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Mastermind & Teamplayer

Interview: Black Pumas & Adrian Quesada

(Bild: Adrian Quesada)

Eric Burton und Adrian Quesada bilden die Rockband der Stunde: Ein Duo aus Texas, das der musikalischen Tristesse der Gegenwart Tugenden wie Bodenständigkeit, Leidenschaft und Seele entgegenstellt. Kein Wunder, dass die beiden mit ihrem Debüt vom Sommer 2019 sowie ihren schweißtreibenden Live-Shows offene Türen eingerannt haben. Bald soll der Nachfolger erscheinen – und Adrian lässt im Interview zwei aufregende Jahre Revue passieren.

Der Mann im Halbdunkeln wirkt klein und unscheinbar. Die dicke Hornbrille sowie der überdimensionale Hut füllen fast den gesamten Bildschirm aus – und verbergen jegliche emotionale Regung des 44-Jährigen, der als Mastermind, Produzent und Gründer der Black Pumas gilt. Ein schüchterner, reservierter Zeitgenosse, der erst im Verlauf des Zoom-Gesprächs auftaut, dann aber eine durchaus humorvolle Seite von sich präsentiert.

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So etwa, wenn er verrät, dass er extrem nervös angesichts der 63. Grammy-Verleihung ist, bei der die Pumas für drei Auszeichnungen nominiert sind. Für ein Werk, das bereits zwei Jahre auf dem Buckel hat, mit einem Sound, den Quesada als „klassisch“ bezeichnet: Er kombiniert Soul, Rock und Folk in der Manier der späten 60er-Jahre, erinnert an Otis Redding, James Brown oder Sam Cooke, und setzt auf eine erdige Performance sowie Texte über Harmonie, Nächstenliebe und Einheit. Ein Ansatz, der mitverantwortlich für den Höhenflug der Pumas sein dürfte: Sie werden als eine Art Retter des Ehrlichen, Handgemachten und Bodenständigen gefeiert.

INTERVIEW

Adrian, vor den Pumas warst du Mitglied der Funk-Formation Grupo Fantasma, mit der du 2011 einen Grammy gewonnen hast. Was hat dich dazu veranlasst, überhaupt eine neue Band zu starten?

Nach zehn Jahren mit Grupo Fantasma wollte ich einfach etwas Anderes machen. Und da ich im Sommer 2017 gerade mal nichts zu tun hatte, fing ich an, an meiner eigenen Musik zu basteln. Im Herbst des Jahres habe ich dann Eric getroffen und wir haben die Pumas gestartet. Eine Band, wie ich sie mir schon immer gewünscht hatte.

Hast du eine Erklärung, warum ihr so schnell so erfolgreich geworden seid bzw. warum euer Debüt so durchgestartet ist?

Ich denke, es hat einfach damit zu tun, dass wir das exakte Gegenteil von dem sind, was gerade da draußen passiert: Nämlich eine Band, die etwas Klassisches und Zeitloses macht. Wobei wir es lustig finden, dass wir als Vintage- oder Retro-Truppe bezeichnet werden. Im Grunde sind wir einfach eine Band, die halt immer noch auf Gitarren setzt, die live spielt und die eine Menge Spaß hat. Das ist für mich nichts Altmodisches, sondern etwas ganz Normales. Und offensichtlich gibt es eine Menge Leute, die etwas damit anfangen können – die uns als eine gute Rock’n’Roll-Band sehen, die halt gerne Soul-Musik spielt.

Neben viel anderem Vintage-Equipment kommt auch eine Sony-Bandmaschine zum Einsatz. (Bild: Adrian Quesada)

Interessanterweise scheint ihr in Europa auf besonders viel Gegenliebe zu stoßen – noch mehr als in den USA. Wie kommt das?

Aus meiner Erfahrung würde ich sagen, dass das europäische Publikum tatsächlich ein bisschen offener und begeisterungsfähiger ist als das amerikanische. Gerade was neue Musik betrifft und nicht zuletzt Soul. Das war schon zu Zeiten von Jimi Hendrix so, weshalb er ja damals nach London gegangen ist. Eben weil Europäer ein bisschen progressiver denken.

Ihr habt – wie alle Bands – seit März 2020 nicht mehr live gespielt. Wie kommt ihr über die Runden?

Wir bemühen uns einfach, in dieser Zeit so viele kreative Dinge wie möglich zu machen. Wir haben Livestreams veranstaltet, Musik für Werbe-Trailer aufgenommen, die u. a. beim Superbowl liefen, wir haben neues Merchandise entworfen und eine neue Version unseres Debüts veröffentlicht – alles Sachen, die eine Menge Arbeit bedeuten, aber uns am Laufen und am Leben halten. Die dafür sorgen, dass es immer weitergeht. Man darf sich in einer solchen Ausnahme-Situation nicht hängen lassen.

Deshalb auch eine Neuauflage eures Debüts von 2019 – mit Covers, Outtakes und alternativen Versionen? Hattet ihr so viel Material auf Halde?

Zu dem Zeitpunkt schon. (lacht) Wir hatten so viele Coverversionen und Live-Mitschnitte, aber halt auch Songs, die es nicht aufs erste Album geschafft hatten. Das waren vier oder fünf Stücke. Und da wir das Gefühl hatten, den Leuten etwas zur Überbrückung der Wartezeit bis zum nächsten Album geben zu müssen, haben wir das Debüt noch einmal neu aufgelegt – mit anderem Artwork und unveröffentlichter Musik, die hoffentlich Lust auf mehr macht.

Wie weit seid ihr mit den Aufnahmen zum zweiten Album – wann rechnet ihr mit der Veröffentlichung?

Ich würde sagen, wir sind zu 20-25 Prozent fertig und hoffen, dass wir die Aufnahmen in diesem Sommer abschließen. Aber ob es dann im Herbst erscheint, kann ich nicht versprechen.

Welche Gitarren, Amps und anderes Gear verwendest du bei den Aufnahmen?

Ich würde unseren Sound als Soul-Musik bezeichnen. Deshalb kann ich mich Gear-technisch etwas einschränken. Schon auf dem Debüt habe ich vor allem einen Fender Deluxe Reverb benutzt. Also das Teil, das ich auch auf der Bühne dabei habe. Das ist mein Haupt-Amp, wobei ich eine Vintage-Ausgabe und ein Reissue davon besitze. Die Nachbauten sind ebenfalls ziemlich gut.

Adrians Amps: Hauptsächlich spielt er einen Fender Deluxe Reverb, neu dazugekommen ist ein Fender Princeton Reverb.
Adrians Amps: Hauptsächlich spielt er einen Fender Deluxe Reverb, neu dazugekommen ist ein Fender Princeton Reverb.

Für die Basic-Tracks verwende ich immer noch den Deluxe Reverb, einfach, weil er perfekt dafür ist. Aber um bei einigen Songs noch etwas mehr Farbe einfließen zu lassen, wechsle ich auch mal die Amps. Ich habe jetzt noch einen Princeton Reverb und einen kleinen Silvertone-Amp, der sich wunderbar für Fuzz-Sounds eignet. Den muss ich einfach nur bis zum Anschlag aufdrehen. Ein ganz kleines Modell mit 5 Watt.

Was Gitarren betrifft, spiele ich vor allem eine Fender Tele und eine Gibson ES-446 Semi-Hollowbody. Hinzugekommen ist eine Harmony Rocket, eine Hollowbody aus den 60ern, in die ich noch ein bisschen Arbeit stecken muss, um sie zu restaurieren. Sie klingt aber wunderbar.

Abgesehen von SG und Telecaster verwendet Adrian gerne (Semi-)Hollowbodys. (Bild: Adrian Quesada)

Auch bei den Pedals halte ich es bewusst simpel – mit Spring-Reverb und Tremolo. Ich habe wirklich etliche Tremolo-, aber auch Fuzz- und Overdrive-Pedale. Nur halt nicht viel anderes. Allerdings habe ich mit der heutigen Post noch zwei neue Pedale bekommen, die ich ebenfalls einzusetzen gedenke. Eines davon ist ein Stereo-Phaser – obwohl ich bei Gitarren eigentlich nie Stereo-Sounds benutze. Aber: Ich habe herausgefunden, dass sie bei einer Menge Soul aus den Mitt- und Spätsiebzigern zum Einsatz kamen und der Phaser-Effekt da ziemlich cool klingt. Insofern habe ich mir vorgenommen, zumindest ein bisschen damit zu experimentieren.

Bist du mittlerweile ein Gitarrensammler oder zumindest im Begriff, einer zu werden?

Ein bisschen. Ich bin dabei, mir langsam so etwas wie eine Sammlung aufzubauen. Bislang war es eher so, dass das meiste Geld, das ich verdient habe, direkt in Studio-Equipment geflossen ist. Deshalb hatten meine Gitarristen-Freunde auch immer mehr Gitarren als ich – weil ich sie mir halt nicht leisten konnte. Aber seit die Pumas so viel touren, habe ich die Möglichkeit, da ein bisschen mehr zu investieren.

Hast du so etwas wie eine Traumgitarre?

Ich fürchte, da muss ich passen. (lacht) Also es gibt keine spezielle Gitarre, die ich so verehre. Aber ich habe über die Jahre eine Vorliebe für Telecasters entwickelt – und mir gerade eine Fender Coronado zugelegt. Eine wunderbare Gitarre aus den späten 60er-Jahren. Und zwar in der Wildwood-Version, einer limitierten Serie, von der nur ein paar hergestellt wurden. Dafür hat man Bäume mit Färbemitteln besprüht – damit das Holz eine bestimmte Farbe annimmt. Genau daraus wurden dann die Instrumente gebaut – womit sie in den frühen 70ern schon wieder aufgehört haben. Davon habe ich mir eine zugelegt. Sie gelten als ziemlich rar.

Wie steht es mit einem Fender-Endorsement?

Das habe ich mittlerweile auch – und das sind die Vorteile, in einer erfolgreichen Band zu spielen. Ich meine: Jahrelang habe ich jeden Cent, den ich übrig hatte, in Instrumente investiert. Doch jetzt, da ich zum ersten Mal im Leben einigermaßen verdiene, bekomme ich sie umsonst, zumindest die neueren Modelle. Das ist schon irgendwie ironisch.

Wie kommt es eigentlich, dass in deinen Songs kaum Soli auftauchen? Oder hat sich das mittlerweile geändert?

Nein, das ist eher eine Sache für die Bühne. Wenn wir die Songs live spielen, improvisieren wir gerne und bringen sie auch mal ein bisschen freier. Ansonsten, wenn wir im Studio sind, ist es mir wichtiger, etwas zu machen, das den Song unterstützt. Ich muss auch nicht in jedem Stück ein Solo hören, das finde ich gar nicht wichtig. Aber live greifen wir schon darauf zurück.

Das Studio der Pumas
Das Studio der Pumas

Im Studio handhabe ich das eher nach Gefühl. Nach dem Motto: Wenn ich denke, dass ein Stück ein Solo gebrauchen könnte, baue ich auch eins ein. Wenn nicht, verzichte ich darauf. Wobei auf dem ersten Album durchaus ein paar kürzere auftauchen. Auch da war die Vorgehensweise: Wenn es den Song nicht fördert, verzichten wir halt darauf.

Gleichzeitig weist eure Musik ein starkes akustisches bzw. folkloristisches Element auf. Ein Indiz dafür, dass du von Gitarristen wie Neil Young, David Crosby oder James Taylor beeinflusst wurdest?

Ich denke, Eric und ich sind beide stark von Neil Young geprägt. Das hört man vor allem in Erics Stücken, die noch aus der Zeit stammen, bevor wir uns begegnet sind. Eben als er als Straßenmusiker unterwegs war und sich als Solist verdingt hat. Eine Menge davon haben wir auf dem ersten Album einfach übernommen, weil es noch so ein starkes Element war. Mittlerweile hat sich das ein bisschen ausbalanciert.

Wen würdest du, in gitarristischer Hinsicht, sonst noch zu deinen Einflüssen zählen?

In letzter Zeit habe ich mich vor allem mit vergessenen Gitarrenhelden befasst. Also nicht so sehr mit den gängigen, die jeder kennt, sondern vor allem mit dem Spiel von ein paar Soul-Gitarristen, die an vielen wichtigen Sessions beteiligt waren. Wie Cornell Dupree, der auf Tausenden von Alben von Aretha Franklin bis Donny Hathaway mitgewirkt hat. Ein unfassbar guter Rhythmus-Gitarrist, genau wie Steve Cropper, der überall seine Finger im Spiel hatte. Dann habe ich noch einen Typen namens Marv Tarplin entdeckt, der auf etlichen Motown-Sachen vertreten ist.

Er war ein Mitglied von Smokey Robinson & The Miracles, und seinen Kram finde ich, wie auch den der anderen, wahnsinnig gut. Aber wie gesagt: Ich mag Rhythmusgitarre und Sachen, die für sich stehen, aber in erster Linie den Song fördern – nicht so sehr das Ego des Spielers. Dann bin ich noch ein großer George-Harrison-Fan. Ich liebe die Art, wie er spielt – egal ob Rhythmusgitarre, seine Soli, sein Sound, seine Slide-Gitarre – alles von ihm.

Vielen Dank für das Gespräch!

(erschienen in Gitarre & Bass 06/2021)

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Wer ist Eric Burton? Oder meinten sie Eric Burdon?

    Auf diesen Kommentar antworten
    1. Eric Burdon gehörte in den 60ern zu den Animals: House of the rising sun, Eric Burton dagegen der Sänger von Black Puma, einem aktuell genialen Duett aus den USA… Mit besten Grüßen aus Obing in Bayern Dieter Lemken

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