Mr. Rock Antenne auf dem Guitar Summit: David Loebe
von Stefan Braunschmidt,
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(Bild: Lukas Eichner)
Wer beim Guitar Summit an der Rock Antenne Stage stehen bleibt, merkt schnell: Hier läuft kein durchgetaktetes Promo-Gespräch. Stattdessen entstehen Interviews, die näher dran sind – an der Musik, an den Menschen, an den Geschichten hinter den Songs. Mitverantwortlich für dieses Format ist David Loebe von Rock Antenne. Er moderiert die Talks und führt die Interviews – und das mit dem Blick eines Musikers. Seine ersten Schritte machte er am Bass, später kam die Gitarre dazu. Diese Praxis hört man in seinen Fragen: Er weiß, wann ein Detail wirklich spannend ist und wann es ins Fachsimpeln kippt – und vor allem, wie man beides so verbindet, dass es für Publikum und Künstler:innen gleichermaßen interessant bleibt.
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Wir haben mit ihm über seinen eigenen musikalischen Weg gesprochen, über besondere Begegnungen beim Guitar Summit und über die Punkte, an denen ein Gespräch über die übliche Fragerunde hinausgeht und wirklich Substanz bekommt.
David, wie ist deine musikalische Prägung abgelaufen – und welche Lieblingsbands/Artists haben deinen Geschmack früh so richtig geformt?
Da gibt es zwei Personen, die am entscheidendsten für meine musikalische Früherziehung und weiterführende Entwicklung verantwortlich waren: Zuerst mein Vater, der, seit ich denken kann, in der Rock-Oldie-Coverband Retold in Augsburg spielt. Schon als kleiner Stöpsel war ich bei seinen Konzerten dabei und habe so Musik wie etwa von den Beatles oder CCR in die Wiege gelegt bekommen. Bis heute besuchen wir zusammen regelmäßig Konzerte und ich bin unglaublich dankbar, diese Leidenschaft mit ihm teilen zu können.
Und dann muss ich noch meinem besten Schulfreund danken, dem lieben Schorsch. Durch ihn habe ich das erste Mal Gitarrenmukke der härteren Gangart kennengelernt und meine Liebe für die Metal-Klassiker von Bands wie Metallica entdeckt. Mit ihm zusammen habe ich dann auch meine erste Coverband gegründet und betrachte ihn bis heute als meinen wichtigsten musikalischen Weggefährten.
Andere Bands, die mich gerade in meiner Jugend sehr geprägt haben, waren Shinedown, Alice in Chains, Billy Talent und KISS. Bei Letzteren habe ich als Jugendlicher mein erstes, großes Rockkonzert erlebt. Gemeinsam mit meinem Bruder, der später auch die Sticks in einer gemeinsamen Band geschwungen hat.
Kannst du dich an den Moment erinnern, in dem es „Click“ gemacht hat und du wusstest: Ich will ein Instrument lernen? Was war der Auslöser – und welches Instrument war zuerst da?
Das rechne ich zu großen Teilen dem Film School of Rock mit Jack Black an. Bis heute einer meiner absoluten Lieblingsfilme und eine klare Empfehlung, wenn ihr eure Kids an das Thema Rock und Metal ranführen wollt! Als ich diesen Film Mitte der 2000er das erste Mal gesehen hatte, war mir klar: Das will ich auch! Mit guten Freunden gute Musik machen.
Nachdem ich schon ein paar Jahre zuvor erste unglückliche Gehversuche mit der klassischen Akustikgitarre versucht hatte, wollte ich etwas anderes ausprobieren. So ist mir mein erster Bass in die Hände gefallen und auch dortgeblieben. Dass ich auch tatsächlich bei der Sache geblieben bin, verdanke ich in großen Stücken meinem herausragenden Bass-Lehrer Lazio Herdina, der in den 70ern mit seiner Band Progresiv TM ein großer Name in der rumänischen Rockwelt war.
Was hat dich am Bass sofort gepackt – und was hat dich später zur Gitarre gezogen?
Gibt es ein geileres Gefühl, als mit den Drums zusammen richtig fett in der Pocket zu sitzen? Den ganzen Sound der Band so entscheidend mitzutragen auf einer grundlegenden, tiefer liegenden Ebene (pun intended), das hat mich direkt fasziniert.
Die Gitarre kam dazu, als ich angefangen hatte, auch selbst mehr zu singen. Und das Begleiten fällt mit einer Akustikklampfe dann doch leichter. Ein virtuoser Gitarrist bin ich bis heute nicht, aber fürs Lagerfeuer-Geschrabbel reichts allemal.
David Loebe beim Guitar Summit in Mannheim (Bild: Lukas Eichner)
Wie kam es überhaupt dazu, dass du bei Rock Antenne in diese Rolle gerutscht bist: Bühne, Interviews – war das ein Plan oder eher ein „passiert halt“?
Interviews zu führen, das sollte jeder Radiomacher im Laufe seiner Ausbildung lernen und gerade beim Rockradio ist der Kontakt zu Künstler:innen und Bands ein zentraler Bestandteil unseres Alltags.
Auf der Bühne zu stehen war obendrauf schon immer mein Ding: Im Schultheater, danach mit einer eigenen Laienschauspiel-Truppe und mit der eigenen Coverband. Da bei ROCK ANTENNE immer auch Rampensäue für Events gefragt sind, bin ich relativ schnell im Laufe meiner Karriere auf der Bühne gelandet.
Konntest du dir auf dem Guitar Summit schon Träume erfüllen und mit echten Helden sprechen – auf oder hinter der Bühne? (Und was hat dich dabei am meisten überrascht?)
Drei Worte: Billy Motherf#?!ing Sheehan! Mit 16 habe ich diesen auf der Erde wandelnden Bass-Gott das erste Mal live mit Mr. Big gesehen. Randbemerkung: Wer die Herren nur von ihren Schnulzen wie ‚To Be With You‘ oder ‚Wild World‘ kennt, der hat so richtig was verpasst.
Als ich erfahren habe, dass ich Billy Sheehan beim Guitar Summit 2025 auf der Bühne interviewen darf, da ist mein Puls direkt auf 180 gesprungen. Dass ein derartiger Großmeister seines Instruments mit Welterfolgen seit über 40 Jahren so sehr auf dem Boden geblieben ist und derart nahbar, authentisch und freundlich mit allen Besucher:innen und Mitarbeitenden vor Ort umgeht, das war für mich zutiefst beeindruckend.
Gab es Interviews auf der Rock-Antenne-Stage, in denen du einen echten „Aha-Moment“ hattest, der dir nachhaltig hängen geblieben ist? Was war das für ein Moment?
Als ich die Dinos (und den einen Drachen) von Heavysaurus interviewen durfte. Die Kostüme schauen aus der Nähe zwar nochmal cooler aus, verbreiten gleichzeitig aber ein durchaus urzeitliches Odeur. Da war mein „Aha-Moment“: Wenn du jemals wieder in einer Band spielst, geh auf Nummer sicher, dass ihr ohne XXL-Kostüme auftretet.
Was lernst du aus solchen Gesprächen ganz praktisch – gibt es Dinge, die du danach direkt anders hörst, anders bewertest oder sogar selbst ausprobierst?
Für praktisch jede Künstler:in und jede Band, die ich interviewe, entwickle ich im Laufe des Prozesses eine neu gewonnene Wertschätzung. Ob das auf der Guitar-Summit-Bühne geschieht oder hier im Sender. Natürlich bin ich (mal mehr mal weniger stark) vertraut mit ihren Biografien und Diskografien.
Aber dennoch tauche ich in meiner Interview-Vorbereitung deutlich tiefer in beides ein, lerne mehr über ihre individuellen Schaffensprozesse und die Geschichten und Motivationen, die dahinterstecken. Wenn dieser Recherchevorgang dann als krönenden Abschluss ein intensives, informatives und unterhaltsames Gespräch auf der Bühne oder hinter dem Mikrofon nach sich zieht, höre ich die Musik der Künstler:innen und Bands mit komplett neuen Ohren.
Was waren deine persönlichen Highlights auf den letzten Guitar Summits – egal ob Gear, bestimmte Workshops oder Konzerte?
Wäre es zu kitschig und klischeehaft zu sagen: Die Menschen? Wahrscheinlich. Aber dennoch: Nirgendwo in Deutschland findet man eine derartige Konzentration Gleichgesinnter, die alles zwischen vier und acht Saiten lieben. Damen und Herren in allen Altersklassen laufen mit einem Glitzern in den Augen durch die Hallen, als wäre es Heiligabend.
Gleichzeitig bevölkern auch die nächsten Generationen an Klampfen-Fans und Bass-Begeisterten jeden Tag den Guitar Summit. Diese Leidenschaft aller Anwesenden drei Tage am Stück aufsaugen zu können, das liefert einem genug musikalische Motivation fürs ganze Jahr.
Ein spezifisches Highlight war außerdem das Konzert von Heavysaurus 2024. Wenn hartgesottene Metalheads gemeinsam mit Kleinkindern die Pommesgabel in den Himmel recken, dann kann die Zukunft unserer geliebten Gitarrenmukke ja nur großartig werden!