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Interview: Ola Englund & The Haunted – Neues Album, neue Gitarren

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FOTO: Matthias Mineur

Bei unserem letzten Treffen auf der Frankfurter Musikmesse 2015 hatte Ola Englund gerade mit dem Album ,Exit Wounds‘ seinen Einstand bei den schwedischen Death-Metallern The Haunted besiegelt, und präsentierte bei halbstündigen Clinics am Messestand von Randall seine Washburn-Solar-Signature-Gitarre und den von ihm mitdesignten Randall-Satan-Amp.

Bis zum Spätsommer 2017 scheint seine Entwicklung rasant vorangeschritten zu sein: Mit der zweiten The-Haunted-Scheibe ,Strength In Numbers‘, die in diesen Tagen erscheint, hat sich der 35- Jährige als wichtigster Songschreiber der Band etabliert. Zudem gab er das Ende seines Vertrags mit Washburn bekannt und kündigte vor wenigen Tagen an, seine Solar-Gitarre fortan über die eigene Firma Solar Guitars anzubieten. Wer den grandiosen Gitarristen hautnah erleben möchte, sollte unbedingt zum Guitar Summit kommen, der vom 8. bis 10. September 2017 in Mannheim stattfindet. Was die Besucher dort von Englund erwarten dürfen und wie die weiteren Pläne mit Solar Guitars sind, erfuhren wir in einem interessanten Gespräch. Aber natürlich lassen wir den sympathischen Musiker zunächst die Vorzüge des neuen The-Haunted-Albums anpreisen.

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Ola, ,Strength In Numbers‘ ist dein zweites Album mit The Haunted. Was unterscheidet die Scheibe vom Vorgänger ,Exit Wounds‘?

Ola Englund: Bei ,Exit Wounds‘ war ich noch neu in der Band, dementsprechend mussten wir uns erst kennenlernen. Dadurch konnte ich nur wenige Songs beisteuern. Auf ,Strength In Numbers‘ sind dagegen weitaus mehr Stücke aus meiner Feder. Ich kam für Anders Björler in die Band, der ebenfalls sehr viel geschrieben hatte. Aber erst jetzt trete ich so richtig in seine Fußstapfen. Etwa 60% des Materials auf ,Strength In Numbers‘ stammen von mir.

Inwieweit haben sich The Haunted mit dir als Haupt-Songschreiber im Vergleich zur Anders-Björler-Ära verändert?

Ola Englund: Ich habe nicht den Eindruck, dass sich etwas Wesentliches verändert hat. Ich fühle mich gut integriert – und trotzdem hat die Band ihren eigenen Stil behalten. Meinen Kollegen gefällt, was ich komponiere. Die Hörer werden meines Erachtens feststellen können, dass ,Strength In Numbers‘ weitaus dynamischer und melodischer klingt als ,Exit Wounds‘, ohne dabei auf die harten Thrash-Elemente zu verzichten. Es gibt mehr Soli, mehr Melodien, aber ebenso auch das notwendige Tempo und die gewohnte Härte. Man muss einfach bedenken, in welcher Situation The Haunted waren, als ich dazustieß: Wichtige Mitglieder hatten die Gruppe verlassen, sodass ,Exit Wounds‘ eine Art Neubeginn war. Viele Fans fragten sich, ob die Band überhaupt noch die Motivation haben würde, und genau aus diesem Grunde wollten The Haunted eine möglichst energetische Scheibe produzieren, um zu zeigen: Wir sind wieder da und noch immer voll im Geschäft! Deswegen wurde ,Exit Wounds‘ ein hektisches Werk, das an keiner Stelle innehält oder mal kurz durchatmet. Jetzt ist die Situation eine andere: ,Strength In Numbers‘ atmet, hat Pausen, besitzt einen homogenen Fluss und klingt reifer und gelassener.

Wo und wie hast du deine Songs geschrieben?

Ola Englund: Wir haben schon vor zwei Jahren mit ersten Ideen angefangen und dann auf der Tour weiter komponiert. Immer wenn ich einen Song oder eine Idee fertiggestellt hatte, wurde sie innerhalb der Band herumgeschickt und um Verbesserungs- oder Ergänzungsvorschläge gebeten. Ich bevorzuge es – ähnlich wie die beiden anderen Songschreiber Patrik Jensen und Jonas Björle – eine Idee komplett auszuarbeiten und sie erst dann mit den anderen zu diskutieren und zu verändern.

Wie und mit welchem Equipment hast du die Gitarren aufgenommen?

Ola Englund: Wie schon bei ,Exit Wounds‘ habe ich die Gitarren bei mir zu Hause über mein UAD-Apollo-Interface aufgenommen und später dann in England bei Russ Russel (Produzent der Scheibe, Anm. d. Verf.) mit dem Randall Satan, meinem Signature Amp, gereamped. Das ist die für mich bequemste Arbeitsweise.

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FOTO: Ola Englund

Wie viele Spuren pro Song hast du eingespielt?

Ola Englund: Für die Rhythmusgitarren immer nur zwei, eine links, eine rechts. Ich mag es zwar auch, wenn man jeweils zwei Spuren links und rechts aufnimmt, aber in diesem Fall wollte ich dem Bass mehr Raum geben, sodass man genau hören kann, was er spielt. Nimmt man zu viele Gitarrenspuren auf, wird es später im Endmix schwierig, alle Instrumente klar herauszuhören. Je weniger Spuren man aufnimmt, umso mehr Dynamik hat die Produktion. Außerdem klingt es ehrlicher, zumal wir sowieso keine Band sind, die perfekt klingen will, sondern möglichst lebendig. Einige Songs repräsentieren pure Energie und sind vermutlich nicht 100%ig tight gespielt. Aber das stört nicht, da die Intensität perfekt eingefangen wurde. Uns geht es ums richtige Feeling. Wenn sich ein Song insgesamt gut anfühlt, ändern wir nichts mehr daran.

Hast du etwas anderes gespielt als deine Signature-Gitarre?

Ola Englund: Lediglich eine Washburn-Akustik-Gitarre. Alles andere stammt von meiner Solar.

Wie war die Solar gestimmt?

Ola Englund: Überwiegend einen Ganzton tiefer, also auf D-Standard. Bei einigen Tracks habe ich zusätzlich die tiefe D-Saite auf C gestimmt, also Drop-C-Tuning.

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Hast du Effektpedale eingesetzt?

Ola Englund: Abgesehen von einem Dunlop-John-Petrucci-Signature-Wah-Wah-Pedals im Solo von ,Brute Force‘ waren es ausschließlich Plug-Ins. Wobei insgesamt nur sehr wenige Effekte zum Einsatz kamen, hier und da mal ein wenig Delay und Reverb, vielmehr jedoch nicht.

Bei welchem der zehn neuen Songs kann man den aktuellen Ola Englund am besten heraushören?

Ola Englund: Definitiv in ,Monuments‘, der letzten Nummer des Albums. Es ist ein betont dunkles Stück mit einigen melodischen Elementen, bei denen man den Charakter meiner Solar-Gitarre besonders gut heraushören kann. Man erkennt ihren signifikanten Sound zwar auch in anderen Nummern, aber nirgends so direkt wie in ,Monuments‘. Dieser Song repräsentiert mich zu 100%, nicht nur in Bezug auf The Haunted, sondern generell als Musiker.

Man könnte sich einen solchen Song also auch auf einem Ola-Englund-Solowerk vorstellen?

Ola Englund: Ja, absolut, dieses Stück bin ich!

Habt ihr ,Monuments‘ oder eines der anderen neuen Stücke bereits auf der Frühjahrs-Tour mit Arch Enemy getestet?

Ola Englund: Nein, auf der Tournee gab es nur älteres Material. Natürlich wäre es spannend gewesen, auszuprobieren, wie die Fans darauf reagieren. Andererseits bin ich mir absolut sicher, dass sämtliche Stücke von ,Strength In Numbers‘ auch auf der Bühne hervorragend funktionieren. Endgültig wissen wir es zwar erst bei den Proben zur neuen Tour, aber wir schreiben die Songs sowieso für die Bühne. Es gibt zwei Gitarren, je eine rechts und links, eventuell noch eine zusätzliche in der Mitte, aber nicht mehrere Schichten von Gitarren, die man live nicht reproduzieren kann.

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FOTO: Ola Englund
Olas Studio: Hier dreht er seine YouTube-Videos und hat auch die Gitarren für das neue The-Haunted-Album aufgenommen.

Für euch sind Studio und Bühne also nicht getrennt voneinander zu sehen?

Ola Englund: Nein. Für mich sind aufgepumpte Studioproduktionen ein Zeichen dafür, dass die rohen Ideen der Songs nicht stark genug waren. Für manche Bands mag diese Einschätzung nicht stimmen, aber wenn Musiker anfangen, auf der Bühne sogar Chorgesänge und zweite Stimmen von Tape abzurufen, geht mir das zu weit.

Du hast vorhin von deiner Solar-Signature-Gitarre gesprochen, die ab sofort nicht mehr über Washburn angeboten wird, sondern über deine neue eigene Firma.

Ola Englund: Richtig. Ich habe Washburn verlassen und nehme meine Solar, die ich damals in den Deal eingebracht habe, mit in meine eigene Company, die sich Solar Guitars nennt. Aktuell kümmern wir uns um die Website und die Öffentlichkeitsarbeit. Wir hoffen, dass man Anfang Oktober die ersten Gitarren bei uns bestellen kann. Die Pläne zu Solar Guitars existieren schon seit einer Weile, und jetzt ist endlich die Zeit gekommen, auch darüber sprechen zu können. Wichtig ist: Es gibt kein neues Signature-Modell, sondern eine neue Gitarrenserie. Wir starten mit vier Modellen und insgesamt 15 verschiedenen Produkten. Es wird von Anfang an einige Künstler geben, die diese Gitarren spielen. Und natürlich werde ich sie auch auf dem Guitar Summit in Mannheim präsentieren.

Kannst du bereits ein paar Details zu den Gitarren verraten?

Ola Englund: Wie erwähnt, wird es zunächst vier Modelle geben, zwei in Super-Strat-Form, eine in V-Form sowie eine neue im Explorer-Style. Die Modelle nennen sich Type A, Type S, Type V und Type E. Die insgesamt 15 verschiedenen Gitarren haben teilweise Evertune-Bridges, Duncan-Solar-Pickups, Grover-18:1-Locking-Tuner, Super-Jumbo-Frets, Graphite-Nuts sowie einige weitere Besonderheiten. Sämtliche Gitarren sind gezielt für den Bühneneinsatz konzipiert, der Korpus der V und der Explorer beispielsweise sind abgeschrägt, damit sie sich leichter spielen lassen. Und natürlich achten wir auch weiterhin ganz besonders auf die optische Eleganz der Instrumente.

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Neben der Ur-Solar gibt es auch wieder einen V-Type.

Wo wirst du die Gitarren bauen lassen?

Ola Englund: In der gleichen Manufaktur in Indonesien, in der auch die Washburn-Solar gebaut wurde. Gitarristen, die schon einmal eine Solar in der Hand hatten, werden sich mit meinen neuen Gitarren sofort wohlfühlen. Es ist die gleiche Kopfplatte, das gleiche Design, im Grunde genommen genau die Gitarre, die ich mit zu Washburn gebracht habe.

Gibt es einen Vertrieb? Wo können Interessenten die Gitarren kaufen?

Ola Englund: Am Anfang verkaufen wir die Gitarren direkt über die Website. Aber natürlich wollen wir sie mittelfristig auch über einen Vertrieb anbieten. Ich habe einige gute Kontakte, aber erst wenn die Website steht und die Dinge ins Rollen gekommen sind, werde ich mich konkret darum kümmern. Es gibt diesbezüglich keinen Zeitdruck.

Sind im weiteren Verlauf auch Amps und Effektgeräte geplant?

Ola Englund: Mal schauen, vielleicht. Wir fangen erst einmal mit den Gitarren an und warten ab, was passiert. Auf jeden Fall passt diese Firma generellen zu meiner Entwicklung, hin zu einem selbstständigen Künstler.

Letzte Frage: Was können die Besucher des Guitar Summit von deiner Performance erwarten? Außer der Vorstellung deiner Solar Guitars, versteht sich.

Ola Englund: Ich werde bei meiner Performance – wie man es von meinen Clinics und Workshops kennt – Gitarre spielen und mich mit den Besuchern unterhalten. Ich erzähle von meinem Weg als Wohnzimmergitarrist zu einem Musiker, der sich Bands angeschlossen hat und seitdem einen Teil seines Lebens auf der Bühne und in der Öffentlichkeit verbringt, sprich: der Schritt vom Hobbymusiker zu einem bekannten Profi. Außerdem werde ich ein wenig über Modeling-Amps referieren. Möglicherweise bringe ich mein Fractal-FX8-Pedal mit und erzähle etwas von meinen Erfahrungen mit diesem Pedal und mit ähnlichen Geräten. Der Sinn solcher Modeling-Amps ist ja immer abhängig davon, wofür man sie verwendet. Wenn man die Dinger auf Tour einsetzen will, gibt es für mich nichts Besseres als das Line 6 Helix, denn ich kann es in meine Reisetasche packen und damit jede Art von Show spielen. Im Studio ist sicherlich der Kemper mit all seinen Amp-Simulationen ideal. Darüber öffentlich zu sprechen ist neu für mich, insofern bin ich gespannt, was sich daraus an Anregungen durch die Zuhörer ergibt.

Danke Ola, für das nette Gespräch, und alles Gute für dich und deine neue Firma! Man sieht sich beim Guitar Summit! [1620]

(Aus Gitarre&Bass 09/2017)

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