Produkt: Gitarre & Bass 07/2020
Gitarre & Bass 07/2020
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Guitar Guru: Sigma und Hagström

Hast du Fragen zum Thema „alte und/oder merkwürdige Gitarren“? Wir beantworten sie auf dieser Seite. Monat für Monat. Diesmal geht es um eine Sigma-Strat und eine Hagström Super Swede.

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“Ich habe vor kurzem eine Sigma M Strat Made in Japan von einem Freund ausgeliehen bekommen. Was ich im Internet nachlesen konnte, ist nur, dass sie für kurze Zeit in den Siebzigern in Japan produziert wurde, möglicherweise im Tokai-Werk im Auftrag von Martin. Ich finde aber nichts über die verbauten Hölzer. Besonders würde es mich interessieren, ob der Korpus massiv ist oder aus Schichtholz.”

Sorin (G&B-Leser)

Bei dem Label „Sigma“ handelte es sich zunächst um eine von Martin erschaffene Marke zur Vermarktung einer preisgünstigeren Gitarrenlinie. Martin folgte damit einer Strategie, die z.B. auch Gibson mit der Marke Epiphone verfolgte: Anstatt sich der Flut an preisgünstigen asiatischen Gitarren, die ab den mittleren 1960er-Jahren in die westlichen Märkte strömte, zu ergeben, verlagerten die beiden Firmen einfach die Produktion von Gitarren ihrer „Billig“-Marken nach Japan. Martin startete damit 1970 und bot, mit Unterbrechungen, Sigma Gitarren bis 2007 an.

Heute hält die deutsche Firma AMI die Rechte an der Marke und vermarktet darunter eine neue Linie von Gitarren. Etwas überraschend für Martin war die Entscheidung, in den 1970er-Jahren unter dem Brand auch E-Gitarren anzubieten. Dabei handelte es sich wohl um Opportunismus: Die japanischen Auftragnehmer fertigten sowieso Kopien der US-Designs und verkauften diese an zahlreiche Abnehmer unter unterschiedlichen Marken ― unter anderem an Hoshino (unter dem Ibanez-Label). Und so entstanden, neben anderen, auch Strat-Kopien.

Nach allgemeiner Überzeugung stellte ab 1972 Tokai Gakki die Gitarren für Martin her; die Firma belieferte mehrere Abnehmer. Nach dem „Lawsuit“ zwischen Norlin/Gibson und Elger/Hoshino passten viele japanischen Hersteller ihre Designs für den Export an, weshalb ich bei der Gitarre Deines Freundes von einem Herstellungsdatum um 1977 ausgehe; definitiv nicht sehr viel früher, denn die Mechaniken haben bereits die erst ab Mitte der 1970er-Jahre typischen „Schallerstyle“-Knöpfe. Das Kopieren von US-Designs endete für viele japanische Hersteller auch nicht unmittelbar mit der Beilegung des Rechtsstreits zwischen den beiden Konkurrenzfirmen, sondern zog sich bis in die frühen 1980er hin.

Der Korpus war aus massivem Holz, Erle oder Esche. Die Hardware war eher einer der Schwachpunkte der japanischen Kopien, vor allem in der ersten Hälfte der 1970er-Jahre, allerdings dürften die gealterten Singlecoils einen sehr schönen Vintage-Flair verbreiten. Sigma-E-Gitarren sind selten und gelten, wie alle Tokais, als hochwertig. Ich habe LP- und SG-Kopien für um die € 800,- angeboten gesehen, ob sie dafür auch weggehen, ist eine andere Frage; Strat-Kopien dürften etwas darunter liegen.


“Ich habe eine ältere Hagström Super Swede, über die ich gerne einige Informationen hätte. Nach meinen Recherchen ist die Gitarre Ende der 70er Anfang der 80er gebaut – liege ich damit richtig? Welche Funktion haben die beiden Kippschalter? Lässt sich das Baujahr eingrenzen? Welchen Wert hat die Gitarre heute? Die Gitarre wiegt fast 4,7 kg! Daher ist der Einsatz in Live-Konzerten eher ungeeignet. Der Sound für Studioaufnahmen ist allerdings wunderbar.”

Jens (G&B-Leser)

Es handelt sich um eine Hagström Super Swede, also quasi die „schwedische Les Paul“. Deine Gitarre stammt aus dem Jahr 1981. Laut einem schwedischen Experten, den ich zu der Gitarre befragt habe, handelt es sich um eine sehr kleine Promotion-Auflage von nur 15 Stück für einen bayerischen Kunden. Er konnte mir leider nicht sagen, für welchen Anlass und wen genau diese Kleinstauflage hergestellt wurde.

Wenn ich eine Vermutung äußern müsste: Das Musikhaus Lindberg in München, vielleicht zum Oktoberfest 1981? Der obere Switch schaltet die Pickups wie ein normaler 3-Wege-Toggleswitch, der kleine Switch war ursprünglich zum Splitten der Pickups gedacht, ansonsten entspricht die Verdrahtung dem Les Paul-Standard, also 2x Volume, 2x Tone. Im Zustand wie abgebildet soll die Gitarre um die € 1000,- wert sein. Wäre sie besser erhalten und vor allem die Seriennummer ablesbar, auch erheblich mehr.

(erschienen in Gitarre & Bass 07/2020)

Produkt: Gitarre & Bass 07/2020
Gitarre & Bass 07/2020
Im Test: Fender Custom Shop 63 Stratocaster Relic Masterbuilt, Sadowsky J/J MetroLine & MasterBuilt LTD2020, MEC J/J-Style Metal Cover Bass Pickups u.v.m. +++ Stefan Stoppok: Deutschrocker, Universaltalent und Sound-Tüftler +++ Rabea Massaad: YouTube-Gitarrist & Equipment-Nerd +++ Carl Martin Acoustic Gig: Live-Tool für Akustiker +++

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Hello! I would love to see more pictures of this Hagström. Could you get me the contact info to Jens? Thank you.

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