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Guitar Guru: Hoyer- und Hsin-Mi-Gitarre

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Hast du Fragen zum Thema „alte und/oder merkwürdige Gitarren“? Wir beantworten sie auf dieser Seite. Monat für Monat.

Diesmal geht es um eine Hoyer-Gitarre und eine Hsin-Mi-Gitarre …

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Ich habe vor einiger Zeit die Gitarre meines verstorbenen Vaters wiederentdeckt und finde leider keine Modellbezeichnung dazu, hoffe aber, dass mir der Guru vielleicht weiterhelfen kann. Der Aufkleber auf der Innenseite weist auf 90-Jahre-Hoyer-Gitarren hin – mehr konnte ich bisher leider nicht finden.

Sebastian

Bei deiner Gitarre handelt es sich um eine Hoyer 28, beziehungsweise eine der verschiedenen Varianten davon. Bei Hoyer handelt es sich hierbei um die Firma von Arnold Hoyer, nicht zu verwechseln mit Rodebald Hoyer.

Hoyer – bereits seit 1874 im Gitarrenbau aktiv – war eine der vielen Instrumentenbauer-Familien aus Schönbach (heute Luby) in Tschechien (1874 war das noch Böhmen, Teil der k.u.k Monarchie Österreich-Ungarn). Nach dem Zweiten Weltkrieg floh die Familie nach Westdeutschland und siedelte sich in Tennenlohe bei Erlangen an. Hoyer baute zunächst Konzertgitarren, dann Schlaggitarren, die er ab den frühen 1950erJahren auch mit Tonabnehmern ausrüstete. Ab den 1960ern gab es dann auch E-Gitarren und semiakustische Gitarren – womit wir bei deiner wären.

Anhand der Pickups lässt sich das Baudatum in etwa auf die späten 1960er-Jahre eingrenzen – das würde dann auch zu dem Aufkleber passen, laut dem ja 90 Jahre Hoyer gefeiert werden (1874-1964). Diese Hoyer-Thinline-Gitarren wissen auch heute noch mit hoher Fertigungsqualität und guter Bespielbarkeit und Nutzbarkeit zu überzeugen. Vor allem für die E-Gitarren und Thinlines werden relativ hohe Preise aufgerufen – etwa ab 600- 700 Euro aufwärts. Bei deiner dürfte der Zustand den Preis etwas drücken, denn da muss sicherlich noch einiges an Arbeit reingesteckt werden. Ob man dann einen richtig stolzen Preis von 600- 800 Euro erzielen kann, ist auch eine Frage der Geduld. Ich empfehle da auch, in der Facebook-Gruppe „Arnold Hoyer Guitars“ das gute Stück anzupreisen – da findet man Kenner und Liebhaber, die dann auch den entsprechenden Preis hinblättern. Mehr als 800 Euro werden wohl nicht drin sein, ganz unabhängig vom Zustand.


Diese Gitarre ist im Keller eines Freundes aufgetaucht. Sie wurde jahrelang ausschließlich als „Faschings-Gitarre“ verwendet, deshalb hat sie etwas gelitten. Aber die Pickups funktionieren nach wie vor! Sie hat keinen Halsstab, die Abdeckung ist nur Zierde – ein Logo gibt es nicht. In der Halstasche hab ich nachgeschaut und auch unter dem Pickguard – keine Hinweise zu erkennen. Ich habe eingehend recherchiert, aber nur einen Hinweis gefunden: Die Gitarre hat verblüffende Ähnlichkeit mit einer Teisco ET-312 Blue. Daraufhin habe ich einem Bekannten geschrieben, der sich gut auskennt und die Gitarre vorgestellt. Er ist der Meinung es sei eine „Tsuni Mi“, die für Teisco in Korea gebaut wurde. Dazu hab ich aber leider rein gar nichts gefunden. Ich möchte die Gitarre restaurieren lassen – alleine schon wegen des coolen Looks! Der materielle Wert wird wahrscheinlich nicht besonders hoch sein, aber was Originalität und Style betrifft – meiner Meinung nach 100 Punkte!

Reinhard

Bei Deiner Gitarre handelt es sich um eine Hsin-Mi-Gitarre. Was es damit auf sich hat? Nach meinen Recherchen handelt es sich um eine Auftragsarbeit, welche die japanische Firma Kawai in den späten 1960er- und frühen 1970er-Jahren hat produzieren lassen – wo genau, ist leider unklar. Manche sagen Korea, andere Taiwan.

Fakt ist, dass es seit Ende der 1960er-Jahre eine Produktlinie aus Taiwan gab, die im Auftrag der Weiss Musical Instruments Corporation Teisco-artige Modelle herstellen ließ – z. T. ununterscheidbar von den letzten in Japan gefertigten Teisco-Modellen. Teisco ging bereits 1967 insolvent und wurde von Kawai angekauft. In den 1970er-Jahren fertigte jedoch dann auch Samick in Südkorea viele Instrumente, die Teisco/Kawai-Modellen sehr ähnlich sahen.

Anhand der Form der Halsplatte an deiner Gitarre würde ich bei ihr eher auf Korea als auf Taiwan tippen. Eine weitere Info ist, dass es diese Modelle in Europa nur per Mailorder von einem niederländischen Importeur gab – sie sind also in Europa extrem selten. Bei einem Verkauf würde ich angesichts des anhaltenden Mini-Hypes alter abgefahrener Asien-Modelle eher ein bisschen höher ansetzen und mich in Geduld üben – also so um die 400-450 Euro, und dann mal sehen, für wie viel jemand zubeißt. Mehr, denke ich, ist aber auch nicht drin.


(erschienen in Gitarre & Bass 01/2022)

Produkt: Jazz Amp
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Realität oder Illusion?

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