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Aus dem neuen Heft

Interview: Ed O’Brien

(Bild: Universal / Eliot Lee Hazel)

Seine Mitstreiter von Radiohead nennen ihn „Mum“, weil er bei den Rockmillionären aus Oxford für Zusammenhalt sorgt. Eine Rolle, die den 52-Jährigen scheinbar nur bedingt ausfüllt: Mit ,Earth‘ legt er sein Solo-Debüt nach 29 Jahren Bandzugehörigkeit vor – ein brasilianisch-britischer Soundclash.

Eigentlich sollte Edward John O´Brien, wie er vollständig heißt, Mitte März in Nordamerika weilen, um erste Solo-Konzerte zu bestreiten. Doch die Tournee muss nach einem halben Dutzend Shows wegen der Coronavirus-Pandemie abgebrochen werden. Der 1,96-Meter-Mann aus Oxford fliegt daraufhin nach Paris, um erste europäische Interviews zur Veröffentlichung seines Alleingangs ,Earth‘ zu geben – und infiziert sich prompt selbst.

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Jetzt ist er zu Hause in Wales unter selbstauferlegtem Hausarrest, aber es geht ihm so gut, dass er zumindest telefonieren kann und dabei auch keineswegs krank klingt. Im Gegenteil: Der Radiohead-Gitarrist erweist sich als munterer, redseliger Gesprächspartner. Zwar spricht er nur ungerne über seine Stammformation, die sich seit ihrem neunten Album ‚A Moon Shaped Pool‘ eine Auszeit gönnt, aber umso lieber über Singvögel, ungewöhnliche Gitarren, seinen Brasilien-Trip, sein Leben als Nachbar von Robert Plant und seinen Solo-Einstand ,Earth‘ – in wahlloser Reihenfolge.

Ed O’Brien mit Gitarrist Dave Okumu bei den Recordings (Bild: Universal)

Ed, was hat dich nach 29 Jahren Radiohead dazu veranlasst, ein Solo-Album zu veröffentlichen? War dir angesichts der Auszeit, die sich die Band aktuell nimmt, langweilig?

Es war das komplette Gegenteil von Langeweile: Ich habe mich so inspiriert gefühlt, wie selten zuvor. Und das sind die Songs, die ich im Laufe eines Jahres geschrieben habe, also 2013-2014. Sie sind mir einfach so zugeflogen – aus dem Nichts. Warum das passiert ist, weiß ich nicht. Es hat wohl damit zu tun, dass ich schlichtweg Zeit dazu hatte.

Mein erstes Kind wurde 2004 geboren, und das hat mein Leben enorm verändert. Es war, als wäre da eine regelrechte Liebesbombe hochgegangen und plötzlich waren meine Kinder und meine Frau viel wichtiger als Radiohead. Wenn ich mich nicht mit der Band befasst habe, dann habe ich mich vor allem um meine junge Familie gekümmert. Doch je älter Kinder werden, desto weniger Zeit verbringt man mit ihnen, weil sie die Schule besuchen und anderen Aktivitäten nachgehen. So ist es auch mir ergangen: Plötzlich waren sie älter, und ich hatte wieder mehr Zeit – zum Beispiel für die Musik. Von daher war es eine Mischung aus sich darum zu bemühen und zum ersten Mal im Leben richtig inspiriert zu sein.

Wobei der Ausgangspunkt ein zwölf Monate langer Aufenthalt in Brasilien war?

Richtig. Ich wollte ein Abenteuer mit meiner Familie erleben und eine Zeit lang in einem Land leben, das ganz anders ist als Großbritannien. Da meine Frau und ich eine Liebe für den südamerikani­schen Kontinent hegen und schon öfter in Brasilien waren, wollten wir da etwas tiefer eintauchen. Deswegen haben wir uns in einem abgelegenen Winkel des Bundesstaates Sao Paulo niedergelassen – auf einer Farm in Mata Atlantica, wo es kein Wi-Fi und kein Telefonsignal gab.

Unsere Kinder haben die lokale Dorfschule besucht, wo niemand Englisch gesprochen hat. Sie mussten also Portugiesisch lernen, was ihnen mit damals sechs und acht nicht schwergefallen ist. Für uns war das die Gelegenheit, mal aus diesem Hamsterrad auszubrechen, in dem man sich sonst immer bewegt. Ich kann mich eigentlich nicht beschweren: bei dem, was ich erlebt und erreicht habe. Nur: Mein Leben ist wahnsinnig stressig und schnell. Gerade weil ich lange in einer Stadt wie London gelebt habe, die unglaub­lich hektisch ist.

Also eine Art zivilisatorische Flucht?

Genau. Das dortige Leben hat sich auf das Wesentliche beschränkt. Nämlich auf Familie, Musik und Ernährung. Ich muss ehrlich sagen: Ich habe es geliebt. Ich hatte Klarheit und Ruhe. In Brasilien hatte ich endlich die Muße um herauszufinden, was ich als nächstes tun woll­te. Und ich hatte eben Lust zu schreiben, ohne zu ahnen, in welche Richtung das gehen würde. Als ich dort war, hatte ich eine Reihe von Eingebungen.

Eine basierte darauf, ,Screamadelica‘ von Primal Scream zu hören. Ein Album, das mich geradezu umgehauen hat. Ich dachte: „Das ist genau die Art von Musik, die ich machen möchte.“ Und die zweite hatte ich beim Karneval in Rio, …

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