Album der Woche

Gipsy Kings – Tierra Gitana

Zugegeben – Flamenco-Pop, den die Gipsy Kings mit ihrem immensen Erfolg Anfang der 90er salonfähig gemacht haben, klingt heute nicht unbedingt sexy. Wer die acht Brüder (fünf aus der Familie Reyes und drei von Baliardo) jedoch ausschließlich auf den Strandhit ‚Bamboleo‘ oder die spätere Beimischung von Synthesizer reduziert, wird den Nachfahren von Kalé-Roma-Flüchtlingen, die während des Spanischen Bürgerkriegs nach Frankreich ausgewandert sind, nicht gerecht.

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Auch auf ihrem 96er Album ‚Tierra Gitana‘ hört man keineswegs klassischen Flamenco – hier werden ebenfalls Einflüsse aus dem mittleren Osten, Lateinamerika sowie Nordafrika in den Topf geworfen. Herausgekommen ist definitiv eines der besten Platten der Kombo. Dezente Streicher, Flöten, Bässe, Percussion und ja – sanfte Keyboard-Teppiche – lockern die Songs auf, die ansonsten aber voll und ganz im Zeichen von Gitarren und Gesang stehen. Das Beiwerk tut dem Album allerdings gut und sorgt für die nötige Abwechslung.

Puristen mögen hier bereits abgeneigt die Nase rümpfen – für die Mehrheit bleibt jedoch ein tolles Stück Musik, welches durch und durch Leidenschaft und Passion versprüht. Ohne wirklich auf fröhliche Dur-Melodien zu setzen, versprühen die Songs gute Laune und zwingen einen auf eine fast unwiderstehliche Weise die Hüften zu schwingen. Wen Nicolas Reyes im Opener ‚A Ti A Ti‘ mit den Zeilen „En pasen por la rambla/De la rambla de Barcelona“ eröffnet, wähnt man sich unmittelbar an eben jenem Ort und kann sich ein Grinsen kaum verkneifen.

Klar – die Gipsy Kings sind anno 2017 längst nicht mehr „in“ und werden von vielen eventuell sogar belächelt. Das ändert jedoch nichts daran, dass ‚Tierra Gitana‘ mit ihrer exzellenten Gitarrenarbeit, packenden Rhythmen und einer unbekümmert-sympathischen Grundstimmung ein perfektes Sommeralbum darstellt.

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