Kiefer Sutherland hat längst eine zweite Bühne gefunden. Neben seiner Schauspielkarriere widmet sich der 59-Jährige seit Jahren mit hörbarer Leidenschaft der Musik – und genau die steht aktuell im Mittelpunkt: Mit seinem neuen Album ‚Grey’ war Sutherland gerade auf Deutschland-Tournee.
Filme wie ‚Stand By Me’ und ‚The Lost Boys’, aber auch TV-Serien wie ‚24′ haben den Sohn von Leinwand-Legende Donald Sutherland zu einem der bestbezahlten Schauspieler der Welt gemacht. Doch das ist Schnee von gestern: Aktuell konzentriert sich der gebürtige Kanadier ganz auf die Musik – und sein viertes Solo-Album ‚Grey’.
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Das setzt zwar auf einen bodenständigen Americana-Sound, reflektiert seinen persönlichen Geschmack aber nur bedingt: Eigentlich, so verrät er Gitarre&Bass beim Gespräch in Kansas City, stehe er auf Sachen, die auch gerne mal etwas lauter sein dürfen. Was er darunter versteht? Lasst euch überraschen…
Kiefer, auf deinem neuen Album coverst du ‚The Bottle Let Me Down’ von Merle Haggard. Siehst du dich als Outlaw-Country-Rebell – folgst du der Tradition der musikalischen Raubeine?
Merle Haggard hat mich schon immer bewegt – genau wie Johnny Cash und Waylon Jennings. Sie haben über Dinge geschrieben, die echt und ehrlich waren. Sie haben ihre Sicht des Lebens dargelegt und in erster Linie sich selbst thematisiert – obwohl es ihnen alles andere als geschmeichelt hat.
Aber sie hielten es für wichtig, diese Seite an sich zu zeigen – dafür habe ich sie umso mehr respektiert. Ich tue mein Bestes, um ihren übergroßen Fußstapfen zu folgen.
Also geht es dir um etwas Ehrliches, Echtes und Wahres?
Ich versuche es zumindest. Ich meine, Ehrlichkeit kann eine ziemliche Herausforderung sein – für jeden von uns. Und ich denke, es ist wichtig, sich das immer wieder vor Augen zu führen – nicht nur, wenn es uns gerade passt und gut aussehen lässt, sondern auch in Momenten, in denen das eben nicht der Fall ist.
Das beherzige ich in ‚Come Back Down’ – indem ich sage, dass ich und mein Leben nicht immer nur toll sind. Das wäre eh unmöglich. (lacht)
Identifizierst du dich als sogenannter Americana-Künstler?
Absolut.
Wie kommt’s? Bist du als Kind der 80er nicht eher mit Punk, New Wave oder Heavy Metal aufgewachsen?
Ich bin definitiv ein Kind der 80er – so sehr man es nur sein kann. (lacht) Und wenn man sich vor Augen führt, was ich als Jugendlicher gehört habe, ist es schon verwunderlich, dass ich bei Americana-Musik gelandet bin. Aber Country und Blues sind halt ur-amerikanische Ausdrucksformen.
Der Country stammt von armen, weißen Farmern und der Blues war quasi die afro-amerikanische Gegenreaktion. Beide haben in ihrer Musik darüber berichtet, wie schwer ihr Leben ist. Und da auch ich ein musikalischer Geschichtenerzähler bin, sind die Texte halt sehr wichtig.
Das ist quasi die Erweiterung meiner Arbeit als Schauspieler: Es ist ein Weg, um Lebenserfahrung zu teilen. Und wenn ich ‚A Boy Named Sue’ von Johnny Cash höre, gibt es keine Missverständnisse in Bezug darauf, was er mir zu sagen versucht.
Angeblich hast du schon mit zehn Jahren angefangen, Gitarre zu spielen. Was hat dich so früh dazu bewegt – gab es ein Schlüsselerlebnis?
Das ist eine lustige Geschichte: Ich wollte schon viel früher mit der Gitarre anfangen, musste aber erst – mit sieben Jahren – Geige lernen. Als ich meine Mutter gefragt habe, ob ich nicht zur Gitarre wechseln könnte, meinte sie: „Wenn du das mit der Geige hinkriegst und mir zeigst, dass du es ernst meinst, schenke ich dir zu deinem 10. Geburtstag eine Gitarre.” Sie hat Wort gehalten – genau wie ich.
Aber ich weiß nicht mehr, in welchem Moment ich mich dafür entschieden habe. Es muss 1973 gewesen sein – und damals basierte Pop- und Rockmusik halt auf Gitarren. Also egal, ob das jetzt Led Zeppelin, Aerosmith, Bad Company oder was auch immer war.
Mein älterer Bruder war ein riesiger Musikfan und hat ebenfalls Gitarre gespielt. Also wollte ich ihn wahrscheinlich beeindrucken, indem ich besser spiele als er.
Bist du immer noch ein leidenschaftlicher Gitarrensammler? Und wie äußert sich das – über wie viele Modelle reden wir?
Ich würde eher sagen: Das war ich mal. An einem Punkt hatte ich weit über 100 Gitarren und ich habe sie regelmäßig Freunden von mir geliehen, die großartige Spieler waren. Sie sind dann damit ins Studio oder auf Tour gegangen. Und ich hatte in den 2000ern mein eigenes Studio namens Ironworks, das ich schließlich an Danny Elfman verkauft habe.
Zu diesem Zeitpunkt habe ich mich auch von einer Menge Gitarren getrennt. Aktuell habe ich noch etwa 20. Und ich folge der Regel, die ich mir selbst auferlegt habe, nämlich, dass alle, die ich besitze, auch wirklich gespielt werden müssen.
Ich selbst kann ja nicht mehr als 15 oder 20 nutzen. Von daher muss ich für jede neue Gitarre, die ich mir anschaffe, auch wieder eine loswerden. Aber es ist halt eine Notwendigkeit, sich immer neue Instrumente zuzulegen. Ohne geht es einfach nicht – das wird jeder Gitarrist bestätigen.
Und auch ich folge dieser Regel: Ich kaufe und verkaufe ständig. Oder ich tausche. Und das Problem ist oft, dass ich mich eigentlich gar nicht von etwas trennen will.
Also sammle ich nicht mehr so exzessiv wie früher. Aber gleichzeitig ist das auch etwas, das ich sehr genieße. Und im Grunde verbringe ich jede freie Minute in irgendeinem Gitarrenladen.
Trotz mittlerweile ausgedünnter Gitarrensammlung darf ein Fender Preci nicht fehlen. (Bild: Kiefer Sutherland)
Wobei deine persönlichen Lieblingsmodelle von Atkin und Martin stammen?
Stimmt, ich habe zwei Atkin-Gitarren. Der Klang, den sie erzeugen, ist sehr homogen. Was bedeutet: Egal, welchen Akkord du auf diesen Gitarren spielst – es klingt auch wie ein Akkord. Da sticht dann nicht eine bestimmte Saite hervor.
Und durch die Art, wie ich diese beiden Akustik-Gitarren eingestellt habe, ist die Saitenlage wirklich sehr niedrig und vom ersten bis zum zwölften Bund des Griffbretts sehr gut spielbar. Also sehr angenehm. Da gibt es kein Schnarren und es sind wirklich außergewöhnlich gut verarbeitete Gitarren.
Genau wie meine Martin von 1948, die etwas kleiner ist. Auch sie ist wunderbar zu spielen.
Außerdem habe ich noch eine Gibson Dove und eine Gibson Hummingbird, beide von 1967. Das sind diejenigen, die ich am liebsten zum Aufnehmen verwende – also was akustische Gitarren betrifft. Sie sind absolut umwerfend.
Was ist mit elektrischen?
Da habe ich eine Telecaster. Ich habe die Pickups getauscht, und das ist die Elektrische, die ich am liebsten auf der Bühne verwende. Aus dem einfachen Grund, weil sie so vielseitig ist – und viel leichter als eine Les Paul oder auch meine Signature-Gibson, die KS-336.
Das ist ebenfalls eine Gitarre, die ich sehr liebe, aber ich verwende sie eigentlich nur, wenn ich zu Hause bin. Dann greife ich ständig danach. Sie ist ziemlich wertvoll, deshalb nehme ich sie nicht mit auf Reisen.
Aber ich denke schon länger darüber nach, ob ich das vielleicht doch tun sollte, weil ich sie gerne in der Hand habe. Ich habe sie noch am Abend vor meiner Abreise nach Europa gespielt und war wirklich traurig, dass ich sie zurücklassen musste. Das ist die wahrscheinlich vielseitigste Gitarre, die ich besitze.