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Robert Cray im Interview
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Zwischen Gothic, Metal und Thin Lizzy

Interview: Tribulation

(Bild: Ester Segarra)

Das 2004 in der schwedischen Kleinstadt Arvika entstandene Quartett Tribulation gilt derzeit als Hoffnungsträger der Death-Metal-Szene. Ein Status, dem sie mit ihrem fünften Album ,Where The Gloom Becomes Soundʻ, einer Mischung aus alten Genre-Tugenden und klassischem Gothic Rock, auf stilvolle Weise gerecht werden.

Als wir Gitarrist Adam und Frontmann Johannes zum Interview baten, wussten sie noch nicht, dass Mitbegründer Jonathan Hultén die zweite Gitarre bald an Joseph Tholl abgeben würde. Deshalb geht es vornehmlich um Klampfen, Kunst – und Kiss.

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JOHANNES ANDERSSON

Johannes, wie bist du in die Doppelrolle des Sängers und Bassisten hineingewachsen?

Ich kann nicht behaupten, dass das Singen meine große Liebe gewesen sei. (lacht) Dass ich jetzt am Mikrofon stehe, ist einfach passiert, und ich habe mich damit abgefunden. Als wir Tribulation gründeten, gehörten noch zwei Mitglieder der Metal-Band Enforcer dazu, in der Adam früher spielte, und ich war nur Bassist. Wir warfen unseren Sänger Olof raus, weil wir uns nicht auf einen Stil einigen konnten, und ich übernahm seinen Posten, woraufhin wir extremer wurden. Bassist wurde ich wie wahrscheinlich viele meiner Kollegen: Die Gitarre war zwar mein erstes Instrument, doch wir hatten schon zwei Gitarristen, also blieb mir nichts anderes übrig. An die Koordination, die man als Frontmann braucht, habe ich mich erstaunlich schnell gewöhnt.

Da die anderen das Gros der Musik und Texte festlegen: Wie gehst du damit um, etwas zu singen, das nicht von dir stammt?

Das ist gar kein Problem, auch wenn wir uns selten länger über die Bedeutung unterhalten. Niemand braucht etwas zu erklären, zumal die Ideen der beiden seltsamerweise häufig in ein und dieselbe Richtung gehen; es geschieht intuitiv, praktisch in blindem Verständnis miteinander. Dass sich auf ,Where The Gloom Becomes Soundʻ alles um die vier Elemente dreht, machte es mir umso leichter, mich in die Lyrics einzufinden, denn das Thema ist ja eher abstrakt.

Wie teilt ihr das Komponieren auf?

Die beiden Gitarristen arbeiten auf unterschiedliche Weise. Jonathan hat immer sehr klare Vorstellungen, nimmt massenweise Demos auf und stellt uns einen erschlagenden Katalog von Songs vor. Die nehmen wir dann auseinander und bauen einzelne Passagen zu Arrangements zusammen, die wir spannend finden. Adam arbeitet hingegen am effizientesten, wenn man ihn unter Druck setzt. Sobald er sich zwingen muss, kommen ihm die tollsten Einfälle. Darum kann es gut sein, dass er ein fünf Jahre altes Riff hervorkramt, weil er sonst nichts zu bieten hat, und es dann zu einem großartigen Stück ausgestaltet. Ich für meinen Teil konzentriere mich gemeinsam mit unserem Drummer darauf, dem Ganzen Struktur zu verleihen. Vieles wird auch erst im Studio endgültig spruchreif.

Tribulation im Studio (Bild: Johannes Andersson)

Der Bass ist so präsent wie auf keinem eurer bisherigen Alben. Im letzten Stück ‚The Wilderness‘ hast du während der Orgel-Bridge sogar einen kurzen Solospot.

Ich habe mich natürlich mit der Zeit technisch verbessert und meine Aufgabe auch liebgewonnen. Du kannst auf vier Saiten eine Menge machen – teilweise auch Dinge, die auf der Gitarre nicht möglich sind. Ich identifiziere mich mittlerweile definitiv mit dem Bass.

Hast du Vorbilder?

Wollte ich jetzt besonders geschmackvoll daherkommen, würde jetzt der Name Geddy Lee fallen, doch ich bin leider kein Rush-Fan. Lemmy von Motörhead mag ich aber genauso wie Peter Steele von Type O Negative.

Hast du bestimmte Equipment-Vorlieben?

Ich bin eigentlich kein Fanatiker, was das angeht, gleichwohl ich vermutlich sorgfältiger darauf achten sollte, was ich mir an Werkzeug anschaffe. Dass ich dieses Wort benutze, deutet aber wohl schon an, wie ich Verstärker, Effekte und dergleichen auffasse: Sie sind Mittel zum Zweck, und wenn ich damit umsetzen kann, was mir vorschwebt, bin ich zufrieden. Das Einzige, was typisch für mich und eigentlich die ganze Band ist, sind Vintage-Sachen. Ibanez-Modelle und generell moderne Metal-Bässe gefallen mir nicht, ich neige eher zu Rickenbacker, Fender Precision und dem Gibson Thunderbird. Ansonsten sind mir Marken relativ egal, wobei mich beispielsweise Fernost-Kopien aus den Siebzigern faszinieren; da gibt es so viele schräge, aber auch wunderschöne Teile. Als Gitarrist halte ich meiner Les Paul und einer Iceman die Treue.

Was zeichnet einen guten Produzenten für euch aus?

Ideen, die uns selbst nicht zwangsläufig in den Sinn kommen. Wir sind also offen für Impulse von außen, was aber logischerweise ein zweischneidiges Schwert ist. Der Producer darf seine Meinung äußern, doch das heißt nicht, dass wir sie annehmen; manche der Anregungen sind klasse, andere nicht. Jedenfalls schützt man sich so davor, einen Tunnelblick anzunehmen. Denn es ist einfach so, dass jemand mit mehr Abstand zu deiner Musik Potenzial darin erkennt, das dir verborgen bleibt, weil du zu nah dran bist. Oft hilft es schon viel, die eine oder andere Passage zu kürzen oder weiter auszukleiden. Und natürlich ist psychologisches Feingefühl nötig, denn mit Kritik bewegt man sich auf einem schmalen Grat: Entweder spornt sie uns zu Bestleistungen an oder aber sie demotiviert und verärgert uns.

Tribulation in alter Besetzung (Bild: Soile Siirtola)

ADAM ZAARS

Ihr seid eine streng mit Konzepten arbeitende Band. Woher kommen eure vielfältigen stilistischen Interessen?

Wir sind sehr unterschiedliche Charaktere. Traditionellen 80er-Metal mögen wir alle, doch Jonathan hat schon seit einigen Jahren einen Narren an Singer-Songwriter-Kram gefressen und macht ja auch solo solche Musik. Er steckt da richtig tief drin und macht nicht schon bei Nick Drake halt, sondern hört auch total obskure Underground-Sachen. Death Metal ist wohl unser gemeinsamer Nenner und spielte eine wichtige Rolle in unserer musikalischen Sozialisierung, außer vielleicht bei unserem neuen Drummer Oscar Leander. Wir alle sind in einem kleinen Nest aufgewachsen, tauschten CDs in der Schule und entwickelten eine Leidenschaft für Iron Maiden.

Wie stößt man als jemand, der aus eurer Generation ist, auf all das alte Zeug?

Das kann ich dir nicht sagen. Für mich zumindest klingt es einfach ansprechender als die aufgeblasenen, extrem harten und kalten Produktionen moderner Bands, bei denen dann auch oft das Songwriting zu wünschen übriglässt. Ich war in der siebten Klasse, als ich Johannes und Joseph Tholl von Enforcer kennenlernte, der uns übrigens beim neuen Album im Studio unter die Arme gegriffen hat. Die New Wave Of British Heavy Metal, deutscher und amerikanischer Thrash, norwegischer und schwedischer Black Metal zogen uns an. Nichts davon hatte einen allzu glattgebügelten Sound, sondern wirkte dreckig und hatte eine gewisse Punk-Note.

Wie bist du vom Musik-Fan dahin gekommen, selber Instrumentalist zu werden?

Das geschah schon sehr früh. Kiss fungierten als Initialzündung, als ich fünf oder sechs war, also Mitte der Neunziger. Ich entdeckte sie in einer Zeitschrift, ehe ,Psycho Circusʻ erschien, das Reunion-Album der Originalbesetzung. Zunächst sprach mich das Visuelle an, die Musik folgte kurz darauf.

Viele Leute aus der skandinavischen Szene sind über Kiss zu Rock und Metal gekommen, warum?

Das ist wohl so etwas wie ein Fetisch. (lacht) Zu den Gründen dafür gehören Kiss-Sammelkarten, die eine Weile sehr beliebt unter Kids waren, allerdings vor meiner Zeit. Im Ernst, die Band polarisiert, man kann sie nur lieben oder hassen, doch selbst Nörgler dürfen ihre Bedeutung für harte Musik und das Theatralische, das damit einhergeht, nicht leugnen. Ich bin ein echter Fanatiker, Kiss stecken in meiner musikalischen DNA. Meine Schwester schenkte mir ,Creatures Of The Nightʻ, und als sie sich vorübergehend nicht mehr verkleideten, war ich sehr enttäuscht. In ihrer Diskografie arbeitete ich mich altersbedingt rückwärts bis in die Siebziger. Ace Frehley und Paul Stanley haben mich zur Gitarre gebracht, nachdem ich eigentlich Drummer werden wollte. Im Alter von zehn Jahren ging ich das Ganze ernster an, indem ich die Akustikgitarre, angeregt von den frühen britischen Metal-Acts, weglegte und mir ein elektrisches Instrument kaufen ließ, eine echte Gibson Les Paul.

Greco Iceman & Gibson Les Paul mit Lace-PUs (Bild: Johannes Andersson)

Konntest du im Nachhinein davon profitieren, akustisch begonnen zu haben?

Klar, allein schon in Bezug aufs Fingerspiel. Andererseits wollte ich auf der E-Gitarre so schnell wie möglich Soli beherrschen, scheiterte aber natürlich gnadenlos.

Wie nimmst du das Entwickeln solcher Parts heute zusammen mit Jonathan in Angriff?

Es ist eine Mischung aus gründlichem Auskomponieren und Improvisieren. Bei meinen eigenen Arrangements weiß ich in der Regel genau, wo ich Solo oder Lead spielen möchte, ansonsten bekommt Jonathan nicht selten den Vortritt. Keiner von uns ist auch nur ansatzweise egomanisch veranlagt, und was passt, das passt eben. Ganz allgemein läuft bei uns alles auf eine sehr natürliche Art und Weise ab.

Wie wichtig ist eure langjährige Freundschaft dabei?

Sehr wichtig. Wenn man sich so gut kennt, entwickelt man ein Gefühl dafür, was welchem Mitglied am besten liegt, und teilt sich dementsprechend ein.

Habt ihr das Material auf dem neuen Album bewusst zweigeteilt, sodass die härteren, schnelleren Tracks die zweite Hälfte bilden?

Nein. Die Reihenfolge der Songs festzulegen ist immer besonders schwierig, und wir haben viel diskutiert, uns aber schließlich darauf geeinigt, dass es so am besten funktioniert, vor allem auf Vinyl. Da hast du die eher ruhigere, leicht experimentelle A-Seite und kannst dir den derberen Stoff reinfahren, wenn du die Scheibe umdrehst.

Wie bewahrt ihr eure Spontaneität in einem zunehmend selbst in seinen Nischen von Kalkül bestimmten Genre?

Paradoxerweise dadurch, dass wir noch mehr Wert auf Ordnung legen. Unsere Musik ist gradliniger geworden, wohingegen wir früher nach dem Versuchsprinzip vorgingen. Trotzdem legen wir uns keine Grenzen fest oder setzen konkrete Ziele; der Weg selbst ist das Ziel geblieben. Falls auf der Reise etwas am Rande auffällt, das uns reizt, gehen wir dem nach.

Bist du ein Equipment-Nerd?

Kein bisschen. Gibson-Gitarren und Marshall-Verstärker, einen JCM 800 oder 900, mehr brauche ich nicht zum Glücklichsein. Ich begann mit einer schlechten Mosfet-Endstufe und ließ mir in meiner Unerfahrenheit eine 2x10er-Box als 4x12er andrehen, die noch dazu bescheiden klang. Für unsere neuen Sachen kam erstmals ein Effekt-Board von HeadRush zum Einsatz. Ich hätte nie gedacht, dass mir so was liegen würde, aber ich bin begeistert. Dennoch wollen wir es auch weiterhin schlicht halten, obwohl das Ding vieles vereinfacht.

Adam Zaars mit HeadRush-Pedalboard. (Bild: Johannes Andersson)

(erschienen in Gitarre & Bass 02/2021)

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Getreu dem Motto: „Bitte nun alle mal richtig grimmig dreinschauen!“ klingt diese Band doch eher nach den gruseligen Finnen „Lordy“.

    Sequenzen von der ehemaligen Kultband „Thin Lizzy“ sind hier überhaupt auf gar keiner Spur zu erkennen,auch nicht einmal ansatzweise! Kann man mögen,muß man(n) aber nicht.So gar nicht meine Musike.

    Einzig,die alte japanische „Greco Iceman“ auf dem Foto gefällt mir sehr gut!
    Bringt doch einfach mal ein schönes G&B-Sonderheft über die alten japanischen Gitarren heraus,das wäre wirklich super!

    Vielen Dank im voraus.

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