Im Interview

Zakk Wylde: Vom Riff zum Song

Anzeige

(Bild: Jen Rosenstein)

Wir trafen Zakk Wylde in Berlin, um mit ihm über ‚Engines of Demolition‘, das neue Album seiner Band Black Label Society, zu sprechen, sowie über die Gitarren seiner eigenen Firma Wylde Audio, aber auch über den Tribute-Song für Ozzy Osbourne. Zakk hatte am Tag zuvor einen kleinen, intimen Acoustic Gig im Rough Trade Berlin gegeben und dort bereits einige Fragen vom Publikum beantwortet. Trotz guter Laune und Gelassenheit hat man ihm den Jetlag der letzten Tage angemerkt.

Anzeige

Interview

Ihr haut uns ein weiteres Album von Black Label Society um die Ohren – das erste seit fünf Jahren. Du hast deinen kreativen Prozess so beschrieben, dass zuerst das Riff entsteht und dann alles darum herum aufgebaut wird, wobei die Lyrics zuletzt kommen. Wenn du diesen kreativen Prozess durchläufst: Nimmst du mehrere Riffs und Ideen auf und entwickelst sie zu Songs, bevor ihr ins Studio geht, oder passiert das eher im Studio?

Ich nehme im Grunde alles im Vatican auf (Zacks eigenes Studio, Anm. d. Verf.). Dann nehmen Adam (Fuller, Audio Engineer) und ich das Ganze mit einem Clicktrack auf, und wenn Jeff (Fabb, Drummer) und JD (John DeServio, Bassist) ins Studio kommen, hören wir uns den Song an.

Ich habe mein Piano im Vatican, der Amp-Raum ist schon aufgebaut, das Schlagzeug steht – und dann … spielen wir einfach. Und dann heißt es einfach: Alles klar, fertig. Nächster Song. Egal, ob es ein harter Song ist oder ein langsamer.

Früher, als wir mit Ozzy gearbeitet haben, haben wir die kompletten Songs zusammen gemacht. Wir haben diese Songs richtig geprobt. Heute ist das einzige Mal, dass wir als Band zusammen proben, für die Tour.

Früher haben wir rückblickend den Songs irgendwie das Leben ausgesaugt. Nach dem Motto: Wir kennen sie schon auswendig, lass uns ins Studio gehen und sie einfach spielen. Damals, als du tausend Dollar pro Tag für Studiozeit gezahlt hast, bist du reingegangen und hast so viel erledigt wie möglich. Kein Rumeiern.

Schreibst du die Lyrics normalerweise später oder hast du manchmal schon Texte vorbereitet?

Nein, die Lyrics kommen immer zuletzt, weil ich zuerst die Musik verstehen muss. Die inspiriert mich dann dazu, etwas darüber zu singen, eine Melodie zu finden. Aber dann muss ich herausfinden, worüber ich inhaltlich überhaupt singen will. Sobald ich weiß, worüber ich singen will, fangen die Lyrics an, sich zusammenzufügen.

Bei ‚Lord Humungus‘ wusste ich lange nicht, worüber ich singen sollte, und dann dachte ich: „Scheiß drauf, ich sing einfach über Mad Max.“ Wenn wir den Song nicht ‚Lord Humungus‘ genannt hätten, hätte niemand gewusst, wovon er handelt. Aber Zeilen wie „wheels of rolling thunder, destruction fills the air“ – das ist alles Mad Max und Lord Humungus. Dass ich den Namen Lord Humungus überhaupt im Titel verwendet habe, war nur, um es noch dümmer zu machen, noch mehr Black Label.

Die Leute kennen Lord Humungus und denken: „Hey, das ist doch der Typ aus Mad Max.“ Und ich sag: „Ja, genau, der ist großartig.“ Also da habt ihr‘s, haha.

Auf ‚Back To Me‘ spielst du im Solo ein paar hohe Lines, die fast wie Feedback klingen. Wie machst du das? Mit getappten Harmonics oder einem Sustaniac-Pickup?

Das ist tatsächlich ein Octaver. Ich benutze ein Dunlop Octavio, das gibt diesen hohen Sound. Das ist das, was Jimi Hendrix auch bei ‚Purple Haze‘ verwendet hat.

Du hebst dich von vielen anderen Gitarristen deines Kalibers ab, weil du auch ein fantastischer Sänger bist und echte Songs schreibst – nicht nur Soli über Backing-Tracks spielst oder Songwriting als Vorwand für Gitarrensoli nutzt. Was sind deine Einflüsse beim Songwriting – nicht Riffs oder Soli, sondern Songstrukturen und Arrangements?

Wenn du dir Sabbath oder Led Zeppelin anhörst, ist das total verrückt. Du hörst ‚Kashmir‘ und denkst: Da gibt‘s gar keinen Refrain. Es ist nicht so wie (singt episch): „We‘re going to Kashmir“…

Bei einem klassischen Beatles-Song wie ‚I Want to Hold Your Hand‘ hast du Strophe, Refrain, Pre-Chorus, das ist Songwriting 101. Aber bei den Beatles ist einfach alles eine Hook: die Strophe, der Pre-Chorus, der Refrain – nur Ohrwürmer überall.

Black Label Society (Bild: Justin Reich)

Bei Sabbath und Zeppelin ist es oft einfach „da“. Es gibt keinen echten Refrain. Das ist so interessant: Was macht Sabbath und Zeppelin so großartig, obwohl es keine Mega-Refrains gibt?

Oft hörst du bis zum Ende eines Sabbath- oder Zeppelin-Songs und fragst dich: „Wie heißt der Song eigentlich?“ ‚Black Dog‘ zum Beispiel – der Titel kommt im Song gar nicht vor. Bei ‚Lord Humungus‘ erwähnen wir ihn auch kein einziges Mal im Text, aber so heißt der Song. Und ich finde das großartig.

Bei Pop-Songs hast du oft diesen großen Refrain, der ständig wiederholt wird. Aber bei den Bands, die wir lieben – oder auch bei Elton John oder Neil Youngs ‚Heart of Gold‘ – sind es einfach die Songs.

Die Stones, Van Halen oder Ozzy mit Randy Rhoads: Die Soli sind fantastisch, Eddie ist unfassbar, aber du kommst wegen der Songs. Die Soli sind das Sahnehäubchen eines Songs, aber du brauchst erst mal einen Kuchen, um Sahne draufzupacken.

Du hast gesagt, dass du den Song, der Ozzy gewidmet ist, schon vor seinem Tod geschrieben hast. Er erinnert stark an deine Metal-Balladen aus den frühen Neunzigern, besonders an deine Zeit mit Ozzy. Hast du beim Aufnehmen etwas anders gemacht als sonst?

Was ich beim Solo benutzt habe, war The Grail (Zakks berühmte Gibson Les Paul mit dem Bullseye, Anm. d. Verf.). Normalerweise benutze ich heute nur noch meine Wylde-Audio-Gitarren, meine Gibsons sind im Ruhestand. Aber Adam meinte beim Aufnehmen: „Hol dir The Grail und spiel das Solo auf der.“

Ich habe ‚Miracle Man‘ (von Ozzy Osbourne‘s 1988er Album ‚No Rest For The Wicked‘) auf der Grail geschrieben – alles ist mit Ozzy verbunden. Also habe ich die Grail genommen und das Solo darauf gespielt. Die Lyrics habe ich geschrieben, nachdem wir Ozzy beerdigt hatten. Und sobald ich angefangen hatte zu schreiben, haben sie sich quasi von selbst geschrieben.

Hast du jemals mit einer von Dimebag Darrels Gitarren aufgenommen? Und spielst du manchmal noch die Bullseye-Dean, die er dir für ‚In This River‘ geschenkt hat?

Ich habe keine von Dimes Gitarren im Studio aufgenommen, aber ich habe sie alle in meinem Gitarrenraum. Es gibt ein Video, in dem ich Dimes Bullseye spiele, bei der Gitarrenversion des Songs. Ich habe sie alle noch und spiele ab und zu darauf herum.

Wie sah dein Recording-Setup für das neue Album aus – Amps, Cabs, Mikros, Gitarren, Effekte?

Ich benutze meine Wylde Audio Master 100s – die liegen irgendwo zwischen Marshall JCM 800, 2203 und JMP. Supereinfaches, großartiges Design. Du drehst im Grunde alles auf 10 oder 11 und nimmst dann nur das weg, was du nicht hören willst. Du steckst die Gitarre ein und es klingt sofort großartig.

Und die Cabs?

Ich benutze immer noch die EVs (Electro Voice EVM12L Black Label Zakk Wylde Signature), 300 Watt – oder waren es 200? Jedenfalls Speaker mit hoher Wattzahl. Im Studio steht nur eine Box im Raum, die wird mikrofoniert, das war‘s.

Welche Mikros?

Für Gesang benutze ich ein Telefunken. Für die Gitarren SM57s und ein paar Ribbon-Mics – insgesamt drei Mikros, die Adam mischt. Der Schlüssel ist, dass manche Mics die Höhen, manche die Mitten und manche die Bässe haben, und dann mischt man sie einfach zusammen.

Ich dopple normalerweise die Gitarren. Das ist alles, was man braucht, das ist dann voll genug. Denn nach zwei Spuren wird es einfach nur noch matschig, egal wie tight man spielt. Man bekommt zwar die Wand, aber nicht die Definition.

Inwiefern unterscheidet sich das von deinem Live-Setup?

Das Einzige, was ich im Studio nicht benutze, aber live schon, ist das Chorus-Pedal, weil ich zwei Cabs habe und einfach gerne die Breite höre. Aber im Studio benutze ich das Chorus-Pedal nur für einen tiefen Bend oder bei ‚Broken and Blind‘. Normalerweise benutze ich das Chorus-Pedal im Studio nicht, weil ich die Gitarren dopple. Das ist dann wie ein natürlicher Chorus-Effekt.

Und benutzt du ein Distortion-Pedal vor dem Verstärker?

Ja, auf jeden Fall. Ohne dieses Pedal würde man sonst ‚Highway to Hell‘ oder ‚Back in Black‘ bekommen.

Wie sieht es mit den Tunings für diese Platte aus?

Wir sind die ganze Zeit in Drop C. Du weißt schon, Sabbath-Stimmung, und dann bei ‚Name In Blood‘ nehme ich einfach die tiefe E-Saite und stimme sie auf H runter.

Was hat dich dazu gebracht, von Gibson wegzugehen und deine eigenen Gitarren zu bauen?

Ich kann meine Kumpels bei Gibson nicht diese Gitarren bauen lassen. Es ging einfach darum, andere Designs zu bauen. Ich erinnere mich zum Beispiel an diesen einen Typen, der ein YouTube-Video gemacht hat. Er hatte über eine meiner SGVs geredet, die Warhammer. Und er meinte: „Ich kann nicht glauben, dass Gibson überhaupt den Mut hat, diese Gitarre zu bauen.“

Für all die anderen Designs, die ich machen wollte, war es dann einfach logisch. Ich bin immer noch mit allen bei Gibson befreundet, mit den Leuten, die noch da sind. Viele sind ja inzwischen im Ruhestand oder arbeiten nicht mehr dort. Aber es gab nie Streit oder so was wie „ich will mehr Geld“. Die haben mich behandelt wie Gold.

Sie waren großartig, und die Gitarren waren alle unglaublich. Alle meine Epiphones waren fantastisch. Die Qualität, die Custom-Shop-Sachen – ich hatte nie eine in der Hand, bei der ich dachte: „Oh mein Gott, die Qualität lässt nach.“ Du nimmst sie aus dem Koffer und denkst einfach: „Wow, die ist großartig.“ Es ging nur um die Freiheit, andere Designs umzusetzen.

Welche Rolle oder welchen Einfluss hast du beim Design? Entwirfst du diese Gitarren selbst?

Ja, ich zeichne das Ding auf Papier (zeigt auf den Gitarrenkorpus). Dann mache ich ein Mockup am Computer, und danach schicken wir das Design an meinen Kumpel John. Der nimmt das Design und macht erst mal einen Papp-Ausschnitt, damit ich sehen kann, ob die Größe passt oder ob es zu groß oder zu klein ist oder was auch immer.

Dann legen wir die Größe fest, und danach baut er den Holzkorpus. Und von da aus geht es dann weiter, bis es in die Produktion geht. Sobald die Korpusgröße stimmt, die Hälse passen und all das, sind wir startklar. Und dann halte ich sie so in der Hand (zeigt die aktuelle Gitarre) und denke: „Mann, das ist großartig.“

Wählst du auch die Hölzer und die Finishes aus?

Ja, der Korpus ist immer Mahagoni. Wenn wir zum Beispiel ein schönes Top aus Ahorn darauf machen wollen, dann ist das nur ein Furnier, eine ganz dünne Schicht, die oben drauf kommt.

Und dann natürlich der Hals, wie bei meiner Grail: Ahornhals, Ebenholzgriffbrett, 6100er Bünde. Dazu selbstverständlich EMGs, Grover-Mechaniken und die TonePros-Hardware, die ist einfach solide und auch ein Upgrade. Dieses spezielle Modell hier machen wir als Limited Edition. Das wird die VIP-Gitarre auf der Tour.

Also können die Leute eine Gitarre kaufen, die du auf der Bühne gespielt hast, richtig?

Ja, das hier wird eine davon sein.

(erschienen in Gitarre & Bass 05/2026)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.