Hendrix Experience

Randy Hansen: Jimi ist der Buddha, ich bin nur einer seiner Gefolgsleute

Randy Hansen
FOTO: Cristina Arrigoni

In diesem Jahr feiern ,Are You Experienced‘ und ,Axis: Bold As Love‘, die ersten beiden Alben von Jimi Hendrix, ihren 50. Geburtstag. Randy Hansen, der weltweit wohl einzige uneingeschränkt anerkannte Hendrix-Imitator, wird die Scheiben auf einer ausgedehnten Deutschlandtournee würdevoll nachempfinden, präsentiert von GITARRE & BASS. Wir haben den 62-Jährigen bereits Ende April bei seinem Konzert im Oldenburger „Cadillac“ besucht und uns angeschaut, mit welcher Haltung und welchen Instrumenten er und sein Bassist Uwe Friedrich Otto, genannt Ufo Walter, die Herbsttour bestreiten werden.

Ufo Walter
FOTO: Matthias Mineur
Bassist Ufo Walter

interview

Randy, kannst du dich eigentlich noch an den Tag erinnern, an dem du zum ersten Mal Jimi Hendrix gehört hast?

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Randy Hansen: Oh ja, natürlich. Ein Typ von der Washington University erzählte mir von ihm. Er sagte: „Den Mann musst du gehört haben. Kauf dir ein Hendrix-Album, dann verstehst du, was ich meine.“ Ich holte mir ,Get That Feeling‘, auf dem Hendrix Gitarre spielt und Curtis Knight singt. Ich hörte mir die Scheibe an, fand sie aber nur mittelmäßig. Also besorgte ich mir ,Are You Experienced‘ und war total geplättet. Es war eine schwarze Scheibe voller Magie, ich hörte sie wieder und wieder und fragte mich jedes Mal: Das alles kommt aus einer Gitarre? Wie zum Teufel macht der Mann das? Ich verstand vieles nicht, obwohl ich schon einige Zeit selbst Gitarre spielte.

Was sind für dich die größten Unterschiede zwischen ,Are You Experienced‘ und ,Axis: Bold As Love‘?

Randy Hansen: Auf seinem Debütalbum wollte Jimi so viele unterschiedliche Sounds wie möglich präsentieren und konzentrierte sich deswegen nicht so sehr auf das eigentliche Songwriting. Bei ,Axis: Bold As Love‘ veränderten sich dann die Schwerpunkte. Ich war damals davon überrascht, denn die zweite Scheibe klang völlig anders als die erste. Songs wie ,Hey Joe‘ oder ,The Wind Cries Mary‘ gab es nun nicht mehr. Alles war neu und anders, und es war genau das, was die Leute von Jimi hören wollten. Wäre es nicht großartig gewesen, wenn er tatsächlich mit Miles Davis eine Supergroup gegründet hätte? Das Beste aus unterschiedlichen Genres wäre dann zusammengekommen, eine unglaubliche Vorstellung!

Randy Hansen
FOTO: Cristina Arrigoni

Welche dieser beiden Scheiben bevorzugst du?

Randy Hansen: Für mich gibt es keinen Unterschied. Alles, was Jimi gemacht hat, ist ein einziges großes und wunderbares Stück Musik.

Alesis Microverb III
FOTO: Matthias Mineur
Alesis Microverb III

Die Songs von welchem Album sind leichter zu spielen?

Randy Hansen: Die von ,Are You Experienced‘. Aber versuch mal ,3rd Stone From The Sun‘ zu spielen. Den Anfang schafft man vielleicht noch, aber danach wird es unglaublich kompliziert. Für mich ist Jimi sowieso ein riesiges Puzzle, an dem ich schon mein Leben lang arbeite und immer wieder neue Teile finde, die passen. Seine Musik besteht aus zahllosen Einzelteilen, und ich finde auch heute noch immer wieder einzelne Versatzstücke, die ich vorher nicht kannte. Manchmal höre ich gerade wieder einmal einen seiner Songs, entdecke etwas mir völlig Unbekanntes und ziehe zum wiederholten Mal den Hut: Jimi ist der Buddha, ich bin nur einer seiner Gefolgsleute. Ich höre mir die Stelle immer und immer wieder an, versuche sie zu spielen, um erneut festzustellen: Nein, so etwas konnte nur Jimi spielen. Aber jeder hat eine spezielle Fähigkeit, die ihn von anderen unterscheidet.

Hat sich deine Sichtweise auf die beiden ersten Hendrix-Alben im Laufe deiner Karriere verändert?

Randy Hansen: Ja sicherlich, aber was sich nicht verändert hat, ist mein Anspruch, die Songs so original wie möglich zu spielen. Okay, es gibt die eine oder andere Stelle, bei der ich ein klein wenig mogle. Aber ansonsten habe ich wirklich alle Stücke Note für Note gelernt. Jimi selbst hat ja mit allen seinen Stücken wild herumexperimentiert und sie permanent verändert. Das mache ich auch. Wenn ich sie spiele, kann es durchaus passieren, dass plötzlich etwas von Jeff Beck darin auftaucht, oder von Ritchie Blackmore, oder von mir selbst. Ich baue die Spielweisen von ganz unterschiedlichen Gitarristen ein, weil es zu den Songs passt. Jimi tat damals dasselbe. Er zitierte Albert King, ohne dass man es sofort merkte, weil er es mit ungeheurer Lautstärke spielte. Jeder Gitarrist zitiert andere Musiker, niemand nimmt die Gitarre in die Hand und spielt sofort Melodien, die man nirgends zuvor gehört hat. Es gab schon so viele Gitarrenhelden, dass man meinen könnte, wir brauchen keine weiteren, auch mich nicht. Aber die jungen Leute suchen danach, wir brauchen mehr junge Gitarristen.

Du hast im Laufe der Jahre mehrmals dein Equipment gewechselt, vor allem deine Fußpedale.

Randy Hansen: Das stimmt, jetzt bin ich wieder dort gelandet, wo ich vor vielen Jahren angefangen habe. Ich habe im Laufe der Jahre unglaublich viele Pedale in die Hand bekommen …

… für die du teilweise sogar Werbung gemacht hast.

Randy Hansen: (lacht) Soll ich dir die Wahrheit erzählen? Es gibt Werbeanzeigen mit meinem Konterfei, ohne dass ich diese Pedale überhaupt gespielt habe. Wäre schön zu wissen, wie diese Dinger klingen! (lacht)

Hoffentlich nach Hendrix!

Randy Hansen: Um ehrlich zu sein: Niemand klingt wie Jimi. Genauso wenig klingt irgendjemand wie Ritchie Blackmore. Nicht einmal Yngwie Malmsteen. Ritchie ist einmalig. Ich habe drei Shows mit ihm gespielt, Ritchie ist ein großer Hendrix-Fan. Er sagte zu mir: „Du bist der einzige Kerl auf der Welt, der Jimi perfekt imitiert.“ Es war das netteste Kompliment, das ich jemals bekommen habe. Ich nahm Ritchie zur Seite und sagte: „Du ahnst nicht, wie sehr auch du mich inspiriert hast. Wenn du genau darauf achtest, wirst du in meinem Spiel auch eine Menge Zitate von dir finden.“

Dein Equipment besteht unter anderem aus Vox Wah, Fuzz Face und Octavia. Die klassische Bestückung also.

Randy Hansen: Ich möchte so original wie möglich nach Jimi klingen, deswegen habe ich mich bei meinen Geräten natürlich an ihm orientiert. Mitunter spiele ich ja auch Fender Amps, denn wenn Jimi im Studio einen cleanen Sound wollte, nahm er Fender, für die crunchy heavy Sounds nahm er Marshalls. Ich hatte früher auch zwei Fender Super Reverbs, so wie Stevie Ray Vaughan. Stevie war ebenfalls einer meiner Freunde. Schrecklich, dass er so früh starb. Ich war ein paar Mal bei ihm zu Hause in Texas, wir haben uns jedes Mal ordentlich einen genehmigt.

Randy Hansen Pedalboard
FOTO: Matthias Mineur
Hansens Pedalboard mit Tonehunter Fuzzmonics, Kevin Randall Octavia, Dunlop Germanium Fuzz Face, Tonehunter Blue Haze, Vox Wah, Maxon Compressor

Einmal stellte er mir seinen Bruder Jimmie vor, der vor vielen Jahren Jimi Hendrix getroffen hatte. Jimmie ist ein absoluter Blues-Purist, der Verzerrung und zu große Lautstärke nicht mag. Deswegen klingt Jimmie so wie er klingt. Und deshalb klang Stevie Ray wie Stevie Ray, denn sein Bruder riet ihm davon ab, seine Gitarre allzu wild klingen zu lassen. Er sagte: „Lass es sein, denn sonst wirst du ständig mit Jimi Hendrix verglichen. Wenn du einen etwas cleaneren Sound fährst, bekommst du eine eigene Note, unterscheidest dich von Hendrix und besetzt eine eigene Nische.“ Damit hatte Jimmie Vaughan natürlich Recht.

Boss ME-50B
FOTO: Matthias Mineur
Boss ME-50B

Du hast dich anders entschieden.

Randy Hansen: Stimmt. Ich habe mich darüber mit Stevie und seinem Bruder unterhalten. Ich sagte: „Hört mal, jeder im Business ist auf einen eigenen Stil aus. Ich bin es nicht, ich habe nur einen Wunsch: Ich möchte die Jimi-Hendrix-Nische so gut wie möglich besetzen. Das ist mein Ding. Ich war weltweit der allererste, der eine Tribute-Band gründete. Ganz ehrlich: Vor mir gab es so etwas überhaupt nicht. Zeig mir eine Tribute-Band irgendwo auf der Welt, die bereits vor mir existiert hat, und ich nehme alles zurück. Ich wollte nur die Musik von Jimi Hendrix spielen, denn für mich war er die Marilyn Monroe des Geschreis, der Humphrey Bogart des Rocks. Er war wie alle Stars zusammen, er war einzigartig. Ich möchte, dass ihn – ähnlich wie etwa Julius Cäsar – auch in 1000 Jahren noch die ganze Welt kennt, als Meister der Stratocaster oder als Meister von irgendetwas anderem.

Randy Hansen
FOTO: Cristina Arrigoni

Hand aufs Herz: Wärst du ohne Jimi Hendrix trotzdem Musiker geworden?

Randy Hansen: Vermutlich ja, aber kein Gitarrist, sondern wohl eher Schlagzeuger. Oder Maler. Ich wollte immer Künstler sein. Oder Pferdejockey, weil ich damals noch sehr klein war. Doch dann wuchs ich, und damit war der Beruf des Jockeys hinfällig. Aber ich male, auch Bilder von Jimi, und manche Menschen behaupten, dass ich sehr gut male. Irgendwann möchte ich eine eigene Ausstellung machen, denn ich liebe Kunst über alles. Aber ich bin auch so superglücklich, denn ich genieße das Leben und habe den besten Job der Welt.

Danke, Randy, und viel Spaß auf deiner Herbsttournee.

EBS Valve Drive und Line 6 Relay G50
FOTO: Matthias Mineur
EBS Valve Drive und Line 6 Relay G50

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(erschienen in Gitarre & Bass 11/2017)

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