Interview & Infos zu „Rock im Schloss“

Musiker und Workshopper: Eric Kisser

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(Bild: © Harry Stahl)

Eric Kissers Leben ist, wie das so vieler anderer freischaffender Musiker in Deutschland, in Dreiecken strukturiert. Ein Dreieck lautet: Bühne/Studio/Unterrichtsraum. Ein anderes Autor/Organisator/Musiker. Ein weiteres München/Hollywood/Murnau. Der 58-Jährige ist natürlich in erster Linie Bassist und als solcher ein gern gesehener Gast bei Live-Gigs und für Studiojobs. Auf der anderen Seite hat er neben seiner Lehrtätigkeit vor 26 Jahren das Workshop-Event „Rock im Schloss“ ins Leben gerufen, das dieses Jahr wieder in der Woche nach Pfingsten stattfindet.

Doch von Anfang an: Seine musikalische Reise an den tiefen vier Saiten begann Eric Kisser mit 14 Jahren am Kontrabass, den er zwei Jahre später gegen seinen ersten E-Bass eintauschte. Seitdem ist er diesem Instrument verfallen. Er selbst spricht sogar von einer eheartigen Verbindung: „Ich bin über die Jahre zum Fender-Liebhaber geworden. Und so bin ich heute mit meinem 64er-Fender-Jazz-Bass verheiratet. Ich liebe ihn und er liebt mich. Wir sind übrigens aus dem gleichen Jahrgang, aber das ist Zufall.“ Studiert hat Kisser das Instrument – trotz einer fast vollständigen Erblindung – zunächst in München: erst an der Jazzschool, dann am MBI, dem Münchner Bass Institut. Anschließend zog es ihn 1989 ans BIT (Bass Institut of Technology) in Hollywood.

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Eine Zeit, die er als äußerst prägend für seine Entwicklung als Musiker und Mensch bezeichnet. „Aber nach 30 Jahren rückt das Studium natürlich in den Hintergrund. Trotzdem würde ich sagen, dass vor allem das Abschlussjahr in den Staaten ein tragender Start für mich war. Ich würde das genau so wieder machen.“

(Bild: © Harry Stahl)

Zurück in München leitete Kisser zunächst eine Session, die gleichzeitig ein Treffpunkt für die Münchner Musik-Szene war, und rief dann seine eigene Workshop-Reihe ins Leben. Dazu später mehr. „Ich war lange Zeit Münchner und bin in der Münchner Szene großgeworden. Aber vor 27 Jahren bin ich nach Murnau, 70 km südlich von München, gezogen. Zuerst hatte ich natürlich die Sorge, dass ich dadurch weniger Jobs bekomme, aber das ist zum Glück nicht eingetreten. Natürlich lief das alles dann nicht mehr ganz so spontan. Es riefen eher Leute an, die weiter im Voraus planen und mehr Termine am Stück angefragt haben. Aber damals kam ja auch schon das Internet auf – zunächst noch in den Kinderschuhen – und dadurch hat sich dann eine neue, gute Dynamik entwickelt. Ich bin mir auch gar nicht so sicher, ob es ohne das Internet so gut weitergegangen wäre.“

(Bild: Kisser)

Als Musiker hat sich Kisser von Anfang an breit aufgestellt: „Ich mag persönlich viele Stile. Und das hat dazu geführt, dass ich mich auch auf dem Instrument nie auf einen Stil festgelegt habe. Ich habe immer gerne Fusion gespielt, fühle mich aber auch in Rock, Pop, Funk, Latin und Melodic Jazz zuhause.“ Dementsprechend abwechslungsreich waren auch die Jobs, die er im Laufe der Jahre annehmen durfte. So stehen in seiner Vita eine Europatournee mit der Broadway Musical Company NY mit dem Musical ‚Hair‘, Musikkabarett mit Eisi Gulp und Mitgliedschaften bei Bands wie Decoy Of Dreams, Ben Cay’s mit C.B. Green, The Bluesplanet mit Petra Scheeser, Mean Mr. Chocolate mit Torsten Skringer und The Case. Live hat er u.a. mit Pete York, John Lord, Karl Ratzer, Maisha Grant, Lynn August, Heribert Wröbel und Nick Woodland zusammengearbeitet.

Aber bei all den Beschäftigungsbereichen als Musiker war es Kisser von Anfang an wichtig, sein Wissen auch weiterzugeben: „Dieser Dreiklang aus Output, also dem Spielen des Instruments, Input, dem Weiterentwickeln der eigenen Fähigkeiten, und dem Unterrichten war immer eine wichtige Säule in meinem Musikerleben.“

(Bild: © Harry Stahl)

Somit liegt ihm zur Zeit seine Workshop-Woche „Rock im Schloss“ am meisten am Herzen, für die er rund um die Uhr organisatorisch aktiv ist. Das Event findet mittlerweile zum 26. Mal im Kloster Irsee südlich von München statt – und was klein anfing, hat sich über die Jahre zu einem veritablen Happening gemausert, sodass Anfang Juni diesen Jahres Unterrichtsangebote für alle Band-Instrumente vorhanden sein werden: Schlagzeug, Bass, Gitarre, Keyboards, Vocals, Bläser und Percussion. Für jede Instrumentengruppe sind Fachdozenten vor Ort.

Das Konzept dahinter ist ausgeklügelt und klingt nach einer Menge Spaß beim Lernen: An jedem der sieben Workshop-Tage wird sich ein neues Genre anhand eines typischen Songs vorgenommen. Am Vormittag wird das jeweilige Material in Instrumentalgruppen erarbeitet. Nachmittags wird das Erlernte in wechselnden Formationen ausprobiert und am frühen Abend dann dargeboten. Darüber hinaus gibt es auf freiwilliger Basis weitere Kurse in Musiktheorie sowie Einzelunterricht am Instrument. Wer sich kurzfristig noch auf eine Woche voller Input und Output einlassen möchte, der findet alle Infos zur Anmeldung unter www.rockimschloss.de.

ROCK IM SCHLOSS

  • WANN: 05.-11. JUNI 2022
  • WO: KLOSTER IRSEE, KLOSTERRING 4, 87660 IRSEE
  • WAS: EINE WOCHE BAND-WORKSHOPS FÜR (FAST) ALLE INSTRUMENTE INKL. UNTERKUNFT UND VOLLPENSION
  • WER: DIE DOZENTEN SIND U.A. ERIC KISSER (BASS), CAROLIN ROTH, BRIGIT SCHACHTNER, SANDRINA SEDONA (VOCALS), KURT HÄRTL, MARC BERGER (GITARRE), EDUARDO ANTUNES (KEYBOARDS), MANNI MÜLLER, WOLFGANG PEYERL (DRUMS), BORIS VON JOHNSON (PERCUSSION)

(erschienen in Gitarre & Bass 06/2022)

Produkt: Gitarre & Bass 5/2022
Gitarre & Bass 5/2022
IM TEST: Zoom B6 +++ Framus Wolf Hoffmann WH-1+++ Valco FX KGB Fuzz, Bloodbuzz und Five-O +++ Sandberg California Central +++ Origin Effects Bassrig +++ Lava ME 2 Freeboost & ME 3 +++ One Control Strawberry Red +++ Fender Player Plus Meteora HH & Active Meteora Bass +++ Marshall 2525H & JVMC212 Black Snakeskin LTD

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Als häufiger und begeisterter Teilnehmer kann ich nur sagen (bzw. schreiben): Nix wie hin! Super-Stimmung, und neben Eric (Bass) mit Kurt Härtl ein exzellenter Gitarren-Tutor. Wie Dope – aber legal.
    Manfred Zollner http://www.gitarrenphysik.de

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  2. Liebe Leute bei Gitarre und Bass,

    ein sehr schöner und informativer Artikel. Auf dem Foto ist ein Sperber-Verstärker zu sehen. Ich habe im sonst so allwissenden www nichts über diesen Verstärker finden können. Habt Ihr da Informationen oder macht Ihr mal einen Artikel über diese Verstärker? Würde mich sehr freuen.

    Viele Grüße aus Dresden

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    1. Hallo Jörg,
      google doch mal Robert Sperber, Blue Made Band.

      Gruß Günter

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