Hot Rod Mod

Boss DS-1 Keeley Clipping Mode Mod

Nachdem in der letzten Folge mit dem Kondensatoren- und Widerstandstausch bereits die Vorarbeiten zur Klangoptimierung des DS-1 gemäß den Vorschlägen von Robert Keeley abgearbeitet wurden, gehen wir in dieser Folge an den Kern der Modifikation und widmen uns dem Clipping- Mode des Pedals.

Die klanglich relevanten Clipping- Dioden liegen zentral in der Platinenmitte.

Da der DS-1 von Haus aus genug Höhen- und Gain-Reserven hat, ist er für Änderungen der Clipping- Dioden besonders empfänglich. Allein schon die Verwendung von LEDs statt der SiliziumdDioden bringen den DS-1 in bisher ungeahnte Klangbereiche und machen aus der „Wald-und-Wiesen-Säge“ ein schön Amp-like klingendes Distortion- Pedal. Natürlich soll der gewohnte Sound des Pedals auch so weit wie möglich erhalten bleiben. Daher arbeiten wir wieder mit Schaltern, die unterschiedliche Kombinationen aus LEDs und Siliziumdioden in den Schaltkreis integrieren.

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Rote Litzen für die Anoden- (Plus) und schwarze Litzen für die Kathodenseite (Minus)

Technik

Der Boss DS-1 arbeitet mit zwei gängigen Siliziumdioden vom Typ 1N4148 oder 1N914, um die vom IC erzeugte Verzerrung zu glätten. Die beiden Dioden sind auf der Platine ziemlich genau in der Mitte zu finden und mit D4 und D5 bezeichnet. An der Platinenbeschriftung ist zu erkennen, dass die parallel geschalteten Dioden jeweils mit ihren Anoden und Kathoden gegenüber liegen. Die einfachste Modifikation von Robert Keeley ist die, eine der beiden Siliziumdioden gegen eine rote 3-mm-LED auszutauschen (z. B. D5). Netter optischer Nebeneffekt der Mod: Wenn die LED nach außen geführt wird, zeigt sie durch rhythmisches Aufleuchten je nach Härte des Anschlages, wenn die Mod aktiv ist. Wer die Sound-Alternative wahlweise zum Originalsound schaltbar machen möchte, hat dann eine sehr coole Status- LED für die Mod, die Robert Keeley als „All-Seeing-Eye“ bezeichnet.

Rechts der „All-Seeing-Eye-Mod“-, links der „Ultra-Mod“-Schalter.

Interessant ist es, hier einen On-Off-On-Kippschalter zu verwenden, sodass man nicht nur zwischen Siliziumdiode und LED wechseln kann, sondern als dritte Alternative auch die Möglichkeit hat, gar keine Diode im Signalweg zu lassen. Für einen weiteren Vorschlag von Robert Keeley, der Ultra Mod (zu der wir auch in der letzten Folge bereits die notwendigen Änderungen der Bauteilewerte im Bereich der Kondensatoren C3, C11, C13 und R13 vorgenommen haben), wird eine weitere rote 3-mm-LED in Serie zu der verbleibenden Silizium LED (z. B. D4) geschaltet. Auch dies kann schaltbar gemacht werden, sodass folgende Kombinationen mit den dann zwei Kippschaltern möglich sind: zwei antiparallele Siliziumdioden (Original- Sound), eine Siliziumdiode und eine LED, zwei antiparallele LEDs, eine LED alleine und eine Siliziumdiode alleine. Der Original-Sound dürfte ja bekannt sein. Mit der Mischung aus LED und Diode wird der Klang kräftiger, lauter und weniger verzerrt, zwei LEDs verstärken den Effekt noch, am lautesten und am offensten klingen die Varianten mit nur einer Silizumdiode bzw. einer LED.

Bau

Die beiden originalen Dioden werden ausgelötet und durch Litzen ersetzt. Zur besseren Orientierung habe ich rote Litzen für die Anode (Plus, langes Bein der LED und markierte Seite der Siliziumdiode) genommen und jeweils schwarze Kabel für die Kathode (Minus). Am Dreifachschalter der All-Seeing-Eye-Mod wird am mittleren Pin des Schalters das rote Kabel von der Platine aus dem rechten Loch von D5 gelötet. Mit dem Schalter wird wahlweise die LED oder die Siliziumdiode geschaltet, bzw. in der mittleren Stellung gar keine Diode. An den beiden äußeren Pins des Schalters kommen die Kathodenseiten der Siliziumdiode und der LED. Die beiden Anodenseiten werden dann über die schwarzen Kabel zur Platine zurückgeführt.

Der DS-1 mit den beiden Mod- Schaltern. Links der „All-Seeing-Eye- Mod“-Dreifachschalter, rechts der Ultra-Mod-Zweifachschalter. Die Kombination der verschiedenen Dioden erlaubt drei deutlich verschiedene und drei recht ähnliche Grundsounds.

Der On-Off-Schalter der Ultra-Mod wird an den D4-Bohrlöchern der Platine befestigt. Das rote Kabel aus dem linken Bohrloch von D4 geht über die Kathode der Siliziumdiode an den mittleren Pin des Schalters. Die LED wird mit Ihrer Anodenseite an einen der äußeren Pins und mit der Kathodenseite an den anderen äußeren Pin des Schalters gelötet, sodass sie nur in einer Schalterstellung aktiv ist (und dann auch schön im Rhythmus leuchtet). Statt die Dioden am Schalter zu befestigen ist es natürlich auch möglich, zumindest die Siliziumdioden auf der Platine zu lassen. Die beiden Kippschalter finden in dem großzügig bemessenen Boss-Pedal an verschieden Stellen Platz. Wenn man die fragilen Minischalter aber vor bösartigen Trittattacken schützen will, indem man sie rechts und links neben die Potis im vertieften Bedienfeld des Boss-Gehäuses unterbringt, wird es schon ganz schön eng.

Ganz schön enge Verhältnisse für Ultramod und das Auge

Nach meinem ersten Einbauversuch funktionierte der Gain nicht mehr richtig, weil die Schalter Kontakt mit den Potis hatten. Daher habe ich sie noch einmal ausgebaut und mit Isolierband umwickelt. Die benötigten Löcher (3 mm für die All- Seeing-Eye-LED im „o“ der Beschriftung „Tone“ und 6 mm jeweils am rechten und linken Rand für die Schalter) sind problemlos in das weiche Aludruckguss gebohrt. Die Platine kann auch dabei eingebaut bleiben. Der Abstand von Gehäuseoberseite zu Platine ist recht groß, sodass mit ein wenig Vorsicht und entsprechendem Werkzeug (Bohrständer) nichts passieren kann. Zum Schluss wird auf der Platinenrückseite noch der 47-pF-Kondensator zwischen die Lötösen der Clipping-Dioden gelötet, fertig!

Das Tüpfelchen auf dem i: ein 47-pF-Kondensator

 

>>Hier geht’s zur letzten Folge<<


Aus Gitarre & Bass 11/2016

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