein Kapodaster auf den 1. Bund aufsetzen, um den leichten Ungenauigkeiten, die eine nicht korrekte Sattelposition bewirkt, aus dem Wege zu gehen. Man vergleicht den Flageolett-Ton am 13. Bund mit dem gegriffenen Ton an gleicher Stelle. Erklingt der gegriffene Ton höher, muss der Saitenreiter ein wenig nach hinten bewegt werden. Ist er zu tief, entsprechend dann nach vorn. Ist die Oktavreinheit eingestellt, ist unsere runderneuerte Squier 51 endlich spielbereit.

In der nächsten und letzten Folge schauen wir uns kurz und knackig die Pickups und die Elektrik an. Da wir kein Budget haben, können wir hier auch nichts austauschen. Aber wir können trotzdem ein bisschen was verbessern!


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Sophie Dockx

Übersetzung: H. Rebellius

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