Produkt: Van Halen Workshop-Special
Van Halen Workshop-Special
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Meilenstein 1959: Howlin’ Wolf – Moanin’ In The Moonlight

(Bild: Groove Replica, SPV/Frank Driggs Collection, Apo Records)

In den frühen 50er-Jahren begann Chicago sich zu einem der maßgeblichen Blues-Zentren zu entwickeln. Die Windy City zog auch viele Musiker aus dem Süden an, wie etwa Muddy Waters, der in jener Zeit mit seinem einprägsamen Gesangsstil und einer Gibson Les Paul Goldtop (die bekannte rote Telecaster kam später) die Stadt regierte. Erst mit der Ankunft von Howlin’ Wolf trat ein ernsthafter Konkurrent an, der mit seinem Charisma und seiner unglaublichen Stimme zu Waters Erzrivale avancierte.

Geboren wurde Wolf als Chester Burnett am 10. Juni 1910 in West Point, Mississippi. Das Gitarrespielen zeigte ihm die Country-Blues-Ikone Charley Patton, was Burnett einmal mit folgenden Worten kommentierte: „Er war es, der mich zum Spielen brachte. Irgendwie mochte er mich, und ich fragte ihn ob er mir was beibringen wolle.“

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Die Mundharmonika lernte er von einer weiteren Mississippi-Legende, Sonny Boy Williamson. Nachdem Wolf Ende der 40er nach West Memphis zog, begann die Karriere als Musiker und nahm dann noch einmal Fahrt auf mit dem Umzug nach Chicago. 1959 kam das Debüt-Album ,Moanin’ In The Moonlight‘, das wie bei anderen Bluesern der Zeit, etwa B.B. King, eine Zusammenfassung vorheriger Single-Veröffentlichungen war.

Das Album beginnt mit der ersten Single ,Moanin’ At Midnight‘ von 1951. Wolfs kraftvolles Stimmvibrato zieht den Hörer in das Stück hinein, schließlich bauen Gitarre und Drums hinter ihm einen knackigen Shuffle-Groove auf. Es gibt keine Akkordwechsel, die Gitarre bleibt auf dem Grund-Riff, darüber wechselt Wolf zwischen Gesang und Harp – all dies entwickelt viel Energie und klingt unglaublich intensiv.

In ,How Many More Years‘ steuert das – wahrscheinlich von Ike Turner gespielte – Piano ein Blues-Harmoniegerüst bei, und Willie Johnson würzt mit swingenden, riffartigen Läufen und kräftig angeschlagenen Akkorden, die auch schon mal wie Powerchords klingen – vier Jahre vor Chuck Berrys erster Single ,Maybellene‘.

,Smokestack Lightnin’‘ wird von einem prägnanten Gitarren-Riff dominiert, das stoisch über drei Minuten lang nach vorne treibt. Ziemlich kompakt unterstützt jetzt erstmals eine komplette Band: Kontrabass, Piano und Drums. Hier sind mit Jody Williams und Hubert Sumlin gleich zwei Gitarristen am Start. Die düstere Smokestack-Atmosphäre zog in den 60ern die jungen britischen Beatbands in ihren Bann. So spielten etwa The Yardbirds mit Jeff Beck das Stück.

In anderen Songs wie ,Baby, How Long‘ swingt es ähnlich wie bei Jimmy Reed. Zu weiteren Höhepunkten zählen auch ,Evil (Is Goin’ On)‘, das schnelle ,Moanin’ For My Baby‘ oder das sehr raue ,I Asked For Water (She Gave Me Gasoline)‘.

Wolf mit Kay-Gitarre (Bild: Groove Replica, SPV/Frank Driggs Collection, Apo Records)

Bei diesen Aufnahmen, die zwischen 1951 und 1958 entstanden sind, waren einige bekannte Musiker der Zeit beteiligt, so Willie Dixon (b) und Otis Smokey Smothers (g) (nicht zu verwechseln mit seinem jüngeren Bruder Little Smokey Smothers). Als Howlin’-Wolf-Gitarrist schlechthin kennen wir heute Hubert Sumlin, der mit dem Frontmann bis zu dessen Tod 1976 zusammenarbeitete. Sumlin schlug die Saiten zu Beginn mit Plektrum an, nach einiger Zeit merkte er aber, dass es für ihn besser funktionierte, nur mit den Fingern anzuschlagen. Laut eigener Aussage spielte Hubert Amps von Wabash, eine 56er Gibson Les Paul sowie eine Gitarre von Kay. Später setzte er auch ein Echoplex Tape Delay ein.

[caption id="attachment_153561" align="" width="1024"] Hubert Sumlin und sein 1998er-Album ,I Know You‘[/caption]

(Bild: Groove Replica, SPV/Frank Driggs Collection, Apo Records)

Wie eingangs erwähnt, spielte auch der Wolf Gitarre, doch wohl nicht bei diesen frühen Aufnahmen. Auf Fotos sieht man ihn u. a. mit einer Kay und einer weißen Fender Stratocaster. Doch es war seine Stimme, die die Blues-Welt von Beginn an faszinierte. Wer ihm auch immer den Spitznamen gab, treffender hätte er nicht sein können. Er sang eher in tiefen Lagen, auch mit starkem Vibrato und es gab tatsächlich wolfsartiges Geheul, also unerwartete kurze Ausbrüche nach oben.

Bill Wyman schreibt über ihn in seinem „Blues“- Buch (Christian Verlag, 2002): „Am 23. Juni ging ich zu Howlin’ Wolf nach Hause und aß mit seiner Familie zu Abend. Ich war beeindruckt, dass er keine einzige seiner Platten besaß. Wolf sagte, dass er sie im Lauf der Jahre an Freunde verschenkt habe. Er war so ein netter, freundlicher Mann – ganz anders als sein Image“.

Das Frühwerk des sanften Blues-Riesen kann man mit der aktuellen LP-Wiederauflage von ,Moanin’ In The Moonlight‘ entdecken, die vier Bonus-Songs der Jahre 1951-1960 enthält, im Cover steckt außerdem eine CD im schicken Digipak mit insgesamt fünfzehn Bonustracks.

(erschienen in Gitarre & Bass 08/2021)

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