Amp Station

Die 5 begehrtesten Fender Combos

Wir haben uns bereits die Gebrauchtpreise der Top-10-Liste unter den Vintage-Verstärkern angeschaut. Darunter waren Boliden wie der Dumble Overdrive Special, ein Marshall JTM45/100 oder ein Fender Tweed Twin.

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1959 Fender Tweed Deluxe

Diese Amps sind mittlerweile so teuer, dass sie für die meisten Gitarristen unerschwinglich bleiben. Zudem bedienen sie nicht mehr den allgemeinen Trend zu kleineren und daher leiseren oder leicht transportierbaren Verstärkern. Dieser Trend hält nicht nur an, sondern breitet sich in jüngster Zeit immer weiter aus. Im Zeitalter der P.A.-Systeme und einem „gesundheitsbewussteren“ Umgang mit Lautstärke oder den weit verbreiteten Rückenleiden erfreuen sich vor allem kleine Amps einer immer größeren Beliebtheit.

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Das spiegelt sich auch in den Themen der Profi-Foren in den USA wieder. Hier findet man mehr Threads über Fender Deluxe (oder Princeton Reverbs und Champs) als über 100- Watt-Boliden von Marshall, Hiwatt oder Orange. Die meisten Sammler oder Hobbyisten, die ich kenne, spielen ausschließlich zu Hause oder hin und wieder auf einer Kneipen-Session. Da genügt ein kleiner Combo allemal. Vor allem in Wohngebieten möchte man außerdem keinen Stress mit der Nachbarschaft. Daher möchte ich in dieser Ausgabe noch einmal auf die begehrtesten Vintage-Combos eingehen. Und gemäß des beschriebenen Trends ist es diese Gruppe von Verstärkern, die in den letzten Jahren die größte Preissteigerung erfahren hat. Allen voran die attraktivsten Fender-Combos.

1. Fender Tweed Champ

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1959er Fender Tweed Champ

Den kleinsten Fender-Combo mit circa 5 Watt und einer Single-Ended-6V6-Endstufenröhre gibt es seit den späten Vierzigern. Berühmt sind vor allem die Champion 600- beziehungsweise 800-Modelle. Ab den frühen Fünfzigern kamen alle Champs im typischen Tweed-Bezug. Aufgrund ihrer Schaltung und anhaltender Verbesserungen gilt das Tweed-Champ-Modell 5F1 als das beliebteste. Diese Amps wurden etwa von 1958 bis 1962 gebaut. Die letzten Amps kamen sogar schon in Black Tolex. Viele Gitarristen bekennen sich zu einer Art Hass-Liebe in Sachen Champ. Einerseits ist er für abendliche Rocksessions im Musikzimmer eigentlich immer noch zu laut, für die Band-Probe oder einen Club-Gig jedoch viel zu leise.

Der 4-Ohm-AlnicoJensen klingt clean hervorragend, für Leadsounds jedoch oft zu matschig. Scheut man sich nicht, seinen Champ restaurieren zu lassen und vielleicht den Speaker gegen einen stabileren Keramik-Jensen zu tauschen, erhält man allerdings einen fantastischen Referenz-Amp für zu Hause. Ein bekannter von mir spielt im Wohnzimmer einen perfekt restaurierten 5F1-Champ und schafft damit feinstes Fingerpicking bis zu fetten Rock-Leads à la AC/DC. An einer 4×12-Box drückt er trotz oder gerade wegen der Impedanz-Fehlanpassung wie ein 100-Watt-Plexi in Zimmerlautstärke. Das ist schon beeindruckend. Ein gut erhaltener Champ kostet den Sammler aber schon zwischen € 1.500 und 2.000.

2. Fender Tweed Deluxe

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Tweed Deluxe mit Weber 12F-150- Speaker, GZ34 und 6L6

Es gibt wohl keinen 1×12-Combo auf diesem Planeten, der sich derzeit einer größeren Beliebtheit erfreut, als ein Fender Tweed Deluxe. Allen voran ebenfalls die letzte angebotene Schaltungsvariante 5E3 mit zwei 6V6 für die Endstufe und einer 12Y7 und 12AX7 in der Vorstufe. Einst war dieser Amp nur durch Neil Youngs schmutzige Rockriffs oder Larry Carltons schmatzigen Solo-Sound bekannt. Er galt als sogenannter Studio-Amp, weil er zu Hause zu laut und für Live-Gigs eigentlich immer zu leise war. Das hat sich jedoch geändert. Immer öfter sieht man auch Profis mit diesen Amps auf großer Bühne. Darunter Lenny Kravitz, seinen Lead-Gitarristen Craig Ross, Kenny Wayne Shepard, The Edge von U2, Jeff Beck, Peter Frampton oder Pete Townshend. Die große Kunst ist es, einen jener magischen Deluxe Amps zu finden.

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Da die Schaltung extrem einfach gehalten ist und daher der jeweilige Klang-Charakter sehr stark von der Auswahl und Güte der Bauteile abhängt, muss man schon etwas suchen, um das vermeintlich optimale Exemplar zu finden. Neil Young soll über 600 Stück sein eigen nennen. Und keiner davon klingt angeblich so gut wie sein „Number-One“-Amp. Aus einem Tweed Deluxe lässt sich bei geübter Beherrschung der beiden Volume-Regler sowie des Tone-Reglers, was zahlreiche Klangvarianten bietet, praktisch jeder Musikstil herauskitzeln. Von Jazz bis Heavy-Rock. Modelle aus den Baujahren 1958 bis 1961 in sehr gutem Zustand erreichen bereits Preise von bis zu € 4.500. Meist kosten sie jedoch um € 3.000, da es kaum noch Verstärker in völlig perfektem Zustand gibt. Oft sind die Ausgangsübertrager ausgewechselt oder zahlreiche Original-Bauteile bereits ausgetauscht.

3. Fender Brown Princeton

Diese Amps zählen zu der sogenannten „Brownface- Ära“ von Fender, die etwa von 1960 bis 1963 reichte. In diesem kurzen Zeitraum wurde der Tweed-Bezug durch braunes Tolex ersetzt und die Bedien-Elemente auf die Frontseite aller Verstärker verlegt. Der braune Princeton 6G2 hat zwar nur zehn bis zwölf Watt, bot jedoch mit zwei 6V6- Röhren eine reinrassige Push-Pull-Endstufe mit Split-Load-Phasendreher, einen Volume- sowie einen Tone-Regler. Außerdem verfügte er über ein Bias-Tremolo, das als beste Variante dieses On-Board-Effekts gilt. Diese Amps sind nicht nur wegen ihres wunderschönen Designs beliebt.

Ein brauner Princeton passt in der Tat wie kaum ein anderes Produkt in die zeitgenössische Hipster-Style-Kultur. Ein Klassiker wie ein altes Holland-Fahrrad, ein früher Omega-Chronograph oder eine abgewetztes Paar Redwing-Boots. Diese Amps glänzen mit einem sehr warmen und singenden Clean-Tone, der auch für zu Hause perfekt geeignet ist. Bedingt sind diese Amps auch schon für kleine Gigs geeignet. Mit Stütz-Mikrofon ist das aber überhaupt kein Problem mehr. Ein gut erhaltenes Exemplar kostet bis zu € 2.500. Black-Tolex-Ausführungen der frühen Sechziger sind entsprechend weniger begehrt und daher etwas günstiger. Neben dem Tweed Deluxe wird dieser Amp in Zukunft vermutlich einer der beliebtesten Vintage-Combos. Und das verdankt er hauptsächlich seiner wunderschönen Optik und seiner Eignung für zimmerlauten Einsatz.

4. Fender Princeton Reverb

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1962 Fender Princeton 6G2

In meinem ersten Fender-Prospekt wurde der Princeton als „Student-Amp“ feilgeboten. Das ist weit untertrieben, denn ein Princeton Reverb vereint alle Tugenden eines guten Fender-Blackface-Sounds mit geringer Leistung. Der einzige Nachteil liegt nur in seinem 10-Zoll-Speaker, der die Abbildungsgröße dieses Amps einfach limitiert. Dennoch klingen diese Combos zu Hause oder bei kleinen Gigs, wo man sie bei Bedarf ruhig mal an eine größere Box anschließt, einfach exzellent. Der Princeton war in den Siebzigern als Studio-Amp fast noch beliebter als der Tweed Deluxe. Steve Lukather, Robben Ford oder Jay Grayden hört man auf zahlreichen Soli über einen Princeton spielen. Zwar waren diese Amps meist etwas getuned, aber das tat dem Wert eines alten Princeton zu dieser Zeit noch keinen Abbruch. Außerdem stand er Pate für die ersten Boutique-Amps wie Mesa Boogie oder Jim Kelley. Jeff Beck verwendete einen Princeton auf seinen Erfolgs-Alben ‚Blow By Blow‘ und ‚Wired‘, wobei er den Princeton über größere 2×15-Boxen mit JBLs schickte.

Aufgrund seines Split-Load-Phasendrehers gilt der Princeton-Sound als besonders konturiert und sauber. Für Tone-Freaks ist die gute Nachricht, dass man nicht unbedingt ein 1963er Modell in mint condition für etwa € 3.500 kaufen muss, sondern auch mit einem Silverface-Modell aus den Siebzigern ab € 1.000 vorlieb nehmen kann. Wenn man etwas sucht, findet man unter den Silverface-Modellen, deren Schaltung im Prinzip die gleiche ist wie bei ihren Blackface-Vorgängern, eine wahre Perle. Ein Silverface-Princeton ist sicherlich die zurzeit attraktivste Vintage-Investition.

5. Fender Deluxe Reverb

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1963 Fender Deluxe Reverb

Seit kein geringerer als Aspen Pittman von Groove Tubes/USA den Fender Deluxe Reverb vor gut zwanzig Jahren als den „Amp für die Insel“ bezeichnete, gilt dieser Combo tatsächlich als das Maß aller Dinge. 22 Watt, ein Zwölfer Speaker und zwei 6V6-Röhren liefern die optimale Melange für alle Sounds, die man im weitesten Sinne als „amerikanisch“ bezeichnen könnte. Clean bis Mean! Der Deluxe Reverb liefert stets exzellente Ergebnisse. Er ist flexibel, zudem leicht zu tunen oder zu reparieren, bringt immer noch ein rückenfreundliches Gewicht auf die Waage und hat sogar Tremolo und Hall an Bord. Sein Sound ist zwar nicht ganz so charaktervoll wie beim Tweed Deluxe oder beim Princeton, dafür ist er immer laut genug und so geduldig gegenüber Distortion- oder Overdrive-Pedalen wie kein anderer Amp.

Blackface-Modelle von 1963 bis 1967 sind stets eine lohnende Investition, auch wenn sie in gutem Zustand schon bei etwa € 3.000 liegen. Ich denke, dass diese Preise in den nächsten Jahren noch steigen werden. Baugleiche Silverface-Modelle sind schon ab etwa € 1.500 zu haben. Hier sind jedoch ein paar kleinere Änderungen und meist ein neuer Speaker gefragt, um an die Klänge der Blackface-Amps heranzukommen. Die teuersten Deluxe Reverb Amps sind mit einem alten Jensen C12N Keramik-Lautsprecher bestückt. Ab Mitte der Sechziger wurde meist schon ein Oxford-Zwölfer verbaut. Diese Lautsprecher klingen zwar immer noch hervorragend, allerdings nicht mehr ganz so herausragend wie ein Jensen.

Bis zum nächsten Mal!

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Es ist ja schön,daß hier die angeblich begehrtesten,-jedoch auch wohl recht hochpreisigen Vollröhren Verstärker vorgestellt werden.Mag ja auch sein,daß diese tollen Amps so wunderbar klingen,aber wer kann sich solche teuren Verstärker schon leisten?!? Ich bin übrigens mit meinen folgenden,relativ alten Vollröhren Combo Amps auch sehr zufrieden: Starfield/by Ibanez VT-50 Combo/handmade in Leeds/England,Hayden 40 Watts Peacemaker Combo,Laney LC 50/made in GB,Black Heart/by Crate,5Watts Combo,Ibanez ValBee Valve Amp und Koala Bear Boutique Handwired All Tube Combo Amp/100 Watts/handmade in Australia.Der Letztgenannte, ist ein bis heute sehr gesuchter und absolut seltener Combo mit einem zahnverleimten massiven Sapeli-Mahagoni Gehäuse und zwei 12“ Zoll Patriot Speakern von Eminence.Koala Bear Valve Amps wurden noch vor einigen Jahren in streng limitierter Stückzahl von insgesamt 20 Vollröhren Amps mit edlem Frontgrill in Glimmertextil-Lurex Optik für knapp unter 2.000.-€uro von einem australischen Röhren-Techniker und Amp Guru angeboten,der auf seinem Gebiet sehr viel Erfahrung besaß.Meines Wissens,war dieser besagte edle Amp nur in Insiderkreisen kurzzeitig aus Queensland/Australien ausschließlich über einen kleinen Vertrieb in Amsterdam/NL zu ordern.Bestückt mit 12 Röhren aus Russland und einem niedlichen Koala Teddy Embleme auf der Vorderseite,zählt diese australische 2 Kanal Amp Rarität im Nature Mahogany Wood Look,unter Kennern zu einer echten Kostbarkeit.Der warme und pure Sound des Amps ist einzigartig und wird hier durch beste technische Zutaten erzeugt.🐨

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  2. Ich liebe den Fender Clean- Tone (wer nicht) aber leider sind mir diese Amps (die alten Originale) zu schwer und zu teuer geworden. Mein Fender Twin Reverb war jahrelang mein Allround Amp aber leider wurde er mir irgendwann zu schwer. Also musste was leichteres her und ich fand den für mich den erschwinglichen Mesa Boogie Studio 22 für 550 D- Mark (geiler Clean- Tone aber ein lauter unkontrollierbarer Lead Channel mit sehr hohem Rauschanteil (bekam einen Mod mit Vol- Regler für den zweiten Kanal). Es folgte ein gebrauchter Koch Twintone III (900€) der mir leider auch irgendwann zu schwer wurde. Nach dem Verkauf habe ich versucht von dem eine Head Version zu bekommen und landete beim Victory 40 Deluxe mit Röhren Reverb und Röhren Tremolo.
    Was ich damit sagen will, um einen schönen Fenderish Sound zu bekommen brauche ich kein Original und muss auch nicht mehrere 1000€ auf den Tisch legen. Andere Hersteller können das auch und dies (leider) in besserer zuverlässigerer Qualität. Beispiel Fender Super Sonic 22. Es soll Leute geben die erst nach dem zweiten/ dritten Umtausch einen Fehlerfreien hatten und das für um die 1200€.

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  3. Der Kult der alten Fender-Amps, schwieriges Thema. Als Investment oder reiner GAS-Faktor teilweise berechtigt, ist der Gebrauch in der Praxis dann doch eher zwiespältig. Für die Riege der Gitarrenhelden mit eigenem Amptechniker spielt es keine Rolle, für alle anderen schwierig. 40 oder 50 Jahre alte Fender-Amps fallen in der Regel vor allem durch hohe Umgebungszickigkeit wegen gealterter Bauteile auf. Von elektrischen Leitungen, Beleuchtung bis zu Klimaschwankungen reichen die Empfindlichkeiten. Ich habe die alten Schätzchen jahrzehntelang auf der Bühne gespielt, und so manches mal haben sie mich zur Verzweiflung getrieben.
    Es gibt mittlerweile so viele hochwertige Neuinterpretationen der Klassiker, daß man sich den Ärger nicht unbedingt antun muß.
    Für einen zuverlässigen absolut hochwertigen Fender-Ton benutze ich heute im Studio einen Dr Z Jaz 20/40.
    Für den schmalen Geldbeutel ist nach wie vor der Excelsior mit ein paar kleinen Modifikationen eine gute Wahl. Gerade für Leute, die meistens in niedrigen Lautstärken spielen, ist ein 15″ Speaker nicht zu verachten.
    Wenn es dann wirklich ein Vintage-Amp sein soll, würde ich mich eher mit den Gibson-Amps der 50er und 60er beschäftigen, die -noch- zu moderaten Preisen zu finden sind und teilweise identischen Schaltungsaufbau wie alte Fender haben.

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