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Prog-Metal-Virtuosen

Jake Bowen & Periphery

Periphery(Bild: Travis Shinn)

Am 5. April 2019 erschien mit dem neuen Periphery-Album ‚Periphery IV: Hail Stan‘ erneut eine künstlerisch beeindruckende Wundertüte mit unglaublicher Komplexität, atemberaubender Spieltechnik und Songs, die nicht nur den Bandmitgliedern, sondern auch den Zuhörern alles abverlangen. Wir haben Gitarrist Jake Bowen zu diesem Mach(t)werk befragt und herausgefunden, dass er bei Periphery nichts dem Zufall überlässt.

interview

Jake, was ist der größte Unterschied zwischen ‚Periphery IV: Hail Stan‘ und euren bisherigen Studioalben? Immerhin habt ihr diesmal mehr als ein Jahr an der neuen Scheibe gearbeitet.

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Und genau das ist auch der signifikanteste Unterschied. Alle unsere bisherigen Werke sind in einem bestimmten und sehr engen Zeitfenster entstanden. Damit verbunden war jedes Mal das gleiche Problem: Wie schaffen wir es bis zur Deadline? Bislang hatten wir immer nur zwei bis drei Monate Zeit, von der allerersten Idee bis zum Abliefern der fertigen Scheibe. Dieses Mal haben wir es anders gemacht. Wir haben unserem Management mitgeteilt, dass es keinerlei Shows buchen soll, bis das neuen Album endgültig fertiggestellt ist. Natürlich fragten sie nach, wie lange das voraussichtlich dauern wird, aber wir antworteten: „Es dauert so lange, wie es dauert.“ Was hätten wir auch anderes sagen sollen? Wir wussten ja selbst nicht, wieviel Zeit es in Anspruch nehmen wird.

Was war der größte Vorteil einer nicht festgelegten Produktionsdauer? Und hatte dies auch Nachteile?

Nein, keine Nachteile, nur Vorteile. Wir hatten alle Zeit der Welt, um an Ideen zu arbeiten, unterschiedliche Arrangements auszuprobieren. Das war auch sehr wichtig für Spencer, unseren Sänger, der in Ruhe und mit großer Sorgfalt an seinen Vocal-Parts arbeiten konnte. Insgesamt hat uns dieser Zeitluxus total gutgetan, dementsprechend zufrieden sind wir mit dem Ergebnis.

Ist ‚Periphery IV: Hail Stan‘ eine Reaktion auf den Vorgänger? Immerhin gibt es diesmal eine Nummer von fast 17 Minuten Länge, eine zweite mit einer Spielzeit von knapp zehn Minuten. ‚Periphery III: Select Difficulty‘ war demgegenüber etwas kompakter.

Nein, ‚Periphery IV: Hail Stan‘ ist keine direkte Reaktion auf irgendetwas von dem, was wir vorher gemacht haben. Mit Ausnahme von ‚Juggernaut: Alpha & Juggernaut: Omega‘, bei dem es sich um ein Konzeptalbum handelte, ist bei uns nie etwas konkret geplant. ‚Hail Stan‘ ist dementsprechend weder Rückschau noch Reaktion auf irgendetwas, sondern hat einen neuen Ansatz. Ich finde, die Scheibe ist härter, metallischer und dunkler als unsere bisherigen Veröffentlichungen.

Kannst du bitte mal kurz beschreiben, wie du an die Gitarrenaufnahmen herangegangen bist? Mit welchen Sounds hast du gearbeitet, und mit welchen Gerätschaften?

Es dauerte zunächst einige Tage, bis wir den gewünschten Gitarrensound gefunden hatten.

Dabei wurden insgesamt drei Grundkonstellationen ausprobiert: Erstens ein Peavey invective.120, zweitens ein Fractal Audio AxeFX II mit einem Peavey-5150-Sound und drittens ein Fractal Audio Axe-FX III mit einem Friedman- und einem 5150-Sound. In einer Art Blind-Date-Auswahlverfahren haben wir dann Riff für Riff den unserer Meinung nach besten Sound ausgewählt. Und der kam zweifelsfrei aus dem Axe-FX III.

Allerdings haben wir zusätzlich auch noch jeweils ein cleanes D.I.- Signal aufgenommen, um die Gitarren anschließend re-ampen zu können.

Wurden die Effekte bereits beim Spielen hinzugefügt, oder erst später beim Mischen?

Sofort beim Einspielen, um das richtige Spielgefühl zu bekommen. Außerdem mussten die Delay-Zeiten ja dem exakten Tempo der Stücke genau angepasst werden, und das macht man dementsprechend besser vorher. Einzige Ausnahme: Die Delays bei den Soli wurden erst anschließend hinzugefügt, damit man tighter spielt.

Welche Delays hast du verwendet?

Nicht sehr viele, vor allem ein Ping-Pong-Delay und ein Analog-Delay mit leichter Modulation.

Weitere Effekte?

Ja, Misha hat einige seiner liebsten Stompboxes mitgebracht, die ein paar sehr schöne Sounds beigesteuert haben, vor allem Pedale von den Firmen Earthquaker, Walrus Audio und Chase Bliss Audio.

Welche Gitarren hast du auf ‚Periphery IV: Hail Stan‘ eingesetzt?

Zuallererst mein sechssaitiges Ibanez Signature-Modell AS Jake Bowen JBM 100, dann meine siebensaitige Ibanez LA Custom Shop, eine sechssaitige Ibanez LA Custom Shop und eine JBM 10 FX als sechssaitiges Modell. Sie alle waren übrigens mit den neuen Evertune-Bridges ausgestattet. Diese Brücken sind für mich so etwas wie die „unsung heroes“ dieser Produktion, weil sie die Gitarren wirklich konstant und zu 100% im Tuning gehalten haben.

Werdet ihr Evertune-Bridges auch live verwenden?

Gute Frage, denn auch wir haben uns gerade gestern über genau diesen Punkt unterhalten. Die früheren Evertune-Bridges haben das Spielgefühl immer ein wenig negativ beeinflusst, aber die neuen fühlen sich einfach toll an. Kann also durchaus sein, dass wir sie auch auf Tournee verwenden werden.

Periphery(Bild: Periphery)

Wie man auf ‚Hail Stan‘ sehr gut hören kann, habt ihr ganz unterschiedliche Tunings verwendet. Kannst du sie bitte mal konkret benennen?

Insgesamt kamen vier Gitarrentunings zum Einsatz. Eines davon war ein neues Tuning für sechssaitige Gitarren, mit G-G-C-F-A-D, eine Konstellation, die in unserem Fall ein sehr eigenwilliges Riffing erzeugt hat.

In welchem Song kann man dieses Tuning hören?

In ‚Reptile‘, dem Opener und mit knapp 17 Minuten längsten Song der Scheibe. Bei dieser großen Spieldauer mussten wir uns schon einiges einfallen lassen, damit die Nummer durchgehend spannend bleibt. Das ungewöhnliche Tuning hat dabei zweifelsfrei geholfen.

Zweites Tuning?

Es handelte sich um ein Drop-Tuning in C-G-C-F-A-D, das in dem Song ‚Satellites‘ zu hören ist.

Nummer drei?

Nummer drei ist ein Tuning über A-G-C-F-A-D und ist in den Stücken ‚Garden In The Bones‘ und ‚Follow Your Ghost‘ zu hören. Das vierte war ein Drop-C-Sharp-Tuning auf einer siebensaitigen Gitarre, man kann es in ‚It‘s Only Smiles‘ hören.

Apropos ‚It‘s Only Smiles‘: Auffällig ist das überaus gelungene, jazzige Flair deines Solos in diesem Song.

Danke, freut mich, dass es dir gefallen hat. Ich habe erstmals versucht, ein Solo über einen Split-Coil zu spielen, um den Grad der Verzerrung moderat zu halten. Dadurch ist dieser mittige, etwas jazzige Sound entstanden.

Bist du Jazz-Fan?

Oh ja, absolut, vor allem von Pat Metheny, Joe Pass, Miles Davis, John Coltrane und Oscar Peterson, wobei ich mir nicht sicher bin, ob Oscar Peterson überhaupt in diese Reihe passt.

Stammt das Solo in ‚Follow Your Ghost‘ auch von dir?

Ja, ich habe es allerdings wie gewohnt über den Bridge-Pickup meiner Gitarre gespielt und ihm wie gewohnt volle Verzerrung verabreicht.

Schreibst du dir deine Soli eigentlich in Noten auf, bevor du sie einspielst? Oder sind es spontane Eingebungen, die du einfach ohne festes Konzept aufnimmst.

Nein, die Soli sind komplett durcharrangiert, bevor ich sie einspiele. Aber natürlich lege ich mir zunächst einen Loop des Parts auf die Kopfhörer und jamme ein wenig, bis ich ein paar konkrete Ideen habe. Ich schreibe die Soli zu Hause in meinem Studio, dort habe ich die notwendige Ruhe und ausreichend Zeit. Wenn ich ein paar interessante Licks und Melodien für den betreffenden Part gefunden habe, verbinde ich sie und kreiere daraus ein komplett durcharrangiertes Solo. Wenn ich das dann einspiele, muss ich mich nicht mehr um die generelle Ausrichtung kümmern, sondern kann mich komplett auf mein Vibrato, auf den Ton, die beste Lage und den Ausdruck konzentrieren.

Wirst du deine Soli auch live Ton für Ton nachspielen, oder werden es dann eher Improvisationen sein?

Ich werde auch auf der Bühne meine Soli Note für Note nachspielen. Ich möchte, dass die Zuschauer die perfekte Qualität unserer Songs zu hören bekommen, und dazu zählen halt auch die bis ins kleinste Detail ausgearbeiteten Gitarrensoli. Allerdings könnte ich mir für die Zukunft vorstellen, testweise auch mal das eine oder andere Solo zu improvisieren.

Übst du eigentlich jeden Tag? Bist du ein fleißiger Gitarrist?

Ja, ich übe jeden Tag, davon mindestens 20 Minuten schnelle Fingerübungen, um auf das Tempo zu kommen, das bei Periphery gefordert ist. Unsere Songs sind sehr komplex und wirklich anspruchsvoll. Wenn ich da nicht regelmäßig üben würde, hätte ich schnell den Anschluss verloren. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich nach etwa 14 Tagen meistens etwas müde vom Üben werde, sodass ich dann ein bis zwei Tage Pause einlege, um den Kopf wieder frei zu bekommen und neu motiviert zu sein.

Letzte Frage: Was steht bei dir 2019 an, neben Periphery?

Nun, zunächst wollen wir in diesem Jahr natürlich so viel wie möglich live spielen. Ich freue mich wie ein kleines Kind darauf, die neuen Songs vor Publikum zu spielen. Ich finde, erst auf der Bühne erweckt man sie wirklich zum Leben. Außerdem klingen die meisten Stücke auf der Bühne noch viel besser als im Studio. Ich weiß übrigens auch, woran dies liegt: an der vitalen Interaktion einer in sich funktionierenden Band.

Ansonsten werde ich mich 2019 um eine Reihe anderer Projekte kümmern. Eines ist ein Soloprojekt mit elektronischer Musik, sehr chillig, etwas ganz anderes als Periphery. Außerdem habe ich ja noch, wie du vermutlich weißt, ein Projekt mit Misha, ebenfalls eher elektronische Musik, sehr experimentell. Es macht immer sehr viel Spaß, Zuhause bei Misha gemeinsam mit ihm an neuen Ideen zu feilen.

Danke, Jake, alles Gute mit dem neuen Album und viel Spaß auf der Tour!

(erschienen in Gitarre & Bass 04/2019)

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