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Guitar Guru: Squier Strat & Ibanez Tube Screamer

Hast du Fragen zum Thema „alte und/oder merkwürdige Gitarren“? Wir beantworten sie auf dieser Seite. Monat für Monat. Diesmal geht es um eine Squier Strat und einen seltsamen Ibanez Tube Screamer.

Frage: Es geht um die Fender Made-in-Japan-Instrumente. Hier ranken sich so viele Mythen und Halbwahrheiten. Internetforen sind voll selbsterklärter Fachleute – ich bin da skeptisch. Euch traue ich da die größte Kompetenz zu. Was hat es mit den MiJ auf sich? In meinem Fall geht es um meine absolute Lieblings-Strat. Sie ist eine Art 50´s Reissue, also einlagiges Schlagbrett, Ahornhals ohne aufgesetztes Griffbrett. Es steht Squier drauf, Made in Japan by Fender.

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(Bild: G&B Leser)

Man sagt, das seien Fender-Gitarren, die für den Export ein anderes Label brauchten, um den USA-Modellen keine Konkurrenz zu machen. Für mich jedenfalls ist diese Strat traumhaft verarbeitet, ist der definitive Eierschneider (die Pickups haben seitlich von unten angebrachte Barrenmagnete und einen mäßigen Widerstand). Die Mechaniken waren mit Blechdeckeln versehen, eine war verbogen beim Kauf, die habe ich der Optik zuliebe durch Klusons ersetzt. Was ist diese Gitarre wert?

Antwort: Du hast Recht, in Internetforen wird auch zu diesem Thema viel fabuliert. Hier sind die Fakten: In den 1970er-Jahren hatte Fender mit mehreren Problemen zu kämpfen. Zum einen traf man einige Produktentscheidungen, die beim Kunden nicht auf Gegenliebe trafen: z.B. die Halsplatten mit nur drei Schrauben, und ließ insgesamt in der Produktionsqualität im Vergleich zu vorher etwas nach, wobei das sehr relativ ist; zu diesem Thema gibt es kontroverse Diskussionen, auf die ich hier nicht eingehen will. Zum anderen verbesserte sich die objektive Qualität der viel billigeren Kopien aus japanischer Fertigung: Japanische Hersteller waren Mitte der 1970er-Jahre in der Lage, preisgünstige Stratocaster- und Telecaster-Kopien anzubieten, die qualitativ von den US-Originalen nicht mehr weit entfernt waren (allerdings mit vielen Abstufungen, nicht durchgängig).

Fender hatte auch Einsteigermodelle im Programm, die sich im Design von den Flaggschiffen Stratocaster und Telecaster deutlich unterschieden (zum Beispiel die Mustang, später dann Modelle wie Bullet und Lead) und für viele Kids auch nicht “the real thing” waren. Viel billiger waren sie auch nicht, da sie immer noch in Corona, Kalifornien hergestellt wurden. In den frühen 1980er-Jahren, als es Fender schon ziemlich schlecht ging, wurde deshalb die Produktstrategie radikal geändert.

In den USA sollten nur noch hochpreisige Elite-Instrumente gebaut werden. Die Einsteigermodelle sollten dagegen in Asien produziert werden, im selben Design, aber unter einem anderen Label: Squier (die Marke hatte Fender 1965 von einem alten Zulieferer erworben). Dazu tat sich Fender 1982 mit japanischen Firmen (Kanda Shokai und Yamano Gakki) zusammen, als Fabrik wurde Fujigen Gakki ausgewählt – die produzieren bis heute die Fender Japan-Modelle. Damit war Fender mit eigenen Produkten im Niedrigpreis-Segment vertreten und gewann Marktanteile; und Kanda Shokai musste die Produktion von “Greco”-Kopien der Fender-Modelle aufgeben. Während Fender USA die Produktpalette modernisierte, verfolgten sie mit Squier eher einen “back to the roots”-Ansatz und boten relativ getreue Kopien ihrer 1950er-Bauweise. Fujigen war bereits in den 1980ern ein etablierter Gitarrenhersteller, sie stellten u.a. für Hoshino Gakki (Ibanez) seit mehr als zehn Jahren Gitarren her und hatten ihre Fertigungstechniken laufend verbessert.

Heute zählt Fujigen zu den besten japanischen Herstellern, was sie u.a. mit ihrer eigenen Marke FGN eindrucksvoll unter Beweis stellen. Deshalb gelten die Squier-Japan-Modelle der 1980er-Jahre als qualitativ hochwertig und werden entsprechend gehyped – die aufgerufenen Preise liegen derzeit bei um die € 1100-1200. Das ist mehr, als man z.B. für eine superbe Fender USA Strat von 1989 zahlen muss. Fakt ist: Squiers aus den 1980ern waren aus hochwertiger japanischer Fertigung.

(Bild: G&B Leser)

Bezüglich deiner Gitarre: Die wurde laut Seriennummer ca. 1993 – 1994 in Japan von Fujigen hergestellt. Ich habe aktuell kein direkt gleiches Modell im Markt gesehen, aber andere Squier/Japan Stratocaster aus den 1990ern werden für ca. 600-700 € angeboten. Ob man das realistisch bekommen kann, sei dahingestellt. Es gab ab den frühen 1990ern bereits Squiers aus Korea und ebenso Fender Strats aus Mexiko. Das alles ergibt eine eher schwammige Produktstrategie. Bezüglich der Pickups habe ich die Info, dass bei “späteren” (also nicht mehr aus den frühen 80ern) Squier-Gitarren aus Japan meist SQ-3 Keramikpickups mit Stabmagneten verbaut wurden. Vermutlich sind die auch in deiner.


(Bild: G&B Leser)

Frage: Euer schöner Artikel über den Tube Screamer hat mich auf die Idee gebracht, mich an euch zu wenden. Ich habe seit 30 Jahren einen merkwürdigen weißen Tube Screamer, damals auf einem Musikerflohmarkt in Bayern gekauft. Ich kann darüber nichts finden und habe schon alles durchgegoogelt. Die Schrift sieht aus wie auf Ende 70er-Jahre Ibanez-Overdrive-Pedalen. Könnt ihr mir da weiterhelfen?

Da der Guitar Guru kein Effects Guru ist, aber entsprechende Leute kennt, hat er einen Experten befragt – hier die Antwort:

Das ist ja ein merkwürdiges Teil. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das nichts Offizielles von Ibanez ist. Da scheint sich jemand aus Spaß kreativ betätigt zu haben. Die beiden Fotos zeigen nicht genug Details, aber ein paar Punkte lassen mich ausschließen, dass es möglicherweise ein erster Design-Versuch, also ein Prototyp von Ibanez war: Man kann an einigen Stellen den grünen Originallack aller Tube Screamer unter dem weißen Kleid erkennen – d.h. die weiße Farbe wurde später aufgebracht.

Die beiden japanischen 1458P-Chips zeigen als Herstellungsdatum irgendwas mit 94x, d.h., aus der x-und-vierzigsten Woche des Jahres 1979. Diese Chips wurde frühestens im zweiten Produktions-Batch verbaut. Ich selbst habe zwei TS-808 Narrow Boxes mit älter codierten Chips – und die haben schon das endgültige Exterior-Design. Die frühesten Tube Screamer die ich kenne, hatten manchmal umlackierte Gehäuse vom FL-301 Flanger, einmal sah ich auch ein Gehäuse, an dessen Kanten man den roten Lack eines CP-835 II Compressors erkennen konnte. Weiß war als Farbe jedoch nie dabei.

Der Ibanez-Schriftzug entspricht keiner Corporate-Schrift. Nachdem Ibanez erst 1978 vom alten Script-Logo zum Block-Logo gewechselt war, würde eine weitere Schriftart gar keinen Sinn machen. Und selbst wenn man unterstellen würde, dass das ein Versuch aus 1978 gewesen sei, bevor man die endgültige neue Schrifttype festgelegt hatte, dann würden Elektronikbauteile aus 1979 keinen Sinn machen. Die Platine mit ihrer Bestückung ist definitiv aus den letzten Wochen von 1979 oder den ersten Wochen von 1980. Da war der Tube Screamer schon offiziell gelauncht.

Kurzum: das muss ein inoffizielles Unterfangen gewesen sein, auch erkennbar an Ungenauigkeiten wie den sich überlagernden Linien in der Ecke rechts oberhalb vom „R“ in „Screamer“. Auch sieht der weiße Lack etwas draufgepinselt aus, soweit man das auf dem Foto erkennen kann.

Guitar Guru

(erschienen in Gitarre & Bass 12/2019)

Produkt: Gitarre & Bass 07/2020
Gitarre & Bass 07/2020
Im Test: Fender Custom Shop 63 Stratocaster Relic Masterbuilt, Sadowsky J/J MetroLine & MasterBuilt LTD2020, MEC J/J-Style Metal Cover Bass Pickups u.v.m. +++ Stefan Stoppok: Deutschrocker, Universaltalent und Sound-Tüftler +++ Rabea Massaad: YouTube-Gitarrist & Equipment-Nerd +++ Carl Martin Acoustic Gig: Live-Tool für Akustiker +++

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Bei den Angaben zur Squier by Fender-Strat kann ich so nicht ganz zustimmen: es gab zum angegebenen Baujahr verschiedene Modelle. Das hier abgebildete war das günstigste und hatte mit 50s Reissues nur oberflächlich in der Optik zu tun. Halsradius, Korpusshaping, Pickguard-Umrissse und Body-Holz (Pappel) waren weit weg vom Original, nicht nur die Keramik-PUs. Das Tremolo hatte 54er-Schrauben-Spacing, konnte also nicht gegen ein USA-Vintage ausgetauscht werden (56er Spacing, Fender Mex Std. wie Fender Squiers der späteren “Billig”-Klasse, also China etc. 52er). Zudem hatte es einen schmalen, recht “armseligen” Guß-Block, einmal überdreht hält da kein Arm mehr. Die Elektrik war billigste Asien-Ware, also Mini-Potis und ein geschlossener Schalter. Da ich nicht weiß, welches Modell der fragende Kollege in der Hand hält: es gab zeitgleich auch eine Reissue, die in der Bauart dem 50er Original recht genau nachempfunden war. Hals war schön kräftiges V, Body-Konturen schön geshaped, sogar der Teller-förmige String-Guide wie bei einer Tele wurde anstelle des üblichen Saitenniederhalters montiert. Tuners ware Kluson-Styles, währen beim abgebildeten Modell geschlossene Gotohs drauf waren. Allerdings bei Tremolo, Pickups, Elektrik und Zuschnitt des Pickgurds gilt auch hier das beim vorigen Modell Gesagte, der Korpus war ebenfalls aus Pappel, Hals und Body ebenfalls nicht mit Nitro, sondern PU lackiert. Diese “Squier” trug allerdings ab den End-80ern und in den 90ern in der Regel das “Fender”-Logo und hat somit mit den (offenbar in der Antwort gemeinten und sehr viel hochwertigeren) JV-Squiers der 80er nur annähernd zu tun. Der Gebraucht-Preis, der hier genannt wird trifft also eher auf JVs aus den 80ern zu, kaum aber bei Squier MiJ des genannten Baujahres 😉

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  2. P.S.: Sorry, nicht pappel, sondern Linde wurde für diese Bodies verbaut – mein Fehler, Asche auf mein Haupt 😉

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