Gitarren-Tuning

Gitarre stimmen mit selbststimmenden Systemen

Der ewige Gitarristentraum von einem sich selbstständig stimmenden Instrument wurde 1990 wahr, als die US-Firma TransPerformance (heute AxCent Tuning Systems) das erste elektronisch und per Motoren kontrollierte Self-Tuning-System präsentierte.

Nach wie vor hergestellt, ist es aufgrund seines Preises ausschließlich Großverdienern vorbehalten (inklusive Einbau beim Hersteller je nach Gitarrentyp werden ca. $ 3400 bis $ 5000 aufgerufen). Zwar bietet es u. a. 336 Tuning-Presets und 96 User-Speicher, erhöht allerdings das Gewicht der Gitarre extrem und verändert durch die umfangreichen Fräsarbeiten auch dessen Eigenklang.

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Erfolgreicher war dagegen das Tronical Powertune des Hamburger Gitarristen und Tüftlers Chris Adams, bei dem die Motoren in den Mechaniken-Gehäusen untergebracht sind, ein Akku die Versorgungsspannung über die Saiten an die Motoren liefert und die Steuerung von einem Controller-Poti übernommen wird.

Das zunächst für ca. € 899 angebotene und für Fender Strats und Teles erhältliche System wurde kurz darauf von Gibson übernommen und exklusiv auf der Robot Guitar (Les Paul Studio) angeboten, deren limitierte Auflage von 4000 Stück in Rekordzeit vergriffen war. Die optimierte aktuelle Version Min-ETune mit noch kleineren Tuner-Gehäusen und Vintagestyle Tulip-Knöpfen bietet Gibson derzeit auf verschiedenen Gitarrenmodellen an. Inklusive eines leistungsstarken Lithium-Polymer-Akkus, befindet sich die komplette Steuer- und Bedieneinheit zwischen den Mechanikgehäusen. Unter der Bezeichnung „TronicalTune System“ ist das Min-ETune in 14 unterschiedlichen Versionen für je € 299 im Handel erhältlich.

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Ausschließlich mechanisch arbeitet indes das Evertune Bridge System, das auf 6- und 7-saitigen VGS-Gitarren angeboten wird und ähnlich einem schwebend (floating) eingestellten Fender-Style-Vibrato agiert. Unterschied: Hier werden die sechs einzelnen Saitenreiter von jeweils einer langen Zugfeder in Position (Sweet Spot) gehalten.

Fingervibratos, -Bendings, übermäßig starken Druck auf die Saiten zwischen den Bünden, harten Saitenanschlag oder extreme Witterungs- und Temperaturschwankungen interpretiert das System als Verstimmungen, die durch die nachgebenden Federn präzise ausgeglichen werden. Für uneingeschränkte spielerische Ausdrucksmöglichkeiten bietet das Evertune die Bend- Stop-Justierung, die Vibratos und Bendings gestattet, alle anderen Unwägbarkeiten jedoch eliminiert – quasi eine Mischung aus Fixed Bridge und Floating Vibrato.

Denn zieht man bei einem schwebend eingestellten, traditionellen Vibratosystem eine Saite, sinken die Tonhöhen aller anderen. Genau das hat das Evertune voll im Griff. Wer zumindest temporär gänzlich auf die Auto-Tune-Funktion verzichten möchte, kann die Back-Stop-Einstellung nutzen, die das System komplett außer Betrieb setzt.

Für die digitale Variante des Auto-Tunings hat sich Peavey entschieden. In Kooperation mit Antares implantierte man deren erfolgreiche Tonhöhenkorrektur-Software in die AT-200 Gitarre. Neben den Tunings liefert das System auch zahlreiche Pickup- und Instrumenten-Models. Aus den Lautsprechern dringen somit ausschließlich digital erzeugte Klänge. Absolut überzeugend, auch die Dynamik betreffend.

Das Auto-Tune erkennt Tonhöhen automatisch und korrigiert diese nahezu latenzfrei. Die Software richtet sich nach A=440Hz Standardstimmung, gestimmt wird durch leichtes Anschlagen aller sechs (Leer-) Saiten. Um z. B. die Gitarre komplett einen Halbton tiefer zu stimmen, schlägt man alle sechs Saiten im 1. Bund an und drückt das Volume-Poti.

Die Auto-Tune-Software interpretiert dies als Verstimmung und korrigiert die Saiten entsprechend, fährt sie also via Modeling einen Halbton herunter. Für Drop-D würde man somit die E6-Saite im zweiten Bund drücken. Auch ein Open G ließe sich blitzschnell per Preset oder durch entsprechendes Greifen realisieren.

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Open Tuning: Gitarre stimmen mal anders

 

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