Das gitarristische a-ha Erlebnis:

Pål Waaktaar-Savoy von a-ha im Interview

Pål Waaktaar-Savoy kann scheinbar alles, wenn auch nicht alles richtig gut. Doch das tut nichts zur Sache, denn schließlich reichen seine Allround-Fähigkeiten allemal aus, um seit nunmehr über dreißig Jahren als Gitarrist, Songwriter, Texter und Produzent von a-ha eine Ausnahmekarriere hinzulegen und auch darüber hinaus für jede Menge spannenden Output zu sorgen.

Pål Waaktaar-Savoy
FOTO: MENGE, WARNER, UNIVERSAL

Doch zunächst: Wer sind diese a-ha überhaupt? Zu allererst sind sie eine der wenigen 80er-Jahre-Pop-Bands, die es geschafft haben, ihren 80er-Jahre-Pop in die Jetztzeit herüberzuretten und immer noch beständig mit guten Platten und ausverkauften Hallen aufwarten zu können. Natürlich sind dabei die großen Chartbreaker, wie ,Take On Me‘ oder ,Hunting High And Low‘ von ihrem 1985er Debüt, noch immer die Songs, die das zunehmend betagte a-ha-Publikum vornehmlich hören will. Doch ihre neuen Songs stehen den alten Hits qualitativ in Nichts nach und beschreiten auch klanglich ähnliche Pfade.

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Das mag man langweilig finden, aber wer es über so viele Jahre immer wieder schafft, Perlen des Synthie-Pop zu erschaffen, die sich ins Ohr bohren und Blaupausen liefern für Bands wie Coldplay, One Republic oder Hurts, der darf sich auch ruhig mal wiederholen. Für den Sound der Band verantwortlich und als Songwriter maßgeblich am Erfolg der Band beteiligt ist Pål Waaktaar-Savoy, der Multi-Instrumentalist, der sich zwar als Gitarrist der Band bezeichnet, jedoch weder bei den Studioaufnahmen noch live sonderlich auffällig oder gar solistisch agiert und sich stattdessen zu Gunsten verschiedener Keyboard-Flächen und Streicher-Arrangements zurücknimmt. Oft ist seine Gitarre nur im Hintergrund zu hören, was fast ein bisschen schade ist, denn sein Sound – er kommt aus einem Fender Deluxe Reverb, einer roten Fano Alt De Facto ML6 E-Gitarre und diversen Pedalen – ist wirklich phänomenal und durchdacht, wie wir vor dem letzten Konzert der Band in Köln erfahren durften.

Dabei verriet uns Waaktaar-Savoy auch, dass das zunächst als definitiv angekündigte, erneute Ende der Band im Mai diesen Jahres abermals nur eines auf Zeit sein würde. Nach dem 2011 veröffentlichten Abschieds-Live-Album ,Ending On A High Note – The Final Concert‘ hatte es vier Jahre bis zur Fortsetzung gedauert. Mal sehen, wieviel Zeit sie sich diesmal nehmen…

Pål Waaktaar-Savoy (1)
FOTO: MENGE, WARNER, UNIVERSAL

Pål, was ist die für dich passendste Berufsbezeichnung: Gitarrist, Songwriter, Produzent, Multi-Talent oder einfach nur Musiker?

Pål Waaktaar-Savoy: Das kommt immer darauf an, welcher Art Job ich gerade nachgehe. Als ich klein war, galt mein erstes Interesse tatsächlich dem Songwriting. In der Schule musste ich Blockflöte lernen und auf ihr habe ich auch meine ersten Melodien geschrieben. Ich hatte mir einfach ein Gedichtband aus dem Bücherregal meiner Eltern geschnappt und die Texte daraus vertont. Ich wurde ziemlich schnell süchtig nach Musik und war schon als kleiner Junge wie besessen. Angefangen habe ich mit dem Schlagzeug und bin später zum Bass gewechselt. Irgendwann habe ich meine Eltern um ein Keyboard angebettelt, das ich aber nicht bekam. Stattdessen habe ich mir die Gitarre meiner Schwester geschnappt. Für mich waren all diese Instrumente Hilfsmittel, um mein Songwriting voranzutreiben.

“Ich war immer superfaul und habe außer in einer Phase in meiner Jugend, in der ich versucht habe, ein paar Licks von Blues-Scheiben zu kopieren, nie geübt.”

Ich hatte einen Freund, der sich sehr gut im Blues der 30er- und 40er-Jahre auskannte und er hat mir einige Licks gezeigt. Aber es hat mich nie gereizt, mich wirklich damit auseinanderzusetzen.

Heute kannst du alle Instrumente, die bei a-ha zum Einsatz kommen, selbst spielen. Könntest du also genauso gut der Keyboarder oder Drummer der Band sein?

Pål Waaktaar-Savoy: Vielleicht. Vor a-ha spielte ich in einer Band namens Bridges, die sehr von den Doors inspiriert war. Wir waren also eine Rock-Band mit Schlagzeug, Bass und vielen Gitarren. Und als wir zum ersten Mal nach England kamen, waren wir schon so etwas wie Popstars, hatten aber keine Arbeitserlaubnis. Also mussten wir unerkannt einreisen und so tun, als wären wir Touristen. Aber sich einzuschmuggeln mit Gitarren und Synthesizern im Gepäck ist eher schwierig. Deswegen nahmen wir nichts dergleichen mit. Im ersten Studio, das wir uns gemietet hatten, mussten wir somit die Sachen benutzen, die gerade so da waren. Und dort gab es lediglich eine Linn-Drum Drum-Machine und einen Prophet-5-Synthesizer und darauf basiert jetzt auch der Sound von a-ha. Ich hatte mich aber auch vorher schon sehr für Synthesizer interessiert und mir sogar zwei Jahre zuvor schon den allerersten Gitarrensynthesizer gekauft.

Dadurch basiert die Musik von a-ha sehr stark auf Keyboard-Sounds. Hast du diese Sounds schon während des Schreibprozesses im Kopf?

Pål Waaktaar-Savoy: Nein, und das ist irgendwie verrückt, denn die Songs entstehen alle entweder auf der Akustikgitarre oder auf dem Klavier. Erst wenn ich das Gefühl habe, dass die Melodie für sich stehen kann, auch wenn sie nur von einer einfachen Akkordstruktur begleitet wird, fange ich mit den Aufnahmen an. Die Musik klingt vielleicht so, als wären die Sounds schon vor den Songs da, aber das ist fast nie der Fall. Allerdings habe ich immer eine Atmosphäre für den Song im Kopf, die ich versuche beim Schreiben einzufangen.

“Songwriting ist ein bisschen wie Tennis”

Du schreibst ja jetzt schon seit gut 40 Jahren Songs. Was war denn das Wichtigste, das du über die Jahre gelernt hast?

Pål Waaktaar-Savoy: Da muss ich überlegen … Songwriting ist ein bisschen wie Tennis. Beim Tennis ist es so: Wenn du den Ball richtig hart schlagen willst, versuchst du natürlich, all deine Kraft in den Schlag zu legen, aber dadurch wird dein Arm viel langsamer. Du musst locker bleiben, um deinen Arm beschleunigen zu können. Und wenn du dich beim Songwriting zu sehr anstrengst, funktioniert es nicht. Du weißt, dass etwas richtig Gutes entstehen soll, aber wenn du auf Teufel komm raus versuchst, etwas Gutes zu erschaffen, kommt meistens nur Schrott dabei heraus. Du brauchst also eine gewisse Unbekümmertheit und musst die Dinge laufen lassen. Ich versuche auch immer, schon während ihrer Entstehung die Songs von außen zu betrachten. Denn natürlich schleicht sich nach einer so langen Zeit Routine ein, die jedoch verhindert, dass man neue Dinge ausprobiert. Ich versuche also, mir Raum zu lassen, damit etwas Überraschendes passieren kann.

Kann man sich selbst beim Songwriting überraschen?

Pål Waaktaar-Savoy: Ja, klar! Manchmal ist es schwierig, weil man schon unzählige Male die gleichen Akkorde gespielt hat. Aber manchmal hast du plötzlich eine Linie oder ein Pattern im Kopf, noch bevor du zu einem Instrument gegriffen hast, und dann versuchst du das, was du im Kopf hast, auf die Gitarre oder das Klavier zu übertragen. Dadurch machst du automatisch Sachen, die du vorher noch nie gemacht hast. Wenn ich mich aber einfach mit der Gitarre hinsetze, gehen meine Hände immer dieselben Wege und spielen dieselben Akkorde. Das Schöne an unserer Musik ist aber, dass zwar alles sehr durcharrangiert und geplant ist, die Gitarren-Parts aber freier interpretiert werden können und ich so jeden Abend ein bisschen anders spielen kann. Das mag ich einfach!

Du produzierst die Band ja auch. Wie wichtig ist es für dich, den Klang der Produktion auf die Live-Situation zu übertragen?

Pål Waaktaar-Savoy: Gar nicht. Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir uns zu sehr an den Aufnahmen orientieren. Ich mag es einfach, live andere Versionen der Songs zu spielen. Wir hatten über die Jahre ja verschiedene Phasen, in denen wir mal mit viel Elektronik und Einspielern von Band und dann wieder komplett live gespielt haben. Als Musiker gefällt mir Letzteres natürlich am besten, weil man spontan Dinge im Ablauf oder in den Arrangements ändern kann und so jeder Abend anders wird. Das machen wir jetzt auch noch, aber wir brauchen dafür mehr Zeit, weil wir die Lightshow haben und generell eine große Produktion mit Kameras und LED-Wänden.

“Immer ein anderes Pedalboard”

Dein Guitar-Tech hat mir erzählt, dass du bei dieser Tour ein komplett anderes Pedalboard verwendest als noch bei der letzten. Er konnte mir allerdings nicht sagen warum.

Pål Waaktaar-Savoy: Ich will mich ja nicht langweilen, deswegen stelle ich mir meine Pedale für jede Tour neu zusammen. Ich habe ein Regal voll mit unterschiedlichen Pedalen, von denen einige zu alt sind, um sie mit auf Tour zu nehmen. Aber aus den anderen wähle ich mir eine Kombination aus, die mich inspiriert. Das Problem beim Live-Sound ist, dass er durch die Mikrofonierung schnell mal hart und metallisch klingt, deswegen suche ich speziell nach Pedalen, die warm klingen.

Pål Waaktaar-Savoy (7)
FOTO: MENGE, WARNER, UNIVERSAL
Falls das Rack ausfällt: Ersatzboard mit TC Electronic polytune 2, Boss SD- 1, Boss DS-1, Red Witch Deluxe Moon Phaser, Roland RE-20

Es bedarf aber schon einiger Planung, um dein Effektboard zusammenzustellen, oder?

Pål Waaktaar-Savoy: Ja, aber ich habe ja dieses Bradshaw-System mit 15 voneinander isolierten Loops. Dadurch geht das Signal nur durch die einzelnen Pedale, wenn ich das auch will. Das ist wichtig, da sonst der Sound zu sehr beeinträchtigt wird. Im Grunde genommen ist mein Setup sehr einfach aufgebaut. Am Anfang sind ein paar Overdrive- und Distortion-Pedale, dann kommen ein paar Modulationseffekte und am Ende die Delays. Aber die Auswahl ändern wir im Laufe der Tour immer wieder, weil man erst im Konzert wirklich gut entscheiden kann, welcher Sound funktioniert und welcher nicht.

Deine Hauptgitarre bei dieser Tour ist von Fano. Was ist das für ein Instrument?

Pål Waaktaar-Savoy: Das Besondere an Dennis Fano ist, dass er sich seine Hölzer aus Sümpfen ausgräbt und so Holz verwenden kann, das über 100 Jahre alt ist. Und manchmal wickelt er auch die Pickups selbst. Früher habe ich eine Menge an Vintage-Gitarren mit auf Tour genommen, aber die sind ständig kaputtgegangen oder der Lack platzte ab. Und meine Fano kommt einfach sehr nah an meine alten Gitarren heran. Sie klingt wie eine Vintage-Gitarre, fühlt sich wie eine an und lässt sich auch so spielen. Sie ist neu, klingt und spielt aber wie eine alte.

Was für Gitarren hast du sonst noch dabei?

Pål Waaktaar-Savoy: Ich habe hier noch ein Instrument von dem norwegischen Gitarrenbauer Nebelung für die Songs mit Kapodaster, und eine End-Sechziger Fender Telecaster -Thinline mit einem wunderbaren Hals. Dann noch eine 12-String von Guild aus den Siebzigern, mit der ich den Sound bei manchen Songs etwas fetter machen kann.

Ich habe eh den Eindruck, dass du bei euren Produktionen die Akustikgitarre oft eher als Percussion-Element, so wie zum Beispiel einen Shaker, einsetzt. Stimmt das?

Pål Waaktaar-Savoy: Ja, manchmal mache ich das. Das Problem mit Percussion ist ja, dass sie zwar Einfluss auf die Rhythmik und den Drive eines Songs hat, aber nicht die Melodie unterstützt. Deswegen macht es manchmal Sinn, eine Gitarre statt eines Shakers zu verwenden, weil sie den gleichen Zweck erfüllt und zusätzlich die Harmonien liefert .

Waaktaar-Savoy mit seiner Fender Telecaster Thinline
FOTO: MENGE, WARNER, UNIVERSAL
Waaktaar-Savoy mit seiner Fender Telecaster Thinline

Es sind noch zwei Wochen bis zu eurer erneuten Trennung. Weißt du schon, was du am Tag nach dem letzten Konzert machen wirst?

Pål Waaktaar-Savoy: Ja. Da fliege ich nach New York. Ich habe viel Musik gemacht in letzter Zeit, u.a. ein Album mit einem Mädchen aus New Jersey, Zoe Gnecco, das wir noch fertig machen müssen. Danach kommen ein neues Savoy-Album und ein paar Festival-Auftritte.

Du hast also genug zu tun…

Pål Waaktaar-Savoy: Auf jeden Fall. Aber für mich ist das hier auch keine a-ha-Abschiedstournee, sondern wir bewerben einfach unser letztes Album ,Cast In Steel‘. Und ich bin sicher, dass wir auch wieder etwas zusammen machen werden.

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Ein Kommentar zu “Pål Waaktaar-Savoy von a-ha im Interview”
  1. Tanja Bruns

    Da möchte man gleich mehr lesen! Ab zum Shop und das Magazin kaufen! Yeahh Waaktaar-Savoy at his best

    Antworten
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