Hot Rod Mod

Boss DS-1 Keeley Mod

Kein Geringerer als Robert Keeley, einer der anerkanntesten Modder, der sich mittlerweile mit eigener Pedalserie fest etabliert hat, teilte der Netzgemeinde bereits 2002 mit, wie er den Boss DS-1 klanglich optimiert. Sein Keeley „Seeing Eye Mod“ besteht im Prinzip aus zwei Teilen: Einmal dem Austausch von Bauteilen nach Audio- Gesichtspunkten und dann die Veränderung des Dioden-Clippings. Beginnen wir in diesem Monat mit dem Bauteiletausch. Das Dioden-Clipping, das man über Robert Keeleys Vorschläge hinaus auch noch erweitern kann, kommt dann in der nächsten Folge dran.

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Der Boss DS-1. Günstig und gut zu modden.

Technik

Für die Mod müssen knapp 20 neue Bauteile gekauft werden. Die Kosten belaufen sich also nur auf ein paar Euro. Benötigt werden je ein 47-pF-Keramik-Kondensator und ein 220-pF-Silver-Mica-Kondensator sowie Metallfilm-Kondensatoren folgender Werte: 4 x 1uF, 5 x 100 nF und 1 x 47 nF. In den USA sind v. a. die Metallfilm-Kondensatoren, z. B. von Panasonic, beliebt – in Europa dagegen werden gerne MKT-Kondensatoren, z. B. von der Firma Wima, verwendet.

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Benötigte Bauteile für den Keeley- Seeing-Eye-Mod. Die blaue LED dient nur der Optik. Wer die Keeley Mod noch erweitern will, sollte noch einen SPDt- Schalter (On-Off-On) und eine weitere rote LED bestellen.

Klanglich tun sich die beiden Kondensatorentypen nicht viel. Ich habe diesmal die Panasonic-Kondensatoren verwendet, um so nahe wie möglich an der Keeley-Mod zu bleiben. Weiterhin werden drei Widerstandswerte geändert, sodass ein 1k5-, ein 2k4- und ein 20-k- Widerstand (Metallschicht) auf die Einkaufsliste gehören. Hinsichtlich der Clipping- Mode-Änderungen, die auch noch folgen sollen, kann man gleich noch zwei rote LEDs (3 mm) und zwei Kippschalter mitbestellen: einen normalen On-Off- SPDT-Schalter und einen On-Off-On SPDT-Schalter. Die Bauteile gibt es wie üblich z. B. bei musikding oder uk-electronic. Da der DS-1 seit 1978 in seinen Grundzügen nahezu unverändert gebaut wird, kann man die Modifikation theoretisch bei allen Modellen vornehmen.

Lötwillige Besitzer alter Japan-Modelle sollten sich aber lieber zusätzlich ein neueres Taiwan- Modell zulegen, um dem Sammlerwert ihres Schätzchens keinen Schaden zuzufügen. Denn natürlich kursieren auch um den DS-1 die bei Effektgeräten mittlerweile üblichen Einschätzungen, dass die alten Geräte anders und besser klingen. Ein weiterer Vorteil, die Mod bei den aktuellen DS-1-Modellen vorzunehmen, ist der, dass die Platine komplett mit den Bauteilenummern des Schaltplanes beschriftet ist, sodass man diese eindeutig zuordnen kann. Mein frühes Taiwan-Modell hat noch die ET-28F-Platine, wo die Lage der Bauteile zwar fast identisch ist, aber die Platinenbeschriftung nur für die Dioden, Transistoren und den IC vorgenommen wurde. Die relevanten Kondensatoren und Widerstände muss man daher bei der alten Platine an ihrer Lage und ihrem Wert erkennen.

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Die Platine des neuen Taiwan-Modells ist komplett mit den Bauteilnummern beschriftet. Hier wurden die klanglich kritischen Bauteile schon ausgetauscht.

Bei der Identifikation der Kondensatoren ist mir ein Unterschied bei den betroffenen Bauteilen aufgefallen: Während sich auf der neueren Platine ein silberner Polyester-Kondensator als C5 breitmacht, steht auf der alten Platine ein Elko mit 470 nF. Man kann sich aber mithilfe des Bildes gut orientieren, welche Bauteile auf der ET-48-F-Platine ausgelötet werden sollen. Die Bauteile sind natürlich auch über ihre Beschriftung zu identifizieren. Auf den Kondensatoren stehen Zahlen wie z. B. 104. Das Kürzel steht für 100nF. Die ersten beiden Ziffern geben den Wert in pF an, die letzte Zahl ist der Exponent: Also 104 sind 10 x 104 pF (oder 10 + 4 Nullen) also 100nF. Die Widerstände sind über den Farbcode zu identifizieren, oder besser mit dem Multimeter auszumessen.

Bau

Folgende Polyesterfilmkondensatoren werden durch die 100 nF Metallfilmkondensatoren ersetzt:

  • C1 (473/47nF ‡ 104/100nF)
  • C3 (473/47nF ‡ 104/100nF)
  • C5 (0,47uF ‡ 104/100nF)
  • C12 (104/100nF ‡ 104/100nF)
  • C13 (473/47nF ‡ 104/100 nF)
  • Der 22 nF (223) Kondensator C11 muss einem 47 nF (473) Metallfilmkondensator weichen.

Folgende Elkos werden gegen 1 uF Metallfilmkondensatoren getauscht:

  • C2 (0,47uF ‡ 105/1uF)
  • C8 (1uF ‡ 105/1uF)
  • C9 (0,47 uF ‡ 105/1uF)
  • C14 (1uF ‡ 105/1uF)

Da die Metallfilmkondensatoren keine Einbaurichtung haben, ist beim Löten auch nichts weiter zu beachten. Der Keramikkondensator C7 (251/250pF) wird durch den 220-pF-Silver-Mica-Kondensator ersetzt. Den bereits bestellten 47-pF-Kondensator sowie die roten LEDs legen wir zusammen mit den beiden Schaltern noch bis zur nächsten Folge beiseite. Die Lötarbeit ist recht einfach, da die einseitige Platine großzügig bemessen und nicht durchkontaktiert ist. Eine komplette Demontage des Gerätes ist m. E. nicht notwendig. Man kommt auch gut an die Ober- und Unterseite heran, wenn man die Platine lediglich ausklappt und die Potis am Gehäuse befestigt lässt. Das Auslöten der notwendigen Bauteile erfolgt daher am besten Bauteil für Bauteil.

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Hier sind die Teile schon ausgelötet.

Die Platine bietet so viel Platz, dass man von der Oberseite her die Kondensatoren mit den Fingern greifen kann und von der Unterseite das entsprechende Lötauge erhitzt. Durch vorsichtiges Ziehen löst man dann ein Bein nach dem anderen des Bauteils von der Platine. Das ist schonender als mit der Lötpumpe mehrmals das Lot zu entfernen. Denn manchmal löst sich durch den Sog der Lötpumpe gerade bei alten Platinen auch gerne die Kupferbahn mit ab.

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Schaltplan des DS-1

Zu guter Letzt sind noch drei Widerstandswerte gemäß den Vorschlägen von Robert Keeley zu ändern: R13 wird von 4k7 auf 2k4; R14 von 2k2 auf 1k5 und R39 von 27k auf 20 verkleinert. Robert Keeley tauscht üblicherweise noch die originale rote LED durch eine blaue aus. Da dies aber – wie auch der Tausch der Potiknöpfe – lediglich optischer Gründe hat, lassen wir das mal beiseite. Wem die originale LED zu dunkel leuchtet, kann ja den Wert von R35 noch von 3k9 auf z. B. 2k4 verringern.

>>Hier geht’s zu einer weiteren Folge<<

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