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Guitar Guru: Fender-Mustang-Bass & Samick-Gitarre

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Hast du Fragen zum Thema „alte und/oder merkwürdige Gitarren“? Wir beantworten sie auf dieser Seite. Monat für Monat. Diesmal geht es um einen Fender-Mustang-Bass und eine Samick-Gitarre.

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Ich habe einen „antiken“ Fender-Mustang-Bass in einem Keller gefunden. Auf der Neckplate prangt die eingravierte Nummer 166935. Ist das Teil wirklich so alt wie es aussieht, oder hat es nur zu lange im Keller gelegen?

Georg D.

Ich habe mal ein bisschen recherchiert. Laut Seriennummer handelt es sich um einen Fender-Mustang-Bass aus dem Jahr 1966. Das war das erste Jahr, in dem der Mustang-Bass produziert wurde – die Produktion startete zwei Jahre nach der Einführung des Mustang-Designs und dauerte bis 1981. Das Teil ist also „antik“, wie du sagst, und wäre auf dem Markt in etwa 2000-3500 Euro wert. Bevor Du aber nun die Sektkorken knallen lässt, würde ich dir raten, einen Fachmann den Bass begutachten und die Echtheit offiziell bestätigen zu lassen. Zum einen schließt du damit aus, dass es sich nicht doch um ein aus Teilen zusammengeschraubtes Instrument handelt, zum anderen befördert das etwaige Verkaufsversuche enorm, weil Käufer bei so einem schönen Teil natürlich wegen der vielen Betrugsversuche da draußen auch vorsichtig geworden sind.


Ich schreibe Euch aus good old Vienna, weil ich Fragen zu meiner erstandenen Gitarre habe. Es dürfte sich um die 491ste Variante einer Teisco handeln (oder der Nachfolge-Firma) – wahrscheinlich für den amerikanischen Markt (auf der Kopfplatte steht der Name ‚Mars‘). Ich wollte sie gänzlich neu aufbauen, habe es aber gelassen, nachdem ich sie über meinen Verstärker angespielt habe. Ich kann nur sagen: Wow! Beach-Boy- und Shadows-Sounds klingen einfach super authentisch! Zusätzlich hat die Gitarre eine Oktavreinheit, die ich bis jetzt mit keiner anderen Gitarre erreicht habe. Auch das Vibrato macht seinen Dienst sehr gut. Nun zu meinen Fragen: Fehlt bei der Bridge ein Teil (die Schrauben stören etwas beim Spielen) und (falls einmal nötig) haben die Singlecoils ein Standardmaß? Da die Brücke auch mit Plastikreitern (Göldo) und von Gretsch mit Metall angeboten wird: welche Klangunterschiede gibt es da?

Georg B.

Bei deiner Gitarre handelt es sich um ein interessantes Stück, denn man kann an ihrem Beispiel ein kleines bisschen Licht in so manches Mysterium der Gitarrengeschichte der 1970er-Jahre bringen. Es handelt sich aber nicht um eine Teisco-Gitarre, und auch nicht um ein Exemplar, das von einer Nachfolgerfirma hergestellt wurde. Teisco ging 1967 insolvent und wurde dann von Kawai aufgekauft, danach gab es noch eine Zuliefererfirma namens Teisco Gen Gakki, die aber auch 1970 die Arbeit einstellte. Die billigen Gitarren, auf denen viele unserer Leser in den späten 1960er- und 1970er-Jahren ihre ersten gitarristischen Gehversuche machten, wurden nicht mehr von Teisco bzw. Kawai hergestellt, sondern vor allem von zwei japanischen Firmen – Sakai Mokko und Chushin Gakki, die unter Dutzenden Markennamen Gitarren für viele Auftraggeber herstellten. Wegen steigender Kosten waren die Japaner in den 1970er-Jahren immer weniger in der Lage, diesen untersten Preisbereich des Marktes zu bedienen. Deshalb wanderte die Produktion ab Ende der 1960er-Jahre teilweise nach Taiwan und vor allem nach Korea ab, zu den beiden Firmen Samick und Cort. Vor allem Samick übernahm Aufträge von Kunden im Westen und viele der Kaufhausgitarren aus den 1970ern sind bereits nicht mehr „Made in Japan“, sondern „Made in Korea“.

Deine Gitarre ist von Samick. Sie wurde irgendwann in den 1970erJahren dort gebaut – vermutlich für irgendeinen Auftraggeber, der eine Gitarrenserie mit dem Produktnamen „Mars“ auf den Markt bringen wollte. Oft waren das keine ernsthaft etablierten neuen Gitarrenmarken, sondern Kleinserien oder einmalige Auflagen, für die man irgendeinen Markennamen brauchte. Das erklärt auch, warum viele dieser Marken (auch Mars) niemals offiziell registriert wurden. Es gibt zwar Internetinfos über eine Firma Mars Inc. aus Fort Lauderdale, die aber erst 1996 gegründet wurde und deshalb nichts mit deiner Gitarre zu tun haben kann.

Die gleiche Gitarre existiert auch unter dem Label „Audition“, das wiederum zu Woolworth gehörte. Es handelt sich hierbei um eine Kopie bzw. Nachahmung von früheren japanischen Designs, teilweise aus den 60ern (da stellten mehrere Firmen wie Fujigen Gakki und Matsumoku ähnliche Modelle her) oder den 70ern (gerade von Sakai Mokko gibt es Modelle, die sehr ähnlich sind). Selbst die Pickups sind Kopien japanischer Modelle von Mitsuya Electronics. Die Brücke ist die große Schwachstelle der Gitarre. Es handelt sich nur um ein gerades, gefaltetes Stück Blech – insofern dürfte die Oktavreinheit auch nur auf mancher Saite, vermutlich aber nicht auf allen gegeben sein.

Ich empfehle jedenfalls, den Hals abzunehmen und einen Shim in die Halstasche zu legen – also ein kleines Stück Pappe oder Furnier am hinteren Ende der Tasche. Das bringt den Halswinkel hoch, sodass du anschließend die Brücke höherstellen musst – so erledigt sich auch das Problem mit den überstehenden Bridge-Schrauben. Teile fehlen da übrigens nicht, so war das einfach damals. Der steilere Halswinkel wird auch den Saitendruck auf der Brücke erhöhen, was für ein besseres Sustain sorgt und die Gitarre insgesamt etwas knackiger und sauberer klingen lässt.

Eventuell solltest du auch die Slots der Saiten auf der Brücke etwas tiefer feilen, damit sie nicht so leicht rausflutschen beim Spielen. Wenn du die Gitarre deutlich aufwerten willst, besorg dir eine TOM-artige Rollerbridge auf einem hölzernen Archtop-Post. Damit kannst du jede Saite einzeln einstellen, und das Sustain sollte auch besser werden. Diese Ersatzbrücken bekommt man preisgünstig fast überall. Eine Brücke mit Nylonreitern wird wohl dumpfer klingen und weniger Sustain haben, das empfiehlt sich eher für akustische Archtops mit sehr viel perkussiven Höhen im Klang. Die Gitarre kann im Originalzustand auf den einschlägigen Plattformen um die 300 Euro bringen; eine teure Gretsch-Brücke sollte also eine wohlüberlegte Investition sein. Die Singlecoils haben kein Standardmaß, Du kannst sie also nicht einfach gegen andere austauschen – die Pickup-Ringe dürften nämlich nicht genau passen.


(erschienen in Gitarre & Bass 02/2022)

Produkt: Gitarre & Bass 9/2022
Gitarre & Bass 9/2022
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