Money for nothing and Strats for free?

Wie wird man eigentlich Fender Endorser?

Die Beliebtheit einer Firma lässt sich ohne weiteres an der Zahl der Anfragen nach Endorsement-Deals ablesen. Und da liegt – wer hätte es anders erwartet? – Fender ganz oben auf der Skala!

Davon können auch die Fender-Macher in Deutschland ein Lied singen, denn sie werden nahezu täglich mit allen möglichen und unmöglichen Anfragen nach (e)tatkräftiger Unterstützung überschwemmt. Wobei auch deutlich herauskommt, dass viele Musiker sich völlig falsche Vorstellungen über ein Endorsement-Verhältnis machen. Wir sprachen vor ein paar Jahren Ralf Benninghaus von Fender Deutschland über dieses Thema.

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FOTO: Manfred Pollert (Todorovic), Thomas Kampmann (Linke/Todorovic), jkp

G&B: Was sind ganz grundsätzlich die Voraussetzungen für ein Endorsement bei der Firma Fender?

Benninghaus: Da muss man unterscheiden zwischen verschiedenen Arten von Endorsements. Es gibt die einmalige Aktion, aber es gibt auch eine dauerhafte Zusammenarbeit mit Künstlern. Da kam zum Beispiel mal eine Anfrage vom Management Marius Müller-Westernhagens, ob sie für eine Tour einige Bassman-Amps haben könnten. Und die sollten auch noch nato-oliv lackiert sein. Klar, dass wir solch eine Anfrage erfüllen, denn sie macht Sinn. Wenn eine solche Band Fender-Amps spielt, ist das immer eine gute Referenz.

G&B: Was passiert dann mit den Verstärkern, wenn die Tour zu Ende ist?

Benninghaus: Die gehen natürlich zurück an uns und wir geben sie weiter an den Handel, der eigentlich immer dankbar für solch „historisches“ Equipment ist.

G&B: Entscheidet denn einzig und allein die Popularität der Band oder der Künstler?

Benninghaus: Nein, aber Popularität ist schon ein wichtiger Faktor. Genau so wichtig ist uns ein freundschaftliches Verhältnis zu den Musikern. Im Klartext: Mein bester Freund kann mit seiner Hobby-Band kein Fender-Endorser werden, weil er keine Popularität besitzt. Aber ein arroganter Popstar, der hier nur ein paar Gitarren und Amps abzocken will, wird ebenfalls kein Endorser, weil zu ihm das freundschaftliche Verhältnis fehlt. Es gibt auch Musiker wie z. B. die Toten Hosen, die grundsätzlich ablehnen, für eine Firma, sei es Fender, Marshall oder sonst wen, Werbung zu machen. Da könnten wir, selbst wenn wir wollten, keine Anzeige mit Kuddel schalten. Trotzdem arbeiten wir mit den Toten Hosen zusammen, weil sie in Ordnung sind, weil sie viel spielen und weil sie mit ihrer Musik etwas zu sagen haben.

G&B: Ihr habt im Vergleich zu Fender USA relativ wenig Endorser …

Benninghaus: Zum einen hat Deutschland viel weniger Musiker, mit denen es Sinn machen würde, zusammen zu arbeiten. Zum anderen fehlt hier auch die Tradition, denn die großen Rockstars wie Clapton, Beck etc. haben natürlich seit Jahrzehnten schon den Kontakt zu Fender USA.

G&B: Sieht man sich die Liste der deutschen Endorser an, sieht es so aus, als ob nahezu jede Musiksparte abgedeckt wurde. Absicht oder Zufall?

Benninghaus: Beides! Es ist klar, dass wir z. B. mit Toscho Todorovic (von der Blues Company) den Blues-Bereich optimal besetzt haben. Weitere Anfragen aus diesem Genre würden dann genau geprüft, ob die Zusammenarbeit für uns Sinn macht. Wir arbeiten auch mit Musikern zusammen, von denen wir überzeugt sind, dass sie eine erfolgreiche Karriere vor sich haben. Die meisten von ihnen spielen ja sowieso schon Fender, wie im Fall Ana Popovic. Sie ist eine gute Musikerin und wird wahrscheinlich ihren Weg machen.

Deshalb glauben wir, dass sie ein guter Werbeträger ist. Wobei sie sowieso seit ewigen Zeiten Fender-Gitarre spielt – auch ohne Endorsement-Deal. Sie brauchte für eine Tour einen größeren Amp. Also haben wir ihr einen VibroKing zur Verfügung gestellt. Nicht mehr, nicht weniger.

G&B: Mit dem Endorsertum wird oft zwiespältig umgegangen. Nicht selten sieht man in US-Magazinen denselben Musiker für verschiedene Marken werben. Sichert ihr euch da ab?

Benninghaus: Nicht schriftlich, aber wir vertrauen unseren Leuten. Schließlich pflegen wir – wie oben gesagt – ein freundschaftliches Verhältnis zu unseren Endorsern. Wer außerdem glaubt, dass diese Musiker hier alles umsonst bekommen, der denkt falsch. Es gibt spezielle Endorser-Konditionen, also vergünstigte Preise, und – wenn benötigt – Tour-Support mit z. B. zusätzlichen Amps, die dann wieder an uns zurück gehen. Und wir leisten auch so genannten „After Service“, d. h. wir sorgen für schnellen Ersatz, falls ein Amp kaputt geht etc. Aber wir sind nicht, wie viele Leute denken, ein Selbstbedienungsladen für unsere Endorser.


 

ANA POPOVIC

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FOTO: Manfred Pollert (Todorovic), Thomas Kampmann (Linke/Todorovic), jkp

Ana Popovic ist eine dynamische, junge Musikerin, die sich trotz des Erfolges und dem Gefühl, als Frau, Gitarristin und Bandleader ständig im Mittelpunkt zu stehen, eine gewisse Natürlichkeit bewahrt hat. Dies spiegelt nicht nur das Interview mit ihr in G&B 04/2001 wieder, sondern auch der Umgang mit ihren Instrumenten. Ana kommt einfach schnell auf den Punkt – und deshalb spielt sie Fender …

Ana: Natürlich habe ich auch Gibsons ausprobiert, aber für mich klingen diese Gitarren einfach zu schön. Und sie sind viel zu einfach zu spielen. Ich mag lieber Gitarren, bei denen ich richtig arbeiten muss – wie z. B. bei meiner Strat.

G&B: Wer oder was hat deine Sound-Vorstellungen beeinflusst?

Ana: Kennst du dieses Video von Stevie Ray Vaughan, und diese Szene, wo er auf einem Fender Twin sitzt und alleine mit einer Mapleneck-Strat eine Ballade spielt? Das ist z. B. ein Sound, in den ich mich verliebt habe. Und deshalb habe ich mir auch eine Strat mit Mapleneck gekauft.

G&B: Wobei ja die SRV-Signature-Strat von Fender ein Ebenholz-Griffbrett hat. Hast du die mal gespielt?

Ana: Nein, aber die interessiert mich auch nicht. Ich will ja niemand kopieren, sondern so langsam meinen eigenen Sound entwickeln. Ich lasse mich nur inspirieren – aber alle Sounds, die ich gut finde, kommen von Gitarristen, die Fender-Gitarren und meistens auch Fender-Amps spielen: Robert Cray, Albert Collins, Robben Ford.

G&B: Für deine Slide-Songs benutzt du aber eine Telecaster – warum das?

Ana: Weil meiner Meinung nach sich eine Maple-NeckStrat nicht für einen guten Slide-Sound eignet. Die Tele verhält sich da schon anders, aber am liebsten würde ich für die Slide-Sachen eine Strat mit einem Rosewood-Griffbrett einsetzen. Meine nächste Gitarre wird denn auch wohl solch eine sein. Ich besitze nur zwei Gitarren, meine rote Strat und die 71er Telecaster. G&B: Wie muss ein Amp deiner Meinung nach klingen? Ana: Laut und clean! Wie Stevie Ray Vaughans Clean-Sound.

G&B: Der hatte allerdings immer mehrere Amps gleichzeitig aktiviert.

Ana: Ja, bis zu zehn Amps hat er im Studio miteinander verkabelt. Ich habe einen Teil meiner CD ,Hush!‘ bei Jim Gaines aufgenommen, der auch schon mit Stevie Ray Vaughan gearbeitet und mir von dieser Amp-Orgie erzählt hat. OK – ich habe keine zehn Amps, und auch keine fünf – mir reicht ein einziger VibroKing! Der hat immerhin drei Lautsprecher! (lacht)

G&B: Laut und clean – da wäre doch eigentlich ein Twin der amtliche Tipp.

Ana: Nein, der ist mir zu laut und zu clean. Auf der letzten Tour hatte ich einen Custom Vibrolux mit, ein toll klingender Amp, der aber einfach zu leise war und deshalb viel zu früh verzerrte. Der VibroKing hat für mich genau das richtige Maß an Lautstärke und Klarheit – ich bin froh, dass ich den jetzt spielen kann.

G&B: Du bist vom Utrechter Konservatorium nach Rotterdam gewechselt. Warum?

Ana: In Rotterdam ist die Lehrerschaft einfach besser und weltoffener. Die Lehrer in Utrecht mochten meine Fender-Sounds nicht und waren der Meinung, dass man mit Fender-Gitarren keinen Jazz spielen sollte. In Rotterdam ist das egal, da kommt es eher drauf an, was man spielt. Vielleicht spiele ich, wenn ich 60 bin, mal eine Gibson-Jazz-Gitarre, aber im Moment fühle ich mich dazu noch zu jung.

G&B: Wenn Fender dir anbieten würde, eine Signature-Gitarre zu bauen, wie würde die aussehen?

Ana: Das wäre schon ein Traum … und ich glaube, die Fender-Leute würden sich wundern, wenn ich mit meinen Vorstellungen ankäme. Also, meine Fender-Signature-Gitarre würde so aussehen: Den Korpus von einer Fender-Lead-Gitarre – ja, du hast richtig gehört, den einer Fender Lead. Mein Vater hat eine Fender Lead 1 mit einem Humbucker, die ich öfters für Slide einsetzte, als ich meine Tele noch nicht hatte. Und mir gefällt das Design einfach sehr gut. Allerdings müsste der Korpus nur etwas größer sein als das Original. Sie sollte außerdem eine stark geflammte AhornDecke haben, so wie die Santana-Gitarre von PRS, und transparent-rot lackiert sein. Dann noch einen ’57er Mapleneck-Hals mit V-Profil, drei Texas-Special-Strat-Pickups, ein Vintage-Vibrato und Gold-Hardware.

EQUIPMENT

Fender ’57 Stratocaster US-Reissue
Fender ’71er Telecaster
Fender VibroKing
Vox WahWah
Boss DS-1 Distortion


 

KUDDEL

Kuddel
FOTO: Fryderyk Gabowicz
Rote Strat, Tattoo & beinharter Rock: Tote Hose Kuddel

Kuddel von den Toten Hosen spielt seit einiger Zeit Fender Stratocaster, und von diesem Instrument zeigt sich der Linkshänder unter den deutschen Punk-Gitarristen sehr angetan.

Kuddel: Eine rote Fender Stratocaster ist momentan meine Lieblingsgitarre. Wenn auf der Bühne die Saite reißt, nehme ich meine schwarze Strat. Das sind beides 1963er Reissue-Modelle, die vor ein paar Jahren bei Fender rausgekommen sind.

G&B: Und das sind beides ganz normale Lefthand-Modelle …

Kuddel: Ja, das ist ja immer ein spezielles Thema mit den Lefthand-Dingern. Manchmal ist es ganz schön schwierig, gute Teile aufzutreiben.

G&B: Spielst du eigentlich von Anfang an Stratocaster?

Kuddel: Nein, das wechselte. Zu allererst hatte ich eine normale Rechtshänder-Guild, ein Solidbody-Modell. Die habe ich wie ein Linkshänder-Modell gespielt, mit den Poti-Knöpfen auf der oberen Hälfte der Gitarre. Dann hatte ich eine Music Man Sabre Lefthand, und später eine ESP-Strat mit Blumenmuster, Humbucker/Singlecoils-Bestückung und einem Floyd-RoseVibrato. Ich habe auch eine Les Paul, aber da Breiti (der zweite Hosen-Gitarrist) meistens Les Paul spielt, ist meine Strat klanglich eine ziemlich gute Ergänzung. Ich komme mit den Dingern irgendwie besser klar, z. B. wegen des geringeren Gewichts, der längeren Mensur und auch wegen ihrem speziellen Sound.

G&B: Worin siehst du die Vorzüge einer Stratocaster genau?

Kuddel: Mit den Singlecoils komme ich besser klar. Wenn du die Gitarre am Volume-Poti leiser drehst, verändert sich der Ton so gut wie gar nicht, im Gegensatz zu Gitarren, die mit Humbuckern bestückt sind. Ich hatte mal EMG-Pickups eingebaut, damit war ich aber nicht so glücklich. Insgesamt liegt mir die Strat einfach besser. Der Sound der Gitarre setzt sich – egal wie verzerrt der Amp ist – durch. Du kannst immer noch die einzelnen Töne hören, im Vergleich zu einer Les Paul bzw. anderen Humbucker-Gitarren.

G&B: Gab es irgendwelche Strat-Spieler, die dich auf diese Gitarre gebracht haben?

Kuddel: Ein Hendrix-Fanatiker oder so etwas bin ich nie gewesen, damit habe ich nichts zu tun. Irgendwann habe ich die Strat in die Hände gekriegt, und das war dann eigentlich genau das, was ich gesucht hatte: sehr spartanisch, zuverlässig, und ein guter Ton. Vom Prinzip hat die Gitarre mir mehr gebracht, als diese aufgemotzten SuperStrats. Als ich damals die ESP-Gitarre gespielt habe, war ich noch der Meinung, es müsste immer ein bisschen mehr von Allem sein; mehr Output, ein dickes Vibrato usw. Aber das ist alles Quatsch. Bei einigen Soli spiele ich auch eine Telecaster, eine ’52er Reissue mit Ahorn-Hals. Ich mag dieses Modell. Die Tele- und die Strat-Reissues sind momentan meiner Meinung nach die geilsten Gitarren von Fender. Mit den neuen Fender-Modellen kann ich nicht viel anfangen. Die Hälse der Reissue-Modelle sind besser, und die Gitarren klingen irgendwie frischer.

G&B: Spielst du auch Fender-Amps?

Kuddel: Nein, früher habe ich Marshall JCM 800er gespielt, jetzt setze ich Verstärker von Engl und Diezel ein. Fender-Amps sind sehr gut für klare und leicht angezerrte Geschichten, aber meinen Sound, der wuchtiger ist, kriegen die Fender-Amps nicht so hin. Vielleicht schafft das der Tone-Master, aber im Prinzip bin ich jetzt bei Engl und Diezel gelandet.

G&B: Bist du eigentlich Gitarren-Sammler?

Kuddel: Über die Jahre ist schon was zusammen gekommen. Ich habe noch eine ‘57er Les Paul Reissue, eine Gretsch Brian Setzer und ein paar Akustikgitarren. Außerdem besitze ich noch eine alte ’64er Fender Jazzmaster und eine ‘65er Fender Jaguar, die auch sehr gerne im Studio zum Einsatz kommen. Die sind beide sehr, sehr schön, aber vom Ton auch sehr speziell, so dass ich sie nicht dauernd einsetzen kann. Für gewisse Soli, Melodien und klare unverzerrte Parts sind sie wunderbar. Ich spiele schließlich noch einige Gitarren von Michael Schneider aus der Gitarren-Werkstatt in Herne. Er baut ausschließlich Linkshänder-Gitarren, sehr schöne Instrumente.

G&B: Angenommen, Fender würde dir ein Signature-Modell bauen, wie müsste diese Gitarre aussehen?

Kuddel: Vom Prinzip komme ich ziemlich gut klar mit dem, was ich jetzt habe. Da bräuchte Fender nur meine kleinen speziellen Modifikationen übernehmen. Ich klemme z. B. den mittleren Pickup ab – den brauche ich nicht. So habe ich dann eine Dreiweg-Schaltung mit zwei Pickups, wie bei einer Telecaster. Den Mittel-Pickup lasse ich aber wegen der Optik einfach drin. Bei der schwarzen Strat habe ich SSL-5- Pickups von Seymour Duncan drin, die etwas mehr Output als die Original-Pickups der roten Gitarre haben. Für mein Signature-Modell würde ich das Vibrato und den mittleren Pickup rausschmeißen, und ansonsten noch etwas leichtere Hölzer nehmen. Und bei der Lackierung müsste natürlich etwas ganz Besonderes kommen!

EQUIPMENT

Fender Stratocaster ’63er Reissue (2×)
Fender Telecaster ’52er Reissue
Fender Jaguar
Fender Jazzmaster
Gretsch Brian Setzer
Gibson Les Paul Reissue
Schneider-Gitarren
Engl- & Diezel-Amps


 

TOSCHO TODOROVIC

Toscho Todorovic
FOTO: Manfred Pollert (Todorovic), Thomas Kampmann (Linke/Todorovic), jkp
Sonnenbrille, Gibson Gitarre & erfolgreicher Blues: Toscho Todorovic

Nein, er sei nicht dafür verantwortlich, dass Osnabrück die deutsche Hauptstadt des Blues sei, weist Toscho Todorovic alle Ehren und Verdienste weit von sich. Dabei hat der in Deutschland geborene Sohn jugoslawischer Einwanderer, der natürlich Baumwollfelder nur aus alten Blues-Songs kennt und an dem außer der Lederjacke und der Sonnenbrille nichts schwarz ist, seine Band Blues Company an die Spitze der europäischen Blues-Szene gehievt. Sein einfaches Rezept: Kontinuität und Loyalität.

G&B: Wie lange gibt es deine Band schon?

Toscho: Ich habe sie 1976 in Osnabrück gegründet. Damals wollte keiner Blues hören, und außer Hendrik Schapers Blues Unlimited gab es hier keine Band, die Blues spielte. Wir haben hier im Pink Piano (einer Osnabrücker Kneipe) die jede Woche stattfindende Montags-Session eingeführt. Und anfangs waren wir da immer unter uns, doch dann – irgendwann – setzte der Blues-Boom ein. Und da hatte Osnabrück schon einen leichten Vorsprung vor anderen Städten, der meiner Ansicht nach immer noch vorhanden ist. Die Montags-Session im Pink Piano gibt es immer noch, der Laden ist immer voll, und nicht selten kommen hier auch internationale Stars vorbei, um einzusteigen. Und ein paar amerikanische Musiker sind in Osnabrück hängen geblieben und regeln ihre Karriere von hier aus: Angela Brown, Doug J., Bog Bones und Memo Gonzales. Also – Osnabrück ist die Blues-Hauptstadt Deutschlands!

G&B: Wie hast du den Blues entdeckt?

Toscho: Ich habe Musik gemacht, seit ich acht Jahre alt war. Damals haben wir jugoslawische Volksmusik gespielt und Volkstanzgruppen begleitet. Irgendwann als Jugendlicher habe ich B.B. King gehört und wusste sofort, dass das meine Richtung ist. Diese Energie hat mich einfach umgehauen.

G&B: Und dann hast du sofort angefangen Blues zu spielen.

Toscho: Ja, aber nur nebenbei. Auf Drängen meines Vaters habe ich eine Banklehre abgeschlossen und mich aber dann entschlossen, am Osnabrücker Konservatorium Gitarre und Gesang zu studieren. Und ich habe mir mit Unterhaltungsmusik Geld verdient. Parallel dazu liefen dann aber schon die ersten BluesGehversuche.

G&B: Dann gibt es deine Band schon seit 25 Jahren. Hast du die Konzerte gezählt?

Toscho: Ja, sogar ziemlich genau. In diesem Herbst werden wir unser 2.500. Konzert spielen. Wir haben 17 CDs als Blues Company sowie zwei Solo-CDs unter meinem Namen veröffentlicht.

G&B: Gab es viele Besetzungswechsel im Laufe dieser langen Jahre?

Toscho: Nein, überhaupt nicht. OK – am Anfang sicherlich. Bei mir spielte auch einmal Götz Alsmann und seine jetzige Rhythmusgruppe Mike Müller und Rudi Mashold, aber die Jungs, die heute den BluesCompany-Kern bilden, sind schon sehr lange dabei. Martin Schmachtenberg am Schlagzeug und Mike Titre an der Gitarre seit 20 Jahren, Olli Gee spielt seit acht Jahren Bass und selbst der Tontechniker ist mehr als zehn Jahre mit uns unterwegs.

G&B: Ihr hattet einen ungewöhnlich lang laufenden Plattenvertrag unterschrieben?

Toscho: Richtig! Unsere Plattenfirma Inakustik nahm uns 1987 unter Vertrag und sahen, dass sie sich auf uns verlassen konnten. Nach einigen Jahren boten sie uns einen 10-Jahres-Vertrag an, den ich gerne unterschrieb. Denn ich mag Loyalität und Kontinuität – das zahlt sich langfristig immer besser aus.

G&B: Hast du Kontakt zu deinem Heimatland?

Toscho: Oh ja – und das immer mehr in der letzten Zeit. Weißt du, ich war neulich auf einer Hochzeit in Mazedonien. Die Kapelle spielte Volksmusik des ganzen Balkans. Plötzlich existierten all diese Grenzen nicht mehr – und da kam mir wieder in den Sinn, was in den letzten Jahren dort alles politisch so los war … Hier verließ das Gespräch den geplanten Rahmen, denn Todorovic erzählte von der Zeit, in der in Jugoslawien der Krieg tobte. Er hatte sich damals Satelliten-TV besorgt, um so direkt wie möglich mitzubekommen, was in seiner emotionalen Heimat passiert. Ohne Frage hat diese Zeit einen anderen Menschen aus Todorovic gemacht. Er ist sich bewusst geworden, dass er hier in seinem sicheren Umfeld von dem existieren kann, was Beruf und Berufung zugleich ist, während seine Freunde, Bekannte und Verwandte damals nicht wussten, ob sie den nächsten Tag noch erleben würden. Wir unterhielten uns über die Auswirkung von Krieg und Frieden, und über die Zusammenhänge von Macht, Waffen und Geld – und es fiel uns schwer, zum eigentlichen Thema des Interviews wieder zurückzukommen.

G&B: Kontinuität beweist du auch zumindest in der Wahl deiner Verstärker.

Toscho: Ja, das ist richtig. Schon ganz zu Anfang spielte ich einen Fender Twin Reverb, und abgesehen von einem MusicMan-Amp habe ich eigentlich immer Fender-Verstärker gehabt. Meine erste Gitarre war eine Hoyer-Archtop und ich habe im Laufe der Zeit viele verschiedene Gitarren gespielt. Jetzt hat sich aber seit einiger Zeit ein Quartett herauskristallisiert, das alle meine Bedürfnisse abdeckt: Eine alte Gibson L5, die ich nur noch im Studio benutze. Dann eine Gibson L5S, dieses Les-Paulartige Modell, das keiner haben wollte, und noch zwei Strats: eine alte von 1964 und eine aus der ersten Reissue-Serie aus den ’80er Jahren, die mir fast noch besser gefällt als die alte.

BluesCompany G&T
FOTO: Manfred Pollert (Todorovic), Thomas Kampmann (Linke/Todorovic), jkp
Ab und zu mischen auch Gäste, wie hier Fender-Produktmanager Gernold Linke, in der Blues-Company-Show mit.

G&B: Und dann noch einen Twin Reverb?

Toscho: Nein, nicht mehr. Ich benutze für jede meiner Gitarren einen eigenen Verstärker, zumindest im Studio. Für die L5 einen Fender Tone-Master, der übrigens auch mein Live-Amp ist, für die L5S einen Blues DeLuxe, und für die Strats einen Blues DeVille oder einen Blues Jr. Also – wie du siehst, habe ich den teuersten und den billigsten Fender-Röhren-Amp in meiner Backline.

G&B: Und Fender Deutschland stört das nicht, dass du Gibson spielst?

Toscho: Nein, das haben wir gleich von Anfang an klar gestellt. Ich bin Endorser für Fender-Amps und -Saiten, aber auf Gitarren wollte ich mich nicht festlegen lassen. Mike Titre spielt allerdings ausschließlich Fender-Gitarren. Mir bringt es nichts, mit irgendeiner Firma zusammen zu arbeiten, von der ich nicht überzeugt bin. Da sind schon viele Firmen an mich heran getreten, aber ich stelle mir doch keinen Amp auf die Bühne, der mir nicht hundertprozentig gefällt. Auch wenn ich nichts oder wenig dafür bezahlt habe. Ich brauche meinen Sound, an dem habe ich wirklich lange gearbeitet, und mittlerweile gefällt er mir selbst sogar sehr gut. Neulich habe ich sogar einmal bei einer Ballade vergessen, weiter zu spielen, weil ich dem schönen Ton meiner Gitarre zugehört habe – und wachte wieder auf, als mich meine Mitmusiker so merkwürdig anstarrten…

G&B: Wenn Fender dir eine Signature-Gitarre bauen würde, wie müsste die aussehen?

Toscho: Wie meine Gibson L5S! Hahaha! Keine Ahnung – aber vielleicht sollte ich mal das Robben-Ford-Modell ausprobieren.

 

EQUIPMENT

Gibson L5 Jazz-Gitarre
Gibson L5S Solidbody
Fender Strat 1964
Fender ’63er Strat Reissue
Fender ToneMaster
Fender Blues DeVille
Fender Blues DeLuxe
Fender Blues Jr. Fender-Saiten

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