Alle an einem Strang!

Black Stone Cherry im Interview!

Anzeige
(Bild: Jimmy Fontaine)

Mit ihrer neuen EP ‚Celebrate’ feiern Black Stone Cherry ihr 25-jähriges Bestehen. Nachdem wir uns vor zwei Jahren bereits mit Gitarrist Ben Wells unterhalten haben, stößt für unser aktuelles Interview auch Frontmann Chris Robertson hinzu, um unter anderem zu erörtern, weshalb die US-Hardrockband lieber mit Digitalequipment als mit einem Fuhrpark voller Vintage-Amps arbeitet und wie alternative Tunings das besondere Etwas in ihrem Sound ausmachen.


Ben, Chris, wie war es, die EP selbst zu produzieren, im Vergleich zur Arbeit mit einem externen Produzenten?

Anzeige

Chris: Im Grunde tun wir das schon lange, weshalb wir es als völlig normal empfinden. Es ist uns in Fleisch und Blut übergegangen. Wir denken gar nicht mehr groß darüber nach. Es heißt einfach: „Okay, wir machen eine Platte.” Dann schlüpft man in die Rolle eines Produzenten und mischt sich auch gerne in die Parts der jeweils anderen ein.

Ben: Darum hat die Band am Ende das letzte Wort, selbst wenn wir mit externen Leuten arbeiten. Wenn uns etwas nicht gefällt, wird es nicht veröffentlicht. Im Grunde ist es also das Gleiche. Der einzige Unterschied besteht darin, dass niemand hinter dir steht und sagt, was richtig oder falsch ist.

Wir hatten das Glück, mit vielen großartigen Produzenten zu arbeiten und viel von ihnen zu lernen. Und natürlich lernen wir immer noch dazu.

Chris: Man lernt sowieso nie aus, auch große Produzenten nicht. Als Band sind wir auch deshalb so entspannt, weil wir wissen, was wir tun. Andere holen sich Produzenten, weil sie sich nicht so gut in Studios zurechtfinden; sie haben Songs und brauchen jemanden, der hilft, ihre Musik zum Leben zu erwecken.

Bei uns bringt sich jeder ein, wozu auch unser langjähriger Tontechniker Jordan Westfall gehört. Wir begleiten lieber den gesamten Prozess, statt irgendetwas jemand anderem zu überlassen.

Gab es eine übergreifende Stimmung, ein Konzept oder ein Leitbild, als ihr angefangen habt, die Songs für ‚Celebrate’ zu schreiben?

Chris: Nein, sie haben sich einfach ergeben. Wir gehen selten mit einem Konzept in den Schreib- oder Aufnahmeprozess. Die einzigen beiden Platten mit klarer Vorgabe waren ‚Folklore And Superstition’ – Swamp-lastige, von den Südstaaten beeinflusste, schwere Musik – und ‚Family Tree’, die unserer Vorstellung von einem Classic-Rock-Album entsprach. Abgesehen davon entstehen Lieder eher aus dem Moment heraus; das Leben prägt die Musik.

Ihr seid für Coverversionen von Stücken bekannt, die nicht unbedingt aus der Rock-Ecke kommen. Warum dieses Mal ‚Don’t You Forget About Me’ von Simple Minds?

Ben: Dafür habe ich mich bestimmt 20 Jahre lang starkgemacht, aber Chris spielte auch schon länger mit dem Gedanken, den Song zu covern. Es gibt mehrere Gründe dafür, dass er so beliebt ist: Bei uns hören ihn manche Menschen und werden sofort in ihre High-School- oder Collegezeit zurückversetzt, während andere an den Film ‚The Breakfast Club’ von 1985 denken, auf dessen Soundtrack er enthalten war.

Das bestätigt wieder die Kraft von Musik, die mit einem Film verbunden ist, genauso wie etwa bei Aerosmiths ‚I Don’t Want to Miss a Thing’ und ‚Armageddon’. Wir hätten die Nummer schon mehrmals fast aufgenommen, doch irgendwie kam immer etwas dazwischen. Diesmal nahmen wir es uns gezielt vor, nachdem wir über unser Management gehört hatten, dass Theory Of A Deadman das Stück ebenfalls covern wollten und es letztlich doch nicht taten.

Die Jungs sind gute Freunde von uns, also holten wir ihren Sänger Tyler Connolly als Gast hinzu. Generell behandeln wir Fremdkompositionen wie eigene Songs, indem wir sie uns vornehmen und so tun, als hätten wir ihn selbst geschrieben. Natürlich behalten sie ihre eigene Identität, aber wir versuchen, sie uns zu eigen zu machen.

Ist Spielen grundsätzlich eure Art, euch als Instrumentalisten weiterzuentwickeln, oder arbeitet ihr noch konkret an eurer Technik oder eurem theoretischen Verständnis von Musik?

Ben: Ich übe nicht im traditionellen Sinn und habe das Spielen mit einem Plattenspieler gelernt. Mein Vater gab mir einen Stapel Vinyl und sagte: „Wenn du gut werden willst, solltest du lernen, dieses Zeug zu spielen.” Ich kannte meine Akkorde, doch alles weitere habe ich mir durch Nachspielen angeeignet.

Beim Songwriting lief es ähnlich: Wir haben mit außenstehenden Komponisten gearbeitet und uns etwas von ihnen abgeschaut, genauso wie von anderen Musikern. Egal, ob jemand seit 40 Jahren oder seit vier Monaten spielt – man nimmt immer etwas mit. Und die Schönheit von Musik besteht unter anderem darin, dass man immer noch dazulernt.

Ich hatte nur kurz Gitarrenunterricht, was genügte, um die Grundlagen zu verstehen. Danach war Selbstlernen einfacher. Chris und ich haben viel zusammen ausprobiert, verschiedene Stimmungen getestet, andere Gitarristen beobachtet. Es gibt also nicht den einen Weg, um es zu etwas zu bringen, zwei unterschiedliche Wege können zum gleichen Ergebnis führen.

Chris: Jeder von uns hat seine eigene Technik und Spielweise. Solange man etwas davon übernehmen und in den eigenen Stil integrieren kann, ist das großartig. Wir haben viel nach dem Versuchsprinzip gelernt, etwa welche Stimmung wo funktioniert oder welche Akkorde zueinander passen.

Theorie spielt bei uns beiden kaum eine Rolle, dafür ist unser Bassist Steve Jewell der Experte. Er weiß, warum ein E zu einem A passt. Ben und ich wissen nur: Es klingt gut, und das recht meistens.

Wie teilt ihr unter euch auf, wer Leads spielt?

Ben: Wir machen mittlerweile so lange zusammen Musik, dass wir es einfach wissen. Dies ist ein Chris-Part, jenes mein Part, und manchmal spielen wir zweistimmig. Wir haben seit 2001 eine natürliche Chemie. Wir kennen unsere Stärken und Schwächen und spielen nicht gegeneinander an, sondern miteinander.

In anderen Bands mögen Gitarristen auf Egotrips sein, bei uns gibt es so etwas nicht. Wir sagen immer: „Wir tragen alle das gleiche Trikot mit dem gleichen Logo.” Es geht nur darum, was dem Song dient.

Gitarrist Ben Wells (Bild: Jimmy Fontaine)

Hat sich euer Equipment auf der EP verändert?

Chris: Ich habe fast die ganze EP mit einer Chapman ML3 Pro aufgenommen – P90s, aber mit einem nachgerüsteten Humbucker an der Bridge. Für Leads kam noch meine Signature-Gitarre hinzu, die Chapman SAR63. Wir haben beide über den Line 6 Helix aufgenommen, den wir live ebenfalls benutzen.

Es ergibt also Sinn, den gleichen Sound ins Studio zu bringen, Line-Out statt Mikro vor der Box. Der Gitarrensound ist kraftvoll und dreckig – genau das, war wir wollen. Natürlich macht es großen Spaß, mit umfangreichen Amp-Sammlungen zu arbeiten – Joe Barresi, der unser Album ‚Magic Mountain’ produzierte, hat ein ganzes Disneyland an Verstärkern und anderen Spielzeugen, doch moderne Technologie nimmt dir viel Druck ab.

Warum sollte man im Studio ewig an Sounds feilen, die man live nicht reproduzieren kann? Wir finden, das ist Quatsch. In unseren Anfangstagen schleppten wir schwere Topteile, 4×12-Boxen und Pedale, aber wenn man wie wir heute oft bei Festivals auftritt, kann es vorkommen, dass man plötzlich vor kaputten Backlines steht.

Mir ist im Laufe der Zeit zweimal ein Amp auf der Bühne abgeraucht, und danach war klar: Ich wollte ein System, das ich überall mitnehmen kann. 2017 kam der Helix auf den Markt, und innerhalb eines Jahres hatten wir ihn alle. Ich habe seitdem fast alles damit aufgenommen.

Ich liebe traditionelle Amps nach wie vor; das Gefühl, vor einem Boxenturm zu stehen und angeblasen zu werden, ist unvergleichlich. Unter logistischen Gesichtspunkten bevorzugen wir aber die Modeling-Technologie, weil sie so verlässlich ist und sehr gute Klangergebnisse erzielt. Wobei es schon witzig ist, dass es junge Gitarristen gibt, die noch nie über einen echten Röhren- oder Transistorverstärker gespielt haben, aber trotzdem super klingen.

Ben: Zur Verstärkung hat Chris eigentlich alles gesagt. Mein Setup hat sich nicht geändert, ich spiele weiterhin vor allem Les Pauls, sowohl live als auch im Studio.

Weiterlesen auf Seite 2…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.