Teil 2

Homerecording Special: Digital Audio Workstation (DAW)

Digital Audio Workstation (DAW)

Ist der Arbeitsplatz nun vollständig ausgestattet mit Hardware und diese am Rechner eingerichtet, fehlt es noch an Software, um überhaupt aufnehmen zu können. Für einfaches Aufnehmen, Schneiden und Exportieren genügt bereits eine einfache, kostenlose Software wie z.B. Audacity. Möchte man mehr machen als nur das, muss eine Digital Audio Workstation (DAW) her.

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(Bild: Joris Henke)

Diese erlaubt dann zusätzlich komplexes Editieren, Mischen, die Verwendung von Software-Effekten und -Instrumenten, kurz: alles, was zur Produktion von hochwertigen Audiodateien benötigt wird. Ähnlich wie bei der Hardware sind Auswahl und Preisspanne auch hier groß. Was es zu beachten gibt, soll dieser Teil des Recording Specials zumindest grundlegend klären.

Letztlich ist eine DAW auch nur ein Werkzeug, allerdings ein recht komplexes. Als solches ist eine Einarbeitungsphase unumgänglich, ohne Vorwissen oder Erfahrung gehören Blicke ins Handbuch oder Video-Tutorials zum Pflichtprogramm. Jedoch liegen einem bestimmte Organisations- und Arbeitsweisen besser als andere.

Möchte man alles in einem Fenster angezeigt bekommen oder gliedert man Elemente lieber aus, vielleicht sogar auf mehrere Bildschirme? Wie wichtig ist es einem, beliebige Elemente durch Klicken und Ziehen (Drag & Drop) zwischen Kanälen und Spuren verschieben oder einfügen zu können? Doch was davon ist jetzt überhaupt relevant für jemanden, der seine ersten Schritte in der Produktion der eigenen Musik wagt und was kann bei der Kaufentscheidung erst einmal vernachlässigt werden?


DIE QUAL DER WAHL

Um es direkt vorwegzunehmen: grundsätzlich bieten alle DAWs die gleichen grundlegenden Funktionen und auch bei komplexeren und spezifischeren Features, z. B. der Tonhöhenkorrektur oder dem automatischen Quantisieren, ist die Schnittmenge inzwischen deutlich größer als noch vor einigen Jahren. Wie so oft führen also viele Wege nach Rom. Die Frage ist in erster Linie, welchen man einschlagen möchte und hier unterscheiden sich die verschiedenen Programme teils recht dramatisch. Hier könnte man jetzt über zehn Seiten die Unterschiede zwischen den Programmen ausführen, aber damit ist niemandem geholfen. Wichtiger ist, wie man für sich selbst entscheiden kann, welches Programm am geeignetsten ist. Und auch, wenn man bei der Frage nach „der besten DAW“ gefühlt immer dieselben drei oder vier Namen liest, ist der beste Weg tatsächlich einfach das Ausprobieren.

Jeder Hersteller bietet kostenlose Testversionen seiner Programme an. Diese sind zwar entweder im Funktionsumfang oder zeitlich begrenzt, um einen ersten Eindruck zu bekommen, sind diese aber absolut ausreichend. Damit der Workshop an dieser Stelle noch nicht zu Ende ist, gehe ich noch einmal etwas genauer auf die grundlegenden Funktionen dieser Programme ein.


FUNKTIONEN

Der grundsätzliche Aufbau ist bei den meisten Programmen mehr oder weniger identisch: beim Öffnen eines Projektes präsentiert sich zentral auf dem Bildschirm die Arrangieransicht. Hier sind, sofern vorhanden, die Wellenformen, Midi-Noten und Automationskurven der einzelnen Spuren und Kanäle sichtbar.

Arrange-Fenster bei PreSonus Studio One (Bild: Joris Henke)

Zur besseren Übersicht sind diese oft unterschiedlich eingefärbt und auf einem zeitlichen Raster angeordnet. Möchte man Aufnahmen schneiden, zusammenfügen, kopieren oder verschieben, geschieht das in dieser Ansicht. Es ist quasi die virtuelle Umsetzung des Schneidens und Klebens eines analogen Tapes, nur ohne Risiko. Dieser Teil ist bei allen DAWs ziemlich gleich. Unterschiede gibt es hier hauptsächlich in der Zugänglichkeit der Werkzeuge, aber das lässt sich oft auch an die eigenen Bedürfnisse anpassen.

Links davon oder darunter sind die Bedienelemente der Spuren ersichtlich. Hier lassen sich neue Spuren hinzufügen, löschen, verschieben, umbenennen, stummschalten, aufnahmebereit stellen (scharfschalten) und je nach Programm auch bereits Lautstärke und mehr ändern. Von Programm zu Programm gibt es hier bereits einige Unterschiede in der Übersicht, Anordnung und dem Funktionsumfang.


MIXER

Die Mixer-Ansicht in Cubase …

Viele dieser Funktionen lassen sich auch über die Mixer-Ansicht erreichen. Dies ist die digitale Nachbildung der Kanalzüge an einem Mischpult. Lautstärke und Position im Stereobild werden hier ebenso eingestellt, wie Effekte und Busse.

Busse sind Kanäle, die als Eingangsquelle nicht eine Datei oder das Interface haben, sondern ihr Signal von einem oder mehreren anderen Kanälen beziehen. Sie sind praktisch, um z. B. viele Instrumente zu gruppieren oder Effekte einzurichten, die mehrere Kanäle betreffen sollen.

… und Studio One.

Eingebaute Reverbs an Mischpulten sind z. B. meist als Bus eingerichtet. Es gibt dort einen Reverb, der von allen Kanälen ein Signal bekommen kann.

Der Aufbau des Mixers ist grundsätzlich immer ähnlich, allerdings sind je nach DAW die Übersicht über die Plug-ins oder ein integrierter EQ nicht immer in derselben Ansicht wie die Volume-Fader oder andere Bedienelemente und es muss per Schaltfläche die Ansicht gewechselt werden. Auch darin, ob und wie sich der Mixer als separates Fenster auskoppeln und auf dem Bildschirm verschieben lässt, unterscheiden sich die Programme teilweise.


PLUG-INS

Der FX-Browser in Studio One

Plug-ins können sowohl Effekte oder auch virtuelle Instrumente, wie beispielsweise ein Synthesizer oder ein Drumcomputer sein. In der Verwaltung und Anordnung dieser gibt es teilweise erhebliche Unterschiede zwischen den Programmen. Einige Programme, wie z. B. Studio One oder Cubase organisieren alle Plug-ins und Mediendateien über ein Browserfenster rechts von der Arrangieransicht. Von hier aus lassen sich Audio- oder Midi-Dateien und Plugins einfach mit der Maus hinaus und in die Spur der Wahl hineinziehen. Andere DAWs, wie z. B. Pro Tools oder Reaper bieten solche Browserfenster teils versteckter und fordern den Nutzer eher dazu auf, die zum Einfügen vorgesehenen Schaltflächen und Submenüs in den jeweiligen Kanälen zu nutzen.

Der FX-Browser in Reaper

Welche Plug-ins zur Verfügung stehen, hängt stark von der DAW ab. Jeder Hersteller liefert mit seinem Programm eine Vielzahl an integrierten Effekten und Instrumenten, sodass man nicht zwingend zusätzliche kaufen muss und für den Anfang ausreichend Auswahl zur Hand hat. Da sich die Auswahl dieser Plug-ins zwischen den diversen Vollversionen, meist „pro“ genannt, und den abgespeckten Varianten auch innerhalb eines Herstellers unterscheidet, kann ein Blick auf die Vergleichstabellen der Hersteller nicht schaden. Auf den Webseiten der Programme gibt es, sofern es mehrere Versionen gibt, eine Übersicht, welcher Funktionsumfang zu welcher Version gehört.


BANG FOR THE BUCK

Beim Vergleich der Versionen wird auch unweigerlich der Blick auf den Preis fallen. Da einige der Vollversionen alles andere als günstig und oft mit mehr ausgestattet sind als die meisten Heimanwender je brauchen werden, sind die abgespeckten Varianten oft die vernünftigere Wahl. Fehlende Plug-ins lassen sich nicht selten durch Freeware ersetzen oder zumindest ergänzen.

Apropos Freeware: selbst einige DAWs gibt es kostenlos und ganz legal. Das ursprünglich von Sonar entwickelte und nun von Bandlab übernommene Cakewalk ist inzwischen vollständig kostenfrei nutzbar und kommt von Haus aus schon mit einigen sehr brauchbaren Plug-ins und dem vollen Funktionsumfang einer professionellen DAW. Apple-Nutzer, das schließt auch iPhone- und iPad-Besitzer ein, profitieren von der kostenfreien Software Garage-Band, welche zwar einen deutlich reduzierten Funktionsumfang im Vergleich zu anderen DAWs bietet, aber dafür sehr intuitiv zu bedienen ist. Hier kann man mehr oder weniger direkt mit dem Aufnehmen und Songschreiben loslegen, sogar ein sehr brauchbarer und vielseitiger Drumcomputer ist mit an Bord. Als „kleiner Bruder“ der vollwertigen DAW Logic Pro X bietet es dank vielen Parallelen in der Bedienung einen leichten Umstieg auf das Profiprogramm, sofern dieser einmal ansteht. Beim Neukauf von Interfaces gibt es oft ebenfalls kostenlose Versionen verschiedener Programme dazu.


AUFNAHME

Unabhängig von dem Programm, für das man sich entscheidet, sollte man das Wichtigste aber nicht vergessen: das Musizieren. Nachdem ein neues Projekt in der DAW angelegt ist, können direkt ein paar Spuren eingerichtet werden, um etwas aufzunehmen. Dazu muss die Spur scharfgeschaltet und die Aufnahme entweder per Tastaturbefehl oder Klick auf den Aufnahmebutton in der Transportleiste gestartet werden.

Grundeinstellungen: Audio-Settings bei Cakewalk (Bild: Joris Henke)

Wer möchte, stellt sich noch ein Metronom dazu ein, lässt einen Drumcomputer spielen oder lädt bereits vorhandene Spuren von Bandkollegen in das Projekt. Dies funktioniert bei den meisten Programmen einfach über das Hineinziehen der Dateien in die Arrangieransicht.

Ist man mit seiner Aufnahme zufrieden und hat sie gegebenenfalls noch geschnitten und mit Plug-ins bearbeitet, kann das Ergebnis dann als Audiodatei exportiert werden. Für den unkomplizierten Austausch von Dateien sollte darauf geachtet werden, dass das Programm Multitrack Export bzw. Export von sogenannten Stems unterstützt. Das bezeichnet den Export von einer Vielzahl an Kanälen als jeweils separate Dateien. Arbeitet man per Datei-Transfer mit der Band an einem Song, kann es zum Arrangieren und Bearbeiten hilfreich sein, alle Spuren als einzelne Datei zu erhalten. Einige Basisversionen der DAWs unterstützen diese Funktion nicht, hier müsste zu diesem Zweck jeder Kanal nacheinander auf solo geschaltet und exportiert werden. Machbar, aber umständlich.

(erschienen in Gitarre & Bass 06/2021)

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Ein sehr wichtiges Kriterium für eine DAW sollte sein, welches System von Mit Musikern, Recording oder Mastering Studio genutzt wird. Der problemlose und komfortable Austausch zwischen den Projekten bzw. deren Weiterbearbeitung ist nur bei gleicher DAW gewährleistet.

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