Ibanez goes Bayern

Ibanez-Endorser Tom Riepls Signature Gitarre

Dass eine intensive Endorser-Pflege eine wichtige Rolle im Konzept von Ibanez spielt, ist keine Frage. Genauso klar scheint es, dass sich die Aktivitäten in diesem Bereich vor allem auf Künstler aus USA und Japan konzentrieren. So gibt es nur ganz wenige Musiker ausserhalb dieser beiden Länder, denen Ibanez ein Signature-Modell gewidmet hat bzw. die Zusammenarbeit angeboten hat, um ein Instrument zu entwickeln. Als bisher einziger Musiker aus unseren Breiten hält Tom Riepl im Lager der Signature-Adressaten die blau-weisse Flagge hoch – und das schon seit 1999.

Tom Riepl
(Bild: Dieter Stork, )

Tom Riepl ist nicht nur Autor der regelmäßig in Gitarre & Bass erscheinenden Kolumne Stringbound, sondern auch ein vielbeschäftigter Studio- und Live-Gitarrist, der ab und an auch erstklassige Solo-CDs mit Instrumentalmusik veröffentlicht.

Anzeige

Tom, wie ist es dazu gekommen, dass Ibanez dir anbot, ein Signature-Instrument zu bauen.

Eine Woche vor der Frankfurter Musikmesse 1999 wurde ich vom deutschen Ibanez-Vertrieb, der Firma Meinl, angerufen, ob ich zusätzlich zu meinem Engagement bei Rocktron auch als Aushilfe am Ibanez-Stand spielen könnte, da jemand ausgefallen sei. Zuerst war ich etwas zögerlich, da ich zu Ibanez-Gitarren bis dahin keinen rechten Bezug hatte, habe es mir dann aber schnell anders überlegt, denn Ibanez wollte auf der Musik messe ein neues E-Gitarren-Modell vorstellen, das zusätzlich mit einer Piezo-Brücke ausgestattet ist.

Das fand ich interessant und das hat mich gereizt. Zu diesem Zeitpunkt gab es nur einen Prototyp, und man wollte die Reaktionen der Leute darauf testen. Meine Show dauerte jeweils eine Viertelstunde, in der ich immer zwei Nummern gespielt habe: ‚Rio Funk‘ von Lee Ritenour und ‚Cayman Moon‘ von Brent Mason. Ich hatte diese beiden Stücke ausgesucht, weil sie akustische und elektrische Parts beinhalten, die man gut mischen kann.

Und das hat dann nicht nur den Zuschauern, sondern auch der Firma Meinl gefallen?

Ich denke schon, dass es auch den MeinlLeuten gefallen hat, obwohl ich nach dem ersten Tag etwas verunsichert über meine Musikauswahl war, da die anderen IbanezKünstler stets in Lichtgeschwindigkeit abjagten, während ich einen vergleichsweise relaxten Blues/Fusion-Mix zum Besten gab. Mir war jedoch ein sehr seriös wirkender japanischer Herr aufgefallen, der mir immer wieder zugeschaut hat, Fotos machte usw. Ich lernte ihn dann auch schon bald kennen: Es war Mike Shimada, der damals Leiter der R&D-Abteilung (Research & Development: Forschung & Entwicklung) von Hoshino, der Mutterfirma von Ibanez, war. (Anmerkung: In den 70er-Jahren lebte Mike Shimada in Paris und war maßgeblich für die Entwicklung und den Aufbau von Ibanez in Europa verantwortlich. In den späten Achtzigern wurde er in die USA versetzt, und war somit verantwortlich für den weiteren internationalen Aufschwung und die Popularität von Ibanez-Gitarren – natürlich gemeinsam mit einigen neugewonnenen Endorsern und Gitarren-Gurus wie Joe Satriani und Steve Vai.)

Ibanez
Schnittige Kurven, geflammte Decke und ein schräger Pickup: Tom Riepl Signature RG-PB-TOM (Bild: D. STORK, B. AMETSBICHLER)

Das war ja dann genau der richtige Mann …

Auf jeden Fall – und Mr. Shimada stellte sich als überaus freundlicher, gebildeter und offener Gesprächspartner heraus. Wir haben uns damals ausgiebig über die Instrumente und die Technik unterhalten. Ich hatte Mike vorgeschlagen, in diesem Jahr eventuell Workshops mit dem neuen Instrument in Musikgeschäften abzuhalten. Er hat dann spontan ein Meeting einberufen und sagte einfach kurz und knapp: „OK, wir machen jetzt ein Foto von dir für den Ibanez-Katalog, wir machen das jetzt offiziell und du wirst ein Endorser von uns. Und außerdem bauen wir dir jetzt deine eigene Gitarre.“

Was war deine erste Reaktion?

Ich glaube, ich wurde ziemlich blass … Ich habe das erst überhaupt nicht geglaubt, denn solch ein Angebot ist natürlich sehr ungewöhnlich. Signature-Modelle hatte Ibanez bisher nur für Musiker wie George Benson, Steve Vai, John Scofield, Lee Ritenour und andere Stars gebaut. Aber bei jemandem wie mir, der damals in keiner Band spielte und daher auch nicht so präsent war? Ich war einfach platt. Ich glaube im Nachhinein, dass ihm das, was ich bei der Messe-Vorführung gemacht habe, einfach gut gefallen hat. Und das ist eigentlich auch das Schöne an der Geschichte, eben dass es nicht über irgendwelche Beziehungen lief, sondern durch eine individuelle Darbietung von Musik entstand.

Wie sollte denn nun deine Gitarre aussehen?

Ich habe als erstes direkt gefragt, inwieweit ich meine eigenen Vorstellungen in diese neue Piezo-Gitarre einbringen kann. Die Antwort: „We build you everything. It will be a Custom-Shop-Guitar.“ Da konnte ich mich also frei entfalten. Als Korpusform war mir die bekannte RG-Form sowieso sympathisch, sodass ich mich gleich für sie entschied. Sie sollte eine intensiv gemaserte Ahorndecke bekommen. Wichtig war mir natürlich die Halsform, denn die breiten und flachen Profile schienen mir für meine Spielweise nicht so geeignet. Also bekam meine Gitarre eben einen dickeren Hals mit genau den Maßen, wie ich sie durchgegeben hatte. Die üblichen Griffbrettmarkierungen fehlen, nur am 12. Bund sind drei Perlmuttpunkte und am 24. mein Namenszug eingelegt. Hals und Kopfplatte sind mit cremefarbenen Bindings eingefasst, die Kopfplatte ist ebenfalls mit geriegeltem Ahorn furniert.

Stammen die Pickups von DiMarzio, wie bei vielen anderen Ibanez-Signature-Instrumenten auch?

Ja, aber es ist eine ungewöhnliche Tonabnehmerbestückung: Am Hals ein Classic PAF; in der Mitte ein aus klanglichen Gründen schräg eingebauter Singlecoil Class of 55 und am Steg sitzt ein ToneZone-Humbucker. Die Gitarre ist mit der Piezo-Vibrato-Einheit Double Edge bestückt, die in Zusammenarbeit mit Lloyd Baggs entwickelt wurde. Die Elektrik besteht aus einem Fünfweg-Schalter, wie er auch in der JEM zu finden ist, also mit Singlecoil-Schaltung der Humbucker in den Zwischenpositionen.

Und sie hat einen zusätzlichen „Tom-Solo-Switch“. Was ist das genau?

Den habe ich mir zumindest teilweise von der Steve-Morse-Gitarre abgeschaut. In der ersten Stellung macht dieser Toggle-Dreiweg-Schalter gar nichts, in der zweiten schaltet er grundsätzlich den Steg-Pickup zu, egal wo der Fünfwegschalter steht, und in der dritten Stellung, ganz nach unten, werden alle Pickups gemutet und nur noch der Steg-Tonabnehmer ist aktiviert. So kann man aus jeder Pickup-Position heraus direkt und blitzschnell auf den Steg-Humbucker schalten. Und wenn man die Zwischenstellungen des Fünfwegschalters mal nicht braucht, kann man den Solo-Switch wie einen Dreiwegschalter einer HumbuckerGitarre verwenden und quasi im Les-PaulModus spielen: der Fünfwegschalter bleibt hierbei einfach in der Halsposition, mit dem Solo-Switch in Mittelstellung schaltet man den Steg-Pickup dazu und mit dem SoloSwitch ganz unten hat man den Steg-Pickup allein. Feine Sache …

Gibt es getrennte Ausgänge für das Magnet-Pickup- und das Piezo-Signal?

Ja, es sind zwei Ausgangsbuchsen vorhanden, eine für den Piezo, eine für die magnetischen Pickups. Man kann aber auch wahlweise das Piezo- oder das magnetische Signal auf eine einzige Buchse legen, wenn man nur einen Amp mit dem Signal beliefern will; das Mischen beider Signale ist nicht möglich, denn im Mix-Mode würden sich Piezo- und magnetische PUs so stark beeinflussen, dass Phasen- und Frequenzauslöschungen entstehen würden. Die Gitarre hat zudem einen Volume- und einen Ton-Regler für die magnetischen Tonabnehmer sowie ein Volume-Poti für den Piezo-Pickup.

Wie lange hat die Konstruktion dieses Instrumentes gedauert?

Ende März 1999 habe ich mich mit Wolfgang Payerl zusammengesetzt; er ist beim deutschen Ibanez-Vertrieb Meinl für den Gitarren-Service zuständig. Wir haben einen Plan gezeichnet und auch festgelegt, wo und wie jeder Pickup eingebaut werden soll und wo der Solo-Switch hin muss. Aus Japan habe ich kurze Zeit später dann ein Fax zur Bestätigung bekommen. Ende September, also ein halbes Jahr später, war es dann soweit: Die Gitarre war in Deutschland. Sie ist wirklich bis auf die letzte Schraube so geworden, wie ich sie mir gewünscht habe.

Ist bisher mehr als nur dieses eine Instrument gebaut worden?

Genau in dieser Ausführung wohl nicht, obwohl damals in Deutschland für kurze Zeit doch einige dieser RGPB-Gitarren (PB = Piezo Bridge) angeboten wurden. Allerdings ohne den mittleren Pickup, ohne den Solo-Switch und mit anderen, schlankeren Halsmaßen.

Warum ist das Instrument wohl nicht in Serie gegangen?

Darüber habe ich mich vor längerer Zeit mal mit Mike Shimada per E-Mail unterhalten. Er meinte, dass es sich mit der ganzen Schaltung, dem schrägen Mittel-Pickup und dem Solo-Switch äußerst aufwendig gestaltet hätte, die Gitarre in Serie herzustellen und zu einem erschwinglichen Preis anzubieten. Der Verkaufspreis wäre dadurch viel zu hoch ausgefallen und die Gitarre wäre zu einem sehr speziellen Nischen-Produkt geworden. Das Projekt hätte vielleicht mit einem großen Namen wie Vai oder Satriani funktioniert, aber der Name Riepl war dafür einfach zu unbekannt. Allerdings bekundete Mike Shimada großes Interesse am Konzept und den Einsatzmöglichkeiten des Tom-SoloSwitch und deutete eine mögliche serienmäßige Verwendung in bestimmten Ibanez-Modellen an. Doch dann wurde Mike in eine andere Abteilung versetzt und die ganze Sache schlief langsam ein. Und so endete einige Zeit später auch mein offizielles Ibanez-Endorsement; doch der Kontakt zu Mike Shimada ist bis heute nicht abgebrochen und ich werde ihm immer für alles dankbar sein.

Spielst du deine Signature-Gitarre heute noch?

Ja, sehr gerne sogar. Aber hauptsächlich nur noch im Studio, oder zu Hause und nicht mehr bei Konzerten und Workshops. Dafür ist sie mir mittlerweile zu wertvoll, da sie lenen Schaltung bis hin zur Holzauswahl, Bespielbarkeit und Optik, funktioniert für mich auch heute noch. Ich hatte mir das damals schon ganz genau überlegt, es sollte kein trendiges und somit kurzlebiges Teil werden, sondern ein zeitloses Instrument, an dem man auch nach Jahren noch viel Freude hat. Und die hab ich mit dieser ganz besonderen Ibanez-Gitarre noch immer …

Dieses Interview stammt aus dem Gitarre & Bass Ibanez Special

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren: