Workshop-Reihe

Squier 51: No Budget Pimping, Teil 4

In der letzten Folge dieser Reihe haben wir u. a. die Saitenlage verbessert. Jetzt werden die nächsten Schritte beschrieben, in denen es darum geht, die Spielbarkeit bequemer zu gestalten. Im Zentrum der Diskussion stehen dabei verschiedenste Kerben…

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Halbrunde Aushöhlungen zwischen den eigentlichen Sattelkerben reduzieren die Masse des schwingungsdämpfenden Sattelmaterials.

Sattelkerben

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Während der Bestandsaufnahme hatte ich, wie beschrieben, festgestellt, dass das Plastikmaterial, das hier für den Sattel verwendet wurde, ein härteres ist als das, was bei Squier sonst verwendet wird. Aber es entspricht noch nicht der Qualität von z. B. Knochen, denn es ist immer noch deutlich weicher, was dazu führt, dass die Obertöne gedämpft werden. Also – was können wir tun, um die Konduktivität des Sattels (Leitfähigkeit bei der Schwingungsübertragung) zu verbessern, ohne aber das komplette Teil zu ersetzen? Denn schließlich werden wir, wie versprochen, außer einem neuen Satz Saiten keinen weiteren Cent in diese Gitarre stecken.

Ich habe mir dazu eine Art Übung für angehende Zahnärzte zur Verbesserung solcher Billigsättel ausgedacht, die auch schon bei einigen historischen Folklore-Instrumenten zur Anwendung gekommen ist. Mit einer ca. 4 mm starken Rundfeile arbeitet man zwischen den eigentlichen Sattelkerben halbkreisförmige Vertiefungen aus. Dieses Verfahren reduziert die schwingungsdämpfende Sattelmasse immerhin um ca. ein Drittel. Ein Nebeneffekt dieser Aktion: Den Wänden der Saitenkerben wird ein wenig der seitliche Druck genommen, sodass die Saiten auch in engeren Kerben nicht mehr so schnell festklemmen werden.

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Ein gezahntes Küchenmesser dient als Feilenersatz für die Sattelkerben der tiefen Saiten.

Nächster Schritt: Jetzt kümmern wir uns um die Sattelkerben, denn wie bei ganz vielen neuen Gitarren sind auch die der Squier 51 ebenfalls nicht optimal gefeilt – die Kerben sind nicht tief genug, was zu einer unnötig hohen Saitenlage und damit zu Unstimmigkeiten beim Spiel in den ersten Lagen führt. Dazu sollten die Saiten ganz normal gestimmt bleiben. Denn der Hals darf seine Spannung nicht verlieren, damit man beim Messen des Abstandes von Saite und Bundstab am 1. Bund auch ein praxisnahes Ergebnis erhält.

Zum Nachfeilen der Kerben einfach die betreffende Saite aus ihrer Kerbe heben, diese vorsichtig tiefer feilen und die Saite wieder zurück in der Kerbe legen. Bitte vorsichtig feilen und lieber einmal zu viel als einmal zu wenig nachmessen. Sonst läuft man Gefahr zu tief zu feilen und muss dann doch noch den ganzen Sattel austauschen. Das Ziel ist es, einen Abstand von knapp einem halben Millimeter von Unterkante Saiten zu Oberkante erster Bund zu erhalten. Ein halber Millimeter – das ist nicht mehr als ein Blatt normales Kopierpapier!

Natürlich haben wir keine teuren Sattelfeilen in unserem Werkzeugkasten, denn wir sind hier nicht beim Gitarrenbauer-Lehrgang, sondern beim No-Budget-Pimping! Deshalb nutze ich für das Nachfeilen der Kerben für die drei glatten Saiten (E1, H, G) mein treues Küchenmesser mit seiner gesägten Klinge. Die Kerben der drei dicken, umsponnenen Saiten (D, A, E6) werden zuerst mit einer konischen Feile, und dann mit einem Stück alter, umsponnener Saite (die entsprechend passende für jede Kerbe) bearbeitet, um die Kerben zu polieren. Bitte darauf achten, die Kerben in Richtung Mechaniken leicht schräg nach unten zu feilen, damit die Saiten ganz konkret vorne auf der Kante ihrer jeweiligen Kerbe aufliegen, und nicht auf der ganzen Länge der Kerbensohle.

Sind die Sattelkerben nun passend gefeilt, brauchen wir die Sicherheitsvorgabe der Höheneinstellung (siehe letzte Folge!) nicht mehr und stellen nun die Saitenreiter am Steg so ein, dass sich die Saitenlage passend und richtig für das individuelle Spielbedürfnis anfühlt. Ich selbst bevorzuge eine eher flache Saitenlage: 1,5 mm Abstand für die hohe E-Saite, 2,5 mm für die tiefe E-Saite, jeweils am 12. Bund gemessen. Nicht nur, dass es sich so leichter spielen lässt. Man wird auch Saitenschnarren auf den Bünden leichter ausfindig machen können.

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Mit dieser normalen Nagelfeile lassen sich Bundenden entschärfen.

Bünde

Gute Nachrichten: Es gibt trotz der flachen Saitenlage auf dem gesamten Griffbrett dieser Squier 51 kein Saitenschnarren! Und jetzt können aber endlich die alten Saiten runter! Flugrost und Schmutz lassen sich leicht mit Zitronen- oder einem anderen Griffbrett-Öl und dem Ärmel eines langärmeligen T-Shirts entfernen. Das Öl wird am besten mit einem kleinen Baumwolltuch aufgetragen, bis das Griffbrett komplett mit Öl bedeckt ist.

Dann mit dem T-Shirt-Ärmel, den man beidhändig an seinen Enden anfasst, quer über die Bünde und das Griffbrett reiben, von links nach rechts, von rechts nach links – so wie es die Schuhputzkinder an den Straßenecken von Harlem in New York vor 100 Jahren auch gemacht haben. Natürlich haben wir dazu die Gitarre auf unserer Arbeitsfläche fixiert, damit sie nicht hin- und herrutschen kann. Mit Baumwolle lässt es sich gut polieren, wenn der Rost und der Schmutz nicht zu stark sind.

Wenn Bünde leichte Kerben haben sollten, behandle ich sie zuerst mit Stahlwolle und schaue, wie weit ich damit komme. Dies geht natürlich nur bis zu einem gewissen Grad. Sind die Kerben jedoch zu tief, hilft nur ein professionelles Abrichten, u. U. sogar nur eine Neubundierung, für die wir natürlich kein Budget haben. (Bei der Behandlung mit feiner Stahlwolle gilt es zu beachten, die Pickups abzukleben. Denn wenn Stahlwolle-Partikel in die Pickups geraten – sie werden schließlich magnetisch angezogen –, können sie dort einen Kurzschluss verursachen.)

Zwei Ecken

Etwas von dem Griffbrettöl wird zwischen Bünden und Griffbrett ins Holz eindringen und es befeuchten. Das ist gar nicht so schlecht, denn so wird dem Schrumpfungsprozess entgegengewirkt, der durch Temperatur- und Klimaschwankungen ausgelöst wird und der für scharfkantig überstehende Bundenden verantwortlich ist. Sollten die Bundenden nach der letzten Ölung trotzdem noch überstehen, müssen wir sie eben abrunden.

Was nichts anderes bedeutet, als dass wir nur die beiden Ecken des Bundstabes verrunden müssen, und nicht das komplette Ende des Bundstabs. Denn das, was wir als scharfkantig empfinden, ist nicht der zu lange Bundstab, sondern eben seine beiden scharfen Ecken. Zu diesem Zweck benutze ich eine Nagelfeile in der Art, wie sie bei einer Maniküre auch verwendet wird. Beide Seiten sind mit einer feinen Schleifebene versehen, aber die Ränder sind glatt und fein poliert, sodass die Feile nach vorne schleifen kann, ohne sich mit ihrem Rand in das Halsholz zu graben.

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Die Verchromung der Stellen, an denen die Saiten aufliegen, ist abgefeilt, um die Leitfähigkeit der Saitenreiter zu verbessern.

Saitenreiter

Da die Saitenreiter der Squier 51 in ihrer Höhe einstellbar sind, brauchen wir sie nicht auf eine optimal passende Höhe zu feilen. Der einzige Grund, warum ich hier trotzdem die Feile empfehle, ist meine Vermutung, dass die billige Verchromung der Saitenreiter die Übertragung der Schwingungen von den Saiten zur Brücke – wenn auch nur leicht – behindern könnte.

Eloxierte Chromschichten würden dieses Problem nicht aufwerfen, aber das Chrom-Tauchbad, in dem dieser Steg verchromt wurde, sehr wohl, weil es dicker ist und eine mangelhafte Adhäsion (Verbindung) zum darunter liegenden Material erzeugt. Wer in dem Fall ebenfalls meiner Meinung ist, der nimmt sich für die Reiter der drei glatten Saiten eine dreieckige und für die der drei umsponnenen Saiten eine runde Profilfeile und arbeitet die Chromschichten solange ab, bis das blanke Metall zum Vorschein kommt.

In der nächsten Folge beschreibe ich den Saitenwechsel und die Einstellung der Intonation. Auch hier gibt es bei der Squier 51 Luft nach oben!


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Sophie Dockx

Übersetzung: H. Rebellius

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