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Interview: Die Krupps – Marcel Zürcher & Nils Finkeisen

(Bild: Vincente Cordero)

Mit ihrer druckvollen Mischung aus EBM, Industrial- und Groove-Metal gehören Die Krupps weiterhin zu den charismatischsten und ungewöhnlichsten deutschen Heavy-Metal-Bands. Die einstmals aus Düsseldorf stammende Formation ist mittlerweile auf unterschiedliche Städte und Länder verteilt.

Im November 2019 ist das neue Studio-Album ‚Vision 2020 Vision‘ erschienen, fast zeitgleich zogen Die Krupps auf groß angelegte Europa-Tournee. Gute Gelegenheit also, uns mit unserem neuen G&B-Autor Nils Finkeisen (NF) und seinem Kollegen Marcel Zürcher (MZ) bei einer Show im Oberhausener Kulttempel zu verabreden.

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Marcel und Nils, könnt ihr bitte zunächst einmal in wenigen Sätzen euren jeweiligen Weg in Die Krupps beschreiben?

MZ: Bis 2000 war ich eigentlich Schlagzeuger und spielte in Bands wie Abwärts oder Razzia. Mit der Gitarre habe ich erst 1999 begonnen. Dann lernte ich Jürgen Engler kennen und stieg als Live-Gitarrist in sein Krupps-Zwischending DKay.com ein. Als Folge dessen war ich auch 2005 bei der Krupps-Reunion als fester Gitarrist dabei und gehöre seitdem zur Band.

Seit 2015 dabei: Krupps-Gitarrist Nils Finkeisen (Bild: Matthias Mineur)

NF: Ich spiele seit meinem 15. Lebensjahr Gitarre, bin Autodidakt und hatte in meiner Laufbahn höchstens zwei oder drei Unterrichtsstunden. Allerdings habe ich im täglichen Leben permanent mit Gitarren zu tun: einerseits als Testberichtautor für Gitarre & Bass, andererseits, seit vielen Jahren, als „Händler des Vertrauens in Sachen Gitarren“ in Hamburg und als Gitarrentechniker für diverse international tourende Rock- und Metal-Bands. Zudem habe ich unter anderem bei Kingdom Come und der Hamburger Progressive-Post-Rock-Band Eden Circus gespielt. Marcel und ich kennen uns schon seit Beginn der 2000er. Im Sommer 2014 habe ich ihm bei zwei Festivals als Gitarrentechniker geholfen. Auf dem Heimweg vom ‚M’era Luna‘ wurde damals schon – nennen wir es mal: konspirativ – gesprochen, seit 2015 stehen wir zusammen auf der Bühne.

Seit 2005 bei Die Krupps: Gitarrist Marcel Zürcher (Bild: Matthias Mineur)

Wie man an euren Gitarren erkennen kann, bevorzugt ihr unterschiedliche Sounds.

MZ: Für mich muss eine Gitarre in erster Linie gut aussehen und groß sein. Ich bin fast zwei Meter, da würden Les Pauls ziemlich mickrig wirken. Deshalb spiele ich auf dieser Tour jeweils eine Gibson- und eine Epiphone-Explorer sowie eine DeArmond Starfire. Natürlich klingen diese Gitarren auch sehr gut, speziell über Marshall-Amps. Ich habe schon diverse Verstärker getestet, von Mesa/Boogie über Hughes & Kettner bis ENGL, bin aber immer wieder bei Marshall gelandet. Weil: einfach zu bedienen, klingen gut, sind immer sofort da, funktionieren.

Bist du auf einen bestimmten Marshall-Typ festgelegt?

MZ: Eigentlich nicht. Zurzeit spiele ich den vierkanaligen JVM 410, mit drei Einstellungsmöglichkeiten pro Kanal, womit ich ausreichend bestückt bin. Ansonsten gefällt mir auch der Marshall Silver Jubilee ausgesprochen gut.

(Bild: Matthias Mineur)

 

Nils, du sitzt diesbezüglich quasi direkt an der Quelle. Worauf schwörst du?

NF: Ich hatte in meinem Leben bereits an die 50 Amps, doch ab einem gewissen Punkt entdeckt man nicht mehr allzu viel Neues, sodass nur acht übrig geblieben sind: Mesa/Boogie MK V, ein Diezel VH 4, von dem ich großer Fan bin, mein hervorragend klingender Laney GH 100R, den ich immer mit auf Tour habe, ebenso wie den Fryette D120 Deliverance. Den habe ich auch auf dem neuen Krupps-Album gespielt und will jetzt schauen, was der live kann, um direkt nach der Tour einen fundierten Testbericht schreiben zu können. Eigentlich war meine Entdeckerphase vor zehn Jahren abgeschlossen. 2019 gab es allerdings zwei spannende Entdeckungen: den mehrkanaligen Friedman BE 100 Deluxe und den BluGuitar Amp 1 Iridium, den ich auch auf dieser Tour dabei habe und mit dem ich vor allem die anstehen­den Shows in England spielen möchte.

Zürchers Laney-Ironheart-Head ...
... und Nils' Laney GH 100R

Darüber hinaus hast du auch einige Effektpedale auf der Bühne.

NF: Du hast ja gerade schon das Aclam-Pedalboard gesehen, auf dem man schnell ein paar Stompboxes austau­schen kann, wenn man etwas Neues aus­probieren möchte. Ich finde, dass man sich bei Pedalen nicht festlegen muss. Es macht Spaß, neues Equipment auf die Bühne zu stellen und herauszufinden, wie es im Band-Kontext klingt. Heute beim Soundcheck ist auf dem Pedalboard ein Kingsley Page gelandet, morgen teste ich den Kingsley Serf, übermorgen ein neues Noisegate von Lichtlaerm. Momentan liegen knapp 20 Pedale in meinem Tour-Case, die alle ausprobiert werden wollen.

Nils' Pedalboard mit Strymon Zuma, TC Electronic 3rd Dimension Chorus, Moog MF-Delay, Kingsley Page, Fortin Zuul Noise Gate & Line 6 Relay G10S
Marcels Bord mit Electro-Harmonix Polychorus, POG 2 und Holy Stain, Boss ME 50 und ISP Decimator

Habt ihr auch im Studio mit regulären Verstärkern gearbeitet? Oder eher mit PlugIns?

NF: Im Studio waren es Marcels Marshall JVM 410, ein wenig Laney GH und ziemlich viel Fryette. Aufgenommen haben wir bei Peter Keller, dem Gitarristen der Peter Maffay Band. Keller hat eine Men­ge eigenes Equipment beigesteuert, unter anderem ein Isolation-Cab mit fest installierten Mikrofonen, die in Phase laufen: Shure SM 57 und Sennheiser MD 421 oder MD 441, so ganz genau weiß ich das nicht. Ausschließlich Outboard-Gear, mit dem auch bei Maffay aufgenommen wird. Nichts mit PlugIns. Wir haben 20 Amps durchprobiert, bestimmte Kombinationen ausgewählt und dann die Gitarren aufgenommen.

MZ: Wir haben auch schon mal PlugIns getestet, stehen aber nicht darauf, denn es klingt immer ein wenig nach Plastik. PlugIns funk­tionieren bei Homerecording, aber bei einem offiziellen Album müssen es richti­ge Amps sein.

Wie ist bei den Krupps eigentlich die Aufteilung zwischen euch beiden?

NF: 90% des Albums hat Marcel einge­spielt.

MZ: Das liegt natürlich daran, dass ich bereits seit 2005 in der Band bin und seit­her auf allen Krupps-Platten die Gitarren übernommen habe. Nils kam erst 2015, hat auf dem neuen Album hier und da ein paar Soli gespielt und sogar einen Song beigesteuert. Wir nähern uns also an. (lacht)

NF: Ursprünglich bin ich als Live-Gitarrist dazugestoßen und war für kreative Out­puts gar nicht vorgesehen. Aber irgend­wie hat es sich dann so entwickelt, dass ich den Song ‚Wolfen‘ beisteuern konnte, eine Nummer, die ein wenig nach Ramm­stein und Metallica klingt, also nicht allzu Krupps-typisch. Ziemlich interessant, was Jürgen daraus gemacht hat. Ansonsten füge ich mich ins System. Die Krupps sind nicht nur eine Jürgen-Engler-Show, son­dern auch Marcels Baby, der viel mehr Zeit investiert als ich es könnte.

Wie sind eure Gitarren gestimmt, und mit welchen Tunings komponiert ihr?

MZ: Ich variiere zwar mitunter, je nachdem, was der Song benötigt, aber meistens spiele ich in D oder Drop-C. Früher habe ich mich gegen Drop-Tunings gewehrt, da sie mir zu einfach waren. Aber ich habe mich daran gewöhnt und mag mittlerweile auch den Klang. Ich spiele 51er-Saitensätze, jedenfalls dann, wenn ich sie bekomme, was gar nicht so einfach ist.

NF: Ich gleiche mein Tuning natürlich immer den jeweiligen Nummern an, spiele etwa 60 bis 70 Prozent in D-Standard, den Rest in Drop-C. Auf der aktuellen Tour gibt es allerdings auch eine Nummer in E-Standard und eine in E-Flat, zwei ältere Songs, bei denen offenbar keine Rücksicht auf die Befindlichkeiten der Gitarristen genommen wurde. Bei den Saiten halte ich es ähnlich wie Marcel, obwohl meine beiden Teles längere Mensuren als seine Explorer haben. Ich bevorzuge zumeist DR-Strings in .011 bis .050, allerdings muss man in Drop-C schon sehr genau spielen, da die Gitarren ansonsten schnell out of tune geraten. Für D-Standard sind die Saiten jedoch optimal. Und wenn der Hals exakt eingestellt ist, würden sie auch in E-Standard funktionieren. Insofern könnte ich das gesamte Set mit nur einer Gitarre spielen, wenn ich mir die Zeit zum Umstimmen nehmen würde. Meistens spiele ich meine 52er-Tele, die in baulicher Hinsicht eigentlich ein Puzzle ist und in ihrer Charakteristik nur wenig mit Metal zu tun hat. Die Tele hat einen 5-kOhm-Stegtonabnehmer, ist also sehr leicht gewickelt, klingt dementsprechend eher dünn und muss daher über den Amp fettgemacht werden. Dadurch habe ich einen schönen Gegenentwurf zu Marcels Sound.

MZ: So ergänzt es sich und fügt sich sehr gut zusammen, denn ich fahre einen basslastigen Sound, während Nils nicht ganz so verzerrt und eher mittig klingt.

Marcel, was machst du musikalisch, wenn bei Die Krupps nichts ansteht?

MZ: Schreiben. Irgendetwas komponiere ich immer. Außerdem habe ich eine Familie mit drei erwachsenen Kindern und mache das, was gerade ansteht. Aber die Krupps halten mich ganz schön auf Trab. Ich hätte gerne einen konkreten Tour-Plan für 2020, doch der fehlt momentan noch.

Apropos: Wie sehen eure Pläne für die kommenden Jahre aus?

MZ: Dadurch, dass Jürgen in Austin lebt, können alle Aktionen der Krupps immer nur im größeren Stil stattfinden. Als er noch in Düsseldorf wohnte, passierte deutlich mehr und viel spontaner. Das liegt natürlich auch am generellen Phänomen unserer Zeit: Plattenverkäufe gehen zurück, auch wenn Vinyl wieder im Kommen ist. Aber die Hochphase der Krupps war nun einmal in den Neunzigern. Schade ist nur: Die Krupps sind wirklich eine geile Live-Band. Das wissen anscheinend leider noch nicht genügend Leute.

NF: Genau. Wir wollen in den nächsten Jahren einfach noch mehr live spielen. Unsere Show ist ab der ersten Sekunde volle Granate Testosteron-gesteuert. Als Zuschauer bekommt man ein Brett um die Ohren, wie man es normalerweise nicht erwartet. Das ist es, was mich begeistert und nachhaltig bei der Stange hält: der Wille, live brutal auszuteilen und wirklich keine Kompromisse einzugehen. Die Band geht auf die Bühne, und es macht Bumm! Und es hört erst wieder auf, wenn die Show vorbei ist. Dazwischen gilt: Power, pausenlos!

Danke Marcel und Nils für das Gespräch, und alles Gute für die Zukunft!

(erschienen in Gitarre & Bass 03/2020)

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