Hughes & Kettner era 1

Interview mit Hughes & Kettner Entwickler Michael Eisenmann

Hughes & Kettner ist immer wieder für Überraschungen gut. In der über 30-jährigen Geschichte hat es stets Produkte gegeben, die aufhorchen ließen: Ob Cream Machine, Red Box, Triamp, Tube Master, Rotosphere, Tubemeister und noch vieles mehr, es waren fast immer Geräte für E-Gitarristen. Mit dem era 1 kommt ein Produkt für eine neue Zielgruppe auf den Markt: Ein Akustik-Gitarren-Verstärker mit Digital Vorstufe und Class-D-Endstufe.

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Anfang Juni 2017 sollten die ersten era 1 ausgeliefert werden, kurz vor dem Start besuchten der Entwickler Michael Eisenmann und Stefan Fischer von Hughes & Kettner die Gitarre-&-Bass-Redaktion mit einem Vorseriengerät im Gepäck. Hier nun das komplette Interview, das wir mit den beiden führten (in der G&B-Ausgabe 7/2017 konnten wir aus Platzgründen nur Teile des Gesprächs abdrucken).

Michael, wie kam es zur Zusammenarbeit mit Hughes & Kettner?

Michael Eisenmann: Ich habe über 20 Jahre lang für die Firma AER gearbeitet. Dann habe ich die Firma 2011 aus privaten Gründen verlassen, habe mich dann als Consultant selbstständig gemacht und habe nach Partnern für meine Leidenschaft Akustik-Verstärker gesucht.

Was ist deine Berufsbezeichnung?

ME: Ich habe Elektrotechnik studiert. Gegen Ende des Studiums habe mich entschlossen, in die Audio-Technik zu gehen, was eh schon immer meine Leidenschaft war. Ich habe mich 1985 selbstständig gemacht, und ein Geschäft aufgemacht für professionelle Audio-Technik. Ich habe Signal Controller für aktive Lautsprecher entwickelt. Und wie es so passiert, irgendwann ist mir ein Gitarrist über den Weg gelaufen, und wir haben zusammen die Firma AER gegründet.

Spielst Du selber Gitarre?

ME: Nein. Aber ich habe das bei meiner Arbeit kennengelernt. Ich war ja eher auf der reproduzierenden Seite: ich habe P.A.-Verleih und Beschallungstechnik gemacht. Und dann habe ich die Instrumente kennenglernt, auch akustische, und das hat auf mich einen großen Reiz ausgeübt. Daraus ist die Idee entstanden einen Gitarren Verstärker zu entwickelt, für akustische Instrumente.

AER ist ja weltweit eine anerkannte Marke und war Vorreiter für viele andere. Die Unplugged Welle hat ja dann den Weg für Akustik-Amps weiter geöffnet und fast jeder hatte plötzlich ein solches Gerät im Programm. Aber mit dem, was ihr gemacht habt, hat das nicht mehr viel gemeinsam?

ME: Wir sind von Anfang an einen anderen Weg gegangen. Bei uns war es eine Art geniale Symbiose eines Technikers und eines Musikers, die die Köpfe zusammengesteckt haben und ein Gerät mit Hilfe von moderner Audio-, Beschallungs- und Messtechnik entwickelt haben.

Braucht ein Akustik-Gitarrist eigentlich einen heute noch einen Akustik-Verstärker?

ME: Die Frage ist völlig berechtigt. Eigentlich braucht er ihn keinen. Denn er ist ja völlig glücklich mit seinem Instrument. Er braucht das erst, wenn die akustische Leistung nicht ausreicht. Er braucht ihn nicht zum Sounddesign wie ein E-Gitarrist. Aber wenn die natürliche Lautstärke nicht ausreicht, dann muss er sich halt verstärken. Da fängt unser Job an. Wir sind das zweite Glied in der Kette. Diesen Job muss man machen. Und den macht man, indem man ihm ein einfach zu bedienendes Gerät hinstellt. Plug in and play. Flat einstellen, einstecken und los geht es.

Ist es also eine kleine Mini-PA für denjenigen, der sein akustische Instrument lauter machen will?

ME: Ja, das kann man so sagen. Man feilt ein bisschen dran, damit die Anpassungen funktioniert, und damit es nahe dran ist am authentischen Ton. Nahe dran ist richtig, denn eigentlich ist man ja chancenlos, da über ein Pickup-System ja nur einen Bruchteil der Informationen des Amps kommen. Da liegt das Geheimnis, damit man diese Transmission hinkriegt.

Wir haben uns ja eben zusammen ein Vorserienmodell des neuen Hughes & Kettner era 1 angehört. Ihr habt wirklich an fast alle Möglichkeiten gedacht: Instrument verstärken, dazu Singen, an P.A. anbinden, Recording out. War das Voraussetzung oder ist das bei der Entwicklung gekommen?

ME: Das war am Anfang Voraussetzung, auch schon vor 20 Jahren. All das soll eingebunden sein. Der Amp ist ja sozusagen ein Interface. Im kleinen Club reicht das schon aus. Aber wenn eine Beschallung dazu kommt – und ich komme nun ja daher – dann muss man das auch bedienen können. Und in guter Qualität anbieten.

Mir ist aufgefallen, dass ihr nicht nur einen neutralen Klang bietet sondern wirklich auch an alle Eventualitäten gedacht habt, und nicht nur ein schickes Holzgehäuse bietet, wie viele anderen, wo dann die Optik stimmt aber das Ergebnis nach allem nur nicht nach Akustik-Gitarre klingt. Ihr biete pre/post schaltbare DI-Ausgänge, Phantomspeisung, Digital Out, zwei völlig unabhängige Kanäle. Kommt das alles aus den alten Erkenntnissen?

ME: Exakt so ist es.

Stefan Fischer (Hughes & Kettner) und der Entwickler Michael Eisenmann im Gespräch mit G&B-Chefredakteur Dieter Roesberg

Wie bist du denn mit Hughes & Kettner zusammen gekommen?

ME: Nachdem ich AER verlassen hatte, habe ich Partner gesucht, um weiter Akustik-Amps zu bauen. Ein Bekannter, der in der PR-Branche tätig ist, hat mir den Kontakt zu Stefan Fischer von Hughes & Kettner gelegt. Stefan hatte ich Jahre vorher schon mal auf der Tonmeistertagung kennengelernt, und ich habe mit ihm mal das Thema digital Effekte und AD-Wandler besprochen, als die Marke MindPrint noch aktuell war. 2013 haben wir dann Kontakt aufgenommen, Stefan Fischer hat sich meine Ideen angehört, in größeren Abständen haben wir telefoniert, uns zweimal auf der Messe getroffen, und Ende 2014 hat er mich nach St. Wendel eingeladen. Er sagte: ,Jetzt ist eine runde Sache für uns. Komm doch mal vorbei.’

Im Frühjahr 2015 bin ich dann nach St. Wendel gefahren, habe dort die Ingenieure und Lothar Stamer kennengelernt. Die Chemie passte von Anfang an. Ich habe dann ein Konzept erstellt und es rollte los.

Es hat also zwei Jahre gedauert von der Idee bis zur Umsetzung?

ME: Intensiv habe wir 1 Jahr dran gearbeitet, vom Konzept bis zur Verwirklichung waren es 2 Jahre, ein langer Prozess. Aber für mich auch besonders reizvoll, einen Akustik-Amp für eine Rock-‘n’-Roll Company zu entwickeln.

Stefan Fischer: Ich habe Michael immer schon auf dem Schirm gehabt. Die Handschrift und Philosophie bei AER hat mich von Anfang an fasziniert. Ich hatte das Gefühl, das hat jemand gemacht, der weiß, was er da tut. Wir haben vor Jahren ja mal als Stiefkind auch einen Akustik-Amp gemacht, weil unsere Kunden das haben wollten, aber seitdem war uns klar, dass man dafür einen ganz anderen Fundus an Erfahrung und Wissen benötigt. Diese Erfahrungen, mit dem, was den Charakter eines Akustik-Amp ausmacht, und was der Amp auf der technischen Seite tut, um das zu featuren und dem Spieler das Gefühl zu geben ich spiele mein Instrument und das wird dann nicht zu einem verformten Monster. Ich glaube, es gibt nicht dutzende Ingenieure auf der Welt, die so etwas machen können. Da ist so vieles im Spiel: Instrument, Eingangsstufe, Vorverstärker, Effekt, Endstufe, Lautsprecher, Gehäuse.

ME: Es ist eine lange Transmissionline. Aber jedes Teil muss zum anderen passen. Und trotzdem sind es oft nur Kleinigkeiten. Hier die richtige Schraube gedreht. Es ist keine Hexerei. Es ist fast wie beim Kochen, wo es vielen kleinen Zutaten ausmachen

Die wesentlichen Merkmale, die Keyfeatures, beim Akustik-Amp sind: Klein, handlich, er muss die Dynamik verarbeiten können. Wenn du siehst, wie manche Akustiker in die Saiten gehen, da passiert richtig was. Wenn ein Dual- Source-System verwendet wird (mit Mikrofon), da sind enorme Schalldrücke, im Gitarren-Korpus, die alle sind so sauber wie möglich zu verarbeiten. Da brauchst du Dynamik. Wenn du irgendwo einen Flaschenhals hast, verlierst du einfach tonale Information. Da sind zwar alles Kleinigkeiten. Am Ende des Tages ist es aber das, was den Unterschied macht. Ganz entscheidend ist auch, das die Endstufe den Spannungshub kann, dass sie die Dynamik umsetzen kann. Es geht dabei nicht um Leistung. Nicht um 100 oder 150 Watt. Das ist aus meiner Sicht völlig langweilig. Darum haben wir eine leistungsstarke Class-D-Endstufe eingesetzt. Bei HK-Audio war sie schon vorhanden, und sie gibt uns einfach eine Menge Dynamik, einen hohen Spannungshub. Der erste Attack, der kommt, wenn du die Saite anschlägst, ist wichtig, dann ist der Ton da und dann kann es auch abfallen. Die mittlere Leistung ist verglichen dazu, minimal.

Wir verwenden einen 8“-Lautsprecher, natürlich hat der Grenzen. Aber das, was er macht, was er zulässt, das macht er sauber. Man kann Bass darüber spielen. Die Phantasie der Musiker ist grenzenlos. Natürlich müssen wir den Speaker auch schützten. Das geht mit der Digital Endstufe ideal. Sie hat eine hohe Effizient Sonst könnte man das gar nicht machen mit der hohen Spannung.

Wir haben lang probiert und diskutiert, ob wir diesen digital Weg überhaupt gehen. Am Anfang gab es zwei Konzepte analog und digital.

Auch die Vorstufe arbeitet Digital. Du hast mir ja eben schon vorgeführt, wo die Vorteile liegen. Ich habe meine Gitarre über eine LR BAggs DiBox angeschlossen, um die Klangvorteile zu zeigen. Du hast diesen Klang mit Hilfe der Presetschalter nachgebildet, klanglich gleich aber mit den digitalen Vorteilen, nämlich ohne Rauschen.

ME: Es ist schon klar, konservative Akustik-Musiker beim Wort Digital das ein oder andere Ohr mal zumacht oder dran vorbeigeht. Deswegen würde ich das auch nicht so massiv kommunizieren wollen. Plug in and Play und guck mal was passiert.

SF: Diese Diskussion darüber, ob analog oder digital, hat die eine oder andere Woche aufgebraucht, wobei meine Erfahrung ist, das sich 2017 die Einstellung da draußen verändert hat. Ich erlebe das jetzt gerade in letzter Zeit mit den Beta-Testern, die sagen mir, ,es mir doch egal ob es analog oder digital ist, Hauptsache es klingt gut, es hat eine gute Auflösung, ich höre den Charakter und die Persönlichkeit meines Instruments, und es rauscht nicht. Und ob das mit einem DSP oder mit irgendwelchen orangen Kondensatoren erzielt wird, oder sonst irgendwie, ist mir wurscht.’ Das Ganze ist pragmatischer geworden.

ME: Ich komme ja aus dem Bereich, wo ich hauptsächlich mit den klassischen Gitarristen zu tun hatte, so wie Singer Songwriter, die, die alleine viel unterwegs sind, nicht die, die dann auch schon mal in der Popkapelle für eine Ballade ein Akustikinstrument in die Hand nehmen. Deswegen ist immer auch ein bisschen Vorsicht geboten, die sind zumindestens m. E. n. sehr konservativ gegenüber der Technik; und bei den Klassikern hört der Spaß ganz auf. Die sind immer schon bitterböse enttäuscht, wenn sie einfach einen Verstärker brauchen, weil die akustische Leistung nicht reicht. Wenn den einen hinstellst, dann aber unter dem Stuhl und pechschwarz, und nix darf man sehen. Das ist ein Anspruch. Aber dem wollte ich Genüge tun, und das mit Hughes & Kettner weiter fortführen. Der neue Amp ist aber nicht nur für Gitarren und Zupfinstrument sondern auch für andere Streichinstrumente, wie z. B. eine Geige, oft werden ja heute Silent Violins eingesetzt.

Was unterscheidet den era 1 von anderen Akustik-Amps?

ME: Die Dynamik, die wir deutlich verbessern konnten. Und natürlich es ist ja nicht nur eine digitale Endstufe drin, sondern es gibt ja auch die digitale Signalverarbeitung, das gestattet uns natürlich eine völlig andere und sehr komfortable Art des Equalizings.

Das ist das, was ihr quasi aus der PA- Abteilung HK-Audio als Benefit nehmen konntet?

SF: Ja. Denn wir können ja Basistechnologien zur Verfügung stellen. So schützen wir auch den Lautsprecher. Da kann man deutlich komfortabler und effizienter Dinge abfangen, die der Lautsprecher eh nicht abstrahlen würden. Man kann ihn deutlich besser entzerren. Das ganze kann man gleicherweise dynamisch machen. Ein Beispiel: bei kleineren Pegel gestattet man ihm etwas mehr Bass, und wenn es an die Grenze kommt, nimmt man Dampf weg. Aber das muss man dann fein abstimmen.

ME: Die digitale Plattform hat deutlich mehr Möglichkeiten der Varianz, also man kann auch mal schnell ändern, du brauchst keinen Lötkolben, nein nur ein Programm, und dann ist das gegessen.

Was andere Instrumente angeht und das Equalizing betrifft, die Filterstrukturen sind auch viel feiner. Ein Beispiel: bei der akustischen Übertragung von Musikinstrumenten sind die Resonanzen sehr schmalbandig. Mit einer klassischen Kuhschwanzklangreglung hebt man andere Bänder mit an, dann fängt es deutlich mehr an zu färben, als wenn man gezielter in die Resonanzen reingeht. Diese Werkzeug ist eine ganz andere Hausnummer.

Stefan Fischer (Hughes & Kettner) und der Entwickler Michael Eisenmann

Die Entwicklungsarbeit ist also, das aufeinander abzustimmen?

ME: Ja. Und natürlich muss man gucken, dass man audiotechnisch hinbekommt. Ich bin ja Techniker, ich möchte auch dass es wenig rauscht, dass es nicht an Dynamik verliert. Die digitale Technik hat den Nachteil, dass man durch den Flaschenhals Wandler muss. Man wandelt das Signal ja an vielen Stellen, aber auch da, wo nicht so viele Pegel sind, da musst man gucken, dass man das geschickt hinkriegt, ohne großen Dynamikverlust.

Die Klangregelung ist fein und dezent. Ich persönlich mag es nicht, wenn man irgendwo was reindrehen kann, was völlig sinnlos ist. Es wird sicher den einen oder andere geben, der sagt, mir ist es zu wenig Bass. Aber dann sage ich: dein Instrument hat den Bass nicht.

Wir haben es ja eben bei deiner Gitarre gehört, es kam genau das Pfund aus dem Amp raus, was die Gitarre hergab.

Da ist unser Ziel. Jede Gitarre soll so klingen, wie sie klingt.

SF: Für mich gibt es zwei Erfolgsebenen Fühlt sich der Musiker wohl damit? Wie funktioniert es im Kontext? Da sind die beiden Dinge, die funktionieren müssen. Wenn ich das Gefühl habe, ja das ist mein Instrument nur größer, das ist das Ziel. Ich glaube, das haben wir ziemlich gut erreicht. Ich kann mich etwas weiter aus dem Fenster hängen, da ich nicht der Entwickler bin, der es immer etwas zurückhaltend sieht, aber ich kenne keinen Akustik-Amp da draußen, mit dem das so gut funktioniert.

Auch im Bandkotest, für den Gitarristen der innerhalb von einer Rockband oder Progband oder sonst irgendwie, ist es wichtig ein Signal zu haben, das sich wie ein Instrument auch auf der Bühne verortet und mit dem der Musiker in der Lage ist, in gewohnter Art und Weise mit den Mitmusikern einen Klangkörper zu bilden.

Es gibt sicher Musiker, die sagen: Das brauche ich nicht, ich gebe mein Instrument auf mein Mischpult und höre es über den Monitor. Was würdest du dem sagen, warum man den era benutzen soll?

ME: Mit dem era 1 bist du näher an der Quelle und hörst den Original-Sound. Beim Monitor ist ja jede Menge dazwischen. Der Monitor ist wegen Feedback equalized, und so hat das ja nicht zwingend was mit dem Originalsound zu tun. Beim In-Ear-Monitor ist das gegebenenfalls anders, natürlich gibt es immer die Fäll, wo das auch funktioniert, aber ich glaube, wenn der Amp auf der Bühne steht und man dicht dran, dann ist das ein anders akustische Feedback. Außerdem gibt es ja auch Konzerte, wo die PA nur ein bisschen Unterstützung ist.

So hat man das eigene Monitoring im Griff, mit der Hoffnung, dass der Ton dann auch vorne ankommt.

SF: Ich denke, dass heute jemand, der in einer Band spielt, und im Band-Programm 3, 4, 5 Titel Akustik-Gitarre spielt, wahrscheinlich auch noch in einer anderen kleineren Besetzung oder alleine zu Gange ist. Das war vor 10 Jahren noch anders.

Deshalb schauen die Musiker heute anders darauf, es gibt viele, die sich schon mal einen Akustik-Amp gekauft hatten. Aber dann gemerkt haben, eigentlich brauche ich was, das in einer anderen Liga funktioniert. Und jemand, der vielseitig zu Gange ist, für den wird so ein Amp die beste Lösung sein. Ein wirklich hochwertiges Preamp-Pedal kostet auch schnell mal ein paar hundert Euro; aber beim era 1 muss er sich eigentlich ziemlich wenig Gedanken drüber machen, ob der nächste Gig jetzt im Cafe Dingenskirchen oder in der Stadthalle Soundso stattfindet, er hat immer eine hochwertige Basislösung – auch für Recording-Geschichten. Das war auch so was, was wir im Vorfeld lange diskutiert haben. Der Amp bietet einen optischen S/PDIF-Out, denn heute ist es oft einfach selbstverständlich, dass ich Rekorden will. Und wenn ich ein Tonabnehmersystem habe und nicht die geeigneten Räumlichkeiten, um per Mikro abzunehmen, und dann brauche ich Gerät bzw. zumindestens einen Preamp, der aus dem Piezo-Signal , aus diesem dürren Würstchen, irgendwie was Vernünftiges macht. Und das funktioniert beim era.

Hattet ihr das von Anfang an auf dem Schirm oder ist euch das bei der Entwicklung gekommen?

ME: Wenn du in der digitalen Ebene bist, dann ist das ja klar, dann bietet das sich an. Man hat es bisher noch nicht gesehen, weil es noch keinen digitalen Amp gibt, mit Ausnahme des Yamaha TDX, aber der hat aber auch kein S/PDIF.

Man hat an jeder hochwertigen Soundkarte einen S/PDIF-Eingang, und warum soll man das Signal dann nochmal wandeln. Jeder Wandelvorgang bringt Verluste mit sich. Und beim era 1 sind hochwertige Wandler drin, denn daran darf man nicht sparen. Die Wandler sind das Salz in der Suppe. Dann braucht man ein gescheites Front-end und dann funktioniert es.

SF: Ein wichtige Aspekt ist es, dem Musiker ein sehr hochwertiges Paket an die Hand zu geben, mit dem er sich eigentlich in allen Lebenslagen eine gute Grundlage hat. Und auf das er sich verlassen kann. Am Ende des Tages soll er mehr Zeit und Spaß mit dem Musikmachen haben, er soll weniger rumschrauben und Rätselraten, warum es nicht klingt oder in einer Band durchkommt oder warum die Aufnahme zu Hause einen dünnen Sound hat.

ME: Es ist bei Gitarristen ja immer der Spagat, einmal Features anzubieten, die sinnvoll sind, auf der anderen Seite es doch wieder so übersichtlich zu gestalten, das Ganze aber handhabbar zu machen für die, die froh sind, dass sie den Netzstecker finden.

Werdet ihr noch weitere Produkte anbieten?

ME: Definitiv. Die DSP-Eigenschaften haben dafür gesorgt, weil das Equalizing und das Limitieren, also das Schützen des Lautsprechers, dort so komfortabel und hochwertig geht, dass auch eine geschlossenen Box verwendet werden konnte. Bassreflex Boxen haben oft den Nachteil, dass sie bei bestimmten Frequenzen Geräusche von sich geben. Wenn du die E-Saite noch ein bisschen tiefer stimmst, wird das extrem. Das Instrument generiert einen Klang, der besteht aus einem Grundton und Sub- und Obertönen. Der Grundton regt dann die ganz Bassreflex-mimik an und da die du ja eh nicht so groß machen kannst, kommen sozusagen Luftgeräusche. Das können wir verhindern und dabei trotzdem eine angenehme Übertragung im Bassbereich erzielen.

SF: Das war dann auch das zweite Argument, das haben wir damals auch kontrovers diskutiert. Nach Rücksprache mit unseren Ingenieuren stellte Michael seine Idee vor: Eine DSP-basierte Vorstufe, die Class-D-Endstufe, weil diese Technologie hat HK-Audio im Haus, und dann kann er sozusagen seinen Traum eigentlich damit erfüllen; mit einer fetten Endstufe kann man Leistung unten im Lautsprecher reinschieben, mit einer DSP-Vorstufe kann die einen ganz steilen Basscut machen, so dass er trotzdem save ist, und man kriegt das saubere Signal von der geschlossenen Box. Die dann nicht anfängt merkwürde Geräusche von sich zu geben.

Könnt ihr was zu den beiden Lautsprecher (8″ und 1″ Horn) verraten?

ME: Sie kommen aus Italien. Wir haben mit dem Hersteller schon seit Jahrzehnten zusammen gearbeitet.

SF: Nach deren Bekunden sind wir sogar deren größter Kunde. Sie sind sehr aufgeschlossen und sehr schnell, wenn wir Sonderwünsche haben.

Hattet ihr Sonderwünsche?

Ja klar. Es gibt immer Sonderwünsche. Das ist nicht irgendein Lautsprecher. Dieser Hersteller ist dermaßen kooperativ und so offen.

Der era wird in St. Wendel gefertigt?

SF: Bei uns gehört es zum Konzept, Made in St. Wendel. Nicht aus patriotischen Gründen, wir haben eine Mannschaft in St. Wendel, und da wollen wir dafür sorgen, dass die auch was zu tun haben, Außerdem gibt man mit all dem, was man weggibt, auch Know-how weg. Und wir fühlen uns in der Firma schon wie Familie. Man muss aufeinander aufpassen.

Es war uns auch wichtig das wir ganz unmittelbar Qualitätsaspekte in der Hand haben. Das ist auch so gedacht, die Modelle, die in der Vorbereitung sind, das sind etliche, die nächste und übernächstes Jahr kommen, das wird alles Made in St. Wendel sein. Ob und wann wir in anderen Preisklassen reingehen, ob das dann funktioniert, werden wir sehen.

Stand bei der Entwicklung der Preis im Vordergrund oder erst die Klasse?

SF: Im Vordergrund stand die Performance, man sollte Spaß haben das Gerät anzufassen. Also ein toller Holzlook mit Griff, das ist mit der gleichen Liebe und Sorgfalt gebaut wie dein Instrument. Unser Anspruch soll es sein, Anspruch, Partner des Instrumentes zu sein.

Und Michael mag lieber die schwarze Ausführung?

Nein ich mag alle Farben. Hauptsache sie sind schwarz.

SF: Am Ende des Tages geht es natürlich um Geschäftserfolg. aber mindestens genauso auch das ist eine super interessante Herausforderung, und da was zu machen, wo anderen Musiker nachher sagen hey, das ist aber toll. Das ist schon Mana fürs Ego. Das hat mit Musikmachen mit Songschreiben ganz viel gemein. Klar macht man das, man will Erfolg haben, man gibt ja auch was von sich.

Was ist bei der technischen Entwicklung wichtiger. Das technische Know-how oder das Ohr?

ME: Beides. Ich sage dir mal wie das funktioniert. Schaltung entwickeln, Engineering machen, Messen, am Ende des Tages kommt das Ohr, der Musiker. Das sind Welten. Es ist nach wie vor so, dass man nicht alles das messen kann, was man hören kann, und umgekehrt. Und dann gibt es diesen Graubereich, die einen sagen, das ist Esoterik, ich halte mich daraus, ich bewerte das nicht, Abstimmen, Feintunen, und dann nochmal mit Musikern. Ich habe das in meinem Umfeld gemacht und dann bin ich nach St. Wendel gefahren, mit dem Produkt für die akustische Abnahme, und habe alles nochmal mit Mario quergecheckt. (Ein erfahrener Musiker der dort arbeitet, Anm. d. Red) der auch im Bandkontext ist. Er hat Erfahrung, er besitzt viele Amps, es war genau mein Mann, das hatte ich schon beim ersten Termin gehört. Als er mit seinen Amps kam, wusste ich sofort, das ist der, den wir brauchen, der weiß, worum es geht. Mit seiner Gitarre. Das hat sich bis zum Schluss bewahrheitet, bis zur Abnahme im Frühjahr. Das Ohr musste noch da ja und Amen geben.

Du bist aber mehr als ein Techniker?

ME: Als bei AER alles gut lief, da habe ich mich für die wissenschaftliche Seite interessiert. Wie funktioniert Hören, wie funktionieren Musikinstrumente, für. Aspekte aus der musikalischen Akustik, aus der Psychoakustik, aus der Audiotechnik. Wie funktioniert das? Wie ist Wahrnehmung? Diese Themen haben mich immer interessiert. Das Spannende und die Herausforderung liegt doch beim Instrument, wenn du einen Amp dafür entwickelst, dann hast du einen realtime A-B-Vergleich, wie sonst nirgendwo. Da hast du beim E-Gitarren-Amp nicht. Es gibt nicht den Orginal-Ton. Hier gibt es die Martin, die spielt. Er spielt, da steht der Amp. Aber wenn das nichts miteinander zu tun hat, dann bist du auf dem falschen Dampfer.

Ja und das finde ich total nach wie vor spannend und dann natürlich die ganze Portion Subjektivität, aber wenn man kommunizieren kann, dann kriegt man da sozusagen auch einen gesunden Mittelweg hin.

Du bist also das Interface zwischen Technik und Ohr. Ich finde ein Entwickler muss auch nicht unbedingt ein guter Musiker sein.

ME: Du musst zuhören können. Ich glaube, wenn man als Entwickler den technischen Hintergrund kennt, wie funktioniert Wahrnehmung und wie funktioniert das Musizieren. Da bin ich immer gut mit gefahren Eine herrliche Symbiose. Ich bin froh, dass das bei Hughes & Kettner auch so kultiviert wird.

Wie ist das Verhältnis von Preis zum Produkt.

SF: Am Ende des Tages muss man schauen, dass man in eine vernünftige Balance kommt. Wenn du als oberste Prämisse nur die Kosten nimmst, wirst du in aller Regel nicht auf ein Gerät kommen, was dem Musiker auf einem bestimmten Anspruchslevel halt glücklich macht. Auf der anderen Seite, wenn du sagst, Kosten sind uns egal, dann landest du bei einem Freak-Gerät, von dem man dann drei Stück im Jahr verkauft. Wenn das dein Ziel ist und das deine Befriedung erhälst, wunderbar. Wir müssen halt von der Sache so nebenbei auch noch ein bisschen leben.

Unsere Idee war, eine Qualitätsklasse, dies bislang bei € 2000 lag, an die 1000er heranzuführen. Bisherige Amps, die das Level bieten kosten, halt an die € 2000 oder mehr, und einige davon hat Michael ja auch konstruiert. Wir bringen heute Qualität, die früher in einer anderen Preisklasse war.

Was glaubst du, wird das In-Ear-Monitoring einem solchen Amp schaden oder nutzen?

SF: Ganz einfach: Das Publikum trägt keine Kopfhörer. Und ich vergleich es mit dem Hughes & Kettner Rotosphere. Ich habe mich damals mit Jon Lord getroffen, er hat das Gerät mitgenommen, hat es in seinem Studio gecheckt. 2 Wochen später hat er angerufen: ,Stefan, Hammer Gerät, ich möchte es haben und benutzen, bei mir im Heimstudio, aber sei mir nicht böse, auf der Bühne werde ich weiter mein Leslie benutzen. Das muss physisch stattfinden, ich muss da drin sitzen.‘

Das ist ein großer Unterschied: Es gibt heute ganz tolle In-Ear-Geschichten, und die exzessiven Lautstärken, die es früher auf den Bühnen gab, sind heute nicht mehr. Aber eine gewissen physische Präsenz und Körperlichkeit braucht man.

Hier geht es ja auch gar nicht darum, dass man ein Signal hat, was so brechend laut ist. Einen 100 Watt Marshall muss man weit aufreißen, damit erklingt, hier kann ich das ja entsprechend anpassen. In-Ear wird sicher ein bisschen Potential wegnehmen. Auf der anderen Seite glaube ich aber, dass das Gerät durch den Allgemeintrend, was alles passiert, und durch seine Eigenschaften an viel Potential gewinnen wird.

ME: Ich finde, man hat mit dem era eine deutlich direkteres Monitoring als der In-Ear-Monitor, wo du abgeschotteter bist. Es ist ein völlig andere Qualität. Letztendlich wird es der Musiker entscheiden, ob es das wert ist. Aber der era ist für das große Feld der kleinen Bühnen gedacht.

SF: Die Gigs haben sich in den letzten 10 Jahren verändert. Auch in den USA. Die Clubs, wo früher die 5 Mann Truppe gespielt hat, davon gibt es ganz viele nicht mehr, es gibt viel mehr Singer-Songwriter oder kleine 2-Mann-Besetzungen, wo einer auf der Cajon rumkloppt. Diese Geschichte läuft interessanterweise auch nicht nur in typischen Umfeldern Club und Bars sondern auch spontaner mal hier mal da, die Streuung funktioniert da auch anders. Von daher ist es gut, was zu haben, mit dem man spontan umgehen kann, was für ganz viele verschiedene Anwendungen immer ein gutes Ergebnis eine gute Grundlage darstellt, das ist ein super interessanter Markt.

ME: Es ist ein hochflexible Konzept, das dann vielleicht doch nicht reicht, weil du in der Westfalenhalle spielst, dann hängst du einfach an eine P.A. dran und dann hast du Front Power. Was ja auch bei den Singer Songwritern beliebt ist. Wenn es nicht reicht, nimmst du einfach noch was zusätzliches mit. Du kannst mit dem era ja alles regeln, du brauchst kein zusätzliches Mischpult.

Warum ein DSP-Preamp mit digitalen Effekten?

SF: Ein Argument was bei mir gestochen hat in Richtung DSP Preamp, war es mit variablen Filtersettings umzugehen. Wähle Mod 1 an, es ist nicht nur irgendein Widerstand, der zugeschaltet wird, es ist ein Shaping. Auch bei den EQs gibt es Mod 1 oder Mod 2, für Steelstring, Nylon oder Mikrofon

ME: Ein wichtiges Argument war, dass der Musiker mehr oder weniger simpel live in einer Situation einfach per try und error ausprobieren kann und schnell zum Ergebnis kommen. Er hat auf diese Art und Weise ein mächtiges Werkzeug, wofür er aber nicht eine Führerschein-Prüfung ablegen muss.

SF: Wir müssen davon ausgehen, dass ein Großteil der Käufer die Bedienungsanleitung nicht lesen. Wir freuen uns, wenn sie sie lesen, ich lese die meistens aber auch nicht.

ME: Wenn ein Gerät sich angenehm verhält und nicht rumzickt, und du probierst halt aus, dann ist alles gut.

Bei einer solchen Konzeption ist es immer wieder die Herausforderung, wo triffst du den Balance-Punkt, wieviel Knöpfe sind jetzt dran, macht der wirklich Sinn, wie erlebt denn der Anwender diesen Knopf, in der Konzeption und im Werdegang des Gerätes ist das ein ganz wichtiger Aspekt. Am Ende des Tages geht um Menschen in ihrer ganzen Varianzbandbreite,

Es ist eure Aufgabe ein Instrument zu machen, mit dem der Musiker glücklich ist.

ME: Unser Zielmusiker ist schon ein bisschen fortgeschritten. Das ist nicht der Einsteiger.

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