Produkt: E-Gitarren Made in Japan
E-Gitarren Made in Japan
E-Gitarren aus Japan!
Zwei Seiten einer Medaille

Interview: Tom Quayle & Martin Miller

(Bild: Ibanez)

Ibanez ist bekannt für seine Politik der intensiven Künstlerpflege. Neben dem unvergleichlichen Aufgebot an Stars mit Signature-Instrumenten wie Vai, Satriani, Gilbert, Benson, Metheny, Scofield etc. hält man den Blick aber auch auf die junge aufstrebende Szene gerichtet, wie die Vergabe der jüngsten Signature-Modelle an das virtuose Duo Quayle und Miller zeigt.

Der englische Legato-Meister Tom Quayle macht derzeit zusammen mit Martin Miller aus Leipzig nicht nur durch weltweite Clinic-Tour-Einsätze für Ibanez viel von sich reden. Diese Jungs sind mit ihrer spektakulär entwickelten Technik begehrte Spieler, Lehrer und Influencer zugleich.

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Als Internetstars können sie auf Millionen von Klicks und Legionen von Followern verweisen. Sie gehören damit zu einer neuen Generation von Spielern, deren Karriere ohne YouTube und die Sozialen Medien so wohl nicht möglich gewesen wäre. Nun, wozu sind neue Wege da, wenn nicht, um auf ihnen unbekanntes Terrain zu erkunden und zu neuen Ufern zu finden?

Dem erfolgreichen Entdecker winken doch seit jeher Ruhm und Ehre. Auf dem Guitar Summit in Mannheim zeigten Miller und Quayle ihre virtuosen Künste in Workshops und auf der Bühne.

Interview

Zur Zeit ist das Miller/Quayle Duo ja höchst präsent in den Medien. Wie habt ihr euch eigentlich gefunden?

Tom: Das reicht zurück bis in die frühen Tage von Social Media, als es noch Myspace gab.

Martin: Ich hab Tom das erste Mal bei Guitar Idol gesehen, einem in England ausgetragenen Wettbewerb, wo er zu den Finalisten gehörte. Ich hab dann eines seiner Videos gesehen und war so beeindruckt von seinem Spiel, dass ich ihm geschrieben habe.

Über die Jahre haben wir uns auch immer wieder bei verschiedenen Gelegenheiten wie der NAMM Show, der Musikmesse usw. getroffen. Dann wurden wir für das selbe Festival in Italien gebucht und der Veranstalter meinte: „Warum spielt ihr Typen nicht mal was zusammen?“

Tom: Da haben wir uns im Hotelzimmer da in Bergamo zusammengesetzt und ein paar Standards eingeübt.

Martin: Das endete dann damit, dass wir weiter was mit zwei Gitarren zusammen machen wollten.

(Bild: Ibanez)

Da hat jemand Externes also die Verbindung zwischen euch gesehen?

Tom: Die Gelegenheit war einfach günstig, wir hatten ähnliche Voraussetzungen, hatten beide Jazz studiert, standen auch auf dieselben Bands wie Dream Theater mit Petrucci und einige der anderen Shred-Typen, waren uns also musikalisch verbunden.

Martin: Unsere Biografien ähneln sich eben stark. Wir gingen zur gleichen Zeit zur Schule, haben etwa im selben Alter mit Gitarrespielen angefangen. Da gibt es sehr viel Übereinstimmung.

Wie würdet ihr euch selbst denn heute im Gegensatz zueinander charakterisieren?

Tom: Da gibt es schon ein paar Diskrepanzen. Grundsätzlich betrachtet ist unser technischer Ansatz sehr unterschiedlich, vielleicht noch mehr die Art, wie wir unseren Stil entwickelt haben. Das ist seltsam, weil die Leute generell denken, dass wir sehr ähnlich klingen.

Unsere Ansätze sind aber ganz verschieden. Martins Spiel basiert im Wesentlichen auf Picking, bei mir ist es die Legato-Technik. Beide Sounds passen am Ende aber perfekt in das gleiche Genre.

Martin: Das Genre mag das gleiche sein, die Details im technischen Zugang sind aber durchaus anders. Das gilt auch für den Sound. Tom ist mehr so der Vintage-Typ, Clean-Amp mit Pedalen davor, Singlecoils etc. – ich bin der zwei Humbucker-Typ mit Verzerrung vom Verstärker. Ich würde sagen: Wir sind verschiedene Seiten der gleichen Münze.

Tom, du spielt nicht nur mit Plektrum, sondern nimmst die Finger dazu?

Tom: Das ein ganz wesentlicher Teil meines Stils. Legato-Technik mit Hybrid-Picking, das ist mein Sound: ein sehr flüssiger Klang im Gegensatz zu einem mehr perkussiven Sound.

Martin: Hybrid-Picking ist auch ein Teil meiner Spielweise, aber das ist etwas, das ich im Solospiel immer mal ein- und wieder wieder ausschalte. Bei ihm ist das aber permanent da.

(Bild: Ibanez)

Wie kam die Verbindung mit Ibanez zustande?

Tom: Wir beide haben immer schon Ibanez-Gitarren gespielt. Meine erste ordentliche Gitarre war eine RG450 und über die Jahre habe ich viele Ibanez-Modelle gespielt.

Wenn ich also an Gitarren denke, ist das erste, was mir einfällt, Ibanez. Einige Jahre lang wurde mir auf der NAMM Show von Ibanez dann ein Artist-Deal angeboten.

In meinen wildesten Träumen hätte ich niemals an einen Signature-Deal gedacht. Ich war dann immer höflich, hab gesagt, ich sei gerade glücklich damit wie es sei und mal schauen, vielleicht später mal.

Irgendwann baten sie mich dann, einen Prototyp auszuprobieren. Ich war absolut beeindruckt, sagte: klasse Sache, Glückwunsch, ich hoffe es läuft gut damit. Dann ging ich und dachte nicht mehr weiter darüber nach.

Kurz darauf bekam ich eine E-Mail von der Ibanez-Entwicklungsabteilung: „Wir kommen mit ein paar Entwürfen zu dir nach Leeds. Wir wollen ein Signature-Modell für dich machen.“ Ich war sprachlos.

Wann ist das passiert? Das geschah im Rahmen der AZ-Serie, nicht wahr?

Tom: Das war letztes Jahr im März. Martin ist da aber noch deutlich tiefer involviert.

Martin: Ich war vom ersten Tag an, als es gerade mal ein paar Zeichnungen gab, in die Entwicklung der AZ-Gitarren eingebunden. Die Leute vom Markenhalter Hoshino in Japan kamen zu mir nach Leipzig mit einer Menge an Entwürfen und Designs von der Kopfplatte, über Logos bis hin zu Pickup-Konfigurationen und Body Shapes.

Das Unterfangen ging also direkt von Ibanez Japan aus?

Martin: Richtig. Ich war einer von vielen Leuten rund um den Globus, denen die gleiche Frage gestellt wurde: Wie müsste für dich die ultimative Players Player Guitar aussehen. Der Plan war, soviel Input wie möglich zu sammeln, um in jeder Hinsicht auch höchsten Ansprüchen genügen zu können.

Über die Jahre sind wir durch viele Stadien mit Prototypen gegangen, zu denen ich dann immer meine Kommentare gegeben habe.

(Bild: Ibanez)

Das in der AZ-Serie und damit auch in euren Signature-Gitarren realisierte Ergebnis ist jedenfalls beeindruckend!

Tom: Ja, die sind fantastisch, wir mögen die wirklich sehr!

Martin: Potentiell könnte die AZ-Serie vielleicht sogar eine Wirkung wie damals die Einführung der RG-Modelle entfalten, womit sich das Gesicht von Ibanez für immer veränderte.

Tom: Ich denke, die Leute verbinden mit Ibanez immer noch einen ganz bestimmten Typ von Gitarren. Die denken an dünne Hälse, einen zugespitzten flachen Korpus und Shred-Metal-Sounds. Die AZ-Serie kann diese Denkweise jetzt ändern, wendet sich an einen anderen Typen von Spieler.

Martin: Nur um das noch zu ergänzen: Die Metal Guys lieben diese Gitarren auch. Mit diesen Gitarren ist eben alles möglich.

Welchen Stellenwert hat für euch Virtuosität heute?

Tom: Videos auf Instagram und Facebook, nicht länger als eine Minute lang, zeigen eine Jagd nach Perfektion. Von 500 Versuchen Shred, Shred, Shred wird natürlich nur der eine Take rausgestellt, der absolut perfekt ist und niemand sieht die 499 anderen, die nicht annähernd so gut waren.

Endet so etwas in einer guten musikalischen Erfahrung? Wohl kaum. Nachdem Ende der 90er und in den frühen 2000er-Jahren niemand mehr an Spieltechnik interessiert war, kommt das jetzt wieder stark zurück.

Martin: Die Leute nehmen mich ja oft auch erst einmal als so einen Technik-Typ wahr. Als ich vorhin hier auf dem Guitar Summit einen Masterclass-Workshop abhielt, haben wohl viele so etwas wie ein Shred-Fest erwartet, ich habe aber vor allem Fundamentales angeboten.

Etwa wie man Folk Songs oder Kinderlieder auf der Gitarre in allen Positionen und Tonarten spielt. Natürlich ohne Noten, nur aus dem Kopf heraus, um das Gehör zu entwickeln und das Griffbrett besser kennenzulernen.

Die Leute staunen immer wieder, wie stark meine Betonung auf Basiswissen ausgerichtet ist. Es geht bei Virtuosität nicht um das Schnellspielen, sondern um die Perfektionierung des Ausdrucks, um nuancierte und saubere Umsetzung und um Dynamik und Timing.

Wer nur auf Speed setzt, der hat in der Regel keine gute Technik, denn er vernachlässigt ja ganz viele andere technische Aspekte.

Ist der moderne Spielertyp vielleicht auch ein anderer geworden, verglichen mit früher?

Martin: Tja, wir sind in dem Sinne eher kein Rock’n’Roll, repräsentieren eine neue Sorte von Spielern, die höchst professionell und ohne Attitüden oder Allüren agiert. Bei dem Design dieser Gitarren hatte man durchaus auch an Spieler wie uns gedacht, die nicht unbedingt in gigantischen Touring Acts, aber doch mit unseren Clinic-Shows rund um die Erde unterwegs sind.

Deshalb die Hälse aus gebackenem Ahorn, die sich auch unter extremen Bedingungen nicht verziehen und die vielen verschiedenen Pickup-Optionen, da du in dem Job realistischerweise nur eine einzelne Gitarre mitnehmen kannst.

Ich hab die Gitarre übrigens noch nie aus dem Gigbag genommen und sie war verstimmt.

(Bild: Ibanez)

Gibt es trotz eurer vielen Clinic-Jobs und Internet-Präsenzen die Idee, eine eigene musikalische Konzeption umzusetzen?

Tom: Im Moment ist an eine Band leider nicht zu denken – es wäre der reine Luxus. Ich würde ja gerne, aber ich habe einfach nicht die Zeit dafür. Aber ich arbeite an einem eigenen Album mit Sachen zwischen Jazz und modernen Fusion-Sounds. Wird langsam Zeit, dass ich damit fertig werde, denn die Leute fragen schon dauernd danach.

Martin: Ich mach gerade mein zweites Album. Das erste kam bereits 2013 heraus. 90 Prozent der Stücke sind schon geschrieben und direkt nach dieser Tour geht es mit den Aufnahmen los.

Für mich ist das mit einem großen Stilwechsel von Gitarrenmusik und Fusion hin zu etwas, das ich Progressive Rock nennen würde, verbunden. Das wird ein Vocal Album für das ich jetzt fünf Songs geschrieben habe und ich singe selbst.

Und hey, du singst gut!

Martin (lacht): Ich lerne noch, hab vor gut zwei Jahren damit angefangen Gesangsstunden zu nehmen und ich übe Singen mit der gleichen Hingabe wie schon immer Gitarre. Da gab es einfach etwas in mir, das raus wollte und das hat mit Gesang zu tun.

Da es immer Probleme in der Zusammenarbeit mit Sängern gibt, hab ich entschieden, das einfach selbst zu machen. Die Gitarre bekommt auf dem Album natürlich ihre Momente, aber es wird im engeren Sinne kein Gitarrenalbum werden. Bin mal gespannt, wie das aufgenommen wird.

Eine letzte Frage zu euren Signature-Instrumenten. Sind das nun die Gitarren mit denen ihr alt werdet?

Tom: Interessante Frage. Das könnte ich glücklicherweise tatsächlich. Da bleibt zwar immer dieser Drang, noch mehr Gitarren haben zu wollen, vielleicht auch nur nach Veränderung. Im Moment ist das Ergebnis der Zusammenarbeit mit Ibanez aber einfach nur toll.

Martin: Diese Gitarre ist so gut, dass ich bei Ausbleiben von Kreativität den Fehler bei mir und nicht bei der Gitarre suchen würde. Alle Musik der Welt kann in dieser Gitarre sein, da bleibt einfach nichts mehr, was diese Gitarre nicht für mich tun könnte.

Was will man mehr. Ich danke euch für die Einblicke und Aussichten und bin gespannt auf alles, was da noch kommen wird!

Martin Miller & Tom Quayle beim Guitar Summit 2018 (Bild: Franz Holtmann)
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Kommentar zu diesem Artikel

  1. So viel Lorbeeren für Ibanez Gitarren kommen selbstverständlich,wie sollte es denn anders sein,von neuen Endorsern,die bis zum Abwinken für dieses besagte Label posieren.Mir wird hier leider zu viel Lobhudelei propagiert,eben alles prächtig und daher doch leider „etwas“ unglaubwürdig die Werbekampagne dieser zwei jungen Ibanez Endorser.Auch meine erste Elektrische stammte aus dem Hause Ibanez,es war eine neue japanische aus der Saber Serie,die Mitte der 1990er Jahre noch bei Fujigen-Gakki gefertigt wurde,und damalig sehr stolze 1.700,-DM ohne Case kostete.Also,keineswegs „billig“,aber sehr gut bespielbar und enorm handlich,bis dann wenig später die Elektrik,aufgrund eines abgelösten Kabels ausfiel.Kann passieren,wurde repariert.Immer pfleglich behandelt und nie Live gespielt.Besitze die Saber noch heute,ist eine gute Gitarre mit dem bekannten Halsradius eines filigranen Brieföffners.Lackierung war nicht so der Renner,weil kleine Lacknasen,Grate am Holz der versenkten Inputbuchse,und scharfkantige Bundenden nicht so „toll“ waren.Ach,ja,Ibanez scheint wohl derzeit noch der letzte Hersteller zu sein,der seine angeblich limitierten Kataloge zum realen Anfassen aus echtem Papier in Deutschland drucken läßt und kostenlos an wenige ausgewählte Ibanez Händler verteilt.Jedoch ist an diese Kataloge sehr schwer heranzukommen.Klar,oberflächlich virtuelle Katalogseiten gucken geht optional bei Ibanez auch noch,mögen die „modernen“ jungen Leutchen doch anscheinend so gern.Willkommen in der schnell vergänglichen Zeit,die uns letztendlich das Ziel der virtuellen Scheinwelt „schmackhaft“ macht.Gitarrenkataloge zum Anfassen sind leider bereits echte Raritäten geworden.

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