Teil 1

Homerecording Special: Die Grundausrüstung

Gerade in Zeiten, wo sich die Möglichkeiten des gemeinsamen Musizierens für die meisten auf den Ideenaustausch durch Dateitransfer beschränken, gewinnt das Thema Homerecording stark an Bedeutung. In unserem Special zeigen wir, wie man in den heimischen vier Wänden möglichst hochwertige Aufnahmen anfertigt.

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Dass dazu nicht einfach das Instrument in den Computer gesteckt werden kann, wird schon aufgrund nicht kompatibler Stecker schnell deutlich. Werfen wir also einen Blick auf die technische Grundausstattung …

AUDIO-INTERFACES

Die Aufgabe dieser Geräte ist es, das Tonsignal in ein digitales Signal für den Computer zu übersetzen und andersherum auch, die Wiedergabe des Computers zurück an Kopfhörer oder Lautsprecher zu senden. Bei der Auswahl eines solchen Gerätes gibt es einige Punkte zu beachten, und es gilt ganz eindeutig Klasse vor Masse. Vor Kauf sollte abgewogen werden, wie viele Kanäle benötigt werden, also wie viele Instrumente gleichzeitig aufgenommen werden sollen. Für zuhause reichen meist zwei aus, um z. B. Gesang und Gitarre oder Gitarre und Bass gleichzeitig mitschneiden zu können. Wer jedoch auch mal ein Schlagzeug oder ein paar mehr Instrumente aufnehmen möchte, greift lieber zu so vielen Spuren, wie er sich leisten kann.

Auch auf die Art der Eingänge sollte geachtet werden. Während einige Geräte sowohl XLR wie auch Klinke anbieten, ist dies nicht immer der Fall und sollte berücksichtigt werden. Für ein Mikrofon braucht es unbedingt XLR, am besten mit der Möglichkeit zur Phantomspeisung von Kondensatormikrofonen. Um passive Gitarren oder Bässe aufzunehmen, sollte das Interface einen hochohmigen Eingang, auch Hi-Z genannt besitzen.

Da die Vorverstärker einiger Interfaces gerade bei der Verwendung von Mikrofonen etwas schwächeln, bietet es sich an, zusätzliche Vorverstärker zu verwenden. Dies dient einerseits der Aufbereitung des niedrigen Pegels auf Line-Pegel, aber kann auch eine Klangverbesserung bewirken, noch bevor das Signal im Rechner landet. Auch bei passiven Instrumenten können eine hochwertige DI Box oder ein hochwertiger Preamp noch einmal etwas mehr aus den Aufnahmen kitzeln.

Bei der Auswahl eines Gerätes sollte man zwar auch einen Blick auf die Zahlen werfen, sich davon aber nicht zu sehr beeindrucken lassen. Viele Hersteller werben gern mit beeindruckend hohen Zahlen für die Abtastrate (Sampling Rate), in der Praxis finden jedoch fast ausschließlich 44.1kHz und 48kHz Anwendung. Dies sind Industriestandards, an die man sich auch als Heimanwender am besten hält, da die meisten Anwendungen und Geräte auch dafür optimiert sind.

Ob ein Gerät dabei per USB, Firewire oder Thunderbolt mit dem Computer verbunden wird, spielt keine gesonderte Rolle. Es sollte lediglich mit den Schnittstellen am eigenen Computer zusammenpassen. Das Angebot an USB-Geräten ist mit Abstand das größte, die Schnittstelle an jedem System zu finden und vor allem für den Anfang daher zu bevorzugen. Wer aber nun glaubt, zwei sich auf dem Produktblatt gleichende Interfaces würden gleiche Ergebnisse erzielen, liegt leider nicht ganz richtig.

Zum einen gibt es Qualitätsunterschiede zwischen den Analog/Digitalwandlern und zum anderen zwischen den verbauten Vor- und Kopfhörerverstärkern. Hier sind die Unterschiede, zumindest in einsteigerfreundlichen Preisklassen deutlich größer. Bemerkbar macht sich dies in erster Linie mit einem geringeren Eigenrauschen und genügend Austeuerungsreserven (Headroom). Als gute, bezahlbare Anlaufstelle empfehle ich gern die Geräte von Audient, SSL, Presonus oder Focusrite.

Bezahlbare und hochwertige Audio-Interfaces mit den wichtigsten Features gibt es z. B. in der Focusrite-Scarlett- und PreSonus-Studio-Serie

 

Letztlich spielt aber auch der Funktionsumfang des Gerätes eine Rolle bei der Auswahl. Die Basisfunktionen, wie das Direct Monitoring (Abhören der Eingänge ohne Umweg über den Computer) sollten auf jeden Fall mit an Bord sein, aber auch z. B. Loop-Back Mixer (für Live-Streams) können praktisch sein, ebenso wie oft mitgelieferte, kostenlose Software.

Es gibt allerdings auch einige Multieffektgeräte, die gleichzeitig als Interface funktionieren. Wer also z. B. ein Line6 HX Stomp, Helix, Boss GT1000 oder einen anderen Gitarrenprozessor sein Eigen nennt, sollte vielleicht erst einmal das Handbuch konsultieren, ob diese Funktion unterstützt und wie sie ggfs. eingerichtet wird.

Manche Modeling-Geräte, wie das Line 6 HX Stomp, lassen sich auch als Audio-Interface benutzen. (Bild: Line 6)

 

COMPUTER

Bevor wir uns nun damit befassen, wie das Signal in den Rechner kommt, widmen wir unsere Aufmerksamkeit kurz dem Werkzeug, dem Computer selbst. Egal, ob man sich nun mit externen Geräten, wie z.B. Feldrekordern aufnimmt oder direkt in den Computer einspielen möchte: Die Aufnahme will hinterher zumeist am Rechner bearbeitet werden und wenn dieser nicht flüssig läuft, macht das Arbeiten keinen Spaß.

Aber keine Sorge, für die meisten Heimanwender-Szenarien muss es nicht die modernste oder teuerste Hardware sein. Natürlich listen Hersteller diverser Programme die Mindestanforderungen an das System auch auf. Als Basis, um auch in ein paar Jahren noch mehr machen zu können, als nur ein oder zwei Instrumente aufzunehmen, sollte man diese jedoch zumindest ein wenig übertreffen. Die CPU sollte dabei ein einigermaßen aktueller Intel i-Core oder AMD Ryzen sein. Für Mac-Nutzer stellt auch die aktuelle M-Serie eine sehr gute Wahl dar.

Damit dem Computer beim Laden von Plug-ins nicht sofort die Puste ausgeht, sollte das System zumindest mit 8GB Arbeitsspeicher ausgestattet sein und auch genügend Festplattenspeicher sollte vorhanden sein. Verlustfreie Audiodateien sind bedeutend größer als z. B. mp3s. Sparsame Nutzer kommen wahrscheinlich bereits mit 256GB aus, wer sich etwas mehr leisten kann, sollte dies aber tun. Zur Archivierung und Auslagerung erledigter Projekte bieten sich externe Festplatten an.

Über Grafikleistung muss sich bei einem Audiorechner keine Gedanken gemacht werden. Die in den meisten modernen Prozessoren integrierte Grafikeinheit ist mehr als ausreichend stark für Audioprogramme, Office und Web Browsing. Ist bereits ein Computer vorhanden, probiert man am besten erst einmal aus, ob sich die gewünschten Aufgaben damit erledigen lassen, bevor über eine Neuanschaffung nachgedacht wird.

Ob das System mit Windows oder MacOS betrieben wird, spielt dabei keine allzu große Rolle. Hier entscheiden Präferenz, Gewohnheit und das Budget. Auch unter Linux ist es möglich, ein Produktivsystem einzurichten, allerdings mit einigen Einschränkungen, da nicht alle Hersteller ihre Software für diese Systeme anbieten. Auch die Installation und Einrichtung ist zumeist mit einem höheren Aufwand verbunden.

SYSTEM-EINRICHTUNG

Hat man nun Instrument, Kabel, Interface und Rechner greifbar, muss Letzterer noch eingerichtet werden. Dazu gehört die Treiberinstallation des Interfaces. Beim Mac entfällt diese angenehmerweise für gewöhnlich. Auch unter Windows werden inzwischen oft rudimentäre Funktionen, wie die Wiedergabe vom Computer-Audio unterstützt, für den vollen Funktionsumfang müssen jedoch ein Treiber und ggfs. eine Steuersoftware installiert werden. Diese finden sich entweder auf einer mitgelieferten CD, in jedem Fall aber auf der Website des Herstellers.

Entweder über die Systemsteuerung oder das eventuell installierte Steuerungsfenster müssen nun nur noch Abtastrate und Puffergröße eingestellt werden. Die Abtastrate sollte, wie erwähnt auf 44.1kHz oder 48kHz eingestellt werden, während die Puffergröße von dem Verwendungszweck abhängt. Grundsätzlich gilt: ein kleinerer Puffer ermöglicht eine kürzere Verzögerung zwischen Eingangs- und Ausgangssignal. Allerdings geht dies auch mit einer höheren Belastung für den Computer einher. Für die reine Wiedergabe genügen also auch höhere Einstellungen ab 256 oder mehr.

Möchte man hingegen in Echtzeit sein Instrument spielen und gleichzeitig mit Plug-ins oder Modeling-Programmen den Klang beeinflussen, sollte der Puffer so klein wie möglich eingestellt werden. Ist das System überlastet, kommt es zu unschönen Knacksern und Aussetzern und der Puffer sollte vergrößert werden. Da jedes System anders ist, sind hier konkrete Angaben zu Einstellungen leider nicht sonderlich aussagekräftig. Als Ausgangswert zum Probieren eignet sich 128 jedoch meist recht gut.

ABHÖRE

Abschließend muss nur noch die Abhörsituation geklärt werden. Die beste Aufnahme nützt nichts, wenn sie nicht angehört werden kann, und auch beim Einspielen ist es von Vorteil, sich selbst gut hören zu können. Hierzu lassen sich bei den meisten Interfaces Kopfhörer und ein Paar Monitore anschließen. Wer mit Mikrofonen arbeitet, sollte darauf achten, dass diese nichts von der Wiedergabequelle aufnehmen. Bei Sängern bieten sich also geschlossene Kopfhörer an, da diese wenig Schall nach außen dringen lassen. Umgekehrt lassen sie auch wenig Schall von außen nach innen und sind so eine gute Wahl für alle, die das Scheppern der Saiten beim Spielen nicht gern hören.

Letztlich spielt die eigene Präferenz hier aber eine große Rolle und natürlich auch die Wohnungssituation. Gerade zu später Stunde sind Kopfhörer in einer Mietwohnung sicher die bessere Wahl. Klassiker in diesem Bereich sind z.B. Beyerdynamic DT770, DT880 oder die ATH-M50X aus dem Hause Audio-Technica. Zur räumlichen Beurteilung eines Mixes sind Studiomonitore zwar grundsätzlich besser geeignet, allerdings spielt hier das Thema Raumakustik eine enorm große Rolle und bietet genug Material für eine eigene Workshopreihe.

Der Audio-Technica ATH-M50 X bietet viel Kopfhörer fürs Geld. (Bild: Audio Technica)

Ist nun alles eingerichtet, kann es mit der Aufnahme losgehen. Hierzu braucht es noch ein passende Software, eine Digital Audio Workstation (DAW), mit welcher sich das nächste Kapitel befasst.

(erschienen in Gitarre & Bass 06/2021)

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