Frag den Guru

Guitar Guru: Vintage Luxor & Hoyer Semihollow

Hast du Fragen zum Thema „alte und/oder merkwürdige Gitarren“? Wir beantworten sie auf dieser Seite. Monat für Monat. Diesmal geht es um eine eigenwillige Luxor-Gitarre und eine Hoyer-Semihollow.

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? Diese Luxor-Gitarre ist mir von einem Freund angeboten worden. Auf der Halsplatte steht Made in Japan, aber mein Freund sagt, es handle sich um eine deutsche Marke? Kannst du Licht ins Dunkel bringen und vielleicht etwas zu der Gitarre sagen?

Thorben (G&B-Leser)

! Ihr habt beide Recht! Es ist ein verbreiteter Irrglaube, dass der Name auf der Kopfplatte einer Gitarre mit dem Firmennamen des Herstellers identisch ist. Das ist auch heute nur bei einigen wenigen Unternehmen so – zum Beispiel Fender und Gibson. Das prominenteste Gegenbeispiel ist vermutlich Ibanez, denn dabei handelt es sich eigentlich um eine Marke der Firma Hoshino Gakki.

Ganz ähnlich verhält es sich mit der Luxor deines Freundes. Dieser Name gehörte dem Musikhaus Otto Manfred Hack aus Göttingen, das die Marke 1968 anmeldete, bis sie Anfang der 2000er-Jahre erlosch – vermutlich, weil entsprechende Fristen verstrichen waren, denn die Firma wurde 1996 aufgelöst. „Luxor“ prangte auf einer Vielzahl verschiedener Instrumente, aber auch auf Verstärkern. Das Musikhaus kaufte sie von verschiedenen Herstellern ein und ließ den Markennamen anbringen.

Die gezeigte Gitarre wurde übrigens von Matsumoku in Japan gebaut, was man an der Beschriftung der Halsplatte leicht erkennen kann. Sie ist aus den späten 1960er- oder frühen 1970er-Jahren. Diese Firma baute übrigens ähnliche Modelle für Epiphone, aber auch für die Firma Aria (diese wurden dann mit dem Label „Aria Diamond“ ausgeliefert). Per Ferndiagnose kann ich leider nicht sagen, ob eure Luxor noch im Originalzustand ist, die Pickupbestückung sieht zumindest nicht so aus und vermutlich wurde auch der Tremolo-Hebel mal getauscht. Je nach Zustand würde ich den wahrscheinlich erzielbaren Marktpreis bei irgendwo zwischen 180 und 280 € ansetzen.


? Ich habe auf dem Flohmarkt diese Gitarre für 80 Euro gekauft. Leider steht nicht drauf, von wem sie ist. Nur innen im Korpus sind die Ziffern 6-5-64 zu sehen. Weißt du, um was für eine Gitarre es sich handelt und ob ich einen guten Kauf gemacht habe?

Annabell (G&B-Leserin)

! Bei deiner Neuerwerbung handelt es sich um eine sogenannte „Schlaggitarre“, oft nicht ganz korrekt als „Jazzgitarre“ bezeichnet. Man nannte diese Gitarren in früheren Zeiten in Deutschland Schlaggitarren, weil sie, im Gegensatz zu gezupften Konzertgitarren, zur Begleitung von Sängern, Ensembles oder gar in Orchestern gedacht waren – und zwar per „Schlagbegleitung“, also rhythmischem Akkordspiel. Im englischen Sprachbereich spricht man wegen des gewölbten Korpus von „Archtops“, das vermeidet elegant die Festlegung auf einen Musikstil.

Deine Gitarre wurde von einem fast vergessenen deutschen Gitarrenbauer hergestellt – Rodebald Hoyer aus Kochel am See (Bayern). Wie viele Gitarrenbauer aus dieser Zeit stammte er eigentlich aus dem heute tschechischen Schönbach (Luby), siedelte aber nach dem Zweiten Weltkrieg um und startete wieder neu durch. Er ist übrigens nicht mit Arnold Hoyer verwandt, der ebenfalls viele Gitarren in der Zeit der frühen BRD baute.

Man erkennt Gitarren von Rodebald Hoyer an einigen Merkmalen wie der Kopfplatte, dem sehr breiten Sattel und dem roten Inlay am 12. Bund, aber es braucht eine gewisse Erfahrung, sie zweifelsfrei von den vielen anderen Archtops aus deutscher Fertigung von damals zu unterscheiden. Dein Modell ist laut den Zahlen im Korpus vom 6. Mai 1964, aus der Spätphase der Firma. Rodebald Hoyer verstarb im gleichen Jahr, und das Unternehmen wurde von seiner Frau nur noch zwei Jahre fortgeführt. Er belieferte viele Musikhäuser wie z. B. Lindberg in München, und es existieren genau die gleichen Gitarren auch mit dem Label „Alva“.

Besonders wertvoll sind sie nicht – es handelt sich um laminierte Hölzer –, einen guten Kauf hast du dennoch gemacht, denn deine Hoyer sieht toll erhalten aus, und sofern der Hals gerade ist, sollte sie einen Marktwert von 150 bis 250 € haben.

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(erschienen in Gitarre & Bass 08/2018)

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