Soundalike

Der Klang von Albert King

Albert King hat immer dasselbe gespielt und konnte seine Gitarre nicht stimmen, sagen die einen. Ja, aber dieser Mann ist der Inbegriff des Blues, das ist Feeling pur, sagen die anderen. Man kann über den am 25. April 1923 in Indianola, Mississippi als Albert Nelson († 21. Dezember 1992) geborenen Gitarristen durchaus geteilter Meinung sein, aber jemand, den Gitarristen-Größen wie Eric Clapton, Jimi Hendrix, Gary Moore, Stevie Ray Vaughan, Mike Bloomfield oder Warren Haynes als einen ihrer größten Einflüsse bezeichnen und der bis heute in der RockMusik seine Spuren hinterlässt, der ist es allemal wert, dass ihm von Zeit zu Zeit ein Workshop gewidmet wird. Zuletzt geschah dies in diesem Magazin vor gut zwei Jahren. Deswegen folgt nun eine weitere Episode über diesen Gitarristen, bei dem sich die Analyse keineswegs nur auf den oben genannten Nenner „Feeling“ beschränken lässt.

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Kings Stil ist geprägt von einer sehr pragmatischen Herangehensweise und von einer sympathischen „weniger ist mehr“-Haltung, die einem den Blick auf die wirklich relevanten Dinge des Blues gewährt. Zur Entwicklung seines Stils zeigt sich Albert King selbst erfrischend ehrlich: „Zuerst einmal musst du im Kopf haben, was du spielen möchtest. Erst wenn du ein gutes Lick hörst und es auch fühlst, kannst du dich dem nächsten widmen. Und danach dann wiederum einem anderen. Aber lass dir Zeit dabei. Irgendwann hast du 15 bis 20 Licks beisammen, die sich gut anfühlen und die du dann anbringen kannst.“

Töne & Technik

Was man von Albert King lernen kann, ist nicht nur, wie man einzelne Licks oder auch ein ganzes Solo aus den Tönen der Moll-Pentatonik bilden kann, sondern wie man eine ganze Karriere auf diesen fünf Noten aufbaut. Denn aus nichts anderem (oder sagen wir zu 99% aus nichts anderem) besteht das Vokabular des Gitarristen – noch dazu fast ausschließlich in einer einzigen Lage und auf den obersten vier Saiten umgesetzt. Bis auf ein paar wenige Ausnahmen kennt das Spiel von Albert King folglich nur acht Punkte auf dem Griffbrett, die während eines Solos gegriffen werden können und trotzdem ist er einer der faszinierendsten Blues-Musiker, die es je gab. Dabei ist er vielleicht der einzige Gitarrist, bei dem man uneingeschränkt behaupten kann, dass eine genaue Nachahmung seiner Technik (jedenfalls für den Otto-Normal-Spieler) unmöglich ist. Denn der Linkshänder Albert King benutzte Rechtshändergitarren, bei denen er jedoch die Besaitung nicht veränderte. Dadurch sind die Saiten zur herkömmlichen Stimmung genau umgekehrt angeordnet, was bedeutet, dass die hohen Saiten bei ihm tatsächlich oben liegen. Trotz dieser völlig anderen Anordnung hat Albert King jedoch kaum eigene Spieltechniken oder Licks entwickelt, die dieser Besonderheit geschuldet wären, was das Nachspielen seiner Soli um einiges erleichtert: Er spielt nichts, was man auf einer normal besaiteten Gitarre nicht auch spielen könnte.

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Um die Phrasierungseigenheiten von Albert King nachvollziehen zu können, muss man sich zunächst mit dem Tuning seiner Gitarre beschäftigen. Hierüber existieren viele Vermutungen, von denen jedoch keine end- und allgemeingültig verifizierbar ist. Fakt ist, dass King seine Gitarre tiefer gestimmt hatte als normal. Aber ob dies nun zwei, drei oder vier Halbtöne waren, lässt sich nicht bei jedem Stück mit Sicherheit feststellen. Auch ob er zusätzlich ein Drop-D-Tuning verwendete, wie vielerorts behauptet wird, ist nicht eindeutig. Zum Nachspielen seiner Licks ist beides auch nicht von übermäßiger Bedeutung, denn die beiden tiefen Saiten verwendet King sowieso fast nie, und runterstimmen muss man die Gitarre eh, um die für ihn so typischen extremen Bendings ohne ein Reißen der Saiten bewerkstelligen zu können.

Kings Stil ist also durchzogen von Bendings unterschiedlichster Couleur. Vom Umfang her reichen sie vom Viertelton-Bend bis hin zu zwei-Ganzton-Bendings und allem, was dazwischen liegt. Diese Bending-Technik lebt jedoch nicht nur von ihrer extremen Ausdehnung, sondern vor allem von der Variabilität der ihr inne liegenden Phrasierung. Denn King spielt diese Bendings mal herkömmlich, wie man sie kennt, indem er einen Ton anschlägt und diesen dann zum Zielton hochzieht, mal aber auch als PreBend, das heißt er zieht die Saite zu einem bestimmten Ton und schlägt sie erst dann an. Von diesem im voraus gezogenen Ton hat er nun die Wahl, ihn zu einer tiefer gelegenen Note zu „releasen“ oder weiter zu einer noch höheren Note zu ziehen. Beides findet sich in seinem Vokabular in den verschiedensten Variationen.

Angeschlagen werden die Saiten von King überwiegend mit dem Daumen. Er selbst gab einmal zu Protokoll, dass er zu Beginn seiner Karriere als Gitarrist versucht hatte, mit dem Plektrum zu spielen, jedoch schnell merkte, dass dafür seine Finger zu groß sind. Nachdem er das Pick einige Male verloren hatte, ließ er es gleich ganz weg. Dieser Anschlag mit den Fingern birgt natürlich auch ein paar klangliche Besonderheiten: Zum einen lässt der Daumenanschlag eine breitere Dynamikspanne als der mit einem Plektrum zu. Zum anderen nutzt King die Möglichkeit, an den Saiten zu reißen, nicht nur als Effekt, und geht in lauten Passagen schon mal sehr rabiat mit seinem Daumen zu Werke.

Albert King mit einer Flying-V

Sound & Equipment

Genauso wenig wie die umgedrehte Gitarre und damit die „falsche“ Bespannung der Saiten für die Spieltechniken von Albert King verantwortlich ist, hat diese Eigenheit Einfluss auf seinen Sound. Das Instrument ist und bleibt eine Rechtshänder-Flying-V von Gibson, ganz gleich wie herum man sie hält. Stattdessen sind es die schon erwähnten, sonstigen spieltechnischen Besonderheiten, wie der Anschlag mit den Fingern und die tiefer gestimmten Saiten, die auch klanglich eine Menge ausmachen. Albert Kings Sound ist – ganz gleich ob clean oder angezerrt – immer sehr höhenlastig und trotzdem rund und voll, was zum einen Teil an der Einstellung seines Amps, zum anderen Teil an der seiner Gitarre liegt, bei der er nach eigener Aussage den Treble-Regler stets voll aufgedreht hat. Übrigens benutzte King Saitensätze, bei denen – ähnlich wie bei Western-Gitarren – auch die g-Saite umwickelt war.

So treu er seiner Flying-V war, so umtriebig zeigte sich Albert King bei der Wahl seiner Verstärker. Von Ampeg über Fender bis hin zum transistorisierten Roland-Jazz-Chorus war so ziemlich alles dabei, was es zu seiner Zeit gab. Wobei man den Letztgenannten als seinen bevorzugten Amp bezeichnen kann: „Ursprünglich habe ich nur Acoustic Amps benutzt, mich aber irgendwann für den Roland JC-120 entschieden, weil er leichter zu beherrschen ist und am besten zu mir passt.“

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