70 Jahre und kein bisschen alt:

Happy Birthday Roger Glover!

Roger Glover live

Roger Glover wird Heute 70! Im Interview hat der Deep-Purple-Bassist und -Produzent  mit uns sowohl über seine Doppelrolle als auch über seine Spielweise gesprochen:

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Ist es schwierig für den Produzenten Roger Glover den Bassisten Roger Glover aufzunehmen?

Roger Glover: Nun, einen guten Bass-Sound aufzunehmen ist generell nicht ganz einfach. Das hat etwas mit Frequenzen zu tun, mit der Spielart, mit dem Equipment, mit der Musik …

.. und dem Zeitgeist, oder? In den Siebzigern konnte man auf Rock-Produktionen kaum Bass hören.

Roger Glover: Richtig. Und heutzutage, da man in der Lage ist, einen tollen Bass-Sound zu kreieren, ist er fast nicht mehr notwendig, weil kaum noch jemand Musik über eine hochwertige Anlage hört. Die meisten Kids hören sich die Sachen als mp3 an, wo der Sound zweitrangig ist. Oder zu Hause: Entweder dudelt da ein kleines Radio in der Küche oder man hört die Musik über winzige Lautsprecher des PCs. In der Jazz-Musik ist das etwas anderes: Ich habe gute Freunde, überwiegend Jazz- Fans, die sich für ihre Lieblingsmusik wirklich noch die Zeit und die Muße nehmen, außerdem besitzen sie das nötige Kleingeld, um ihre Alben zu Hause in voller HiFi-Qualität anzuhören. Aber dies ist heutzutage ja eher die Ausnahme.

Unabhängig davon, wie die Scheiben letztendlich konsumiert werden: Hat sich der Bass-Sound  von Produktionen über die Jahre verändert?

Roger Glover: Aber natürlich. Ich kann mich noch ganz genau an die Sechziger erinnern, als alle gut klingenden Alben aus Amerika kamen, zumeist waren es Motown-Produktionen. Mann, die hatten wirklich einen warmen, runden, satten Sound! Alles das, was damals in Europa und England entstand, also Rock und Blues und all diese Geschichten, basierte auf dem, was aus Amerika hier herüber wehte. Die Motown-Scheiben klangen fantastisch, hatten den perfekten Bass-Sound. Das was in England produziert wurde, klang dünn und schraddelig. Ich besaß damals kaum Geld und baute mir meine Boxen immer selbst, aber natürlich klangen die nicht im Entferntesten so wie das, was ich aus Amerika hörte.

Hat sich auch dein Bass-Spiel verändert?

Roger Glover: Ich hoffe doch!

Was ich meinte: Fordern heutige Rock- Songs ein anderes Bass-Spiel als vor 30 Jahren?

Roger Glover: Das kann man so eindeutig nicht beantworten, denn es ist abhängig vom Stück, von der Band und von der jeweiligen Besetzung…

…die sich bei Deep Purple durch den Ausstieg von Ritchie Blackmore und der Verpflichtung von Steve Morse gravierend verändert hat.

Roger Glover: Das ist es was ich meine: Bevor Steve Morse zu Deep Purple kam, fühlte ich mich lediglich als Schatten des Gitarristen. Durch Steve hat sich dies geändert, er ist ein fabelhafter Gitarrist, aber er war es gewohnt, mit Dave LaRue, dem Bassisten seiner Band Dixie Dregs, zu spielen, der ihm handwerklich das Wasser reichen kann. Ich bin nicht so technisch versiert wie er, sondern ein eher simpler und Rockorientierter Bassist. Ich sagte zu Steve: „Hör mal, du bist es gewohnt mit einem Bassisten zu spielen, der dir das Wasser reichen kann.

Ich kann dies nicht.“ Aber Steve hatte Geduld mit mir, er zeigte mir Dinge, die ich vorher niemals spielen konnte, und oftmals musste ich sie einfach nur zehn, fünfzehn Minuten intensiv üben und konnte sie dann spielen. Das hat mein Selbstbewusstsein natürlich enorm gesteigert. Steve ist ein wahrer Kumpel, der keinen der anderen Musiker blamiert. Und er half mir, er zeigte mir Dinge, die ich niemals zuvor in der Lage gewesen war zu spielen. Ich fühle mich heute mehr denn je als wichtiger Bestandteil der Band. Meine Parts sind mittlerweile Eckpfeiler der Songs, nicht nur eine Art Widerhall auf das, was die Gitarre vorgibt. Mein Bass komplettiert die Gitarre, das ist ein neuer Ansatz für Deep Purple.

Bist du als Musiker von Jahr zu Jahr immer besser geworden?

Roger Glover: Ich würde schon sagen, dass ich als Musiker und Bassist besser geworden bin, aber das müssen natürlich andere beurteilen. So etwas ist ja immer auch abhängig davon, wie man den Bass spielt, ob mit den Fingern oder einem Plektrum, ob auf einem E-Bass oder einem Fretless Bass. Jedes Instrument ist ein Kapitel für sich.

Du spielst abwechselnd mit Fingern und Plektrum? Aber nicht bei Deep Purple, oder?

Roger Glover: Im Rock-Bereich ist es natürlich schwierig, mit Fingern zu spielen. Die Präzision des Tons geht verloren, und damit auch ein Stück weit die Klarheit eines Songs. Mit dem Plektrum wird der Sound halt perkussiver, prägnanter, rhythmischer. Aber wenn ich mir zu Hause einen Bass schnappe, spiele ich fast ausschließlich mit den Fingern. Das macht mir besonders viel Spaß, zumal meiner Meinung nach Finger einfach mehr Persönlichkeit ausdrücken. Das gilt übrigens auch für bundlose Bässe mit ihrem tiefen, warmen und reichen Sound.

Deep Purple

 

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